Das Potenzial von Testmethoden der Online Branche für Entwicklungs­prozesse in Produktions­unternehmen

Das Spannende an unsere Arbeit mit Kunden aus unterschiedlichsten Branchen sind die Einblicke in verschiedene Unternehmen, Industrien und deren Methoden und Handlungslogiken. Gemeinsam ist allen Kunden, dass wir sie unter anderem im Rahmen von Innovationsprozessen zur Schaffung neuer Produkte und Dienstleistungen unterstützen.
Sobald dann zum Beispiel aus einem unserer Innovationsworkshops erste konkrete Konzepte herauskommen, werden je nach Branche deutliche Unterschiede sichtbar, wie mit diesen Konzepten weiter verfahren wird.

Produzierende Unternehmen, die physische Produkte herstellen arbeiten meist das Lösungskonzept noch weiter aus, reichern es mit technischen Details an, um es dann in einen definierten Entwicklungsprozess einzukippen, der dann nicht selten mehrere Jahre läuft. Im Verlauf dieses Prozesses unterstützen wir dann immer wieder punktuell. Während dieses Entwicklungsprozesses gibt es meist wenige Möglichkeiten Rückmeldung vom Markt zu bekommen und aufbauend auf dieser Rückmeldung Veränderungen vorzunehmen.

Manche Unternehmen in der Software- und Web-Branche hingegen, die mit agilen Methoden und nutzerzentrierten Innovationsprozessen arbeiten, versuchen möglichst schnell ein sogenanntes Minimum Viable Product (Ein Begriff aus der Lean Startup Methodik) zu entwickeln. Dieses Minimum Viable Product (MVP) ist eine extrem vereinfachte abgespeckte Version, dass die Kernfunktionalitäten illustriert. Ein Vorstufe zu einem MVP können ganz simple Prototypen wie Clickdummies von Software etc. sein. Dadurch lässt sich mit relativ wenig Aufwand ein Konzept soweit greifbar machen, dass man Nutzerrückmeldungen dazu einholen kann.
Ein weiterer Unterschied von Internetunternehmen ist die Art wie und von wie vielen Menschen diese Rückmeldungen einholen können. Unternehmen wie Google können zum Beispiel viele kleine Veränderungen gleichzeitig mit verschiedenen Nutzergruppen fahren und dabei trotzdem immer nur eine Veränderung testen, um genauere Daten zu bekommen. Bei diesem quantitativen Ansatz übersteigt auch die Anzahl der Rückmeldungen, die von Fokusgruppen deutlich.

Durch diese Vorgehensweise ist es für Internetunternehmen möglich, sehr schnell und iterativ zu arbeiten und Nutzerrückmeldungen unmittelbar einzuarbeiten.

Übertragbarkeit auf produzierende Unternehmen

Ich glaube, dass diese Vorgehensweisen zumindest teilweise auch auf produzierende Unternehmen übertragbar sind.
Mehrere Optionen sind hierbei denkbar:

  1. Entwicklung von einfachen Prototypen
    Auch produzierende Unternehmen können viel schneller ganz einfache Prototypen erstellen, die den Namen Prototyp in dem Sinne, wie produzierende Unternehmen den Begriff verwenden wahrscheinlich gar nicht verdienen. Abbildung 1 zeigt einen Prototyp für einen Gamification Ansatz beim Autofahren, der in einem Innovationsworkshop mit einem Automobilhersteller entstanden ist.
  2. Schnellere Kundenrückmeldungen
    Ich glaube auch, dass auch, dass man mit solch einfachen Prototypen nicht nur die eigene Entwicklung unterstützen kann, sondern auch früher Kunden ansprechen kann, um qualitative Rückmeldung zu bekommen.
  3. Einsatz von quantitativen Test-Methoden von Internetfirmen
    Auch produzierende Unternehmen könnten Demovideos und Simulationen über das Internet einer größeren Anzahl von Leute vorstellen ohne je ein physisches Produkt entwickelt zu haben. So könnten sie Rückmeldungen von einer deutlich hehreren Anzahl von Personen erhalten, um zum Beispiel zu testen, ob eine bestimmte endkundenrelevante Funktion von Endkunden als relevant wahrgenommen wird oder um verschiedene Varianten eines Produktes zu testen.

Prototyp

Wir versuchen unsere Kunden in Innovationsprojekten dahin gehend zu coachen und die Akzeptanz für diese im Produktionsumfeld oft ungewöhnlichen Ansätze zu erhöhen.
Interessant ist dabei zu sehen, welchen Handlungslogiken manche Unternehmen dabei folgen, die dieses Vorgehen erschweren. Da dieses Vorgehen im „definierten“ Entwicklungsprozess nicht vorgesehen ist, gibt es dafür auch kein Budget. Wenn dann im späteren Verlauf ein Vielfaches an Geld nötig wird, um Kurskorrekturen vorzunehmen, die man viel früher bereits hätte vornehmen können, ist das wiederum ok, denn das ist im „definierten“ Prozess vorgesehen.

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