Innovationsentscheidungen würfeln

Dienstag, 2. Februar 2010

Der Start eines neuen Innovationsprojektes will gut überlegt sein. Schließlich geht es dabei in den meisten Unternehmen um viel Geld, viel Aufwand und hohes Risiko. Dennoch kann man im Vorhinein meist nur schwer abschätzen, wie sich das Projekt entwickeln wird, ob es ein Erfolg wird oder floppen wird, wie so viele Innovationsprojekte.
Da könnte man doch gleich würfeln, oder?
Ja, könnte man nicht nur, Siemens macht das sogar. Wie es funktioniert erklärt Ulf Pillkahn in einem Interview in der aktuellen Brand Eins (02/10).

Anwendung bei ausgereiften Lösungen


Gewürfelt wird nun nicht beliebig bei jeder Idee zu neuen Produkten und Dienstleistungen, sondern bei ausgereiften Ideen. Ich spreche dabei immer von Lösungen im Gegensatz zu Ideen. Das heißt diese Lösungen sind bereits soweit ausgearbeitet und ausdetailliert worden, das diese anhand von Kriterien bewertet werden können. Es handelt sich also um weit mehr als nur eine erste Idee. In meinem Post über den Ablauf von Innovationsworkshops habe ich beschrieben, wie solche Lösungen aussehen können.
Nun ist es gut möglich, dass es eine Reihe solcher Lösungen mit unterschiedlichen Stoßrichtungen gibt, die alle für machbar und viel versprechend befunden wurden.

An diesem Punkt, wenn mehrere Lösungen möglich erscheinen, ist es oft schwierig zu entscheiden, welche nun in ein Projekt gegossen wird. Pillkahn beschreibt im Interview, dass solche Entscheidungen dann oft langwierig und von persönlichen Animositäten geprägt sind. Oft setzten sich schließlich die konservativsten Lösungen durch, was mit einem grundlegenden Spagat von größeren Unternehmen zu erklären ist.

Für Unternehmen ist es naheliegend nicht innovativ zu sein


In jedem großen Unternehmen gibt es laut Ulf Pillkahn die Spannung zwischen Effizienzdenken auf der einen Seite und der Notwendigkeit zur Innovation auf der anderen Seite. Das Effizienzdenken führt dazu, das man Fehler möglichst vermeiden möchte: "Sobald Sie in Ihrer Firma etwas Neues ausprobieren, und es geht schief, gilt das als Ihre Fehlleistung. Das heißt, in normalen Zeiten ist es für alle Beteiligten naheliegend, nicht innovativ zu sein." (Brand eins 02/10 S. 131)
Diese Einstellung steht im Gegensatz zur Innovation, die nur schwer kalkulierbar ist und oft scheitert, da man eben im Vorhinein nicht mit Sicherheit sagen kann, was raus kommt. Im Nachhinein ist es oft einleuchtend und klar, aber eben nicht im Vorhinein.
Diese Angst vor Fehlern führt dann dazu, dass sich doch immer wieder die konservativsten - weil relativ gesehen sicheren und kalkulierbaren – Ideen durchsetzen. In meinen Innovationsworkshops arbeite ich daher mit einer Bewertungstechnik zur Erstauswahl von Ideen, mit der man neben "umsetzbaren" Ideen auch bewusst sehr originelle aber möglicherweise "schwer umsetzbare" Ideen auswählt, um zu vermeiden, dass wieder nur die sicheren Ideen gewählt werden und damit Innovation möglicherweise schon in der ersten Phase der Konzeptentwicklung ausgesiebt wird: "Das Unbekannte lässt sich nur schwer planen. Deshalb setzten sich vor allem weniger innovative Projekte durch, da sich diese leichter planen lassen" (S. 130).

Gesteuerter Zufall


Die Würfelmethode kommt somit nicht blind und völlig zufällig zum Einsatz, sondern ab einem gewissen Reifegrad von Ideen, um zu vermeiden, dass sich Tunnelblick und Konservativismus durchsetzen und so Innovation erschweren. Es handelt sich sozusagen um einen gesteuerten Zufall, der sehr bewusst eingesetzt wird, nämlich dann wenn analytisches und kritisches Denken nicht mehr weiter hilft. Wie lautet der Witz aus der Werbebranche so schön, der den Chef eines großen Unternehmens zitiert: "I know that half of our advertising budget is wasted, but I don’t know which half." Vielleicht verhält es sich ja bei Innovationsentscheidungen ab einem gewissen Reifegrad ähnlich. Pillkahn jedenfalls schildert, dass durch das Würfeln der Entscheidungsprozess wesentlich einfach, schneller und fairer abläuft, da das Verfahren für alle transparent ist und vorher festgelegt wurde, welche Innovationsideen am Würfelvorgang teilnehmen.

Wie ein Innovationsworkshop abläuft

Mittwoch, 27. Januar 2010

In den letzten Wochen was es etwas ruhiger hier auf dem Blog. Ich war zwei Wochen in China um das zu tun, worüber ich hier oft schreibe: Innovationsworkshops moderieren.
In nur drei Tagen ist es dem Kunden in einem Innovationsworkshop gelungen, mehrere neue technische Design-Konzepte für ein neues Produkt auszuarbeiten.
Der Kunde ist sehr zufrieden mit dem Ausgang des Workshops und hat mir daher auch offen gesagt, dass es große Vorbehalte gegenüber mir und den Methodiken gab. Ich bin kein Techniker, ich habe keine Vorerfahrung mit dem konkreten Produkt und während der ersten Videokonferenz war wohl noch zu abstrakt, wie der Workshop genau ablaufen wird.
Für diese Rückmeldung bin ich sehr dankbar. Ich merke immer wieder, dass es nicht einfach ist, rein mündlich zu erklären, wie ein Innovationsworkshop ablaufen kann und was konkret dort passieren wird.
In diesem Post möchte ich versuchen, die groben Schritte darzustellen.

Trennung zwischen Prozess und Inhalt


Wichtig für das grundlegende Verständnis ist die Trennung zwischen Prozess und den Inhalten. Ich als Moderator für einen Innovationsworkshop kümmere mich nur um den Prozess der kreativen Problemlösung. Ich muss kein Expertenwissen hinsichtlich des Inhalts haben. Mir ist es egal, ob der Kunde Cornflakes oder ein Antriebssystem entwickelt. Der grundlegende für Innovation relevante Denkprozess der kreativen Problemlösung ist immer ähnlich. Daher kann ein Moderator mit den entsprechenden Methoden bei vielen Fragestellungen helfen.

Modell der kreativen Problemlösung als Rahmen für einen Innovationsworkshop


Jeder Workshop folgt einem expliziten Prozess der kreativen Problemlösung. Es handelt sich um ein Modell, das einerseits sehr flexibel ist, andererseits aber einen Orientierungsrahmen darstellt, der für alle Beteiligten eine Struktur gibt und explizit macht, wo innerhalb des Prozesses wir uns gerade befinden. Dies stellt sicher, dass alle auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind und nicht eine Person Ideen entwickelt, während die andere Person versucht das Problem zu definieren.

