Persönliche Jahresplanung statt guter Vorsätze

Jetzt in der ersten Januarwoche ist noch die Zeit, in der sich viele Menschen Gedanken über das neue Jahr machen und überlegen, was sie im kommenden Jahr im Leben verändern möchten und welche Ziele neu hinzukommen.

Artikel die erklären, warum gute Vorsätze, wie man diese bei einem Glas Sekt zum Feuerwerk vor sich hinspricht nicht funktionieren, gibt es viele und ich möchte nicht näher darauf eingehen. Womit ich seit Jahren sehr gute Erfahrungen mache, ist es eine konkrete Jahresplanung zu erstellen, mit den wichtigsten Zielen für das kommende Jahr. Meist kommt es nie genauso wie geplant und sollte vielleicht auch nicht genauso kommen, dennoch kann ein systematischeres Nachdenken über die Ziele für das kommende Jahr ein hilfreicher Anker für die Prioritäten sein.

Ich möchte ein Vorgehen vorstellen, das sich dafür gut eignet und das Elemente aus den creaffective Kreativworkshops und Kreativitätstrainings aufgreift. Dieses Vorgehen haben wir auch im Rahmen von Strategieworkshops bei Kunden bereits erfolgreich eingesetzt.
Für die persönliche Planung hat das Vorgehen folgende Schritte:

  • Schritt 1: Wunschdenken
  • Schritt 2: Auswahl der zentralen Wünsche
  • Schritt 3: Anordnen und Clustern der Wünsche
  • Schritt 4: Beziehungen zwischen den Clustern einzeichnen
  • Schritt 5: Festlegen, um welche Art von Herausforderung es sich handelt
  • Schritt 6: Nächste Schritte planen

    Schritt 1: Wunschdenken

    Für den ersten Schritt nutze ich die Kreativitätstechnik des Wunschdenkens. Bei dieser Technik kommt das divergierende Denken zum Einsatz, d.h. es geht darum, erst einmal unzensiert alle möglichen Wünschen / Ziele / Herausforderungen, die einem einfallen, aufzuschreiben.

    Zum Beispiel:

    • „Ich wünschte, ich könnte mich regelmäßigem Sport gesund halten.“
  • „Ich wünschte, wir könnten im kommenden Jahr 2 Monate in einem anderen Land leben.“Bild 1 zeigt eine solche Liste (nicht lesbar). Ich habe mir dazu ca. 25 Minuten Zeit genommen und 40 Wünsche gesammelt.
    Bild 1: Wunschdenken

    Schritt 2: Auswahl der zentralen Wünsche

    Im nächsten Schritt geht es darum, aus dieser breiten Liste, die lohnenswertesten Ziele und Wünsche auszuwählen. Nicht alle sind gleich relevant und nicht alle können angegangen werden.
    Dazu gehen Sie Ihre Liste anhand von 4 Kriterien nacheinander pro Kriterium durch und markieren jede Aussage auf Ihrer Liste, die dem Kriterium entspricht. Sie gehen als erst die gesamte Liste einmal für das erste Kriterium durch und dann erst beschäftigen Sie sich mit dem nächsten Kriterium. Dieses Vorgehen wiederholen Sie für jedes Kriterium.
    Die Kriterien lauten:

    • Entscheidungsbefugnis
  • Motivation
  • Dringlichkeit
  • WichtigkeitIm Detail:
    • Entscheidungsbefugnis
      Haben Sie (zumindest teilweise) die Befugnis über Handeln und Nicht-Handeln zu entscheiden? Können Sie bestimmen, ob Sie den Wunsch angehen oder nicht.

    Um bei den obigen Beispielen zu bleiben:
    Vermutlich haben die meisten Menschen beim Thema „regelmäßig Sport machen“ Entscheidungsbefugnis. Daher schreiben Sie ein E für Entscheidungsbefugnis neben die Aussage.
    Beim Thema „zwei Monate in einem anderen Land leben“ ist dies von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als Unternehmer und Freiberufler habe ich diese Entscheidungsbefugnis. Als Angestellter müsste ich meinen Arbeitgeber mit ins Boot holen. Es gäbe aber zumindest teilweise Entscheidungsbefugnis und daher könnte ich auch hier ein E neben die Aussage schreiben.

  • Motivation:
    Hier geht es rein nach dem Gefühl. Haben Sie Lust, dieses Thema anzugehen, dieses Ziel zu verfolgen? Wenn ja, können Sie ein M für Motivation neben den entsprechenden Wunsch auf der Liste schreiben, erst einmal unabhängig davon, wo bereits ein E steht.
  • Dringlichkeit:
    Hiermit ist gemeint, dass innerhalb des nächsten Jahres eine Handlung erfolgen sollte, d.h. Sie sollten innerhalb des nächsten Jahres zumindest zu handeln beginnen.
  • Wichtigkeit:
    Für die persönliche Handlungsplanung ist dies das subjektive Gefühl der Wichtigkeit. Ist Ihnen das Thema wirklich wichtig? So wichtig, dass Sie es als eines von wenigen Themen auf Ihre Liste der zu erledigenden Handlungen setzen würden? Wenn ja, dann können Sie ein W für Wichtigkeit neben die Aussage schreiben.
    Die Aussagen, die alle vier Kriterien erfüllen, sind diejenigen die nun in die nächste Runde kommen. In meiner persönlichen Jahresplanung waren dies immerhin noch knapp 40%. Diese sind orange markiert.

