Divergieren und Konvergieren

Grundlagen der Kreativität

Kreativität kennt viele Formen. Musiker und Künstler werden üblicherweise zu den „kreativen Menschen“ gezählt, ebenso Schriftsteller, Architekten und Designer. Tatsächlich geht Kreativität aber weit über diese Bereiche hinaus und kann für jede Form der Problemlösung kanalisiert werden. Wann immer man ein Problem lösen möchte, zu dem es noch keine zufriedenstellende Lösung gibt, muss man zwangsläufig kreativ werden. Das heißt, man muss neue Wege finden, Bestehendes auf unkonventionelle Weise kombinieren und Alternativen erproben.

Zwei Denkphasen

Viele Menschen gehen davon aus, dass Kreativität auf chaotische, personenabhängige, wenig planbare Art und Weise vonstattengeht. Tatsächlich gibt es aber bestimmte Grundprinzipien, die bewusst oder unbewusst bei jedem kreativen Vorgehen eingesetzt werden. Diese sind sowohl durch psychologische Studien als auch durch praktische Erfahrung in der Anwendung belegt.
Die beiden Säulen der Kreativität sind zwei Denkphasen, die bei jeder kreativen Problemlösung ablaufen: Divergieren und Konvergieren.

Divergierendes Denken bedeutet eine breite Suche nach vielen unterschiedlichen und neuen Alternativen. Alternativen können dabei Ideen, Informationen, Problemformulierungen, Handlungsschritte etc. sein. Ziel ist es immer, eine möglichst große Anzahl an Lösungsansätzen zu generieren, egal wie konkret oder realistisch diese auch sind.

Konvergierendes Denken beschreibt eine fokussierte positive, bejahende Evaluation der Alternativen. In dieser Phase geht es um die Auswahl der wichtigsten Alternativen aus der divergierenden Sammlung von Optionen. Bereits im divergierenden Denken ist man sich bewusst, dass von den vielen generierten am Ende nur einige übrig bleiben werden. Diese einigen wenigen suchen wir im konvergierenden Denken.

Getrenntes Denken

Wichtig für den Prozess ist die saubere Trennung der beiden Denkphasen. In der Realität sieht es häufig so aus, dass man im Kopf ständig zwischen Ideengenerierung und -bewertung hin- und herspringt. Im Miteinander tritt dieses Phänomen sogar noch häufiger auf: Während eine Person nach Optionen sucht, fängt eine andere sofort mit der Bewertung und Auswahl an. Jeder kennt die dazu passende Formulierung: „Ja, aber…“

Gerade in der Gruppe muss man aber darauf achten, die beiden Phasen streng zu trennen. Um die Anstrengungen aller zu bündeln muss sich jeder darüber im Klaren sein, was die Gruppe gerade zu erreichen versucht. Eine Vermischung von divergierendem und konvergierendem Denken führt zu schlechten Ergebnissen und, noch wichtiger, hemmt viele Beteiligte bei der weiteren kreativen Arbeit. Wenn man eigene Ideen in eine Gruppe einbringt fühlt man sich als Mensch immer angreifbar, da damit immer ein Element der Anerkennung oder Ablehnung verbunden ist. Kommt Kritik zu schnell und ohne Objektivität versiegt der Ideenfluss im weiteren Verlauf.

Die saubere Trennung der beiden Denkphasen ermöglicht hingegen die Nutzung von umfangreichen Kreativ- und Innovationsprozessen. Beispiele hierfür sind das Creative Problem Solving und das nutzerzentrierte Design Thinking. All diese Methoden sind ideal geeignet um als Gruppe neue, innovative Lösungen zu bestehenden Problemen zu entwickeln. Jeder Prozess hat dabei bestimmte Stärken und Schwerpunkte, basieren aber gleichermaßen auf den Grundprinzipien der kreativen Arbeit. Ohne eine Trennung des divergierenden und konvergierenden Denkens ist auch die Arbeit mit diesen Prozessen kaum möglich.

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