Ideen entwickeln – auf Papier oder digital?

In meinen Innovationsworkshops und Trainings zur systematischen Ideen-und Lösungsentwicklung wird jede generierte Idee normalerweise auf einen Post-It-Zettel geschrieben und für alle sichtbar an eine eine Stellwand oder ein Flipchart geheftet (Bild 1).

In einem darauf folgenden Schritt werden oft aus einer Vielzahl an Optionen die wichtigsten ausgewählt und daraus Cluster gebildet. (Bild 2). Dies lässt sich mit Klebezetteln gut bewerkstelligen, da diese ohne großen Aufwand umsortiert werden können. Ich empfinde diese als praktischer als Metaplankarten (keine Pinnnadeln) und natürlich wesentlich flexibler als das lineare Untereinanderschreiben von Optionen auf einem Flipchart.

Digitale Post-its?
Während des letzten Trainings kam wieder einmal die Frage auf, welche digitalen Möglichkeiten es denn gäbe, Workshopinhalte festzuhalten und zu strukturieren. Wenn es lediglich um das Festhalten der sich ansonsten auf Papier befindenden Ergebnisse geht, um z.B. während eines gemeinsamen Brainstormings Ideen digital festzuhalten, wäre es theoretisch auch möglich, alle Ideen untereinander in ein Textverarbeitungsprogramm zu tippen.

Hier besteht ähnlich wie beim untereinander schreiben der Ideen auf einem Flipchart das Problem, dass diese sich schlecht kategorisieren lassen.
Zwei visuellere und flexiblere Möglichkeiten, die ich gerne verwende, wenn ich alleine Ideen sammle, sind MindManager und VUE.

MindManager – erst Brainstorming, dann Mind Map
MindManager verfügt über den Brainstorming-Modus, der es ermöglicht, Ideen erst einmal unstrukturiert zu sammeln, um diese in einem zweiten Schritt, dann in einem Mind Map zu strukturieren. Wie das im Detail funktionieren kann, habe ich in meinem Artikel Mit MindManager effektiv Ideen entwickeln vor einiger Zeit beschrieben.

VUE – frei verschiebbare Notizen
Eine andere Möglichkeit bietet kostenlose Software Visual Understanding Environment (VUE)der Tufts University. Hier können auf einer großen Weißfläche eine beliebige Anzahl von Nodes angelegt werden, die auch optisch an Post-its erinnern (Bild 3). Diesen können dann kinderleicht gruppiert werden, indem diese in größere Nodes hineingeschoben werden (Bild 4), die als Behälter fungieren. Durch Pfeile lassen sich mit VUE dann sogar Affinitätsdiagramme erstellen (Bild 5), was ich sonst durch ein räumliches Anordnen von Papierclustern erreiche.

Der Clustering-Vorgang bei VUE lässt sich außerdem äußerst schick mit einem Wii-Mote System kombinieren. Dabei wird einen normaler Beamer mittels eines Nintendo Wii-Controllers und einem Stift mit Infrarot-Diode zu einem Smartboard umfunktioniert, d.h. ich kann die Inhalte an der Wand mit einem Stift manipulieren. Wie das funktioniert habe ich in Artikel Opensource Smartboards beschrieben. Wer die Kombination dieser Möglichkeiten in Aktion sehen will, dem empfehle ich das Video von meinem Freund Diego Uribe, ein Großmeister der digitalen Workshopmoderation.

Obwohl ganz einfach, für die meisten dann doch zu technisch! Deswegen landen wir nach wie vor bei den Post-its. Was bei all den technischen Möglichkeiten nicht vergessen sollte, das Schreiben von Post-its und das händische Gruppieren und Anordnen von Clustern auf dem Fußboden erzeugt eine andere Gruppendynamik und sorgt aus meiner Sicht für höhere Energielevel als die digitale Lösung. Und genau aus diesem Grund sind meine Workshops oft eine Mischung aus Visualisierung per PC und dem händischen Schreiben aller Teilnehmer. Viele Teilnehmer haben trotzdem den Eindruck, das ich mit ungewöhnlich vielen technischen Hilfsmitteln arbeite. Wie sagte doch neulich eine Teilnehmerin: „Ich habe selten einen Workshop erlebt, bei dem so viel Technik zum Einsatz kommt, die dann auch tatsächlich noch funktioniert.“

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