Innovationsworkshop – Methoden

Methoden für Innovationsworkshops gibt es viele. Wann sollte ich welche verwenden und warum? Ich zeige, wie wir einen Innovationsworkshop sinnvoll gestalten können.

Innovationsprojekte und Vorhaben sind ein längerer Prozess. Schrittweise werden dabei mehr oder weniger planbar Lösungen entwickelt, die dann in einen Markt eingeführt werden. Innovation ist heutzutage immer auch eine Teamleistung. Den einen genialen Innovator, der alles allein macht, gibt es nicht! Innovationsworkshops sind daher immer auch ein Teil auf dem Weg zu etwas Neuem. Teams müssen manchmal zusammenkommen, um gemeinsam konzentriert am Thema zu arbeiten. Diese Arbeit zu strukturieren leistet ein guter Innovationsworkshop.

Was genau ist ein Innovationsworkshop?

Ein Workshop ist eine moderierte, stark strukturierte und methodisch unterstützte Form der Besprechung. Workshops dauern mindestens einen halben Tag, oft jedoch auch zwei oder sogar drei Tage, in seltenen Fällen bis hin zu einer Woche. Die Themen, die in einem Workshop behandelt werden, sind deutlich komplizierter und komplexer als in den meisten Besprechungen. Daher dauern sie auch länger. Ein Innovationsworkshop ist ein spezieller Workshop mit dem Ziel, Fortschritte an einer Innovationsfragestellung zu machen. Dies kann bedeuten Ideen zu entwickeln, Ideen zu Lösungen auszuarbeiten oder Lösungen iterativ zu verbessern.

Bei Innovation geht es um die Schaffung von etwas Neuem und es ist immer Ungewissheit im Spiel. Diesen besonderen Prozess können wir aber methodisch unterstützen! Auch wenn es sehr verlockend ist, sich im Methoden-Dschungel zu verlieren: Methoden sind immer nur Mittel zum Zweck, nie Selbstzweck. Der konkrete Zweck des Workshops ist zentral und der Innovationsworkshop muss dem Zweck entsprechend methodisch vorbereitet werden.

Ich erwähne das so explizit, weil wir von creaffective immer wieder Anfragen von Unternehmen bekommen, die bereits methodisch festgelegt sind. Oft stellt sich im Gespräch heraus, dass für den Zweck eines geplanten Innovationsworkshops methodisch ein anderes Vorgehen angemessener wäre.

Woran entscheidet sich die Auswahl der Methoden für einen Innovationsworkshop?

Es gibt zwei zentrale Kriterien, die die Methodenauswahl beeinflussen:

  • welche Art der Innovation wird angestrebt?
  • welche Art von Ergebnis suchen wir?

Grob gesagt gibt es zwei Arten von Innovation: Bei der inkrementellen Innovation handelt es sich um eine Veränderung im Grad des Neuen. Eine bestehende Welt wird erweitert und verbessert. Die Ungewissheit ist überschaubar.

Wir nehmen ein bestehendes Problem als gegeben an und suchen nach neuen und besseren Wegen, es zu lösen. Ein Beispiel sind Glühbirnen, die wir heute schrittweise immer weiter verbessern und stromsparender gestalten.

Bei der radikalen Innovation handelt es sich um eine Veränderung grundlegender Art. Wir erschaffen eine neue Welt mit neuen Möglichkeiten. Die Ungewissheit ist hoch. Wir starten womöglich mit einer völlig anderen Sicht auf die Welt, kommen zu einer anderen Betrachtung und Definition dessen, was wir als das „Problem“ annehmen. Daher werden die Lösungen auch deutlich anders aussehen. Ein Beispiel ist Einführung des ersten iPhones und die damit verbundenen Möglichkeiten mit neu entstehenden Märkten und Geschäftsmodellen.

