Das Schulsystem als Tal des Todes der Kreativität

Dienstag, 21. Mai 2013

Ken Robinson ist der am meisten gesehene Redner auf der TED Plattform. Zu recht, wie er auch mit seiner nun dritten Rede seit 2006 für mich beweist.
Wie auch in den beiden vorherigen Reden geht es um Robinsons Spezialgebiet: Unser weltweites Schulsystem und die fatalen Auswirkungen dieses Systems in den meisten Ländern auf die Kreativität und Zukunftsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen, die dieses System ertragen müssen.



Gleichzeitig lese ich im Moment das Buch "Anna, die Schule und der liebe Gott" des deutschen Philosophen Richard David Precht. Prechts Buch leitet seinen Titel aus einer Anekdote aus Ken Robinsons erster TED-Rede im Jahr 2006 ab und beschäftigt sich speziell mit dem deutschen Schulsystem.
Beide sind sich in ihrem Urteil darin einig, dass die Mehrheit der weltweiten Schulsysteme inklusive dem deutschen Schulsystem die Kinder nur sehr unzureichend auf die Zukunft vorbereiten, Kinder darüber hinaus nur sehr einseitig ausbilden, ihnen meist jegliche Lust und Motivation am Lernen in kurzer Zeit austreiben und ihnen systematisch Kreativität aberziehen und Kinder davon abhalten kreativ zu sein.

Das System ist nicht mehr zeitgemäß


Precht und Robinson betonen auch immer wieder, dass die Lehrer zwar der zentrale Erfolgsfaktor dafür sind, ob ein Schüler etwas lernt und sich entwickelt, jedoch die Lehrer ebenfalls Teil des Systems sind. Das Schulsystem an sich führt zum größten Teil dazu, dass die Lehrer ihrer Rolle nicht gerecht werden, ja dass Lehrer in ähnlichem Maße unter den Umständen leiden, wie die Schüler.

Was ist denn jetzt das Problem?
In der heutigen Zeit sollte es Aufgabe von Schulen sein, reife junge Menschen hervorzubringen,
  • die sich selbst organisieren können
  • die ihr Leben lang selbstständig weiter lernen können und wollen, also Spaß am Lernen und der eigenen Weiterentwicklung haben
  • die mit anderen zusammen arbeiten
  • die Wissen aktiv vernetzen können
  • die über mehr als nur kurzfristig anwendbares und schnell obsoletes Faktenwissen verfügen
  • die kreativ sind und damit in der Lage sind, Neues zu schaffen

Viele Bücher, Reden, anderen Quellen – unter anderem Precht und Robinson – und die eigenen Diskussionen Studenten im Rahmen von Kursen, die ich gebe, zeigen, dass es im Moment definitiv nicht in diese Richtung läuft.

Das Schul- und das Universitätssystem legt vor allem Wert auf:
  • schnell verwertbares Wissen mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mathematik, Sprachen und Naturwissenschaften. Das ist per se nicht schlecht, aber eben nicht genug.
  • generell abprüfbares Wissen in Form von Daten und Fakten.
  • eine immer größere Stoffmenge bei gleichzeitiger Reduzierung der zur Verfügung stehenden Zeit (sowohl in der Schule als auch der Universität).
  • ständiges Testen und standardisiertes quantitatives Messen von Wissen oder besser: gemerkten Daten und Fakten.
  • Standardisierung und Angleichung: Alle sollten das Gleiche in der gleichen Geschwindigkeit lernen und werden im Gleichen geprüft.

Ausbildbare Eigenschaften von kreativen Menschen


Kreativität ist die Fähigkeit Neues zu schaffen. Dies kann in vielerlei Hinsicht im Leben hilfreich sein, besonders unter sich verändernden Umständen, wenn das Bekannte nicht mehr ausreichend ist. Allgemein gesprochen, ermöglicht Kreativität ein selbstbestimmteres und zufriedeneres Leben zu führen.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist Kreativität eine Kernzutat von Innovation, der Einführung von etwas Neuem, das Nutzen bringt in einen größeren Kontext.

Nun wissen wir aus der Kreativitätsforschung bereits eine ganze Menge, welches Umfeld es benötigt, um Kreativität zu fördern und welche Eigenschaften kreative Menschen auszeichnen.

Zu diesen Eigenschaften gehören unter anderem:
  • Neugier
  • Leidenschaft an einem Thema, d.h. eine hohe intrinsische Motivation, die über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten werden kann.
  • Verspieltheit
    Das bedeutet auf ungezwungene Weise immer wieder neues auszuprobieren und zu testen.
  • Akzeptanz von Fehlern
    Dies hängt eng mit Verspieltheit zusammen. Viele Dinge auszuprobieren und zu testen, heißt auch immer, dass etwas nicht so funktioniert, wie vielleicht erwartet.
  • Mut, Neues auszuprobieren
  • Beharrlichkeit auch bei Schwierigkeiten an einem Thema dran zu bleiben
  • Disziplin
  • Die Fähigkeit Optionen zu entwickeln (divergierendes Denken)
  • Eine Einstellung, die vor allem den Wert in Neuem sucht, anstelle auf Probleme und Schwierigkeiten zu fokussieren.

Ein Umfeld, das Kreativität ermöglicht zeichnet sich unter anderem aus durch:
  • Diversität: Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Begabungen, Vorlieben und Denkweisen.
  • Zeit, Dinge zu durchdenken und auszuprobieren.
  • Angstfreiheit und der Möglichkeit Fehler zu machen
  • Freiheit seine Handlungen und sein Denken zu beeinflussen
  • Einer positiven Haltung gegenüber anders Denkenden und Ideen
  • Individuell als sinnvoll betrachtete Herausforderungen

Wenn wir die unteren beiden Listen mit den momentanen Entwicklungen in unserem Schulsystem vergleichen wird schnell deutlich, warum es mit der Förderung von Kreativität nicht weit her ist. Entweder werden benötigte Eigenschaften nicht entwickelt oder wie im Beispiel von Neugier und intrinsischer Motivation ausgetrieben.
In Hinblick auf die Förderung und Entwicklung von Kreativität geben die letzten beiden Listen auch gleich Anhaltspunkte, wie sich das Schulsystem verändern müsste, um mehr Kreativität zu ermöglichen. Mir ist bewusst, dass Schule noch andere Ziele verfolgen muss.

In diesem Zusammenhang sind übrigens die Schulsysteme in Asien, wie z.B. China, Taiwan oder Korea keine Vorbilder für uns, obwohl diese in vielen Messungen und Tests im internationalen Vergleich sehr gut abschneiden. Diese Länder schneiden in dem gut ab, was bei PISA und Co gemessen wird und das ist in Hinblick auf die Entwicklung von kreativen selbstständigen Menschen nicht besonders relevant. Es lässt sich nur gut messen.