Vor dem Innovationsworkshop: Das Vorgespräch


Damit der Workshop erfolgreich sein kann, ist vorab in meinem Fall ein 2 – 3 stündiges Vorgespräch mit dem Auftraggeber(n) nötig.

Ziel: Hier geht es darum, viele Informationen zum Problem zu bekommen
Das hilft dem Moderator den Workshop sinnvoll vorzubereiten. Die im Vorgespräch gefundenen Informationen dienen dann dazu gemeinsam im Workshop das genaue Problem gemeinsam zu definieren.

Die Schritte während des Innovationsworkshop


Während des Innovationsworkshops laufen dann grob vereinfacht (!) gesagt, die folgenden Schritte ab.

  1. Herausforderungen formulieren: Das Problem eingrenzen

    Ziel: Die Gruppe erhält einen Überblick über den Rahmen des Problems und kann dann entscheiden, welches die wichtigsten Ansatzpunkte sind, um nach einer Lösung zu suchen.

    Ich setze sehr oft das Denkwerkzeug des Challenge Mapping ein, um herauszuarbeiten welche Fragestellungen beantwortet werden müssen, um dem Ziel des Workshop näher zu kommen. Interessant ist hierbei für den Kunden, dass das gewählte Problem meist ein anderes es ist, oder einen anderen Zuschnitt hat, als er vorher dachte.

    Das Bild 1 zeigt eine anonymisierte Challenge Map mit bereits ausgewählten Schlüsselfragen.

  2. Ideen erkunden

    Ziel: Die Gruppe erarbeitet eine Liste von ausgewählten Ideen, die das Problem lösen könnten.

    Hier stecken mehrere wichtige Aspekte drin:
    • Eine Idee ist noch keine Lösung
    • Bevor ich auswählen kann, muss ich erst einmal Ideen entwickeln


    In diesem Schritt kommen nun ausgewählte, zum Problem passende, Kreativitätstechniken zum Einsatz, um eine Gruppe auf viele und viele neue Ideen zu bringen. Das Ergebnis können z.B. 200 Ideen auf eine Frage sein.
    Dann werden die Ideen wiederum mit bestimmten Denkwerkzeugen bewertet (siehe Bild 2) und kategorisiert (Bild 3), so dass am Ende des Schritte eine Liste von Ideen steht, die das Problem lösen könnten.




  3. Lösungen formulieren

    Ziel: Ausgefeilte Lösungen, die umgesetzt werden können.

    Bei technischen Fragestellungen beginnt nun die eigentliche Arbeit. Aus den möglichen Ideen muss herausgearbeitet werden, welche Ideen oder welche Kombinationen weiter ausdetailliert werden.
    Steht eine Grobrichtung fest, geht es darum, diese mit Leben zu füllen und auf Stärken und Schwächen abzuklopfen. Wichtig in einem Innovationsworkshop ist, dass wir die Schwächen nicht lediglich feststellen, sondern in mehreren Schleifen versuchen, diese auszuräumen.
    Am Ende dieses Schrittes, der in einem dreitägigen Workshop gut 1,5 Tage einnehmen kann, stehen eine Reihe (4 – 5) ausgearbeitete Lösungen (Bild 4 zeigt ein Beispiel für eine ausgearbeitete Lösung mit technischen Konstruktionszeichnungen), die nun noch einmal anhand definierter Kriterien bewertet werden können. Nach dieser Bewertung kristallisieren sich dann möglicherweise 2 – 3 Optionen heraus, die nach dem Workshop weiter verfolgt werden.


  4. Plan formulieren

    Ziel: Ein Handlungsplan mit einer detaillierten und spezifischen Aufstellung, wer was bis wann erledigt.

    Für diesen Teil am Ende plane ich immer noch einmal 1,5 bis 2 Stunden ein. Die Planerstellung ist anstrengend und gerade gegen Ende oft ermüdend aber essenziell, damit im Workshop gefundenen Lösungen auch umgesetzt werden können.

Flexible Schleifen


In einem Workshop wird es meist so sein, dass am Ende von Schritt 1 (Herausforderungen formulieren) mehrere Schlüsselfragen ausgewählt werden, die nacheinander oder parallel gelöst werden müssen, um zu einer Lösung zu kommen. In diesem Fall werden die Schritte 2 und 3 für jede Problemfrage durchgeführt, so dass am Ende eine Gesamtlösung entsteht. Das unten stehende Schaubild verdeutlicht das vielleicht (zum vergrößern klicken).

Geschäftsideen entwickeln und Entrepreneur werden

Sonntag, 17. Januar 2010

Auf dem Blog des Labor für Entrepreneurship findet sich eine toller Vortrag von Prof. Yunus anlässlich des Citizen Entrepreneurship Workshops in Berlin.
Seine Botschaft: every human being can be an entrepreneur. Statt den immer weniger werdenden Jobs hinterherzulaufen und sollten wir mehr Energie darauf verwenden, etwas eigenes zu schaffen.

Auch Günter Faltin, der Gründer des Labors für Entrepreneurship, zeigt in seinem Buch Kopf schlägt Kapitel eindrucksvoll, wie im Zeitalter des Internet und hochspezialisierter Dienstleister, jeder mit geringem Kapital zum Entrepreneur werden kann.

Beide betonen, dass die Idee zentral ist und es weniger um betriebswirtschaftlichen Kenntnisse geht. Diese werden erst zu einem späteren Zeitpunkt relevant und dann kann man diese bei Bedarf zukaufen.

Worauf kommt es beim Entwickeln einer Geschäftsidee an?
Immer wieder finde ich folgende Punkte:

  • man muss sich seiner Stärken bewusst sein
  • man muss wissen, was man "wirklich wirklich will", was einem Sinn und Freude bereitet
  • man muss in der Lage sein, eine erste Idee beharrlich weiter zu entwickeln, bis hin zu einer umsetzbaren Lösung.
Alles wichtige Kompetenzen, die in unserem Erziehungssystem nicht vermitteln werden.