Diese beiden Arten kann man sich wie ein Kontinuum vorstellen. Irgendwann wird ein Schwellwert erreicht, bei dem die Weiterentwicklung in eine neue Art mündet. Gleichzeitig ist die Glühbirne nicht aus der kontinuierlichen Verbesserung der Kerze entstanden!

Das zweite Kriterium beschäftigt sich mit der Art des Ergebnisses. Suchen wir nach einem neuen Produkt, einer Dienstleistung oder einem Geschäftsmodell? Handelt es sich um eine ausschließlich technische Fragestellung (zum Beispiel: ungewollte Plasmaphänomene in der Vakuumröhre vermeiden) oder spielen Menschen und deren Perspektiven eine Rolle (zum Beispiel: Mobilitätskonzepte der Zukunft entwickeln)?

Je nachdem, um welche Kombination der oben genannten Aspekte es sich handelt, ist ein anderes methodisches Vorgehen angemessen. Das Hauptkriterium ist die Art der Innovation, daran macht sich fest, welchen grundlegenden Prozess wir wählen sollten für einen Workshop.

Methoden für inkrementelle Innovation

Aus unserer Erfahrung fallen 80 – 85% aller Vorhaben in diese Kategorie.

Es geht also darum eine neue und bessere Lösung für ein bestehendes oder bekanntes Problem zu finden.

Hier bieten sich Formen von kreativen Problemlöseprozesse an, wie zum Beispiel dem Osborn-Parnes Modell der kreativen Problemlösung (CPS = Creative Problem Solving), dem Design Thinking oder dem von creaffective entwickelten Systematic Creative Thinking  (SCT) Modell (einer Verschmelzung der beiden Modelle).

In unserer Ausbildung zum Moderator für Innovationsworkshops bilden wir Menschen mittels SCT aus. Dadurch können die Teilnehmer in ihren Workshops eine große Bandbreite an Themen bearbeiten.

Die obigen drei Prozessmodelle geben damit den groben Ablauf vor und die Reihenfolge der Schritte. In der Praxis verläuft der Innovationsprozess auch im Workshop nicht durchgehend linear und wir müssen zwischen den verschiedenen Prozessschritten hin und her springen.

Die grundlegende Logik ist dabei grob immer:

  • Problem klären
  • neue Lösungen für das Problem entwickeln
  • Lösungen zur Umsetzung bringen

Denkwerkzeuge als Ergänzung der Prozessmodelle

Im Rahmen der Prozessmodelle können nun für jeden Prozessschritt angemessene Denkwerkzeuge oder Techniken zum Einsatz kommen. Dies können Denkwerkzeuge aus dem CPS sein, wie zum Beispiel das Netz der Abstraktion, SCAMPER oder Analogien. Besonders für technisch-konstruktive Fragestellungen können Denkwerkzeuge aus dem TRIZ interessant sein. Wenn die Nutzerperspektive eine besondere Rolle spielt, können Techniken aus dem Design Thinking wie Nutzerbeobachtungen und Prototyping nützlich sein.

In der Praxis ist es meist eine Vermischung verschiedenster Denkwerkzeuge, die ein erfahrener Facilitator für Innovationsworkshops gekonnt kombiniert.

In meinem Bestseller „Denkwerkzeuge der Kreativität und Innovation“ (aktuell in der 12. Auflage) beschreibe ich viele Denkwerkzeuge anhand der obigen Kreativprozess-Modelle.

Methoden für radikale Innovation

Manchmal streben Organisationen bewusst danach etwas im wahrsten Sinne des Wortes Bahnbrechendes zu entwickeln. Das ist die Minderheit. Auch deshalb, weil der hohe Grad an Ungewissheit, der hier zwangsläufig vorliegt, schlecht in die zwanghaften Planungslogiken der Unternehmen passt. Viele würden gerne, können aber aufgrund der definierten Prozesse, Sachzwänge und Strukturen schlicht nicht. Anstelle des nächsten iPhones entsteht die iPhone-Hülle.