Ken Robinson endet seine neue Rede mit einer Anekdote über das „Death Valley“ in den USA. Dieses ist alles andere als tot, lediglich die Bedingungen sind nicht besonders lebensfreundlich. Wenn die Bedingungen geändert werden (wie im Winter 2004 geschehen), dann blüht auch das Leben und es kann sich etwas entwickeln. Mit unserem Schulsystem kann es sich ähnlich verhalten.

正向思考

Dienstag, 14. Mai 2013

本文提供繁體中文版簡體版




我們在部落格裡介紹過一些思考工具或技巧,很多都牽涉到正向思考的能力。像是暫緩評斷其實就有一些這種味道。沒經過審慎評估的負面情緒是創意創新的大敵。一開始正面思考,給新的想法一點時間去孕育,發展,是創新的必要條件之一。但是要小心的是,過分樂觀的正向思考則可能帶來危機,這也是為什麼我們說“暫緩評斷”,而非“永不評斷”。

上個月美國《企業》(Inc)雜誌一篇文章The Danger of Positive Thinking針對正向思考提出7個提醒,讓正向思考成為助力,而非阻力,在此和大家分享:

◎相信自己將會達成目標,但目標並非是永久不變。
Be positive you'll achieve your goals, but not that your goals will never change.

◎相信自己盡到最大努力,但盡最大努力不代表一定會成功。
Be positive you'll do your best, but not that your best will always win.

◎相信自己必能克服阻礙,但不要天真地以為沒有阻礙存在。
Be positive you'll overcome obstacles, but not that obstacles don't exist.

◎相信自己可以幫助客戶,但不要以為每個人都會成為你的客戶。
Be positive you can help your customers, but not that everyone is a customer.

◎相信自己可以做出困難決定,即使會因此而造成更多損失。
Be positive you'll make hard decisions, even when it means cutting your losses.

◎相信自己可以做好情緒管理,但不代表你永遠都不會失望。
Be positive you'll manage your emotions, but not that you'll never be disappointed.

◎正向思考只是解決問題的方法之一,但並不代表適用所有的情況。
Treat positivity as part of your tool kit, but not a tool that fits every situation.

Konsens – der Feind der Innovation

Dienstag, 30. April 2013

Einen Konsens zu finden wird grundsätzlich als etwas Gutes betrachtet und ist oft ein Ziel von Verhandlungen bei auseinander gehenden Interessen und Zielen. Ein Konsens ist eine Lösung, mit der alle leben können und bei der alle etwas aufgegeben haben.

Für Innovation kann ein Konsens oft das Aus bedeuten und ist daher nicht grundsätzlich erstrebenswert.
In Innovationsprozessen gibt es immer eine Phase, in der viele verschiedene Optionen entwickelt werden, ohne diese zu bewerten. Die Krux beginnt in der zweiten Phase, wenn es um die Auswahl und Priorisierung der Optionen geht. In etablierten Unternehmen ist dies immer auch eine Gruppenentscheidung von mehreren Beteiligten. Dabei entstehen zwei Spannungen: Einmal die Spannung zwischen unterschiedlichen Meinungen was inhaltlich am sinnvollsten ist, zum Beispiel verschiedene technische Möglichkeiten ein Problem zu lösen. Zum anderen die Spannung zwischen dem was aus Nutzersicht, aus technischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist und dem was unternehmensintern und politisch umsetzbar ist.

Ergebnis ist dann oft ein Konsens aus diesen Spannungen, etwas mit dem alle noch leben können, das aber für keinen ideal ist und das besonders aus Nutzersicht nicht unbedingt gut ist, da irgendwann unternehmensinterne strukturelle Argumente eine wichtige Rolle spielen.

Neues braucht Mut und Hartnäckigkeit


Wirklich Neues hat die Eigenschaft, dass es nicht deckungsgleich mit dem ist, was bereits existiert, oder was eine Organisation bereits tut. Ich habe auf diesem Blog bereits dargestellt, dass Menschen Neuem gegenüber oft skeptisch und ablehnend gegenüber stehen und auch warum das so ist. Für jetzt genügt es zu wissen, dass es so ist, wie viele von Ihnen sicherlich schon leidlich erfahren haben.

Jetzt erfolgreiche und allgemein akzeptierte Dinge wie zum Beispiel Automobile, Tablets oder auch die beutellosen Staubsauger, hatten keinen leichten Start und wurden anfangs mit viel Ablehnung und Skepsis bedacht. Sie alle wären dem Konsens zum Opfer gefallen. Das sie jetzt so erfolgreich sind, hat auch damit zu tun, dass ihre Ideengeber und Umsetzer nicht eingeknickt sind und für ihre Idee gekämpft haben.

Jemand, der von einer neuen Idee überzeugt ist, benötigt oft eine Menge Mut, für dieses Neue einzustehen und es überhaupt vorzuschlagen, wohl wissend, dass ihn nicht alle mit offenen Armen empfangen werden.
Neben Mut benötigt es darüber hinaus auch noch eine gute Portion Hartnäckigkeit, eine Lösung gegen Widerstände und Skeptiker weiter voran zu treiben. Dabei ist Hartnäckigkeit nicht mit Sturheit gleichzusetzen. Sturheit ist es immer wieder das gleiche zu tun und nicht von einem Weg abzuweichen. Hartnäckigkeit bedeutet, auf immer neue Weise einen Weg zu einem angestrebten Ziel zu finden.

Schneller herausfinden was funktioniert


Selbstverständlicher Bestandteil eines jeden Innovationsprozesses ist die Möglichkeit, dass etwas Neues nicht funktionieren wird, oder zumindest nicht so wie gedacht. Die Bewertungs- und Messsysteme in vielen bestehenden Unternehmen und auch die Entwicklungsprozesse, messen leider meist, wie erfolgreich oder wie genau man das ursprüngliche Ziel erreicht und sind darauf ausgerichtet etwas einmal Spezifiziertes ohne große Veränderungen umzusetzen. Dies macht es noch schwieriger für Ungewöhnliches und Neues einzustehen, besonders wenn es dann wenig Möglichkeiten einer Kurskorrektur gibt. Damit steigt der Druck einen „sinnvollen“ Konsens zu finden noch weiter an.