Das Problem in kleine Häppchen aufteilen


Im Moment bin ich wieder einmal in China. Neben meinen Kreativitätstrainings und der Moderation von Innovationsworkshops habe ich die Gelegenheit, einem Bekannten bei seinem Gründungsvorhaben zu helfen. Ähnlich, wie bei den Teilnehmern der Akademie für Visionautik fällt mir in meinen Coachings dabei immer wieder auf:
  • Das Problem ist oft so breit bzw. so schwammig, dass nicht klar ist, wo man beginnen soll, bzw. in welcher Reihenfolge man die Einzelbausteine bearbeiten soll
  • Bei der Entwicklung von Ideen wird zu schnell bewertet und eingeschränkt. Es muss ja schließlich "realistisch" sein.
Auch für Einzelcoaching nutze ich das Creative Problem Solving Verfahren. Dabei können wir beide Barrieren durchbrechen:
  • Mit Hilfe der Technik des Challenge Mapping, lässt sich ein schwammiges Problem schrittweise untersuchen, bis bearbeitbare Kernfragen gefunden werden.
  • Durch den Einsatz von kreativen Prinzipien und die systematische Trennung von Entwickeln von Optionen und Bewerten von Optionen lassen sich schrittweise "realistische" Möglichkeiten entwickeln, die vor nicht denkbar (am wahrsten Sinne des Wortes) waren.

Dokumentation einer Unternehmensgründung


Zusammen mit einem Partner befinde ich mich gerade in einem Gründungsprozess für ein kleines Unternehmen. Natürlich haben wir uns bei der Entwickelung unserer Geschäftsidee eines systematischen kreativen Problemlöseprozesses bedient. Ich bin sicher, dass dieses Vorgehen jedem dabei helfen kann, von einer vagen Idee zu einem konkreten Vorhaben zu kommen. Sobald unsere Website live ist, werde ich die Dokumentation unseres Gründungsprozesses hier auf dem Blog veröffentlichen.

Innovationskultur - Die Kreativität des Menschen im Mittelpunkt

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn man bei Google zum Thema Innovation sucht fällt auf, dass das Stichwort Innovationsmanagement wesentlich mehr Ergebnisse liefert und auch stärker nachgefragt wird als das Stichwort Innovationskultur. Auch die Autoren des Buches "Innovationskultur: Vom Leidensdruck zu Leidenschaft" Jürgen Jaworski und Frank Zurlino sind der Auffassung, dass Unternehmen dem Thema Innovationsmanagement sehr viel Aufmerksamkeit schenken, der Frage der Innovationskultur meist zu wenig.
Im Gegensatz zu den mechanischen und gut fassbaren Methoden und Hilfsmitteln des Innovationsmanagements sei Innovationskultur ein weiches Thema, das wesentlich schwerer zu fassen sei und daher gern vernachlässigt werde.

Nach Meinung der Autoren entsteht Innovation nicht durch das mechanische Anwenden von Methoden des Innovationsmanagements. Diese seien zweifelsohne wichtig, jedoch alleine nicht ausreichend. Ein Ideenmanagementsystem alleine nütze wenig, wenn niemand Interesse daran zeige, auch Ideen dort einzubringen. Doch genau so sieht die Situation leider oft aus.

Innovationskultur - mühsam entwickelt schnell zerstört


Die Krux mit der Innovationskultur ist, dass diese nur langsam und mühsam entwickelt werden kann. Ich habe vor einigen Monaten über das Beispiel Rich Products berichtet, die nach eigenen Aussagen in Hinblick auf Ihre Innovationskultur einen 10 jährigen Entwicklungsprozess hinter sich haben.

Leider ist die Innovationskultur nach Jaworski und Zurlino ein sensibles Pflänzchen, dass sehr schnell wieder zerstört werden kann, z.B. durch Sanierungs-und Restrukturierungswellen oder auch übertriebenes Trimmen auf Effizienz, wie z.B. in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Verordnen kann man eine Kultur nicht, sondern diese muss gelebt werden: "Damit rangiert das Thema Innovationskultur weit vor der reinen Verbesserung von Innovationsprozessen und -strukturen. Dingen also, die in den meisten Unternehmen bereits in dicken Handbüchern beschrieben sind, meist auch gar nicht so schlecht. Nur sie werden nicht "gelebt". Und damit verpuffen diese gut gemeinten Ansätze." S. 20
Dieses "leben" beinhaltet meist ein langsames Ändern von Einstellungen und Verhaltensweisen, darum dauert es auch eine Zeit, bis eine kritische Masse an Menschen erreicht ist, die es vorleben und andere mitnehmen.

Woran man Innovationskultur erkennt


Es gibt nach den Autoren des Buches keine Schablone, die man auf alle Unternehmen stülpen könne, das Innovationskultur ein Teil der Unternehmenskultur ist, muss diese zum Unternehmen passen und sich aus dieser entwickeln. Im Buch "Innovationskultur" wird ein 9 Stufen Prozess beschrieben, wie es gehen könnte.

Artefakte einer Innovationskultur sind z.B. interdisziplinäre vernetzte Teams, der zunehmende Einbindung von Externen in den Innovationsprozess (open innovation), Freiräume für die Mitarbeiter, um Ideen zu entwickeln und voranzutreiben. Trotz alledem müsse es trotzdem klar definierte Innovationsprozesse (Stichwort: Innovationsmanagement) geben, um die Kreativität zu kanalisieren.

Aus meiner eigenen Erfahrung mit Kunden die ein Kreativitätstraining besucht haben, das als ein Baustein zur Schaffung einer Innovationskultur genutzt werden kann, hat sich etwas wirklich etwas verändert, wenn es in der täglichen Arbeit weniger "Ja, aber"-Phrasen gibt, die Menschen sich mehr auf Potenziale, denn auf Schwierigkeiten konzentrieren und Probleme nicht als unverrückbare Aussage formuliert werden, sondern als "Wie könnte...?"-Frage gestellt werden.

Prozesse für die Kreativität der Menschen


Hier glaube ich persönlich, gibt es dann doch wieder eine wichtige Verbindung zwischen Methoden und Prozessen und der Kultur der Kreativität. Wenn Methoden (ich spreche von Prozessen der kreativen Problemlösung und Kreativitätstechniken) richtig eingesetzt werden, stecken hinter diesen Vorgehensweisen Grundprinzipien der Kreativität, die von den Menschen nicht nur theoretisch verstanden werden müssen, sondern auch akzeptiert und gelebt werden müssen. Der Einsatz von expliziten Vorgehensweisen, wie ich diese in meinen Kreativitätstrainings vermittle wiederum kann dazu führen, dass die dahinter stehenden Prinzipien internalisiert und gelebt werden können, auch deshalb weil die Menschen erleben, dass das Vorgehen Mehrwert bietet.

Wege zum glücklicheren Leben

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist ja bekanntlich eine Zeit, in der wir alle hoffentlich ein wenig zur Ruhe kommen und etwas Abstand und Perspektive zum geschäftigen Alltag finden. Es ist auch die Zeit, in der viele Menschen das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen und Ziele für das kommende Jahr festlegen. Vielleicht machen auch Sie sich in diesen Tagen Gedanken, was wirklich wichtig ist in Ihrem Leben, welche Dinge Sie noch erreichen oder tun möchten. Egal, wie die persönlichen Ziele von jedem einzelnen aussehen, eines haben wir laut der positiven Psychologie alle gemeinsam: Wir wollen ein glückliches und zufriedenes Leben führen.

