Hat Amazon das falsche Geschäftsmodell?

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amazon.com-Logo.svg

Ich bin ein großer Fan und bisher guter Kunde von Amazon.
Aus Konsumentensicht hat Amazon mein Leben erleichtert: Einmal durch den Amazon Kindle bzw. die Kindle iPad App und die Kindle Infrastruktur. Als Vielreisender habe ich meine Bücher immer dabei, muss keine kiloschweren Papierschinken mit herumschleppen, kann meine Bücher durchsuchen und auf dem iPad auch gleich die Notizen zu den Inhalten machen.

Zum anderen durch das Amazon Online-System. Es ist einfach, schnell, sicher und alles ist integriert. Ich muss als Käufer selten die Amazon Website verlassen, da ich mithilfe des Marketplace auch Zugriff auf andere Angebote habe. Meine Daten sind hinterlegt, ich muss nicht mit Passwörtern jonglieren und mir Gedanken um die Sicherheit machen.

Schließlich ist der Amazon Kundenservice phänomenal. Nicht nur, dass man eine Antwort auf alle Anfragen bekommt (dies ist leider überhaupt keine Selbstverständlichkeit), diese Antwort kommt extrem schnell ist immer freundlich und zuverlässig.

Auch aus der Brille eines Innovationscoaches bin ich ein Fan von Amazon:

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jeff_Bezos_2005.jpg

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon ist ein wahrlich innovativer Denker, der eine innovative Kultur des Experimentierens und schnellen Veränderns vom ersten Tag des Bestehens von Amazon geprägt hat. Amazon ist ein börsennotiertes Unternehmen und im Gegensatz zu vielen anderen denkt Amazon langfristig und ist bereit auf kurzfristige Gewinne zu verzichten, um die langfristige Strategie umzusetzen. Dies liegt wiederum an Jeff Bezos, der als Gründer eine andere Motivation als angestellte Manager hat und genug Mut hat für seine Vision einzustehen. Nachzulesen ist all das in Büchern wie „Innovator’s DNA„, „Seizing the white space“ und „Getting to Plan B“ (und schon wieder verlinke ich auf Amazon!).

Schließlich hat Amazon mit seinem Geschäftsmodell ganze Märkte umgekrempelt.
Ein Harvard Case Study zu Amazon zeigt wie anders das Geschäftsmodell im Buchhandel im Vergleich zu traditionellen Buchhändlern ist. Durch seinen schnellen Warendurchfluss und trotz geringer Margen hat Amazon im Schnitt 41 Tage bevor es seine Lieferanten bezahlen muss die Ware verkauft und kann mit dem eingenommen Geld arbeiten. Die traditionellen Buchhändler sitzen im Schnitt nach dem sie die Lieferanten bezahlt haben noch 78 Tage auf der Ware bevor sie diese verkaufen können.
Und Amazon ist längst nicht mehr nur Buchhändler.

Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon

Wie bei jedem Unternehmen gibt es eine Trennung zwischen der sogenannten „Performance Engine“, wo es um Effizienz geht und der Innovation, wo es darum geht Neues zu schaffen. Die Warenlager und Versandhäuser sind Teil der Performance Engine bei Amazon und es ist zu erwarten, dass die Arbeit dort weit weniger spannend und spaßig ist, als in anderen Bereichen bei Amazon.
Die vor zwei Tagen ausgestrahlte ARD Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ fand ich trotzdem schockierend.

Die Dokumentation zeigt die Umstände in der deutschen Vorweihnachtszeit von Amazon Leiharbeitern, die das Unternehme nutzt, um die großen Bestellmengen in seinen Warenzentren verarbeiten zu können.
Die Bedingungen die dort gezeigt werden erinnern allerdings mehr an die Tierzucht und sind absolut unwürdig. Sowohl hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, der Unterbringung, der nicht gewährten Privatsphäre der Leiharbeiter. Ein auch in den Unterbringungen anwesender Sicherheitsdienst lässt in der Tat den Eindruck eines „modernen Sklavenhandels“ entstehen. Das ganze ist keine Ausnahme, sondern hat System, zumindest deutschlandweit.

Ich selbst habe aus Jugendlicher einige Monate in einer Verpackungsfabrik gearbeitet und habe eine Vorstellung davon, wie monoton und unbefriedigend diese Arbeit sein kann. Die Umstände der Leiharbeiter bei Amazon sind jedoch aus meiner Sicht nicht zu verargumentieren. Weder Amazon, noch die Leiharbeitsfirmen waren für die Dokumentation zu einer Stellungnahme bereit.
Gibt das Geschäftsmodell von Amazon keine besseren Bedingungen her?
Das Geschäftsmodell von Amazon ist gekennzeichnet durch hohen Warendurchlauf, geringen overhead und geringe Margen. Mir ist wohl bewusst, dass es diese starken Schwankungen bei Bestellungen vor Weihnachten Amazon vor Herausforderungen in der Unterbringung und Zubringung von Arbeitern stellen und dass das deutsche Arbeitsrecht den Einsatz von Leiharbeitern fördert. Und trotzdem bin ich sicher, dass diese Zustände vermieden werden können und dass diese alles andere als alternativlos sind.
Wenn diese doch alternativlos sind – liebes Amazon-Team -, dann müsst ihr das Geschäftsmodell ändern und von Plan B zu Plan C innovieren! creaffective unterstützt euch gerne dabei!
Ich möchte weiterhin Amazon Kunde bleiben und bin gespannt, ob und wie sich die Situation 2013 verändert.

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