Eine Möglichkeit, von der Startups oft Gebrauch machen, die wir auch in unseren Innovationsprojekten mit Kunden ebenfalls einsetzen ist es, sehr schnell, sehr einfach ein Grobkonzept einer Lösung zu erstellen, um zu testen, ob die Annahmen dahinter wirklich zutreffen. Ziel dabei ist es zu lernen und schnell Veränderungen vorzunehmen, um so schrittweise funktionierende Lösungen zu finden. Es ist nicht Ziel zu beweisen, dass die ursprüngliche Idee funktioniert. Sehr schnell bedeutet dabei innerhalb weniger Stunden. Dieser Zeitraum wird später länger, je mehr Rückmeldung wir von Nutzern bekommen haben.
Vorteil dieses Vorgehens ist es, dass wir einfach und mit sehr überschaubaren Mitteln Ideen testen können, auch wenn nicht alle Mitglieder eines Teams davon überzeugt sind. Das reduziert den Druck, immer auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu kommen und erhöht die Wahrscheinlich etwas Neuem zum Durchbruch zu verhelfen. Konsens ist also nicht per se schlecht, manchmal gibt es Ideen, von denen alle sofort begeistert sind. Konsens ist jedoch im Kontext von Innovation nicht grundsätzlich erstrebenswert.

Was Innovatoren von professionellen Künstlern lernen können

Montag, 22. April 2013

In Vorträgen zum Thema Kreativität frage ich anfangs öfters, welche Assoziationen den Zuhörern zum Thema Kreativität kommen. Meist genannt wird die Kunst und Künstler. Kern der Arbeit von Künstlern ist ein kreativer Schaffensprozess, in dem es darum geht, etwas Neues hervorzubringen. Das gleiche trifft auch auf Innovation und die Arbeit von Innovatoren zu. Ein markanter Unterschied zwischen beiden ist die unterschiedliche Bedeutung von Effektivität und Originalität. In der Kunst spielt das Kriterium der Originalität eine zentrale Rolle. Der Aspekt wie neu und ungewöhnlich etwas ist, ist auch für Innovation wichtig. Hauptkriterium in der Innovation ist jedoch, ob andere einen Nutzen in dem neu geschaffenen sehen (und meist bereit sind, Geld dafür auszugeben), also das Kriterium der Effektivität.

Trotz dieser Unterschiede ist der Kern bei beiden ähnlich: Der kreative Schaffensprozess. Ausgehend von einem undefinierten Problem oder einem Nichts gelange ich zu einer neuen Lösung.

In den letzten Monaten habe ich drei Bücher von drei bekannten Künstlern über die Erfolgsfaktoren ihres Schaffensprozesses gelesen. „the war of art“ des Schriftstellers Steven Pressfield, der hierzulande bekannt wurde durch die Verfilmung seines Romans „the legend of bagger vance“. Das Buch „creative habit“ von Twyla Tharp einer wichtigen amerikanischen Choreographin und schließlich das Buch „What I talk about when I talk about running“ des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Alle drei haben sehr ähnliche Erfolgsfaktoren ihrer Arbeit beschrieben.

Professionelle Künstler versus Hobby-Künstler


Viele Menschen haben sehr romantische Vorstellungen vom Leben als Künstler, die von Filmen und den Medien gerne befeuert werden. Er oder sie sitzt ungezwungen in seinem Atelier oder Kreativraum und wartet bis die Muße ihn küsst. Dabei behilft er sich mit verschiedensten Drogen, um diesen Prozess in die Gänge zu bringen. Stephen Pressfield trifft in seinem Buch gleich zu Anfang die Unterscheidung zwischen einem Hobby-Künstler und einem professionellen Künstler. Auf den Freizeit-Künstler mag die obige Beschreibung zutreffen, nicht auf den Profi. Der Profi gibt sich mit großer Leidenschaft Vollzeit seiner Kunst hin, so wie die meisten Menschen täglich zur Arbeit gehen, geht der professionelle Künstler täglich seiner Kunst nach, auch wenn er dabei möglicherweise nicht im Büro sitzt.
Ähnlich romantische Vorstellung begegnen uns bei creaffective teilweise am Anfang, wenn wir mit einer Gruppe in einem Kreativworkshop arbeiten oder für ein Innovationsprojekt zusammen kommen.

Erfolgsfaktoren professioneller Künstler


Die drei Autoren beschreiben in ihren Büchern aus unterschiedlichen Perspektiven sehr ähnliche Erfolgsfaktoren. Für alle drei ist Kreativität auch ein Handwerk, das erlernbar ist. Um darin Meisterschaft zu erlangen, ist vor allem die kontinuierliche Praxis wichtig und ein paar anderen Faktoren, die ich unten stehend beschreiben möchte:

  • Disziplin und Routinen

    Someone once asked Somerset Maugham if he wrote on a schedule or only when struck by inspiration. ‚I write only when inspiration strikes,’ he replied. ‚Fortunately it strikes every morning at nine o'clock sharp.’ That's a pro.“ (Steven Pressfield). Für Pressfield ist die Disziplin eines der Hauptunterscheidungskriterien zwischen einem Freizeitkünstler und einem Profi. Der kreative Schaffensprozess lässt sich auf die Innovation übertragen. Es geht darum, täglich die Disziplin aufzubringen, an einem Projekt weiter zu arbeiten, besonders am Anfang, wo die größten Schwierigkeiten auftreten. Twyla Tharp schreibt von einem Panik auslösenden leeren Raum oder einer weißen Fläche, einem Nichts, dass vielen so viel Angst einjagt, dass sie immer wieder mit unterschiedlichen Ausreden Gründe finden, nicht loszulegen oder etwas anderes zu tun. Steven Pressfield nennt das ganze hinterfotzigen inneren Widerstand: „the most important thing about art is to work. Nothing else matters except sitting down every day“ (Steven Pressfield).
    Ähnliche wie viele Produktivitätsgurus betonen alle drei Autoren die Rolle von Routinen. Sind diese Routinen (wie z.B. das tägliche Zähneputzen) erst einmal verinnerlicht, dann ist auch weniger Disziplin notwendig, da die Routine automatisch abläuft. Tharp spricht von der Kreativitäts-Routine. Das bedeutet, dass der Künstler jeden Tag automatisch in seinem Studio, Atelier oder Büro erscheint und sich seiner kreativen Arbeit widmet: „There is a paradox in the notion that creativity should be a habit.“ (Tharp). Bei dieser Routine geht es nicht darum, das Denken in routinierte Bahnen zu lenken, das wäre kontraproduktiv, sondern Geist und Körper anzugewöhnen, sehr regelmäßig sich der kreativen Arbeit zu widmen. Murakami hat seit 25 Jahren eine tägliche Jogging-Routine, die für ihn ein zentraler Erfolgsfaktor seiner kreativen Arbeit ist. Dies nicht, weil er beim Laufen auf viele kreative Ideen kommt, meist denkt er gar nichts beim Laufen, sondern weil ihm die Jogging-Routine hilft, mit der gleichen Disziplin an seine kreative Arbeit heranzugehen.