Wie ich aus dem phantastischen Buch happier von Tal Ben-Shahar gelernt habe, ist Glück nicht absolut zu sehen (ich bin glücklich oder unglücklich), sondern ist ein relativer Zustand, der sich immer steigern lässt. Ich kann glücklicher sein (daher der Titel des Buches) als ich es vor einem Jahr war.
Was Glück ist, wird jeder anders beantworten; ich möchte Ihnen ein Denkwerkzeug / eine Kreativitätstechnik vorstellen, die Ihnen helfen kann, auf systematische und kreative Weise der Frage näher zukommen, was die Kernfragen für Ihr glücklicheres Leben sind.

Mit einer Kreativitätstechnik Schlüsselfragen für das glückliche Leben identifizieren


Ich behaupte, dass ich von jedem Problem zum sogenannten "glücklichen Leben Dilemma" komme. Picken Sie sich irgendein beliebiges persönliches Problem / eine Herausforderung heraus und fragen Sie ein paar Mal "Wozu / warum möchte ich dieses Problem lösen?" nach einigen Wozu / warum-Fragen wird die Antwort lauten: "Weil ich ein glückliches Leben führen möchte."

Beispiel: Englischkenntnisse verbessern
Nehmen wir an, Sie möchten Ihre Englischkenntnisse verbessern: "Wie könnte (WK) ich meine Englischkenntnisse verbessern?" Nun frage ich Sie: "Wozu möchten Sie Ihre Englischkenntnisse verbessern?" Eine Antwort könnte nun lauten: "Weil ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern möchte." Als Problemfrage formuliert lautet das dann: "Wie könnte (WK) ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern?"
Diese Frage ist bereits etwas abstrakter oder breiter als die Frage nach den Verbesserungsmöglichkeiten für die Englischkenntnisse und könnte neben dem besseren Englisch noch andere Punkte enthalten. Wenn ich nun noch einmal paar Mal "Wozu/ Warum...?" frage, wird die Antwort irgendwann lauten "Weil ich ein glückliches Leben führen möchte". Ein durchexerziertes Beispiel(!) zeigt Bild 1. Es zeigt eine Art Leiter der Abstraktion vom spezifischen Problem zu einer immer breiteren und abstrakteren Problemformulierung. Die Frage nach den Englischkenntnissen ist also ein Baustein zu einem glücklicheren Leben in diesem Beispiel. Die Frage ist nur, ob die Beantwortung der Englisch-Frage zu Ihren Prioritäten zählen sollte, oder ob es nicht andere Fragen gibt, die wesentlich wichtiger sind.
Das wollen wir im nun herausfinden.

Im creaffective Kreativitätstraining rate ich den Teilnehmern davon ab, Problemfragen auf solch abstraktem Niveau, wie der Frage nach dem glücklichen Leben, zu wählen. Meist ist das zu breit. Ab und zu, zum Beispiel in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, kann es sehr sinnvoll sein, mit dieser grundlegensten aller Fragen zu beginnen. Das Entwickeln von Lösungsideen wird aber wohl trotzdem auf einem konkreteren Level statt finden müssen.

Prinzipien der Kreativität einsetzen


Eine sehr hilfreiche Kreativitätstechnik zur Klärung und Definition von Problemfragen ist die Technik des Challenge Mapping (dazu habe ich bereits einige Artikel geschrieben). Diese Kreativitätstechnik arbeitet damit, (1) ausgehend von einer Frage diese breiter zu formulieren, durch die Frage "Wozu / warum willst du ...?" und (2) ein Problem enger zu fassen, durch die Frage "Was hält dich davon ab ...?"
Diese beiden Fragen kann ich zu jedem beliebigen Problem mehrmals stellen und so eine Art Netz des Problemrahmens entwickeln (konkreter nach unten und abstrakter nach oben). Bild 2 zeigt mein persönliches Netz (Details unlesbar) zur Frage des glücklichen Lebens.

So geht es:
  1. 1. Beginnen Sie mit der Frage: "WK ich ein glücklicheres Leben führen?" und fragen Sie nun "Was hält mich davon ab?"
  2. Formulieren Sie eine Antwort z.B. "Ich habe zu wenig Zeit für meine Familie."
  3. Formulieren Sie diese Antwort nun wieder als "Wie könnte...?"-Frage also im Beispiel "WK ich mehr Zeit für meine Familie haben?"
  4. Stellen zu jeder Frage mehrmals die "Was hält mich davon ab...?"-Frage und entwickeln Sie das Netz somit nach unten und die Breite, indem Sie die Schritte 2. und 3. wiederholen.




In der Anwendung in einem Innovationsworkshop oder einem Strategieworkshop ist die Technik noch etwas komplizierter und aufwändiger, da wir durch Rückfragen immer wieder prüfen müssen, ob die Logik des Netzes stimmig ist.
So entsteht ein breites Netz an Problemformulierungen, die alle mit Ihrem Oberthema des glücklichen Lebens zusammen hängen.
Getreu den Prinzipien der Kreativität sollten Sie das Netz erst einmal entwickeln und dann entscheiden, welche Schlüsselfragen Sie mit Priorität beantworten müssen, um Ihrem Oberziel des glücklichen Lebens näher zu kommen (In Bild 2 sind diese gelb markiert). Ich erlebe es in meinem moderierten Workshops fast immer, dass sich durch diese Technik der Problemfokus verschiebt und sich anders gelagerte Kernfragen herauskristallisieren. Der große Mehrwert der Kreativitätstechnik des Challenge Mapping liegt darin, dass sie hilft, bewusst zu entscheiden, auf welche konkrete Frage ich meine Energie konzentrieren sollte und damit vermeide viel Zeit und Energie mit der Lösung eines Problems zu verbringen, dass eigentlich unwichtig oder Zeitverschwendung ist.

Für mich persönlich lautet eine dieser Schlüsselfragen "WK ich mehr Arbeit abgeben?". Eine Antwort ist, dass ich im kommenden Jahr viele Aufgaben an Assistenten abgeben werde. Die Lösung dieses Problems beeinflusst nach meiner Auffassung eine Reihe von abstrakteren Fragestellungen meines Challenge Maps, die über 5 Ebenen zum glücklicheren Leben führen. Wichtig bei diesem Vorgehen ist wieder, dass ich mir im Sinne eines kreativen Problemlöseprozesses erst Antworten überlege, wenn ich mir sicher bin, die richtige Frage formuliert zu haben.

