Mit einem internen Aktienmarkt für Ideen die Innovationskultur fördern

Gregory Berns beschreibt in seinem Buch „iconclast“ das Beispiel der amerikanischen Firma Rite-Solutions, die es geschafft hat, durch einen firmeninternen Online-Aktienmarkt seine Innovationskultur zu stärken, Zusammenarbeit und Engagement der Mitarbeiter sowie das Vertrauen der Menschen im Unternehmen zu stärken.
Die positiven Effekte beschreibt Firmengründer Jim Lavoie auf Mix Alpha

  • Starker Anstieg der Produktpipeline
  • Breitere Teilnahme der Mitarbeiter am Innovationsprozess
  • Revidieren der Annahmen über die Herkunft von Ideen
  • Eine Art Wärmekarte, die zeigt wo Energien und Leidenschaften für Innovation im Unternehmen liegen.

Jeder Mitarbeiter kann Ideen vorschlagen und weiter entwickeln

Auf dem firmeninternen Ideenaktienmarkt gibt es drei Indices:

  • Saving Bonds: Für Ideen zur Steigerung der Effizienz
  • Bow Jones: Bestehend aus Ideen, die bestehende Technologien nutzen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu generieren
  • Spazdaq: Ideen für neuen Technologien, die die Firma sich genauer ansehen sollte, die nach Meinung des Ideengeber Potenzial für die Zukunft haben

Jeder Mitarbeiter des Unternehmen kann einen Ideen-IPO initiieren. Die Hürden dafür sind niedrig. Folgendes wird benötigt:

  • Der Ideengeber verfasst einen Expect-Us, eine Art Steckbrief der Ideen in der einige Fragen beantwortet werden.
  • Der Ideengeber bekommt die Unterstützung eines Propheten im Unternehmen. Propheten sind eine Gruppe von Menschen bei Rite-Solutions, die von der Geschäftsleitung ausgewählt wurden. Dahinter steht die Zwei-Personen-Regel: Der Ideengeber benötigt mindestens eine weitere Person aus dem Prophetenkreis (dabei ist es egal welche), die die Idee unterstützt. Es gibt keinen komplizierten Genehmigungsprozess oder „Mörder-Boards“, Boards besetzt mit Managern, die Ideen schlachten, bevor diese eine Chance hatten, sich zu entwickeln.

Sind diese Bedingungen erfüllt, kann der Börsengang der Idee losgehen.

Mitarbeiter können dann in Ideen investieren

  • Jeder Mitarbeiter hat 10000 Dollar, die er an der Börse in Ideen investieren kann (Opinion Money)
  • Neben dieser ersten Art des virtuellen Geldes gibt es, eine zweite wichtigere Art: interest money. Wenn eine Ideen mit vielen Kommentaren, Anmerkungen und Kritik versehen wird steigt der Wert. Dazu gehören auch Mini-Aufgaben, die Mitarbeiter für den Fortschritt der Idee erledigen.
  • Schließlich gibt es die Investment-Phase, während welcher Mitarbeiter, reale Zeit investieren, um die Idee voranzubringen.

Genauere Details zur Funktionsweise dieses Ideenmarkt finden sich in einem NY-Times Artikel aus dem Jahr 2006, sowie einer 30-seitigen Fallstudie der Stanford Business School.

Erfolgsfaktoren des Ideenmarktes im Vergleich zu bestehenden Ideenmanagementsystemen in Deutschland

Das Mutual-Fun Konzept unterscheidet sich in wichtigen Punkten stark von den Ideenmanagement Systemen, wie sie in vielen Deutschen Unternehmen üblich sind. Aufgrund dieser Unterschiede, ist das System auch wesentlich erfolgreicher, da es berücksichtigt unter welchen Bedingungen Menschen neue Ideen und am Ende umsetzbare Lösungen entwickeln.
Das war nicht immer so, wie einer der Geschäftsführer in „iconoclast“ zitiert wird: „What we found when we were at a big company, was that we were very innovative at stopping innovation.