  • Fokus

    Vor einiger Zeit habe ich ein Zitat eines anderen Schriftstellers gelesen, das ich leider nicht mehr genau zuordnen kann: „10 Prozent des Erfolgs ist gutes Schreiben, 90 Prozent ist es nicht vom Internet abgelenkt zu werden“. Das deckt sich mit dem was Pressfield, Murakami und Tharp schreiben. Für den Künstler ist es elementar über längere Zeit ohne Ablenkungen in ein Thema eintauchen zu können. Wie auch sämtliche Experten für produktives Arbeiten vom „Multitasking“ abraten, weil es zu langsamen und oberflächlichem Arbeiten und irgendwann zur Verblödung führt, betonen meine drei Beispielkünstler, die Bedeutung von unterbrechungsfreier Zeit für ihre Arbeit. Dazu gehört auch die Kunst den „täglich anfallenden Mist“ von den „wirklich wichtigen Dingen“ zu unterscheiden.
    In unseren Kreativitätstrainings in Unternehmen fragen wir die Teilnehmer nach ihren eigenen Erfahrungen, was sie davon abhält, zu neuen Lösungen zu kommen. Häufig genannt wird mangelnde Zeit. Für mich ist die absolut zur Verfügung stehende Zeit nur ein Aspekt. Genauso wichtig ist die unterbrechungsfreihe Zeit, sich einer Sache konzentriert widmen zu können. Diese ist oft nicht so sehr ein Problem von nicht ausreichender absoluter Zeit, sondern von mangelnder Selbstdisziplin und mangelnder Erziehung (und mangelndem Mut dazu) von Chefs, Kunden und Kollegen, diese unterbrechungsfreie Zeit auch zu respektieren.

  • Selbstzweifel überwinden

    Tharp hat Routinen als ein wirkungsvolles Mittel beschrieben, um einfach loszulegen. Während des gesamten Schaffensprozesses aber auch besonders am Anfang scheinen viele Selbstzweifel zu plagen. Diese Selbstzweifel münden oft in Angst und führen dazu, dass man sich blockiert und gar nichts tut. Für Pressfield ist es wichtig einfach zu starten, einfach loszulegen. Ändern und verbessern kann und wird man sowieso. Zentral ist es, etwas auf das Papier, auf die Leinwand oder sonst wohin zu bringen. Dabei können Routinen helfen und die Erfahrungen aus vorangegangen Schaffensprojekten.
    Eine häufige Rückmeldung der Teilnehmer unseres kürzlichen Innovation Camps mit der ProSiebenSat.1 Media AG war, dass es sehr geholfen habe, dass die Innovationscoaches von creaffective die anderen immer wieder „gezwungen“ haben weiter zu machen und Ideen nicht zu schnell zu verwerfen, sondern nach anderen Wegen zu suchen, diese zu realisieren. Für uns ist es nichts unbekanntes, dass eine Gruppe (und wir selbst) in einem Innovationsprozess mehrmals an den Punkt kommt, alles hinschmeißen zu wollen.
    Distanzierung des Selbst von der Arbeit
    Es klingt wie ein Widerspruch. Einerseits ist der Künstler mit Leib und Seele in sein Projekt involviert und geht völlig darin auf. Auf der anderen Seite, ist es wichtig, seine Person von seinen Arbeitsinhalten und vor allem den Reaktionen darauf trennen zu können. An mehreren Stellen in diesem Blog habe ich bereits darüber geschrieben, dass Neues anfangs nicht immer mit offenen Armen empfangen wird, sondern dass die Reaktionen negativ sind. Ich persönlich glaube, dass dies Innovatoren im Firmenkontext noch viel häufiger passiert als Künstlern, von denen die Gesellschaft das anders sein ja auch erwartet. Innovatoren hingegen sollen zwar einerseits das Rad neu erfinden, aber bitte in ganz engen Rahmenbedingungen, die alles so lassen wie bisher.

    Schließlich gehört es zum unvermeidlichen Wesen der Kreativität und der Innovation, dass das Neue manchmal nicht den intendierten Erfolg hat, dass das Ergebnis abgelehnt wird. Nun ist es für den Erschaffer ein wichtiger Selbstschutz, seine Arbeit nicht mit seiner Person gleichzusetzen und von einer Ablehnung der Arbeit nicht gleich auf die Ablehnung der eigenen Person zu schließen. Mit den Worten von Pressfield: „When people say an artist has a thick skin, what they mean is not that the person is dense or numb, but that he has seated his professional consciousness in a place other than his personal ego. It takes tremendous strength of character to do this, because our deepest instincts run counter to it. Evolution has programmed us to feel rejection in our guts. This is how the tribe enforced obedience, by wielding the threat of expulsion. Fear of rejection isn't just psychological; it's biological. It's in our cells...
    An amateur lets the negative opinion of others unman him. He takes external criticism to heart, allowing it to trump his own belief in himself and his work.


Die Aspekte, die ich in diesem Artikel beschrieben habe, treffen auf alle Menschen zu, die etwas Neues in die Welt bringen möchten, sei es ein Produkt, ein ganzes Unternehmen oder einfach nur ein persönliches Vorhaben. Für mich war noch einmal besonders interessant zu lesen, welche zentrale Rolle Disziplin im kreativen Prozess spielt, weil besonders dieser Aspekt von vielen gerne ausgeblendet wird.

creaffective auf der Global R&D Konferenz am 5. und 6. Juni 2013 in Düsseldorf

Donnerstag, 18. April 2013

Anfang Juni findet in Düsseldorf die englischsprachige Global R&D Konferenz statt. Inhaltlicher Schwerpunkt der Konferenz ist der Ausbau der Innovationsaktivitäten westlicher Unternehmen in Ländern wie China und Indien. Unternehmen haben erkannt, dass es meist nicht mehr ausreichend ist, hier im Westen mit Blick auf den lokalen Markt zu innovieren und diese Ergebnisse in den Rest der Welt zu übertragen.
Es wird zunehmend wichtiger vor Ort für die Bedürfnisse der dortigen Menschen zu entwickeln. Manchmal entsteht daraus auch sogenannte "reverse innovation" bei der eine (meist schlanke) Lösung, die für ein Entwicklungs- oder Schwellenland entwickelt wurde in die Länder des Westens übertragen werden, wie z.B. bei Ultraschall oder Computertomographen geschehen.

Diese Entwicklungen stellen westliche Unternehmen und deren Innovations- und Entwicklungsverantwortliche vor eine Reihe von Herausforderungen, in Hinblick auf die Innovationsprozesse und die Zusammenarbeit von internationalen Innovations-Teams, die sich aus verschiedenen Kulturen zusammen setzen und über mehrere Zeitzonen verteilt sind.