Seien Sie Batman, nicht Superman – Wege zu mehr Kreativität und Innovation

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wir allen kennen die beiden Comic Helden, Batman und Superman. Beide retten ständig ihre jeweilige Welt und sind den "normalen" Weltbewohnern in ihren Fähigkeiten überlegen.
Was unterscheidet die beiden?
Superman ist was er ist aufgrund seiner übernatürlichen Kräfte. Das kann ihm niemand nachmachen.
Batman ist ein ganz normaler Mensch, der mit Hilfe einer Vielzahl technischer Unterstützer seine Taten vollbringt. Jeder könnte, wenn er Zugang zu diesen Hilfsmitteln hätte, ein Batman sein und das gleiche vollbringen.

aufgenommen von nhussein
http://www.flickr.com/photos/nhussein/3416854920/

In Hinblick auf Kreativität ist jeder ein Batman


Gregg Fraley machte auf seinem TEDxNasa Vortrag diesen schönen Vergleich. Jeder kann Kreativität leben, kreativ denken und in seiner Tätigkeit kreativ sein.
Die Grundlage dafür das leben der kreativen Grundprinzipien, die Trennung zwischen Entwickeln und Bewerten und das zurückhalten vorschneller Beurteilung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die technischen Hilfsmittel zu denen jeder Mensch Zugang hat. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um Prozesse der kreative Problemlösung wie Creative Problem Solving, TRIZ und Synectics und dem bewussten Einsatz von Kreativitätstechniken.



Genau diese Elemente sind Kern von Kreativitätstrainings und kommen zur Anwendung in meinen Innovationsworkshops.
Wie sagte es Gregg so schön: Innovation ist in Flaschen abgefülltes Wasser. Kreativität ist die Quelle aus der das Wasser kommt.

Kreativitätstraining

Samstag, 19. Dezember 2009

Neulich wurde ich wieder einmal mit folgender Aussage konfrontiert: Kreativ ist man oder ist man nicht, aber lernen kann man das nicht. Daher ist es mir schleierhaft, was man in einem Kreativitätstraining macht.

Definition: Kreativität ist die Fähigkeit ein materielles oder immaterielles Produkt hervorzubringen, das nützlich ist.
Ein Produkt kann dabei alles mögliche sein, ein Bild, eine Theorie oder eine Maschine. Für wie viele Menschen es nützlich sein muss, ist in meiner Definition nicht festgelegt. Hier gibt es in der Kreativitätsforschung unterschiedliche Auffassungen.
Worüber absolute Einigkeit besteht ist die Tatsache (!), dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die trainiert und verbessert werden kann und die nur zu einem geringen Teil von Veranlagung abhängt. Jeder Mensch, der über normale Intelligenz verfügt hat das gleiche Potenzial kreativ zu sein.

Was passiert in einem Kreativitätstraining?


Trainer, die ein Kreativitätstraining anbieten, gibt es viele. Auch das Verständnis von Kreativität und was in einem Kreativitätstraining passiert ist sehr unterschiedlich. Viele bieten, wie das Handelsblatt kürzlich verächtlich geschrieben hat "Trommelworkshops" an und verkaufen das dann als Kreativitätstraining.
Diese Art von Kreativitätstraining hat sicher auch ihre Berechtigung. Wenn es um Kreativitätstrainings für Organisationen und Unternehmen geht, wird sich dadurch jedoch sicherlich kein kreativer Output (im Sinne der obigen Definition) in der Organisation einstellen.
In einem viel beachteten Buchbeitrag aus dem Jahr 1994* hat Min Basadur die bis heute relevanten Faktoren zusammengetragen, die es benötigt, damit ein Kreativitätstraining Wirkung in einer Organisation entfalten kann, damit also die Menschen kreativ im Alltag handeln und es in ihre Arbeit übertragen.
Auf diesen Faktoren bauen das Kreativitätstraining von creaffective auf:

Vermittlung der Grundprinzipien von Kreativität


Die Grundlage der Kreativität ist die Trennung von zwei Prinzipien im Denken:
  1. dem Entwickeln von Optionen
  2. dem Bewerten von Optionen. Im Kontext der Ideenfindung spricht man von Ideen finden und Ideen bewerten.

Kreativität ist jedoch mehr als Ideen entwickeln. Die Ideenentwicklung ist nur ein Teil eines Kreativprozesses (siehe unten). Deshalb spricht man auch von zwei Arten des Denkens, dem divergierenden und dem konvergierenden Denken.
In einem Großteil der Besprechungen, die ich beobachte, findet diese Trennung nicht statt. Statt dessen laufen "ja, aber" - Runden ab, die meist langwierig und unproduktiv sind.
Wie Basadur herausgearbeitet hat, geht es nicht nur darum, dass Menschen diese Trennung von divergierendem und konvergierendem Denken theoretisch verstehen, sondern diese auch akzeptieren - indem sie im Training erleben, dass man dadurch schneller zu besseren Ergebnissen kommt – und diese dann auch im Alltag praktizieren.

Kreativitätstechniken


Auch wenn die Grundprinzipien der Kreativität beachtet werden, ist es oft trotzdem schwer, eingefahrene Denkbahnen zu verlassen und neue Sichtweisen auf Fragestellungen zu bekommen oder neue Ideen zu entwickeln. Dazu gibt es praktische Helferlein, Kreativitätstechniken oder Denkwerkzeuge. Diese können einem Individuum oder einer Gruppe helfen das Denken zu strukturieren und kreativ zu denken, z.B. dadurch, dass Denkrichtungen vorgegeben werden.





Einsatz eines Kreativprozesses


In einem Kreativitätstraining ist den Teilnehmern nicht geholfen, wenn der Trainer Ihnen an einem Tag 15 Kreativitätstechniken unsortiert um die Ohren haut. Dann passiert das, was mir ein Kunde zu Beginn eines meiner Trainings berichtet hat: "Nach dem damaligen Training waren wir noch verwirrter als vorher. Das möchte ich in diesem Training vermeiden."
Kreativität folgt einem Prozess bzw. ist ein Prozess! Dieser implizite und vielen Menschen nicht bewusste Prozess muss, besonders in Gruppen, explizit gemacht werden. Dazu gibt es Modelle der kreativen Problemlösung, wie Creative Problem Solving, Design Thinking und TRIZ-Modelle, die sich alle ähneln und denen man sich orientieren kann.
Grob vereinfacht kann man sagen, dass alle Modelle einen Kreativitätsprozess als einen Problemlöseprozess begreifen, der sich in die drei große Elemente einteilen lässt:
  • Problemfindung / Problemdefinition
  • Problemlösung
  • Lösungsimplementation
Auch die Arbeit eines Bildhauers kann man so darstellen!