  • Unternehmensinterner Wettbewerb führt zu Wissenshortung statt Wissensteilung
    Es sieht paradox aus: Eine Aktienmarkt ist ein Symbol für Wettbewerb an sich, dennoch verhindert die Lösung von Rite-Solutions, dass sich die negativen Konsequenzen eines internen Wettbewerbs auswirken.
    Jeder Mitarbeiter hat von Tag 1 an Zugriff auf den Ideenmarkt. Jeder kann sehen, welche Ideen im Moment zu Diskussion stehen. Jeder kann virtuelles Geld investieren und an der Verbesserung der Ideen teilnehmen. Bei Mutual-Fun handelt es sich um einen Wettbewerb der Ideen nicht der Individuen! Menschen können gemeinsam daran arbeiten, eine Idee zu verbessern. Es gibt keine individuellen Prämien, die dem Urheber der Idee gutgeschrieben werden. Diese „faire Prämiengestaltung“ vieler BVW Systeme in deutschen Unternehmen führt dazu, dass Menschen wenig Anreize haben, die Ideen mit anderen zu teilen, bevor diese noch nicht fertig entwickelt wurde.

  • Sinnvolle Anreizsysteme
    Rite-Solutions belohnt individuell die Teilnahme an Mutual-Fun, nicht das Einreichen von erfolgreichen Ideen. Wichtig ist der spielerische Charakter der Plattform und der Spaß des Einzelnen sich zu engagieren und etwas voran zu bringen, nicht eine Prämie in Form von Geld. Mutual Fun spricht die intrinsische Motivation der Menschen an, was wesentlich nachhaltiger ist als reine Geldprämien.

  • Keine unmittelbare Bewertung der Idee
    Viele Ideenmanagementsysteme in deutschen Unternehmen funktionieren so, dass ein Mitarbeiter eine Idee in ein webbasiertes System eingibt und ein Gutachter diese im nächsten Schritt sofort bewertet und über Annahme bzw. Ablehnung entscheidet. Bei ausgearbeiteten Lösungen, ist das durchaus sinnvoll. Ideen sind jedoch meist noch keine Lösungen, sondern müssen weiter entwickelt werden. Daher ist eine Bewertung nach dem Hop oder Top Schema nicht sinnvoll. Der Ideen-IPO bei Mutual-Fun macht das System zu einer Ideenwachstumsplattform. Jetzt, nach dem IPO, geht die gemeinsame Arbeit an der Idee erst los. Damit wird die Chance erhöht, dass eine Idee vom gemeinsamen Wissen der Menschen profitieren kann. Der Fokus liegt also nicht auf dem Management von Ideen, sondern der Entwicklung von Lösungen.

  • Innovation als Ergebnis eines Teams
    Unternehmen haben heute eine Komplexität erreicht, in der es für einen Einzelnen alleine fast unmöglich ist, aufgrund seiner Kenntnisse, Lösungen zu erarbeiten. Mutual-Fun fördert die Vernetzung und die gemeinsame Arbeit an Ideen: „For instance, Lavoie and Marino observed that the people who really knew how to save money were the administrative people. They knew what tasks would benefit from automation. They just didn.t know how to do the automation. So, through Mutual Fun, they were able to enlist the help of code writers who could implement the change. The company receptionist, for instance, had launched a stock for a cost-savings idea.
    She described it and the concept of being an .inventor. with excitement and joy. She was obviously engaged in improving the company, and highly motivated by having her voice heard and her ideas considered and acted upon by the community.

Berns fasst in „iconoclast“ zusammen:
Mutual Fun reinforced the company culture in many ways. When a new employee joined the company, she was introduced to Mutual Fun on their first day at work, and encouraged to play.
Some were surprised at this, as it provided all new employees, regardless of position, with complete access to all the new ideas that the company was working on their first day at work. This immediately reinforced the basic value of trust, and the employee’s importance to the company’s future.

Das System ist so erfolgreich, das Rite-Solutions daraus ein eigenes Produkt entwickelt hat, das nun eines der Einnahmequellen des Unternehmens darstellt.

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