Die drei Zutaten der Kreativität

Gestern haben wir einen Anruf von einem potenziellen Kunden bekommen, der sich nach einem unserer Kreativitäts- und Innovationsworkshops erkundigt hat. Die Kontaktperson war nett und freundlich, hat jedoch auch ganz unumwunden zugegeben, dass sie im Auftrag Ihres Vorgesetzten anruft und nicht viel hält von Kreativitätsworkshops. Mann könne Kreativität und Innovation ja schließlich nicht erzwingen und nicht beeinflussen.

Kreativität lässt sich nicht erzwingen, jedoch unterstützen

Ich bin mit dem Anrufer völlig einer Meinung in Hinblick auf den Zwang zur Kreativität. Man kann Kreativität nicht erzwingen bzw. Zwang vermindert den kreativen Output. Man kann Kreativität allerdings sehr wohl begünstigen und unterstützen. Diese Aussage ist aus den letzten 50 Jahren der Kreativitätsforschung fundiert belegt.
Teresa Amabile hat mit ihrem Komponentenmodell der Kreativität drei Hauptfaktoren herausgearbeitet, die bei einer Person dafür verantwortlich sind, wie kreativ das Ergebnis einer Anstrengung ist.

Folgende drei notwendigen, jedoch für sich genommen nicht hinreichenden Variablen sind zentral:

  • die fachlichen Fertigkeiten und Kompetenzen
  • die Fertigkeiten und Kompetenzen in Hinblick auf Kreativität
  • die Motivation in Hinblick auf die Aufgabe

Alle drei Variablen lassen sich sehr wohl beeinflussen und damit auch der kreative Output einer Person.

Drei Zutaten der Kreativität

Solides Handwerk als Grundlage

Stellen Sie sich vor, Sie sollen eine neue kreative Lösung für die Softwareansteuerung von Industrierobotern finden. Um dies tun zu können, benötigen Sie Wissen und Erfahrung im Bereich Software und vermutlich auch für den speziellen Fall von Industrierobotern. Ohne eine solide Wissens- und Erfahrungsgrundlage werden Sie nicht in der Lage sein, bestehendes Wissen auf kreative Weise neu zu kombinieren oder ganz neue Lösungen zu schaffen.
Deshalb muss man zuerst sein Handwerk solide beherrschen, bevor man Neues schaffen kann. Dies lässt sich auch sehr schön in der Kunst beobachten. Die heute für ihren kreativen Malstil bekannten Maler haben in ihrer Anfangszeit erst einmal die alten Künstler und die bekannten Maltechniken geübt und imitiert. Erst dann waren sie in der Lage, Neues zu schaffen. Dies lässt sich schön in Ausstellungen nachvollziehen, die die Schaffensgeschichte einzelner Künstler zeigen.

Kreativität als erlernbare Fertigkeit

Am meisten Mythen ranken sich immer noch um die Kreativität. Es gibt viele Menschen – wie der gestrige Anrufer – die glauben, das Kreativität eine nebulöse nicht beeinflussbare Eigenschaft ist, die man entweder hat oder nicht hat.
Ja, es gibt angeborene Talente, die die Richtung der eigenen Kreativität beeinflussen können, die man in der Tat hat oder nicht hat.
Der Großteil des kreativen Outputs hängt allerdings ab von spezifischen erlernbaren Fertigkeiten, Einstellungen und Denkstrategien in Hinblick auf kreatives Denken.
Darum geht es in unseren Kreativitätstrainings. So gibt es Grundprinzipien des kreativen Denkens, die man erlernen und trainieren kann. Es gibt eine Vielzahl an Werkzeugen und Methoden, die man sich zur Hilfe nehmen kann. Und schließlich gibt es Grundhaltungen und Einstellungen, die der Kreativität förderlich sind, die man bewusst ausbilden und leben kann.
Leider sind diese Fertigkeiten und Kompetenzen nicht Teil unseres normalen Ausbildungssystems. Das heißt jedoch nicht, dass es diese nicht gibt.

Ohne Motivation ist alles nichts

Fachliche und kreative Fertigkeiten nutzen jedoch nur begrenzt, wenn der innere Antrieb, das Interesse oder die Leidenschaft für ein Thema fehlen. Intrinsische aus sich selbst kommende Motivation ist ganz zentral, da sie die nötige Energie und Ausdauer liefert, die es benötigt, um eine Aufgabe kreativ zu lösen.
Was wir aus der Forschung inzwischen auch gut wissen ist, dass es sich um intrinsische Motivation handeln muss, nicht um extrinsische, von außen kommende Motivation.

Leidenschaft für ein Thema / Gebiet hat man oder man hat sie nicht. Da kann man als Unternehmen in der Tat auch wenig ausrichten, lediglich Interesse wecken und eine Einladung aussprechen. Es benötigt jedoch eine Grundmotivation von Menschen, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Das Problem von Unternehmen ist es aus meiner Sicht jedoch sowieso nicht, die Leute zu motivieren, etwas tun zu wollen. Es geht vielmehr darum, die Menschen nicht weiter zu demotivieren und damit eine an sich vorhandene Motivation zu unterdrücken. In vielen Arbeitsfeldern, die Kreativität erfordern, muss ich davon ausgehen, dass Menschen motiviert sind. Ich muss diese Motivation nicht schaffen. Menschen, die sich für ein Thema begeistern, haben Interesse daran, an einer Sache weiter zu kommen und Fortschritte zu machen.
Wir erleben jedoch in der Zusammenarbeit mit Kunden immer wieder, dass sowohl die Kultur (besonders in Form von Führungskräfteverhalten) und die Struktur eines Unternehmens diesen Fortschritt behindern und die Menschen damit demotivieren. Dann nützen auch Geld und andere Karotten nichts. Man kann als Unternehmen jedoch bewusst analysieren, welche Faktoren es sind, die Menschen demotivieren und anderen Praktiken ausbilden. Auch hier liefert uns die Forschung gute Erkenntnisse auf welche Aspekte man hier achten kann.

Kreativ heißt noch lange nicht innovativ

Die Kreativität von Menschen kann man also sehr wohl unterstützen und fördern. Unternehmen können dies bewusst und aktiv tun. Damit ist jedoch noch nicht garantiert, dass ein Unternehmen besonders innovativ und erfolgreich ist. Kreativität der Mitarbeiter ist ebenfalls wieder eine notwendige jedoch für sich alleine keine hinreichende Variable zu mehr Innovation. Hier wiederum gibt es eine Reihe von weiteren Stellschrauben an denen man als Organisation drehen kann und muss. Wir werden dazu in Kürze ein Whitepaper veröffentlichen, dass diese Faktoren näher beleuchtet und Erkenntnisse aus der Wissenschaft als auch aus unserer Beratungsarbeit verbindet.

2 Kommentare auf “Die drei Zutaten der Kreativität
  1. vielen Dank für Ihre Rückmeldung!

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