Der Einsatz solcher expliziter Verfahren sorgt dafür, dass sich Menschen bewusst werden, wo innerhalb eines Kreativprozesses sie sich befinden. Die Modelle geben auch Hinweise, wann welche Kreativitätstechnik zum Einsatz kommt und sie strukturieren den Denkprozess einer Gruppe und helfen, qualitative Ergebnisse zu erzielen.
Im creaffective Kreativitätstraining für viele Teilnehmer neu ist der Aspekt, dass die oben genannten Prinzipien der Kreativität nicht nur bei der Problemlösung zum Einsatz kommen, sondern in allen drei Elementen eines Kreativprozesses, also auch bei der Problemdefinition und der Planung der Umsetzung einer Lösung.
Basadur drückt es so aus: "Thus, the notion is that it is not sufficient to merely "solve" a problem creatively. Creativity must also be applied to the implementation of a solution and to the discovery of the problem in the the first place." (S. 239)

Zwei weitere Faktoren üben einen Einfluss auf den Effekt von Kreativitätstrainings aus.
  1. Die Dauer: Wissenschaftlich lässt sich keine optimale Dauer bestimmen. Es hat sich nur gezeigt, dass es mindestens einen Tag benötigt, um die oben genannten Elemente ausreichend zu üben und damit nicht nur für das Verständnis, sondern auch für die Akzeptanz zu sorgen. Ein zweistündiges Kreativitätstraining ist also definitiv zu kurz.

  2. Die Teilnehmer: Wenn es sich um für offene Trainings in einer Organisation handelt, ist es wichtig mit den Führungskräften zu beginnen. Wenn das Training einen Effekt über das Individuum hinaus haben soll, dann bedeutet dies einen Kulturwandel innerhalb einzelner Teams. Ein Kulturwandel ist ein Prozess, der von oben nach unten statt findet. Daher sollten in einem offenen Kreativitätstraining zuerst Menschen mit Führungsverantwortung im Training sitzen. Eine andere Alternative ist ein Kreativitätstraining für ein ganzes Team, dass danach auch so weiter zusammen arbeiten wird.
Um wieder zum Anfang zu kommen: Kreativität kann man bewusst verbessern. Dafür kann ein Kreativitätstraining sinnvoll sein, besonders in einem Organisationskontext. Damit diese eine positive Wirkung haben können, müssen diese auf den obigen Grundlagen aufbauen.


"Kreativitätstraining" vollständig lesen

Wie die Lehre an den Universitäten sein könnte

Samstag, 12. Dezember 2009

Als ehemaliger Politikwissenschaftler hatte ich in diesem Semester die Ehre einen Kurs "wissenschaftliches Arbeiten" an meiner ehemaligen Alma Mater der LMU München genauer gesagt dem Geschwister-Scholl-Institut für politische Wissenschaften zu geben.

4 x Blockseminar, samstags von 10 – 18 Uhr. Der Albtraum eines jeden Studenten, wie mir versichert wurde. Dadurch hat sich zu meinem Vorteil, die Anzahl der Anmeldungen deutlich im Rahmen gehalten.
Heute war der letzte Termin und das Abschlussfeedback war sehr positiv: "So sollte Uni eigentlich sein!" Mir geht es nicht darum, mich selbst zu beweihräuchern!
Gespräche mit Studenten zeigen mir jedoch, dass Lehrveranstaltungen anscheinend oft anders ablaufen. An einer Universität lehren verständlicherweise Wissenschaftler. Ein guter Wissenschaftler ist noch kein guter Lehrer und umgekehrt. Ich habe in das Kursdesign viele Elemente aus meiner Tätigkeit als Trainer für Mind Mapping Seminare und Kreativtrainings einfließen lassen, nur das es diesmal um wissenschaftliche Inhalte ging.
Ich habe mit einigen einfachen Rezepten gearbeitet, die für alle "Lehrer" einsetzbar sind, ohne dass man dazu eine Trainerausbildung gemacht haben muss.

Das Accelerated Learning Modell
Ziel dieses Lehr- und Lernansatzes ist es, die Lernergebnisse des Lernenden zu erhöhen. Der Ansatz arbeitet dabei mit vielen Elementen, die gehirn- und lerngerecht sind, dabei gleichzeitig aber sehr spielerisch sind. In Deutschland findet man diesen Ansatz in der Suggestopädie wieder.
Unten stehend finden sich die Präsentationsfolien, die ich für ein Dozentencoaching an der Universität verwendet habe.




Elemente von Accelerated Learning
  • Der Lernende wird mit allen Sinnen und mit dem ganzen Körper in die Lernerfahrung einbezogen.
  • Lernen muss Spaß und Freude machen. Es ist Aufgabe des Lehrenden dafür zu sorgen.
  • Spaß und Freunde entstehen besonders dann, wenn Lernen spielerisch abläuft. Kinder machen dies ganz natürlich. Das Lernen sollte damit wieder kindlicher werden (nicht kindischer!). So habe ich zum letzten Termin die Teilnehmer mit Lego und anderen Bastelmaterialien die Essenz des Kurses bauen lassen (siehe Bilder).
  • Der Lehrer ist dazu da, das Lernen anzuregen und dann aus dem Weg zu gehen. Es nicht Aufgabe des Lehrers, das Wissen löffelweise in die Lernenden reinzutrichtern.





Das Konzept läuft auf viele Weise "traditionellen" Vorstellungen von Lernen und Lehre zuwider und wird gerne als Quatsch und Spielerei abgetan. Die Erfahrung zeigt, dass es funktioniert und die Lernergebnisse besser werden, d.h. die Lernenden können in kürzerer Zeit, mehr behalten und Inhalte tiefer durchdringen und verstehen.

In einem anderen Artikel habe ich erläutert, warum diese Art des Lernens und Lehrens für das 21. Jahrhundert angemessen ist.

Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das Buch: The Accelerated Learning Handbook von Dave Meier.

Wie könnte die Lehre an Universitäten anders aussehen?
Ich habe kein Patentrezept und nicht der Weisheit letzten Schluss. Viel in der Lehre läuft deshalb so, weil man es "halt schon immer so gemacht hat". Eine Möglichkeit aus den eingefahrenen Denkbahnen auszubrechen, die auch bei meinen Kreativtrainings und Innovationsworkshops oft zum Einsatz kommt, ist Edward de Bonos Fluchtmethode. Die Fluchtmethode ist eine Technik des lateralen Denkens, die einmal bewusst Grundannahmen hinterfragt, um daraus neue Ideen abzuleiten. (siehe Bild)



Angewandt auf die universitäre Lehre könnte die Frage so lauten: Was nehmen wir als gegeben hin bei der universitären Lehre?

Dinge die mir einfallen:

  1. Frontalunterricht
  2. Kurseinheiten sind in 1,5 Studenhäppchen über das Semester verteilt
  3. Es gibt schriftliche Prüfungen
  4. Meist gibt es einen Dozenten und viele Studenten


Wenn ich nun zu jedem Punkt das Gegenteil bilde, dann lautet z.B. Punkt 1: Eine Lehre ohne Frontalunterricht.