Bei radikaler Innovation hinterfragen wir grundlegende Glaubenssätze und Kernannahmen und schaffen eine andere Sicht auf die Welt. Das Neue ist dabei immer eingebettet in Praktiken, Denkweisen und bestehenden Umwelten. Wir können es nicht losgelöst davon betrachten.

Zwei Beispiele:

  • Wir glauben, dass Kerzen durch Licht eine gewisse Stimmung erzeugen. Was wäre, wenn Kerzen eine Stimmung durch etwas anderes erzeugen? -> Yankee Candles. Stimmung wird durch Gerüche erzeugt, die die Kerze abgibt, während sie brennt.
  • Wir glauben, dass Schuhe dazu da sind, den Fuß vor dem Kontakt mit dem harten und unebenen Boden zu schützen. Was wäre, wenn Schuhe einen besonders guten und engen Kontakt mit dem Boden ermöglichten? -> Barfußschuhe ermöglichen ein Gefühl des Barfußlaufens und schützen den Fuß trotzdem vor Verletzungen.

Solche grundlegenden Veränderungen finden in der Natur auch ohne menschliches Zutun statt. Dabei sind die Veränderungen nicht zielgerichtet oder zweckgebunden. Es entsteht in Kombination mit der Umwelt eine neue Möglichkeit. Diese neue Möglichkeit ist nur in bestimmten Situationen überhaupt nützlich. Der ursprüngliche Zweck von etwas wird verändert oder blockiert und andere Einsatzgebiete entstehen. Federn zum Beispiel dienten den ersten gefiederten Tieren zum Schutz vor Kälte. Durch einige Mutationen konnten manche Tiere sie dann nutzen, um zu gleiten und letztendlich zu fliegen.

Wir sehen: Radikale Innovation enthält viel Ungewissheit und ist schwer planbar. Dennoch können wir den Prozess bewusst beeinflussen und beitragen.

Methodisch braucht es dabei allerdings etwas anderes als die oben genannten kreativen Problemlöseprozesse.

Folgende Vorgehensweisen können sich anbieten:

  • Reframing
  • Bedeutungsinnovation
  • Design Innovation Approach

Beim Reframing geht es darum die Ausgangssituation anders zu definieren. Ein Frame ist eine Hypothese über Ursache- und Wirkungszusammenhänge. Was + Wie = Ergebnis. Die meisten Vorgehensweisen der kreativen Problemlösung nehmen den Zusammenhang zwischen dem Wie und dem Ergebnis als gegeben an und überlegen sich ein anderes Was.

Bei Reframing stellen wir die Wirkungszusammenhänge und damit verbundenen Glaubenssätze bewusst in Frage und können dadurch dann zu ganz anderen Lösungen kommen.

Zwei Beispiele:

  • Eine Großstadt hat Probleme mit Gewaltanwendung und Streitereien am Wochenende in bestimmten Partyzonen in der Nacht. Das Frame, das die Stadt anwendet, ist eines der „öffentlichen Sicherheit und Ordnung“. Aus diesem Frame ergeben sich Glaubenssätze und naheliegende Lösungsansätze. (Die meist nicht funktionieren).Bei genauer Betrachtung der Situation kann man ein Reframe schaffen, das die Situation als ein Organisations- und Logistikproblem betrachtet. Mit dieser Weltsicht entstehen andere Lösungsansätze.
  • Ein Kunde von creaffective „betrachtet“ die regelmäßigen Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat als eine Art Basar. Die eine Seite möchte möglichst teuer verkaufen, die andere möglichst günstig einkaufen. Nun wird mit allen möglichen Tricks geschachert und verhandelt.
    In einem Workshop haben wir ein anderes Frame erarbeitet. Man könnte die Situation als einen ko-kreativen Prozess sehen, der die Zukunft des Unternehmens für alle Seiten sichert. Mit dieser „Weltsicht“ schließt man ein intransparentes taktierendes Geschacher aus und setzt stattdessen auf Transparenz und gemeinsame Verantwortung für das Ergebnis. Mit diesem neuen Frame werden nun andere Vorgehensweisen für beide Seiten denkbar.

