Im Jahr 2004 habe ich zum ersten Mal das Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ vom österreichisch-amerikanischen Philosophen Fritjof Bergmann gelesen (auf Englisch „New Work – New Culture“).
Darin beschreibt er einen neu verstandenen Arbeitsbegriff, bei dem es im Kern darum geht, herauszufinden was man „wirklich wirklich will“. Zumindest zu einem Drittel seiner Zeit sollte man diesem wirklich wirklich Wollen nachgehen. Ein weiteres Drittel der Zeit kann man mit „High-Tech-Eigenproduktion“ Dinge herstellen, die man selbst zum Leben braucht und im letzten Drittel können die Menschen abhängig beschäftigt Geld verdienen. Diese neue Arbeit und die dafür notwendige neue Kultur der Arbeit hat Fritjof Bergmann bereits in den 80er Jahren in den USA erprobt, als General Motors in Flint viele seiner Arbeiter entlassen hat.

Mit gehöriger Verspätung ist der New Work Begriff in 2010er Jahren nun im deutschsprachigen Raum angekommen und ist gerade schwer in Mode.
Das soziale Netzwerk Xing vergibt einen New Work Award und viele Firmen schreiben sich New Work auf die Fahnen.
Ich bin einer der Mitgründer und Organisatoren des Münchner New Work Meetups, wo wir uns mit verschiedenen – unter New Work subsumierten – Themen und Fragen beschäftigen.

david-pisnoy-660309-unsplash

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Gleichzeitig ist der Schwerpunkt von New Work in Europa im Jahr 2019 nicht, Menschen in schwierigen Situationen zu einem teilweisen Neustart zu verhelfen. In unseren Breiten geht es bei New Work eher darum, Firmen in dynamischen Zeiten fit zu machen und attraktiv für Mitarbeiter. Bei Bergmann ist neue Arbeit sehr stark auf den Einzelnen fokussiert. Ich sehe die New Work Praktiken hier eher mit einem Fokus auf das Team und das Unternehmen. Es handelt sich also um eine andere Interpretation von New Work. Auch zum Bedauern Bergmanns: „Das macht mich krank.“ (im Interview im on the way to new work-Podcast).

Die beiden Macher des wunderbaren on the way to new work-Podcasts, Michael Trautmann und Christoph Magnussen haben in ihrer 100. Folge ein dreistündiges Interview mit Fritjof Bergmann geführt, in dem wir Zuhörer zu Beginn viel Persönliches über ihn erfahren und dann nach einer Stunde tief in sein Verständnis von und seine Beweggründe hinter New Work eintauchen.

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New Work kann den Menschen stärken

In seinem Buch vergleicht Bergmann Arbeit, wie sie die meisten Menschen erleben, mit einer milden Krankheit. Sie bringt uns nicht um, sie schwächt uns jedoch mit vielen kleinen Schritten. Er ist überzeugt davon, dass Arbeit so gestaltet werden kann, dass sie den Menschen stärkt und nicht schwächt.

Lohnarbeit ist laut Fritjof Bergmann auch nicht die einzige Art zu arbeiten. Sie ist lediglich eine Form. So verstanden, kann uns die Arbeit auch nicht ausgehen. Es gibt immer wieder etwas Neues zu tun. Durch die heute vorhandenen technischen Möglichkeiten wird es für viele Menschen immer wahrscheinlicher seinem wirklich wirklich Wollen zumindest ein Teilen nachzugehen.

Unternehmen können New Work nicht umsetzen

Bergmann ist sehr ernüchtert von den New Work Aktivitäten der meisten Unternehmen. Diese beschränkten sich meist darauf bunte Farbe und Tischkicker in die Büroräume zu bringen, um das Umfeld der Arbeit so angenehm zu machen, dass es Menschen leichter fällt eine Form der Arbeit weiterhin zu tun, die sie in ihrem Inneren nicht wirklich wirklich wollen.

Für Bergmann braucht es daher Zentren des New Work, Orte an denen Menschen unter anderem in Gesprächen herausfinden können, was sie wirklich wirklich wollen. Das ist für ihn vor allem eine pädagogische Aufgabe, weil die meisten von uns unter der „Armut der Begierde“ leiden und nicht wissen, wie wir unser wirklich wirklich wollen herausfinden können.

Eine realistische Konsequenz nach dem persönlichen Finden des eigenen Wollens kann es dann sein, dass Menschen erkennen, dass sie ihren persönlichen Zweck im Unternehmen nicht verfolgen können.

In meinm Buch „Innovationskultur der Zukunft“ habe ich mit Matt Black Systems zumindest ein Unternehmen ausführlich vorgestellt, dass sich explizit als Plattform sieht, die Menschen Kapital zur Verfügung stellt, um in einer unternehmerischen Form ihre persönliche Vision mit dem Kapital des Unternehmens zu verwirklichen.

Gesellschaftlicher Wandel durch eine andere Art der Arbeit

Bergmann glaubt, dass der Schlüssel zur Veränderung der Gesellschaft darin liegt, die Arbeit zu verändern. Wir von creaffective sehen es als unsere Mission, Firmen dabei zu begleiten zukunftsbereit zu werden. Das bedeutet einmal, dass Unternehmen kontinuierlich Neue adäquate Lösungen schaffen können und über Strukturen und Prozesse verfügen, die eine schnelle Anpassung ermöglichen. Das umfasst auch eine auf menschlicher Ebene gelungenere Zusammenarbeit in Organisationen zu. Wir glauben, dass ein gesellschaftlicher Wandel erfolgen kann, wenn wir die Art wie wir in Organisationen als Menschen miteinander umgehen, kommunizieren und uns begegnen, verändern können.

Um diese zukunftsbereiten Organisationen wird es auch in unserem bald erscheinenden Buch „Future Fit Company“ gehen.

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