Nun lassen sich zu jedem Punkt Ideen entwickeln, was man statt dessen machen könnte:

Zum Beispiel:

zu 1.:
  • Gruppenarbeit
  • der Professor als Coach
  • Lehrveranstaltungen als Open Space
  • Lehrveranstaltungen mit Workshop-Charakter
  • Lehrveranstaltungen als Projektarbeit mit Kurzinputs im Frontalstil
  • Lehrveranstaltungen als Kaminrunden
zu 2.:
  • Blockseminare
  • Projektwochen die das Semester strukturieren
  • längere Zeiten als 1,5 Stunden
zu 3.:
  • Studierende arbeiten in Projekten, die benotet werden
  • Studierende erstellen "Produkte"
zu 4.:
  • Jeder Dozent hat Studenten als Teaching Assistent(s). Dieses Glück hatte ich dieses mal.
  • In einem Kurs sind mehrere Dozenten
  • Der Kurs läuft als Open Space ab.
Alles erst einmal nur Ideen und noch keine Lösungen. Aber es gibt definitiv viele Möglichkeiten, Dinge positiv zu verändern. Den entsprechenden Workshop, um diese Möglichkeiten auszuarbeiten moderiere ich gerne :-)

Wege zu höherer persönlicher Arbeitsproduktivität – Tipps für effektiveres Arbeiten

Donnerstag, 10. Dezember 2009

In Teil 1 dieser Serie, habe ich mich entschlossen die Frage nach der höheren Arbeitsproduktivität in zwei Unterfragen aufzuteilen.

Die Frage nach dem effizienteren Arbeiten und die Frage nach dem effektiveren Arbeiten.

Was bedeutet diese Unterscheidung für mich?
Effizient heißt, die Dinge die man tut möglichst schnell oder mit wenig Aufwand zu erledigen.
Beim Effizienzgedanken wird nicht hinterfragt, ob die Dinge, die man tut, überhaupt die richtigen sind.
Das ist für mich die Frage der Effektivität: Tue ich die richtigen Dinge?

Im persönlichen Kontext gibt es hierauf keine vorgegebene Antwort, diese muss wohl jeder für sich selbst finden.
Im beruflichen Kontext, zumindest als Angestellter, sind die Oberziele meist mehr oder weniger vorgegeben. Die Oberziele (z.B. die Mission eines Unternehmens oder ganz einfach das Ziel Geld zu verdienen) sind jedoch zu abstrakt und in ihrer Abstraktheit nur schwer direkt zu erreichen. Deshalb werden diese meist noch einmal herunter gebrochen. Auf dieser Detail-Ebene stellt sich nun trotz des vorgegebenen Oberziels immer wieder die Frage nach der Effektivität. Tue ich das richtige, um das Oberziel, z.B. in 2009 X% mehr Kunden zu gewinnen?

Aus dem bei brainr gestarteten Brainstorming hier nun meine persönliche TOP-Liste zum effektiven Arbeiten.

  1. Wissen, was Erfolg ist – Ziele setzen
    Bevor ich beurteilen kann, ob ich effektiv arbeite, muss ich erst einmal wissen, was Erfolg überhaupt darstellt. Besonders relevant finde ich das auch für eigene Leben, in dieser Serie geht es jedoch um die Arbeitsproduktivität.
    Wie immer bediene ich mich einer Reihe von Denkwerkzeugen, die mir helfen können. Zum Finden und Auswählen von Zielen und zur Frage, woran man erkennt, ob man seinem Ziel näher kommt, habe ich auf diesem Blog schon einmal die Denkwerkzeuge Wunschdenken, Erfolgszonen und DRIVE vorgestellt.

  2. Ziele systematisch analysieren und priorisieren
    Gerade im Beruflichen hat man meist mehr Ziele oder potenzielle Ziele als realistischerweise erledigt werden können. Auch hier finde ich es wieder hilfreich zu überlegen, welche der vielen möglichen Herausforderungen ich nun mit hoher Priorität angehen sollte. Auch hier hilft mir grundsätzlich das Denkwerkzeug Erfolgszonen.
    Bei sehr breiten Zielen wie, z.B. meine Firma creaffective weiter voranbringen geht es vorher noch einmal darum, genau zu klären, was das nun eigentlich heißt. Im Rahmen eines kreativen Problemlöseprozesses befinden wir uns hier beim Formulieren von Herausforderungen.
    Eines der hilfreichsten Denkwerkzeuge dazu ist das Challenge Mapping. Aus dem Oberziel creaffective voranzubringen lassen sich daraus eine Reihe von konkreteren Detailzielen ableiten. Mit dieser Technik arbeite ich vor allem in moderierten Strategieworkshops und Innovationsworkshops.


  3. Bei der Wochenplanung die 20% der Tätigkeiten identifizieren, die 80% des Erfolgs ausmachen
    Leo Babauta verwendet in seinem e-book zen to done den Begriff der Wochenbrocken, also die großen Aufgaben, die mich meinen Zielen näher bringen. Diese wenigen (2 – 3) Wochenbrocken sollten immer Priorität haben und jede Woche im Rahmen einer Wochenplanung mit den Jahreszielen abgeglichen werden. Zwischendurch kann man nach Babauta dann die kleinen Steinchen erledigen, wie z.B. Mails schreiben etc., die einen sonst oft den ganzen Tag beschäftigen können.
    Diese Vorgehen finde ich sehr hilfreich, um während des effizienten Arbeitens immer wieder einmal Perspektive zu gewinnen und zu überlegen, was wirklich wichtig ist.


  4. Morgenreflektionen durchführen
    In einem Interview mit dem Handelsblatt vom 25.10.2009 hat Henry Minzberg einmal von seinem Vorgehen der Morgenreflexion berichtet. Diese kommt bei den MBA Studiengängen zum Einsatz:
    "Was sind denn morgendliche Reflektionen? [Handelsblatt]

    [Mintzberg] Die Teilnehmer haben ein leeres Buch, darin steht nicht mehr als ihr eigener Name. Jeden Morgen sitzen sie in einer Runde zu viert oder fünft zusammen und schreiben Gedanken des vergangenen Tages auf, die im Kurs aufkamen, oder Probleme im Beruf oder etwas, das sie gehört haben. Nach etwa zehn Minuten tauschen sie sich untereinander über das aus, was sie geschrieben haben. Dann kommen alle Teilnehmer zusammen und die Gruppen teilen allen ihren jeweils besten Gedanken mit. Wir fügen auf der ersten Seite noch ein Zitat einer Absolventin ein. Sie hat gesagt: 'Das ist das beste Buch über Management, das ich je gelesen habe.' "
    Dieses Vorgehen kann ich mir auch gut vorstellen, um immer wieder durch Rückmeldung von anderen zur erfahren, ob wir noch das richtige tun.

  5. Aus Fehlern lernen
    Diese Idee fand ich klasse und hat mich an ein Vorgehen erinnert, dass ich während einer RealAcad-Fortbildung vor Jahren kennen gelernt habe.
    RealAcad arbeitet mit persönlichen Verbesserungslisten. Dort trägt man die Dinge ein, die nicht gut funktioniert haben und versucht diese beim nächsten Mal besser zu machen. Außerdem wird in die Liste geschrieben, wie man versuchen wird, es beim nächsten Mal besser zu machen.

