Übersichtsseite mit allen Begriffen zum Glossar Organisationsentwicklung.

In Anlehnung an Klaus Eidenschink verwende ich die Definition von Konflikt als einer doppelten Verneinungs-Kommunikation. Ein Konflikt ist Verneinungs-Verneinung: Ich bitte den Kollegen etwas zu tun, dieser sagt nein. Dies wiederum kann ich nicht akzeptieren und verneine seine Ablehnung meiner Bitte. Nun entsteht ein Konflikt.
Damit wird die Eskalation erwartbar: „Wenn du das machst, dann…“. Es schaukelt sich auf.

Solange nicht einer bereit ist den „Verlierer“ zu machen (den Verzicht auf die nächste Verneinung) besteht der Konflikt.

Konflikte sind grundsätzlich erwartbar in Organisationen, aber auch in Partnerschaften und der Welt allgemein.
Damit lassen sie sich auch nicht grundsätzlich vermeiden und wir müssen mit Konflikte umgehen.

Die Funktionen eines Konflikts

Konflikte enstehen auch deshalb, weil sie eine Funktion haben. Sie sind also nicht einfach nur lästig oder unangenehm, weil sich bestimmte Leute nicht benehmen können.

  • Funktion 1: Konflikte führen Entscheidungen über eine Veränderung des Status Quo herbei. Wird alles so bleiben, wie es ist, oder verändert sich etwas.: „Sollen die IT-Ressourcen weiterhin auf Projekt A gegeben werden, oder doch auf Projekt B?
  • Funktion 2: Konflikte verneinen bestehende Stabilität: „Ich stelle in Frage, dass grundsätzlich immer alles auf Qualität ausgerichtet ist. Wir brauchen mehr Schnelligkeit.“
  • Funktion 3: Konflikte wandeln Labilität in Stabilität. Das Unausgesprochene / Undefinierte so definiert werden: „Es ist unklar, wer hier die Verantwortung hat. Das muss nun geklärt werden.

In Organisationen sind Konflikte grundsätzlich erwartbar, alleine durch die Organisationen vorherrschende Arbeitsteilung. Verschiedene Bereiche / Abteilungen haben unterschiedliche Ziele, die nicht widerspruchsfrei sind. Es gibt nicht den einen Zweck in Organisationen, dem sich alles widerspruchsfrei unterordnen kann. Es ist zum Beispiel zu erwarten, dass die Qualitätsabteilung regelmäßig Konflikte mit der Entwicklungsabteilung haben wird, wenn beide ihre Rolle ernst nehmen. Compliance wird regelmäßig Spannungen mit Vertrieb und Marketing haben.
Besonders erwartbar sind Konflikte an einer Reihe von Konfliktlinien, die immer wieder kehren und in regelmäßigen Abständen neu verhandelt werden müssen. Die Metatheorie der Veränderung spricht von 9 Leitprozessen.

Daraus folgt, dass es auch nicht grundsätzlich sinnvoll ist, Konflikte zu deeskalieren oder versuchen wollen sie zu lösen!
Wer tiefer einsteigen möchten, den verweise ich auf diesen Artikel.