Was wäre, wenn die Politik die Grundprinzipien des kreativen Denkens anwenden würde?

„Was wäre, wenn…“-Fragen kann man einsetzen, um Wünsche, Ziele und Visionen zu finden. Die „Was wäre, wenn…“-Fragen ermöglichen es, erst einmal ohne Beschränkungen Neues zu denken, dieses vorstellbar zu machen.

Eine Frage, die mir nach drei Wochen Kreativitätstrainings und Innovationsworkshops hier in Asien gekommen ist, lautet: „Was wäre, wenn die Politik die Grundprinzipien des kreativen Denkens anwenden würde?“

Die Grundlagen des kreativen Denkens, die sich in der Einstellung eines Menschen ausdrücken muss und ohne die alle Kreativitätstechniken und systematischen Prozesses der Kreativität nutzlos sind, sind für mich folgende:

  1. Divergierendes Denken und konvergierendes Denken werden separat von einander angewandt. Das heißt erst werden Optionen entwickelt und erst wenn eine ausreichend große Anzahl entwickelt wurde, findet eine Bewertung statt. „Ja, aber…“-Diskussionen gibt es damit nicht mehr.
  2. Es wird erkannt, dass man, um gute Optionen zu erhalten, zuerst einmal viele Optionen generieren muss.
  3. Wahrgenommene Probleme werden als offene Fragen formuliert.
    Aus einer unkonstruktiven Feststellung, wie „das dauert zu lange“, wird eine offene und lösungsorientierte Frage, wie „Wir könnten wir die Umsetzung beschleunigen?“

  4. Neues wird mit einer positiven Einstellung bewertet, das zuerst wird der Mehrwert und das Potenzial gesehen, dann erst erfolgt der Fokus auf die „Probleme“. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung eines Themas und Neues hat eher eine Chance zu entstehen.

Was wären nun mögliche Konsequenzen, wenn die Politik (so wie sie in der Öffentlichkeit sichtbar ist) nach den Grundprinzipien des kreativen Denkens funktionieren würde.
Um dieses Thema möglichst ganzheitlich zu betrachten nutze ich de Bonos Denkwerkzeug PMI (Plus – Minus – Interessant).

Plus:

  • Es würde eine andere politische Kultur entstehen, die geprägt wäre vom Bestreben, ein konstruktives Ergebnis zu erhalten und nicht lediglich von der Interessensdurchsetzung.
  • Inhalte und nicht Rollen würden in den Vordergrund rücken. Es gäbe weniger ein Dafür und Dagegen, dass sich lediglich aus der Rolle Oppositionen oder Reagierungspartei erklären liese. Die Politik würde weniger „politisch“.
  • Populistische Stammtischparolen würden weniger werden.
  • Ergebnisse politischer Entscheidungsfindungsprozesse wären mehr als der kleinste gemeinsame Nenner.
  • Längerfristiges Denken, anstatt von Denken ausschließlich in Wahlperioden würde gestärkt.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass neue und ungewöhnliche Inhalte Gehör finden, würde erhöht.
    Entscheidungsfindungsprozesse würden erheblich beschleunigt.

Minus:

  • Für den Wähler wären die Profile der Parteien wesentlich weniger zu erkennen.
  • Wie könnte ein Profil von politischen Gruppierungen trotzdem sichtbar bleiben?
  • Die parlamentarische Demokratie, mit Entscheidungen geprägt durch Fraktionszwang würde eventuell nicht mehr funktionieren, da nicht die Parteizugehörigkeit, sondern der Inhalt eine stärkere Rolle spielen würde.
  • Wie lauten alle Möglichkeiten ein entscheidungsfähiges politisches System zu errichten dass auf Inhalten und nicht auf Parteizugehörigkeit basiert?
  • Wähler wüssten dann bei Wahlen möglicherweise nicht mehr, wen sie wählen sollen und die Wahlbeteiligung könnte sinken.
    Wie könnte die Wahlbeteiligung sichergestellt werden?

Interessant:

  • Es wäre interessant zu sehen, wie parlamentarische Entscheidungen künftig getroffen würden.
  • Es wäre interessant zu wissen, ob Parteien völlig in die Bedeutungslosigkeit versinken würden und lediglich die Wahlkreisabgeordneten eine Rolle spielen würde.
  • Es wäre interessant zu sehen, wie Wahlkampffinanzierung aussehen würde.
  • Es wäre interessant zu sehen, welche Auswirkungen eine solches politisches System auf die internationale Politik und globale Themen hätte.
  • Es wäre interessant zu sehen, was passieren würde, wenn jeder gewählte Politiker nach der Wahl zu einem dreitägigen Kreativitätstraining gehen würde.
  • Es wäre zu sehen, ob das Interesse an Politik wieder steigen würde.

Ja, was wäre wenn?
Fällt Ihnen noch mehr ein?

Beim Schreiben dieses Artikels haben nun richtig Lust bekommen, die Idee eines Kreativitätstrainings als Teil der Bildungskatalogs für Abgeordnete und andere politische Vertreter voranzutreiben 🙂

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