  6. Regelmäßig unproduktive Zeiten festlegen um nichts zu tun und aufzutanken
    Anselm Bilgri schreibt in seinem neuen Buch von der verlorenen Stunde, die man sich nehmen solle. Eine Stunde täglich, die man sich bewusst für sich selbst reserviert, in der man nichts machen muss, sondern einfach nur den Gedanken nachhängen kann. Das ist dann vielleicht wie die Ideen, die beim Duschen kommen.


Eine absolut subjektive Liste, vielleicht sind ja für den einen oder anderen Leser noch weitere lohnenswerte Ideen in der brainr-Liste.

Erfolgsfaktoren von Innovationsworkshops

Freitag, 4. Dezember 2009

Vor kurzem bin ich von einer Studentengruppe angeschrieben worden, die sich in einem Projekt mit den Erfolgsfaktoren von Ideenworkshops oder Innovationsworkshops beschäftigt. Ich bin gefragt worden, was aus meiner Sicht die Erfolgsfaktoren von Innovationsworkshops seien.
Unter einem Innovationsworkshop oder Kreativworkshop verstehe ich die Zusammenkunft einer Gruppe von Leuten, die auf ein Problem neue Lösungen generieren möchte, die umsetzbar sind und in einen Markt oder eine Organisation eingeführt werden können (=Innovation).

Die TOP 7 Faktoren aus meiner Sicht, es gibt noch weitere, möchte ich einmal vorstellen.

  1. Ausreichend Zeit
    "Können wir das nicht in ein paar Stunden machen?" In einem Innovationsworkshop kann eine Gruppe in vergleichsweise kurzer Zeit zu wirklich neuen Lösungen kommen, die durchdacht und bereits über einen hohen Detaillierungsgrad verfügen. Vergleichsweise kurz heißt, dass eine Gruppe innerhalb von wenigen Tagen etwas erreicht, was vorher in Wochen oder Monaten nicht geschafft wurde. Das ist kurz!
    Trotzdem dauert es mehr als ein paar Stunden, besonders bei technischen Fragestellungen. Aus der Erfahrung dauern Innovationsworkshops meist zwischen 2 und 3 Tagen, je nach Thema und Komplexität auch noch länger. Im Sinne der Lösung, macht es keinen Sinn, die Zeit zu stark einzuschränken. Wenn es wirklich wichtig ist, muss diese Zeit einfach möglich sein. Falls nicht, muss ich die Ernsthaftigkeit des Themas schon im Vorhinein in Frage stellen.

  2. Die richtigen Teilnehmer
    Ein erfolgreicher Innovationsworkshop hängt sehr von der richtigen Zusammensetzung der Workshopteilnehmer ab. Es sollten zuerst einmal alle notwendigen Wissensträger dabei sein. Trotzdem ist es wichtig, eine Mischung aus unterschiedlichen Leuten zu haben, d.h. hinsichtlich ihrer Funktion und ihres Hintergrundes. Bei Themen, wo es einen Kunden gibt, kann es sinnvoll sein, auch jemand von Kundenseite im Workshop zu haben. Es sollten Vertreter unterschiedlicher Stakeholder dabei sein, um eine Umsetzung der Lösung möglichst reibungslos zu gewährleisten.

  3. Einbinden der Stakeholder
    Dieser Punkt hängt mit dem vorherigen zusammen. Bei vielen Fragestellungen, z.B. bei der Weiterentwicklung von Produkten oder Dienstleistungen haben viele Personengruppen ein Interesse an der Lösung, nicht nur diejenigen, die das Produkt oder die Dienstleistung entwickeln. Das ist einmal der Kunde, der es nachher nutzen soll, aber auch interne Stakeholder wie z.B. Vertrieb oder Marketing. Diese Stakeholder sollten frühzeitig eingebunden werden.Wenn es Sinn macht, sollten diese bereits in einem Workshop dabei sein. Damit lässt sich die not invented here-Reaktion vermindern und die Unterstützung und reibungslose Umsetzung der Lösung verbessern.

  4. Vorbereitung
    Ein Innovationsworkshop ist immer nur so gut wie die Vorbereitung. D.h. einmal, dass es unbedingt ein ausführliches Vorbereitungsgespräch geben muss und zwischen Erstgespräch und dem Workshop genügend Zeit sein sollte, um die Hausaufgaben zu machen. Bei einem zweitägigen Workshop ist es durchaus realistisch vorab zwei bis drei Tage Vorbereitung einzuplanen von Moderator und Kunden.

  5. Methodik – Duschen alleine reicht nicht
    Ein Teilnehmer eines Innovationsworkshops sagte einmal den schönen Satz: "Duschen hilft der Kreativität, aber Duschen alleine reicht nicht."
    Anders gesagt, die Methodik alleine, ohne die anderen Faktoren hilft nichts, aber ein Workshop ohne die richtige Methodik kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht zum Erfolg.

    Ich arbeite in meinen Workshops mit dem Creative Problem Solving Verfahren, ein Orientierungsmodell, dass eine Gruppe auf sehr systematische Weise durch dein Einsatz von kreativen Prinzipien und Denkwerkzeugen und Kreativitätstechniken durch einen Problemlöseprozess führt. Denn um nichts anderes geht bei sämtlichen Workshops, egal ob diese nun Innovationsworkshop, Kreativworkshop, Ideenworkshop oder Strategieworkshop heißen.



    Zentral ist dabei die Trennung zwischen divergierendem und konvergierenden Denken, also die delikate Balance zwischen dem generieren von Optionen und der bewussten Auswahl und Filterung der Optionen. Für den Workshop heißt das, dass man dieses in die Breite schauen aushalten können muss. Besonders Ingenieuren fällt dies schwer, diese sind es gewohnt schnell zu einer Lösung zu kommen, was dazu führen kann, vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.



  6. Motivation
    Die Motivation der Teilnehmer ist Grundlage für alle Bemühungen zu neuen Lösungen zu kommen. Am besten ist diese intrinsisch und speist sich aus dem Interesse für dich Sache. Das wird wiederum ist oft bei den Ingenieuren besonders sichtbar.

  7. Management
    Nichts ist frustrierender als ein Workshop nach dem danach nichts passiert. Die Unterstützung des Managements und dessen Ernsthaftigkeit ist daher von zentraler Bedeutung. Hier sind wir wieder beim Thema Zeit. Nicht nur für den Workshop selbst braucht es Zeit, sondern auch nach dem Workshop müssen die notwendigen zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um das Ergebnis wirklich umzusetzen. Sonst verliert die Lösung an Momentum und versandet.
Aus meiner Sicht, ist es für einen erfolgreichen Innovationsworkshop hilfreich, diese Faktoren sicherzustellen und auch dem Kunden bewusst zu machen.