Warum es so schwer ist, neue Ideen und Alternativen zu finden

Wahrscheinlich hat es jeder schon einmal erlebt. Man ist auf der Suche nach einer neuen Idee oder einer Alternative zu einem bestehenden Vorgehen, aber irgendwie wollen die Ideen und Alternativen nicht so recht kommen.

Woran liegt das?
In vielen Unternehmen ganz klar am Stress und dem hohen Arbeitspensum. Wer am Ende des Tages froh ist, in seinem großen Aufgabenberg, die wichtigsten Dinge so einigermaßen abgearbeitet zu haben, der hat einfach gar keine Zeit, sich in Ruhe Neues zu überlegen oder auf innovative Gedanken zu kommen. Denn, das wussten schon die Philospohen der Antike: Man braucht Muße! Das ist keine Ausrede der hedonistischen Philosophie, sondern neurowissenschaftliche Tatsache!
Stress führt zu einem erhöhten Anstieg von Adrenalin in unserem Gehirn. In diesem Zustand sind wir in der Lage, effizient routiniert eingeübte Aufgaben zu erledigen. Dies sieht man immer wieder in Krankenhäusern oder auch bei der Feuerwehr. Das ist sehr wichtig, aber die Betonung liegt hier auf routiniert, man könnte auch von eingefahrenen Bahnen sprechen. Neue Lösungen (neue Denkbahnen) und Ideen sind in diesem Moment nicht gefragt und geistig auch nur schwer möglich.
Neue und ungewöhnliche Gedanken kommen den meisten Menschen, wenn im Gehirn die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden, die entstehen meist in einem Zustand von Entspannung und Freude. Auch das kennen viele Leute: Die besten Ideen kommen meistens nicht am Schreibtisch, sondern abends auf dem Sofa, beim Sport oder kurz vor dem Einschlafen.
Ein Ansatzpunkt, um Neues zu entwickeln ist daher ganz einfach Zeit, Entspannung und eine andere Umgebung mit anderen Eindrücken. Hierzu empfehle ich einen Artikel, der kürzlich in der ZEIT erschienen ist.

Zum anderen liegt es an einer weiteren Funktionsweise unseres Gehirns: Es werden vor allem die Neuronen verstärkt, die bereits besonders stark ausgeprägt sind. Prof. Manfred Spitzer benutzte in einem Vortrag einmal das Bild von einem Trampelpfad in einem schneebedeckten Park zwischen der Glühweinbude und der Toilette. Es gibt einen Pfad und alle Leute nutzen diesen, je mehr ihn nutzen, desto fester und größer wird er. Etwas ähnliches findet in unserem Gehirn statt. Das Denken bahnt sich gerne den Weg durch bereits bestehende Pfade.
Edward deBono spricht vom Gehirn als ein sich selbst organisierendes und selbst verstärkendes Mustersystem. Er benutzt das Bild von einer Schüssel gefüllt mit Gelatine. Wenn man in diese Schüssel aus einer gewissen Höhe eine Metallkugel hineinfallen lässt, dann wird diese etwas in die Gelatine einsinken. Wenn ich nun aus der gleichen Position erneut eine Metallkugel fallen lasse, dann wird diese dem vorgegebenen Pfad der ersten Metallkugel folgen und diese noch tiefer in die Gelatine drücken und damit den Pfad vertiefen und verstärken.
Und genau das passiert beim Denken. Unser Denken ist von Wahrnehmung bestimmt und folgt fast ganz automatisch vorgegebenen Mustern und verstärkt diese dadurch. Um nun bewusst, diesen Prozess zu durchbrechen, hat deBono eine Reihe von Denkwerkzeugen entwickelt, mit denen man ganz gezielt durch das Verändern der Wahrnehmung bestehende Bahnen verlässt und somit eher auf neue Ideen oder zu alternativen Ansätze kommt oder auch einfach ein Problem wirklich ganzheitlich betrachtet.
Am Beispiel der Ideenfindung kann das ganz simpel mit Hilfe eines Zufallswortes passieren. Man versucht dabei zwischen dem Zufallswort und dem Thema eine Verbindung herzustellen und so über einen anderen Weg zur Lösung zu kommen.
Oft genial einfach, aber einfach genial!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Newsletter

Social Media
Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder XING. Wir veröffentlichen zudem regelmäßig auf Medium.com.