Wir von creaffective arbeiten viel für westliche Unternehmen in Asien, um genau bei diesen Themen zu unterstützen. So haben wir ein "Innovation for Leaders" Training für asiatische Manager entwickelt und unsere Kunden mit moderierten Innovationsworkshops und in Innovationsprojekten auf Englisch und Mandarin Chinesisch unterstützt neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Wir freuen uns an unserem Stand auf der Global R&D Konferenz einige unsere Projekte vorzustellen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Das Konferenzprogramm gibt es hier zum Download. Über creaffective kommende Teilnehmer bekommen einen Rabatt auf den Eintrittspreis. Dazu benötigen Sie unseren Buchungscode. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei mir unter rustler(at)creaffective(dot)de.

Synectics Training in Deutschland – Interessenten gesucht

Dienstag, 9. April 2013

Ich würde sehr gerne ein Training zum Synectics-Vorgehen organisieren. Synectics ist eines der eher unbekannteren Kreativitätsmodelle, das zwar in der Literatur häufig erwähnt wird, zu dem es jedoch meiner Meinung nach wenig brauchbare Informationen gibt. Ein paar spärliche Informationen finden sich in Wikipedia. Erschwerend hinzu kommt, dass Synectics kein Open-Source Modell ist, sondern hauptsächlich durch die Synectics Organisation gelehrt wird.

Vor einiger Zeit habe ich mit der Synectics Organisation in den USA Kontakt aufgenommen. Über Synectics USA habe ich Kontakt zu einer Synectics Veteranin aus Amsterdam bekommen und bereits mehrmals zu meinem Vorhaben mit ihr telefoniert.
Die Dame ist bereit ein zweitägiges Training an einem Ort unserer Wahl in Deutschland auf englischer Sprache abzuhalten.

Weitere Informationen zu Synectics und zu einigen Trainingsinhalten finden Sie im PDF hier zum Download. Die Trainerin ist bereit, sehr flexibel auf die Wünsche der Teilnehmer zu reagieren und ihr Training entsprechend zu gestalten.

Die Gesamtkosten liegen bei 4500 Euro für die Trainerin und die Materialien, zzgl. Reise, Unterkunft und ggf. Raummiete. Ich vermute, dass wir bei ca. 5500 Euro insgesamt landen werden.

Nun bin ich auf der Suche nach Interessenten, die grundsätzlich Lust haben, an diesem Training teil zu nehmen.
Mein Ziel ist es, 6 – 10 Personen zusammen zu bekommen, die sich die Kosten teilen.

Wenn Sie grundsätzlich Interesse haben, freue ich mich über eine Nachricht an rustler(at)creaffective(dot)de
Ich würde dann in die Terminfindung mit den Interessenten gehen und natürlich die Anzahl der Teilnehmer und Zahler kommunizieren. Erst dann benötige ich eine Entscheidung, ob Sie fest dabei sind.

Beste Grüße

Florian Rustler

Wandel vorantreiben mit dem Innovation Camp

Dienstag, 9. April 2013

Mit unserem Kunden ProSiebenSat.1 Media AG führen wir regelmäßig ein Innovation Camp durch. Mit Hilfe eines Co-Creation Ansatzes kommen in diesem Fall 10 Tage lang Vertreter des Kunden und Vertreter von creaffective zusammen, um gemeinsam neue Lösungen auf wichtige aktuelle Herausforderungen des Kundenunternehmens zu entwickeln.

Die Zeitschrift Horizont hat diesem Camp nun einen Artikel gewidmet.

Das letzte Camp im März 2013 hatte die Frage zum Thema wie P7S1 seine Kompetenz beim Thema Bewegtbild in digitale Geschäftsmodelle gießen kann. Das Innovation Camp ist Teil eines größeren Change Prozesses bei P7S1, um sich vom TV-Unternehmen zum digitalen Powerhouse zu wandeln.

Wir von creaffective halten ein Innovations-Vorgehen im Co-Creation Ansatz, d.h. ein Team aus Internen und Externen durchläuft gemeinsam einen Innovationsprozess, für deutlich sinnvoller als den klassischen Agenturansatz, bei dem ein Projekt komplett nach außen gegeben wird. Meist wird dann von Kundenseite erwartet, dass das Rad neu erfunden wird und oft hapert es dann an der Umsetzung der externen Lösungen, besonders weil die eigenen Mitarbeiter zu wenig eingebunden waren.

Neomanie – Die Sucht nach Neuem

Montag, 8. April 2013

Man könnte durchaus sagen, dass ich mit diesem Artikel am eigenen Ast säge. creaffective unterstützt Unternehmen innovativer zu sein und konkret auch darin, neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Am Donnerstag, den 4.4.13 erschien im Handelsblatt eine Titelgeschichte "Die Manie des Neuen" über die immer kürzer werdenden Innovationszyklen über fast alle Branchen hinweg. Lag der Zeitraum zwischen zwei Modellen des VW Golf früher bei 10 Jahren, so liegt er jetzt bei 5 Jahren. Mercedes sah sich kürzlich gezwungen ein Facelift der E-Klasse einzuführen, viel früher als eigentlich geplant.
Extrembeispiel ist die Mobilfunkbranche und die Entwicklung von Smartphones. Bei manchen Herstellern wie Lenovo in China hat ein Smartphone-Modell eine Halbwertszeit von 4 Monaten, dann kommt bereits das nächste Modell auf den Markt. Auch Apple sieht sich nun gezwungen, dass neue iPhone schneller auf den Markt zu bringen, um gegenüber Samsung nicht als rückständig zu gelten.

Wie wir in der Arbeit mit unseren Kunden aus verschiedenen Branchen feststellen können, wird zwar der Innovationszyklus kürzer, gleichzeitig auch der Innovationsgrad geringer. Bei vielen der neuen Modelle handelt es sich vor allem um Kosmetik, um irgend etwas zu haben, das man als Neuerung anpreisen kann.

Konsequenzen des Zwangs zu Neuem


Effekt dieses Wettlaufs ist eine Überschwemmung der Märkte mit neuen Produkten deren Sinnhaftigkeit im besten Fall zweifelhaft ist. Wie das Wort Neomanie suggeriert, hat das Hervorbringen des Neuen in der Tat etwas zwanghaftes, in mehrerlei Hinsicht. Es gibt aus meiner Sicht eine Reihe von Gründen, die zu dieser Entwicklung geführt haben.

Einmal ist unser gesamtes Wirtschaftssystem so von uns Menschen gestaltet worden, dass es für die meisten Marktteilnehmer einen Zwang zum Wachstum gibt. Wachstum ist Selbstzweck und Wachstum kann für viele eben über neue Angebote generiert werden.
Ein zweiter Aspekt ist das Verhalten der Mitbewerber. Wenn die Konkurrenz etwas verändert und etwas Neues bringt, dann glauben viele Unternehmen, dass sie nachziehen müssten, um nicht abgehängt zu werden.
Dieses nachziehen müssen wiederum wird am Ende von den Konsumenten verlangt, darum dreht sich auch der Artikel im Handelsblatt. Wir Verbraucher möchten in immer kürzen Abständen etwas Neues. Oder wenn etwas Neues auf den Markt kommt, wird das Bestehende automatisch weniger attraktiv. So zumindest ist die momentane soziale Programmierung der Menschen.

