In der Psychologie gibt es den schöne Bezeichnung Rückschaufehler. Der Rückschaufehler ist eine kognitive Verzerrung, die – nachdem ein Ergebnis bekannt ist – rückblickend zu Übertreibungen im Vorfeld des Ereignisses führt.

Diesen Rückschaufehler durfte ich gestern während eines Innovationcamps wieder einmal erleben. Das war auch nicht das erste Mal, dass ich diese Verzerrung erlebt habe, diese tritt regelmäßig bei Teilnehmern eines Innovationsprozesses auf, egal ob am Ende von Innovationsworkshops oder eben in längeren und komplexeren Innovationsprojekten.

Der Rückschaufehler äußert sich folgendermaßen: Nachdem eine Gruppe einige Zeit in einen kreativen Prozess investiert hat, um zu einer Lösung zu kommen, wird die Lösung nach vielen Versuchen und dem Abwägen von Möglichkeiten und Alternativen irgendwann gefunden; zur Freude aller. Jetzt, da das Ergebnis vorliegt, macht dieses natürlich Sinn. Und jetzt kommt der Rückschaufehler: „Ok, aber da hätten wir doch auch schneller drauf kommen können.“ Oder „Gute Lösung! Die hätten wir aber auch ohne diesen Prozess finden können.“ Oder „das hätten wir doch auch effizienter erreichen können.“

Der Weg zu Innovation ist nicht effizient!

In beiden Fällen, sind wir aber nicht vorher drauf gekommen! Aus genau diesem Grund betreiben wir den ganzen Aufwand ja. Und klar, wenn ich weiß, wie die Lösung aussieht, dann kann ich den effizientesten Weg dort hin nehmen. Was viele Menschen verkennen: Innovation ist per se nicht effizient und besonders nicht der Weg dort hin! Innovation kann sehr effektiv sein und man kann dem Weg dorthin eine Struktur geben. Allerdings ist dieser Weg nie effizient, da Innovation per Definition etwas Neues, bisher nicht dagewesenes ist. Bevor wir das Neue nicht entdeckt und geschaffen haben, ist dieses nicht erkenntlich und weder logisch noch offensichtlich. Im Rückblick macht das dann plötzlich alles Sinn. Und nun kommt der Rückschaufehler ins Spiel: „Da hätten wir ja auch schon vorher drauf kommen können.“ Sind wir aber nicht!