Methodenkongress – Teil 1

Das Wichtigste in Kürze:

  • Transfer von Wissenschaft in die Praxis erfolgt zu langsam
  • Wir lernen Details und Einzelheiten nur schlecht, unser Gehirn sucht nach Regeln und Mustern
  • Stress und Angst verhindern das Lernen und zerstören Kreativität
  • Positive Emotionen und Lernen hängen systematisch eng zusammen

Unter dem Motto „vom Wissen zum Handeln“ fand am 01. und 02. Dezember der Münchner Methodenkongress statt. Zwei Tage lang weihten die Vertreter der Wissenschaft aus Neurobiologie, Pädagogik und Psychologie die Praktiker in Form von Vorträgen und Workshops in die neusten Forschungsergebnisse ein. Ziel der Methodenkongresse, die an sechs Stationen in ganz Deutschland stattfanden, ist es, das Wissen und die Erkenntnisse in die Praxis, d.h. an die Schulen, Universitäten und Unternehmen zu bringen, um es dort anzuwenden und umzusetzen.
Egal ob Student, Mitarbeiter, Dozent oder Führungskraft, wir alle sind Lernende und manchmal auch Lehrende. Um mit der Vielfalt der sich ständig wechselnden Medien und der damit verbundenen Informationsflut umgehen zu können, brauchen wir geeignete und wirkungsvolle Methoden, das Wissen zu vermitteln und aufzunehmen.

Manfred Spitzer: „Deutsche sind Weltmeister im Trennen von Müll und Kindern“

Den Auftakt machte Manfred Spitzer, Gründer des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm und wohl der in der Öffentlichkeit bekannteste deutsche Neurowissenschaftler. In seinem Vortrag Gehirnforschung und Lermmethodik ging er vor allem auf die neurobiolgischen Grundlagen des Lernens ein.
Die Hirnforschung und die Pädagogik haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, die leider gar nicht oder nur viel zu langsam in der Praxis ankommen; mit negativen Konsequenzen, wie Spitzer fürchtet: „Wenn der Transfer nicht klappt, dann nähen wir in 20 Jahren die T-Shirts für die Chinesen.“

Unser Gehirn ist eine Lernmaschine, wir lernen also immer, die Frage ist nur, was wir lernen und ob wir das lernen, was gerade von uns verlangt wird. Unser Gehirn ist grundsätzlich schlecht auf das Lernen von Einzelheiten oder Details eingestellt, ganz einfach deshalb, weil sich das Auswendiglernen von Details in der Evolution als nicht überlebenswichtig herausgestellt hat, sondern eher Ballast darstellt und daher meist genauso schnell wieder vergessen wird, wie er für Prüfung gelernt wurde. Das zeigte sich eindrucksvoll daran, das fast alle im Saal anwesenden Teilnehmer an einfachen Wissensfragen für die Grund- und Mittelstufe grandios gescheitert sind.
Unser Gehirn sucht vor allem nach Mustern und Regeln. Mit einem Verständnis von Mustern und Regeln kann man in den meisten Situationen adäquat reagieren, ohne Details wissen zu müssen. Wenn ich die Grammatik einer Sprache beherrsche, kann ich selbst Sätze bilden und komme nur mit Stichwörtern aus, die die wichtigsten Wissensinhalte repräsentieren. Es besteht keine Notwendigkeit, alle Sätze Wort für Wort aufzuschreiben oder gar auswendig zu lernen. Dieses Prinzip macht sich u.a. die Methode des Mind Mapping zu nutze.

Welche Faktoren beeinflussen nun das Lernen?

Nach Spitzer ist dies einmal die Wiederholung. Je öfter ich eine Sache wiederhole und übe, desto wahrscheinlicher bleibt diese in meinem Gedächtnis. Wer mit der Hand eine heiße Herdplatte berührt, muss das allerdings nicht mehrmals wiederholen, bis er es verstanden hat, dass dieses Verhalten unvorteilhaft ist. Wer sich Hals über Kopf verliebt, muss den Namen der/des Angebetete(n) meist auch nur einmal hören, um sich diesen merken zu können. Wenn Emotionen an einem Lernvorgang beteiligt sind, geht das lernen bedeutend schneller.
Der Schluss vieler Lehrer und Führungskräfte, dass unter Angst und Druck deshalb die beste Leistung erbracht wird, ist allerdings grundlegend falsch. Wer unter Angst und damit Stress lernt, behält zwar unter Umständen den Lerninhalt, speichert aber damit gleichzeitig die Angst mit ab. Immer wenn diejenige Person an den Inhalt denkt, steigt die Angst und das Stresserlebnis wieder mit hoch. Dies führt auf lange Sicht sogar zu einem beschleunigten Absterben von Gehirnzellen und ist damit doppelt negativ. Wenn unter Angst und Stress gelernt wird, wird jegliche Kreativität im Keim erstickt. Neue Ideen und Möglichkeiten entstehen so sich nicht, im Gegenteil, „Angst zerstört Kreativität.“ Daher Spitzers Seitenhieb auf das deutsche Schulsystem, das Kinder bereits in der Grundschule unter enormen Stress setzt, weil alle Schüler nach der vierten Klasse in eine Schublade sortiert werden. Ein anderer Referent drückte es folgendermaßen aus: „In Deutschland haben wir wahrscheinlich das schlechteste Schulsystem der Welt, trotzdem haben wir einige der besten Schulen.“

Freude – der Lernturbo

Genau den gegenteiligen Effekt haben positive Emotionen. Wird mit Freude oder positiven Emotionen gelernt, werden im Gehirn Glückshormone freigesetzt. Es wird das gleiche Zentrum im Gehirn aktiv, dass auch bei Drogensüchtigen während des Drogenkonsums aktiv wird. Immer dann, wenn wir beim Lernen Freude empfinden und positiv von uns selbst überrascht werden, wird das Frontalhirn aktiviert, das unser Arbeitsgedächtnis beinhaltet: Es wird gelernt, die Verhaltensweise, die uns gerade positiv überrascht hat, wird gespeichert! D.h. immer dann, wenn wir plötzlich etwas können, wenn etwas besser läuft als erwartet, wird diese Verhaltensweise gelernt. Diese Art zu lernen, hat früher das Überleben gesichert. Die Grundregel hierfür lautet daher: „Positive Emotionen und Lernen hängen systematisch eng miteinander zusammen.“

Im anschließenden Forum konnte Spitzers Ergebnisse in der Diskussion noch weiter vertieft werden. Ein wichtiger Punkt, der hier zu Sprache kam: Nicht nur der Lernende muss Spaß haben, sondern vor allem zuerst einmal der Lehrende. Wenn ich als Lehrer, als Trainer, als Führungskraft von dem was ich tue überzeugt bin, wenn es mich begeistert, dann kann ich diese Begeisterung auch auf andere übertragen. Andersherum gilt diese Kenntnis natürlich auch. Wenn ich selbst keine Lust habe, kann ich nicht erwarten, anderen etwas beizubringen.

Das Mind Map zum Vortrag von Manfred Spitzer (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

2 Kommentare auf “Methodenkongress – Teil 1
  1. Alvin Shi sagt:

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    Viele gruesse aus Shanghai

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