Langlebigkeit von Produkten ist damit immer weniger wichtig, auch deshalb weil sie von den Konsumenten gar nicht gewünscht wird. Wir arbeiten mit deutschen Automobilherstellern zusammen, auch in China und bekommen dort mit, wie sich die Lebensdaueranforderungen der chinesischen Autohersteller von den deutschen Herstellern unterscheiden. Viele gehen dort davon aus, dass ein Kunde ein Fahrzeug sowieso nicht länge als drei Jahre nutzen wird.

Konsequenz für unseren Planeten ist, dass in immer schnelleren Zyklen immer mehr Rohstoffe verbraucht werden, mehr Schrott übrig bleibt und wir versuchen noch mehr davon in kürzerer Zeit zu produzieren. Noch gibt es keine funktionierenden Recyclingsysteme, geschweige denn Rohstoffkreisläufe, wie sie die Autoren des Buches "cradle-to-cradle" sich vorstellen. Diesen Mechanismus versuchen (oder müssen) Unternehmen mit Blick auf Ihrer Wachstums- und Umsatzziele sogar künstlich zu befeuern, in dem Abwrackprämien gefordert werden, wie früher für die Automobilindustrie und jetzt für die Haushaltsgeräteindustrie.

Herausforderungen durch Neomanie


Aus meiner Sicht größte Herausforderung, die dieser Innovationswettlauf mit sich bringt, ist, dass er nicht nachhaltig ist. Es werden immer mehr Rohstoffe benötigt. In der Theorie gibt es faszinierende Lösungen, wie das cradle-to-cradle Prinzip der technischen Rohstoffkreisläufe, in welchen, wenn einmal umgesetzt, kein Abfall mehr entsteht. Dann könnten wir uns weiterhin mit zweifelhaften Neuerungen bombardieren, die jedoch zumindest den Planeten nicht mehr belasten würden. Praktisch sind wir davon noch weit entfernt, einmal weil es einfach noch zu wenige funktionierende Verfahren gibt, um so etwas zu erreichen und weil es für die Teilnehmer des Wirtschaftssystems zu wenige Anreize gibt, sich dort hin zu entwickeln, unabhängig von der Moral und dem Verhalten von Einzelpersonen auch in den Unternehmen selbst.

Bisherige Lösungsversuche gehen einmal in Richtung Effizienz. Das bedeutet noch effizienter als bisher zu produzieren und zu recyceln. In relativen Zahlen verbessern wir uns damit, die absoluten Zahlen steigen trotzdem weiter.

Die andere Stoßrichtung sind Appelle, doch die Nachfrage und Wünsche zu zügeln. Diese kommen teilweise von den gleichen Menschen, die mehr Wachstum fordern. Dies steht im genauen Gegensatz zu den Anreizen und dem Funktionsprinzip unseres Wirtschaftssystems, das auf Wachstumszwang ausgerichtet und von uns so gestaltet wurde. Vor diesem Hintergrund und dem Verlangen der Menschen nach Neuem, scheint dieser Weg noch schwieriger zu Lösungen zu führen.

Müssen wir andere Fragen stellen?


Wir von creaffective haben auch keine Lösungen für diese Probleme. Im Sinne der in unseren Innovationsprojekten zum Einsatz kommenden Methoden, müssen wir vielleicht einen Schritt zurück gehen und prüfen, ob wir die vielversprechenden Fragen gestellt haben, bevor wir uns an die Entwicklung von Lösungen auf diese Probleme machen.

Im Moment lauten die Fragen ungefähr so:
  • Wie könnten wir weniger Rohstoffe verbrauchen?
  • Wie könnten wir Produkte effizienter recyceln?
  • Wie könnten wir unsere Nachfrage zügeln?


Vielleicht gibt es andere und bessere Problemformulierungen, die andere Lösungen denkbar machen:
  • Wie könnten wir den Menschen ein Gefühl von Neuem vermitteln?
    (ohne ständig weitere Rohstoffe dafür einsetzen zu müssen)
  • Wie lauten alle Möglichkeiten den Wunsch nach Neuem zu befriedigen?
    (neben dem bisherigen Standardprogramm, wie oben geschildert)


Ich behaupte nicht, dass wir die richtigen Fragen, geschweige denn die Lösungen haben.

Im Sinne eines kreativen Problemlöseprozesses kann es jedoch sinnvoll sein, einen Schritt im Prozess zurück zu gehen, wenn die Ideen und Lösungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen.

Die Darstellung zeigt das Prinzip eines Vorgehens der kreativen Problemefinition, wie wir es mit Kunden einsetzen, um unterschiedliche Problemperspektiven zu identifizieren.

Mit unserer Vision Kreativität real und konkret für die Geschäftswelt zu machen, können wir hier durchaus unseren Beitrag dazu leisten, Kunden auf diesem Weg zu unterstützen.

Zwei Arten der Ideenentwicklung

Dienstag, 2. April 2013

In meiner Arbeit als Innovation Coach bin ich oft in der Rolle eines Facilitators tätig. Das bedeutet, dass ich mich im Rahmen von moderierten Innovationsworkshops als Prozessmoderator darum kümmere, eine Gruppe von Experten effektiv durch einen Kreativprozess zu führen, um zu neuen Lösungen zu gelangen, mich dabei aber inhaltlich völlig heraus halte.

Im Rahmen der Arbeit der creaffective Innovationsmanufaktur komme ich nun häufiger in den Genuss, auch inhaltlich im Rahmen von Innovationsprojekten Lösungen zu entwickeln.
Im März fand mit unserem Kunden ProSiebenSat.1 Media AG ein Innovation Camp statt. Im Rahmen dieses Camp-Formats entwickeln wir in einer gesetzten Anzahl an Tagen – in unserem Fall 10 Tage – ganz konkrete Lösungen auf Herausforderungen des Kunden. Dabei nutzen wir einen Co-Creation Ansatz. Das bedeutet, dass das Camp neben 6 Vertretern des Kunden auch aus 3 Vertretern von creaffective besteht, die zusammen durch den Innovationsprozess laufen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Wir denken, dass diese Mischung aus internen Fachexperten und externen Beratern mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass wirklich neue Lösungen entwickelt werden, die dann beim Kunden auch wirklich umgesetzt werden.