Das Frame ist also nicht gegeben, sondern wir von Menschen immer gemacht. Meist sind wir uns dessen nur nicht bewusst und hinterfragen unsere Weltsicht selten.

Wer sich tiefer einlesen möchte, dem empfehle ich die Bücher „reframing“ und „frame innovation“.

Bei der Bedeutungsinnovation (nach Roberto Verganti) dreht man die Logik der kreativen Problemlösung gewissermaßen um. Anstelle eines von außen kommenden Problems, das es zu lösen gilt, geht man von einer von innen kommenden Vision oder neuen Bedeutung aus. Was glauben wir würden Menschen wertschätzen oder lieben? Diese neue Bedeutung steht im Kontrast zur bestehenden Bedeutung auf die Welt.

Die oben genannten Barfußschuhe sind ein Beispiel: Schuhe verändern somit ihre Bedeutung von einem Schutz-Instrument für den Fuß zu einem Kontakt-Ermöglicher für den Fuß.

Die Swatch-Uhren haben bei Ihrer Einführung eines neue Bedeutung geschaffen, was eine Uhr ist. Anstelle eines Zeitmessinstruments ist eine Swatch-Uhr eine Mode-Accessoire. Davon kann man bekanntlich mehrere haben und diese dann mit der Kleidung entsprechend kombinieren.

Ob diese neue Bedeutung anschlussfähig ist, müssen wir in einem bedächtigen Prozess des Kritisierens und Kontrastierens entwickeln. Interessierten empfehle ich einen eigenen Blogartikel zu diesem Vorgehen.

In einem Workshop mit einem creaffective Kunden ist so eine neue Bedeutung entstanden von einem Hersteller von industriellen Anlagen hinzu einem Lösungsbegleiter und übergreifenden Berater für bestimmte industrielle Fragestellungen.

Für Interessierte empfehle ich Vergantis Bücher „Design driven Innovation“ und „overcrowded“.

Der Design Innovation Approach ist weniger ein Prozess als ein Set von Praktiken und Prinzipien. Je nach Intention wird sich die Reihenfolge in der man diese Praktiken einsetzt verändern. Der Ansatz ist aus der Komplexitätsforschung inspiriert. Dabei unterscheiden die Autoren zwischen den Phasen Engage, Disclose, Deviate und Emerge.

Das Vorgehen gehört sicherlich zu den aufwändigsten Möglichkeiten sich radikaler Innovation zu nähern. Dabei versuchen wir bewusst bestehende Zwecke und Möglichkeiten zu blockieren und alternative Verwendungsmöglichkeiten zu finden und deren Anschlussmöglichkeit an die Welt zu testen. Ähnlich dem Beispiel der Evolution und der Entwicklung von Federn. Der Unterschied hier ist, dass wir Menschen co-kreativ in den Prozess eingreifen.

Symbolische Darstellung des Design Innovation Approach

Wer hier tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich das Buch Innovating Emergent Futures.

Jeder Innovationsworkshop hat seine Methode

Im Gegensatz zu den Vorgehensweisen der inkrementellen Innovation ist es bei der radikalen Innovation meist nicht mit einem Workshop getan an dessen Ende dann ein Konzept steht, das weiter in die Umsetzung gebracht wird. Aufgrund der hohen Ungewissheit wird es mehrere Runden mit viel Inkubationszeit brauchen. Außerdem braucht es eine hohe Offenheit alle Beteiligten sich auf den Prozess der Ungewissheit einzulassen.

Auch hier kommen Innovationsworkshop Methoden zum Einsatz. Der Charakter dieser Innovationsworkshops wird sich aber deutlich unterscheiden von denen der kreativen Problemlösung.

Wie heißt es doch so schön: „How you innovate is what you innovate“.

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