    Schritt 3: Anordnen und Clustern der Wünsche

    In diesem Schritt habe ich jeden der orange markierten Wünsche (erfüllt alle vier Kriterien) auf ein kleines Post-it geschrieben und diese nun nach Gemeinsamkeiten kategorisiert und diese auf einem A3-Blatt angeordnet. Dabei haben sich fünf Cluster mit mehr zwei oder mehr Wünschen pro Cluster ergeben. Drei Wünsche sind einzeln stehen geblieben, da diese zu keinem der Cluster passen.
    Die Cluster habe ich dann mit einer Überschrift versehen, die den Inhalt des Clusters ausdrückt. Wenn Sie mehrere Wünsche zum Thema Weiterbildung ausgewählt haben, könnte dieser Cluster also die Überschrift „Weiterbildung“ erhalten.

    Schritt 4: Beziehungen zwischen den Clustern einzeichnen

    In diesen Schritt habe ich geprüft, ob es Beziehungen zwischen den Clustern / Wünschen gibt, ob also das Erreichen eines Ziels ein anderes unterstützt. Diese Beziehungen habe ich dann in Form von Pfeilen eingezeichnet.
    Wenn Sie einen Cluster haben, der lautet: „Mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen“ und einen Cluster „Eigene Bedürfnisse besser vertreten“ dann könnte der Cluster „Eigene Bedürfnisse besser vertreten“ Sie dabei unterstützten mehr Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen, weil Sie zum Beispiel konsequenter Nein sagen, wenn Sie wieder einmal um einen Gefallen gebeten werden, auf den Sie eigentlich keine Lust haben.

    Schritt 5: Festlegen, um welche Art von Herausforderung es sich handelt

    Dieser Schritt ist ganz zentral für die Umsetzung. Nicht alle Herausforderungen sind gleich. Es wird auf Ihrer Liste Wünsche geben, die Sie einfach nur tun müssen bzw. planen müssen. Wie sie es tun müssen ist jedoch klar. Es geht nur darum, dass Sie es tun. Man spricht hier von Tun/Planungszielen. „Jede Woche mindestens zwei Stunden Sport machen“ ist ein Beispiel hierfür. Hier kann es ausreichen, sich zwei Tage pro Woche zu definieren, an denen Sie jeweils eine Stunde joggen gehen.

    Bei anderen Themen wiederum ist nicht klar, was Sie tun müssen oder wie Sie vorgehen. Diese Themen bedürfen des weiteren Nachdenkens und kreativer neuer Ideen. Es handelt sich um Themen, die Kreativität zu weiteren Lösung benötigen. „Ich wünschte, ich könnte mir eine passive Einkommensquelle aufbauen, die ohne mein aktives Zutun monatlich ein paar hundert Euro einspielt“. Dies ist ein Wunsch den viele haben, bei dem jedoch für die meisten nicht klar ist, wie dieser umzusetzen ist. Eine von vielen Möglichkeiten könnte sein, ein Buch zu schreiben. Wenn Sie das wissen, dann ist vielleicht immer noch nicht klar, welches Buch und wie Sie das Buch schreiben sollten…

    Diese beiden Arten von Herausforderungen habe ich nun farblich auf meinem A3 Blatt eingetragen. Die rot markierten Themen stellen die Tun-Probleme dar, die blau markierten die Kreativ-Probleme.

    Bild 2: Cluster mit Beziehungen der Wünsche.

    Schritt 6: Nächste Schritte planen

    Nun geht es darum konkrete nächste Schritte festzulegen, was Sie nun tun werden, um auf die Erreichung der Ziele hinzuarbeiten. Bei den Tun-Zielen ist das relativ leicht. Bei den Kreativ-Zielen könnte ein erste Schritt lauten: „Mich zwei Stunden hinsetzen und Ideen entwickeln, wie ich das Ziel erreichen könnte.“
    Wie man nun hier vorgeht, wie man denkt, welche Techniken man sich zu Hilfe nehmen könnte, ist unter anderem Inhalt der creaffective Kreativitätstrainings.

    Das Bild (Bild 2) mit meinen Wünschen hängt nun gut sichtbar über meinem Schreibtisch, so dass ich jeden Tag daran erinnert werde.

    Das vorgestellte Vorgehen macht definitiv mehr Arbeit als die Vorsätze beim Glas Sekt. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert ist allerdings deutlich höher! Wenn es einmal nicht klappt ist sicherlich folgendes Motto hilfreich, das ich kürzlich in einem Buch über Zielfindung gelesen habe: „Ich lebe flexibel, konsequent und engagiert im Sinne meiner Ziele und ich bin zufrieden, ob ich meine Ziele erreiche oder nicht.“

    Viel Erfolg in 2012.

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