Für uns von creaffective bringt das dann auch die Herausforderung, nicht mehr die alleinige Moderationshoheit zu haben, sondern Teil der Gruppe zu sein. Für mich gab es während des letzten Camps ein paar Erlebnisse, die mir noch einmal die elementare Bedeutung der Grundlagen des kreativen Denkens deutlich gemacht haben. Die Beachtung dieser Grundlagen – auch trotz Widerständen – entscheidet darüber, wie effektiv ein Innovationsprozess läuft und vor allem was heraus kommt: "How you innovate, determines what you innovate" (aus dem Buch "Making Innovation work").

Ideen im Unterschied zu Lösungen / Prototypen


Prozessmodelle des kreativen Denkens und der Innovation wie Creative Problem Solving oder Design Thinking unterscheiden zwischen der Entwicklung von Ideen und der Entwicklung von Lösungen (Creative Problem Solving) oder Prototypen (Design Thinking). Beide Begriffe meinen das gleiche. Zuerst findet immer der Schritt der Entwicklung von Ideen statt, dann folgt der Schritt der Weiterentwicklung hinzu Lösungen oder Prototypen.

Bei Ideen handelt es sich um grobe und relativ einfache mentale Bilder, wie ein Problem gelöst werden könnte bzw. eine Frage beantwortet werden könnte.
Bei Lösungen oder Prototypen handelt es sich um bereits sehr konkrete Vorstellungen, wie genau ein Problem gelöst werden könnte.

Bei der Entwicklung von Ideen kommt es darauf an möglichst schnell, möglichst viele Optionen zu generieren, wie ein Problem gelöst werden könnte. Diese Ideen sind dabei bewusst relativ oberflächlich gehalten, da es darauf ankommt, erst einmal möglichst viele Optionen in der Breite anzudenken.

Bei der Entwicklung von Lösungen geht es darum, basierend auf einigen wenigen ausgewählten Ideen ausführliche detaillierte und tiefgehende Konzepte zu entwickeln, wie ein Problem konkret gelöst werden könnte.

Bei der Ideenentwicklung ist es gut möglich, dass wir in einer Stunde hunderte von Ideen generieren. Bei der Erarbeitung von Lösungen kann es sein, dass eine Gruppe zwei Tage an der Ausgestaltung von nur einer Lösung sitzt (wie bei uns im Camp geschehen).

Ideenentwicklung ist wie das Bohren von vielen nicht sehr tiefen Löchern, wohingegen das Entwickeln von Lösungen mit dem Bohren von einigen wenigen aber tiefen Löchern vergleichbar ist.
Zentral ist dabei, dass erst mit dem Bohren der tiefen Löcher begonnen wird, wenn vorher eine Vielzahl an Löchern probegebohrt wurde.

Trennung von divergierendem und konvergierendem Denken


Obwohl die beiden Schritte Ideen erkunden und Lösungen entwickeln vom Charakter her ziemlich unterschiedlich sind, leben jedoch beide von der bewussten Trennung von divergierendem und konvergierendem Denken. Das heißt, es werden immer zuerst Möglichkeiten angedacht, ohne diese zu bewerten (divergieren), dann werden auf positiv wertschätzende Weise zielgerichtet Optionen ausgewählt (konvergieren), ohne zu schnell voreilig Ideen zu verwerfen (avoiding premature closure). Diese bewusste Trennung von divergierendem und konvergierendem Denken und die mit den beiden Denkarten verbundenen Grundregeln sind intellektuell einerseits super einfach zu verstehen und wirken geradezu banal. Regelmäßig Leser dieses Blogs sind vielleicht schon davon genervt, dass ich das Thema so oft auf die Agenda bringe. Andererseits ist genau dieser Aspekt in der Umsetzung eine sehr herausfordernde lebenslange Übung, in der man nie perfekt sein wird, aber jeden Tag besser werden kann. Die Fertigkeit diese Trennung im Kopf bewusst vorzunehmen ist für mich ein zentraler Aspekt eines Mindsets von Innovatoren. Ob dieses Prinzip den einzelnen Teilnehmer eines Innovationsprozesses wirklich gelingt, ist aus meiner Erfahrung der entscheidende Erfolgsfaktor für den Erfolg.

Diskussionsstil als die gewohnte Denkweise vieler Menschen


Edward de Bono hat schön herausgearbeitet, dass das aus der griechischen Naturphilosophie abgeleitete Vorgehen einer Diskussion mit den Elementen These – Antithese und Synthese – der Art und Weise entspricht, wie die meisten Menschen in unseren Breiten es gewohnt sind zu denken und zu arbeiten. Bei dieser Art des Denkens findet allerdings die Trennung zwischen divergierendem und konvergierendem Denken gerade nicht statt. Wie de Bono sagt, ist auch diese Art des Denkens wichtig und hat ihre Berechtigung (sogar in Innovationsprozessen). Der Diskussionsstil ist dabei jedoch nur eine von mehreren Arten des Denkens. Sowie ein Auto vier Reifen hat, braucht es auch verschiedene Arten des Denkens. Das Diskussionsmuster ist nur eine Art und für Innovationsprozesse eine meist unpassende Art. Das generative und kreative Denken mit der Trennung von divergierender und konvergierender Phase stellt ein anderes Muster da, für Innovationsprozesse das wichtigere.

Ideen nicht zu schnell verwerfen


Für mich war während unseres Innovation Camps der Schritt der Entwicklung von Lösungen oder Prototypen noch einmal eine wichtige Erinnerung für die Bedeutung der oben genannten Prinzipien. Der Schritt der Lösungsentwicklung hat oberflächlich Ähnlichkeiten mit dem Diskussionsprinzip, da wir auch hier sehr fokussiert und in einem engeren Rahmen an einer konkreten Lösung arbeiten. Diese Ähnlichkeit kann dazu führen, dass eine Gruppe schnell wieder in den gewohnten Diskussionsmodus gerät, in dem auf eine These schnell eine Antithese folgt. Dies wiederum kann dazu führen, dass eine Gruppe eine Idee bei Schwierigkeiten zu schnell verwirft und nicht lange und hartnäckig genug dran bleibt. Dies deshalb, weil wir zu schnell die Probleme und Schwierigkeiten der Idee in den Fokus nehmen zu wenig in Möglichkeiten denken, wie die Idee konkret realisiert werden könnte. Dabei ist es gerade jetzt wichtig in vielen Möglichkeiten zu denken (zu divergieren), wie diese eine Idee konkret aussehen könnte. Im Unterschied zur Ideenentwicklung bewegen wir uns jedoch hier in einem relativ engen Rahmen und zwar dem von nur einer Idee.
Für mich war es sehr spannend zu erleben, wie die Gruppe einige Male an der Klippe stand, eine Idee zu schnell zu verwerfen und wir uns wirklich zwingen mussten, nach anderen Möglichkeiten zu suchen, die scheinbar nicht machbare Ideen doch zu realisieren.

Das hartnäckige Dranbleiben hat sich sehr gelohnt. Von den Lösungen sind sowohl die Gruppe als auch die Auftraggeber beim Kunden begeistert.

