Übersichtsseite mit allen Begriffen zum Glossar Organisationsentwicklung.

Ein Experiment im Kontext von Organisationsentwicklung ist ein Versuch, um die einer situation inhärente Ungewissheit zu reduzieren. Ungewissheit meint dabei, dass nicht klar ist (und man es auch nicht vorweg wissen kann), zu welchem Resultat eine Handlung führen wird.

zwei Arten von Experimenten: Hypothesenbasiert oder kreativ

Man kann dabei zwei Arten von Experimenten unterscheiden:

Die meisten Menschen werden beim Begriff Experiment von einem hypothesenbasierten Experiment ausgehen. Diese sind Grundlage der wissenschaftlichen Methode. Dem Experiment liegt dabei eine Hypothese zu Grunde, die man mit dem Experiment testen möchte. Es gibt einen idealen Ausgang oder einen bekannten und wünschenswerten Zielzustand. Mit dem Experiment prüft man, ob die Hypothese trägt. Sie trägt nicht, wenn man die Hypothese falsifizieren kann. Die Hypothese besteht, bevor (!) man das Experiment durchführt. Man kann diese Art des Experiments auch als Test bezeichnen.
Im Kontext von Organisationsentwicklung könnte eine Hypothese zum Beispiel wie folgt lauten: Wir glauben, dass ein größerer variabler Anteil des Gehalts zu mehr Engagement unserer Vertriebler führt.

Eine zweite Art von Experiment kann man „kreatives Experiment“ nennen. Hier gibt es zu Beginn keine Hypothese und keine Vorstellung von einem erfolgreichen Ausgang. Solche Experimente starten mit einer Richtung, einer Resonanz, einem Bauchgefühl und es geht darum, ergebnisoffen auszuprobieren. Es ist also mehr ein Erkunden und Explorieren. Im Kontext von Organisationsentwicklung könntet das zum Beispiel ein „herumspielen“ mit dem Einsatz von KI im eigenen Arbeitsfeld bedeuten. Ich versuche KI in meine Arbeitsaufgaben einzubinden und der KI Teile meiner Aufgaben zu übergeben und möchte sehen, was passiert.

Experimente als Mittel zur Veränderung von Organisationen

Wir nutzen ein bewusst gestaltetes Vorgehen von Experimenten, um Organisationsentwicklung mit Kunden zu betreiben. Der Großteil unserer durchgeführten Experimente sind hypothesenbasiert, aber nicht nur.

Aus unserer Sicht sind Experimente besonders geeignet, um mit dem per se ungewissen Prozess der Organisationsentwicklung umzugehen zu können und die Ungewissheit handhabbar zu machen.

Warum lässt sich Organisationsentwicklung so schlecht planen? Im Glossar-Eintrag zum Thema Systemtheorie habe ich erläutert, dass Organisationen emergente und nicht-triviale Systeme sind. Dadurch kann man zwar planen, darf aber nicht davon ausgehen, dass es auch nur annähernd nach Plan laufen wird.

Emergent heißt, dass sich Dynamiken durch die Interaktion von Elementen einer Organisation ergeben. Dieser Dynamiken lassen sich zwar im Nachhinein durch Kenntnis der einzelnen Elemente erklären, man kann die Dynamik aber im Vorhinein nicht berechnen. Ähnlich wie bei einem Fußballspiel. Obwohl man alle Spieler beider Teams kennt, kann niemand das Ergebnis der Partie im Vorfeld wissen.

Nicht-trivial bedeutet, dass es keine grundsätzlich reproduzierbaren Kausalzusammenhänge gibt. Wenn ich A mache, kann B herauskommen. Wenn ich wieder A mache, kann C herauskommen. Manche Ergebnisse sind durchaus mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartbar, aber eben nicht sicher vorhersagbar. Wenn ich meinen Abteilungsleiter in einem Meeting als Idioten betitle, dann ist es nicht wahrscheinlich, dass er mich für mein weitsichtiges Verhalten loben wird. Im Gegenteil, ich kann mich relativ sicher auf eine negative Reaktion einstellen.