Die Zukunft inspirierend und spannend machen: Der Innovator Elon Musk

Montag, 25. März 2013

Es gibt viel Literatur und Forschungen darüber, was Innovatoren auszeichnet und was man von diesen Menschen lernen kann. Auf TED.com wurde letzte Woche ein Gespräch mit Elon Musk veröffentlicht. In diesem Gespräch kann man direkt mit erleben, was die Dinge, die die Literatur identifiziert, praktisch bedeuten.
Elon Musk ist vielleicht nicht jedem ein Begriff, die Firmen die er gegründet hat bzw. bei welchen er involviert ist, dürften dagegen bekannter sein: Paypal (elektronisches Zahlungssystem), Tesla (Elektroautos), Solarcity (Photovoltaik-Anlagen), SpaceX (wiederverwendbare Raketen). Die Unternehmen sind sehr unterschiedlich, alle von Musk getrieben und alle sind erfolgreich.


Die Probleme des Planten lösen


Auf die Frage, wie er auf seine Unternehmen gekommen ist, meint Musk, dass er sich überlegt hat, welche dringenden und wichtigen Probleme dieses Planeten gelöst werden müssten und was es für eine inspirierende Zukunft bräuchte. Nicht gerade kleine Ambitionen.
Obwohl die Unternehmen sehr verschieden sind, sind sie doch miteinander verknüpft. Tesla bietet Lösungen für den Energieverbrauch von Autos, Solarcity für die Produktion von Energie und beide lassen sich verbinden.
In dem Kommentaren zum Video auf der TED-Homepage hat es ein Nutzer schön geschrieben: Die meisten haben viele Ideen und sagen „man sollte“, „man müsste mal“, Musk tut es wirklich. Dabei ist Geld für ihn nicht der Motivator. Das lässt sich bei allen erfolgreichen Unternehmern und Innovatoren beobachten: Geld ist ein Erfolgskriterium, aber die Ausgangsbasis der Überlegungen.

Technik und Geschäftsmodell verknüpfen


Was die Ideen von Musk vermutlich auch so erfolgreich macht, ist die Verknüpfung von Technik mit einem innovativen Geschäftsmodell. In letzter Zeit liest man viel in der Zeitung, dass die Solarbranche vor dem Abstieg steht, erst heute war zu lesen, dass Bosch sich aus dem Feld zurück gezogen hat. Musk hingegen glaubt fest an die Zukunft der Solarenergie: "I believe solar will be everything. It has to be acutally, otherwise we will be in deep trouble." Damit die Technik sich weiter durchsetzt, braucht es nach Musk allerdings nicht nur eine innovative Technik, sondern auch ein innovatives Geschäftsmodell. So bietet er mit seiner Firma Solarcity an, dass Hausbesitzer mit null Dollar Investition ihr aus mit Solarzellen ausrüsten lassen können, was sich sofort positiv auf die Stromrechnung auswirkt. Die Kosten werden über eine Leasingsystem und einer Beteiligung an den Einspeiseerlösen wieder rein geholt. Damit werden zwei der zentralen Hürden für die Akzeptanz von Solartechnologie gelöst die Kosten für die Erstinstallation und die Finanzierung.

Eigenschaften von Innovatoren


Für das taiwanische Brain Magazine habe ich eine Artikel-Serie über westliche Innovatoren geschrieben und habe in jedem Artikel vor allem die Person des Innovators genauer vorgestellt.
Viele der Eigenschaften, die Innovatoren auszeichnen, zeigen sich auch bei Musk, wie im TED Gespräch deutlich wird:

  • Bescheidenheit
    Er hätte allen Grund sich einiges auf das einzubilden, was er erreicht hat. Die Art wie er die Fortschritte seiner Firmen beschreibt, zeigt genau das Gegenteil. Er gibt sich sehr bescheiden und ist jederzeit offen für die Gedanken anderer.
    Auf die Frage, was man von ihm lernen kann sagt er: "Really pay attention to negative feedback and solicit it, particularly from friends. That may sound like a very simple advice but hardly anyone does that and it is incredible helpful."

  • Selbstsicherheit
    Einerseits ist er bescheiden, andererseits ist er sich seiner selbst sicher. Auch wenn er mit dem einen oder anderen Vorhaben scheitert, ist er trotzdem für weitere Projekte gerüstet.

  • Mut
    Ganz zentral: Er ist mutig. Einen neuen Automobilhersteller aufzubauen oder den Planten Mars zu besiedeln sind nicht gerade kleine Vorhaben. Viele Leute werden einen für verrückt erklären. Innovatoren brauchen den Mut, trotzdem für ihre Ideen einzustehen.

  • Disziplin
    Die meisten Menschen haben in der Dusche Ideen. Die wenigsten setzen welche davon um. Dafür braucht es viel Ausdauer und einfach eiserne Disziplin. Auch hier antwortet Musk als er gefragt wird, was man von ihm lernen kann: „Ich arbeite sehr hart und viel.“
    Steven Pressfield schreibt in seinem Buch "The war of art" so schön. "Ich schreibe nur dann, wenn ich Inspiration habe. Die Inspiration kommt jeden Morgen um Punkt 9 Uhr zu mir."

  • Groß und langfristig denken
    Wie viele Erfolgreiche Innovatoren, setzt Musk sich große Ziele, viele würden sagen unerreichbare Ziele. Große Visionen sind oft leichter zu verfolgen als kleine, denn auch bei Hindernissen und Zweifeln, die sich einem in den Weg stellen, ist die Vision so groß, dass man diese trotz der Hindernisse noch sieht. Dieser Zugeffekt ist wichtig, um genug Energie zu haben.
    Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass die Ziele nicht von heute auf morgen zu erreichen sind.

Die Physik als Orientierungsmodell des Denkens


Sehr spannend fand ich Musk Ausführungen wie er als Innovator an die Probleme herangeht. Für ihn ist das Vorgehen der Physik dabei ein Leitfaden für das Denken:
"Boil things down to the fundamental truth and reason up from there as opposed to reasoning by analogy.
Most of our lives we get through by reasoning by analogy, which essentially means copying what other people, do with slight variations. You have to do that, otherwise you wouldn't be able to get through the day. But when you want to do something new, you have to apply the physics approach. Physics is really good at how to discover new things that are counter-intuitive.
"


Ein weiterer Vorteil, den Musk sicherlich hat (bzw. den er sich erarbeitet hat), ist, dass er Entrepreneur ist und nicht Intrapreneur. Er muss zwar möglicherweise Geldgeber überzeugen, muss sich aber nicht in einem Unternehmen durch eine Vielzahl von Hierarchiebenen kämpfen. Was besonders die Intrapreneure tun können, habe ich in einem Artikel über Pre-Innovation beschrieben.