Übersichtsseite mit allen Begriffen zum Glossar Organisationsentwicklung.
Eine Rolle ist ein Set an Aufgaben mit einem gemeinsamen / ähnlichen Zweck, die in einer Organisation regelmäßig anfallen und erledigt werden müssen.
Zum Beispiel:
- Pflegen der Unternehmenswebsite
- Erstellen eines Monatsabschlusses
- Repräsentation der Organisation nach außen
Die Organisation delegiert bestimmte Verantwortlichkeiten an eine Rolle.
Rollen werden dabei bewusst unabhängig von der menschlichen oder künstlichen Intelligenz gedacht, die sie ausfüllt. Wichtig ist, dass eine Rolle ausgefüllt wird und die in die Rolle delegierten Aufgaben erledigt werden. Die Definition der Rolle ergibt sich aus der Logik der Organisation.
Wenn die Person, die die Rolle ausfüllt der Organisation nicht mehr zur Verfügung steht, dann existiert die Rolle trotzdem weiter und die Organisation ist grundsätzlich arbeitsfähig. Sie muss die Rolle „lediglich“ mit einer neuen Person koppeln. Wenn der Mensche, der bisher die Rolle des Geschäftsführers ausgefüllt hat das Unternehmen verlässt, dann wird eine neue Geschäftsführerin gesucht.
Rollen ungleich Position
Der Begriff Rolle beschreibt erst einmal abstrakt eine Ansammlung von Aufgaben und Verhaltenserwartungen.
Es gibt Rollen-Konzepte z.B. aus der Soziokratie, wo Rollen sehr granular und kleinteilig definiert werden können, z.B. eine Rolle des Backup-Erstellers, die jede Woche lediglich 30 Minuten beansprucht.
In dieser Logik hat ein Mensch meist mehrere Rollen inne, die sein Rollenportfolio ausmachen.
So gedacht kann eine Rolle z.B. die des Organisationsberaters bei creaffective von mehreren Personen gleichzeitig ausgefüllt werden und eine Person kann unterschiedliche Rolle innehaben. Es ist auch möglich, dass eine Person mehrere Rollen in unterschiedlichen Teams füllt, die sich gleichzeitig auf unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen befinden.
Dieses Konzept eröffnet neue Möglichkeiten, wie Arbeit in Teams und der ganzen Organisation gedacht werden kann und sind daher oft Gegenstand von Beratungsmandaten von creaffective.
Damit unterscheidet sich der Begriff der Rolle von der Position. Die Position bezieht dich auf die Verortung im Organigramm und in der Hierarchie. In dieser Logik hat eine Person klassischerweise eine feste Position im Organigramm: Vice President Sales. Die Position sagt damit etwas über den formalen Einfluss und den Verantwortungsbereich der Person aus. Wenn man genauer hinschaut, dann subsumieren die meisten Organisationen verschiedenste Rollen in einer Position.
Der Geschäftsführer ist ein Beispiel. Wenn man ins Gesetz schaut, dann ist ein Geschäftsführer nach GmbH-Gesetz lediglich dafür verantwortlich rechtsgültige Unterschriften zu leisten und im Fall des Falles Insolvenz anzumelden. Mehr nicht. Die meisten Organisationen haben jedoch deutlich weitreichendere Erwartungen an den Begriff Geschäftsführer.
Rolle ungleich Person
Wie schon deutlich wird, ist die Rolle nicht mit der Person, die sie ausfüllt gleichzusetzen. Mit einer Rolle gehen bestimmte Verhaltenserwartungen einher. Aktuell werden Rollen in Organisationen (noch) von Menschen ausgefüllt. In Zukunft werden einige Rollen womöglich auch von KI erledigt werden.
Von der Person, die eine Rolle innehat werden dann entsprechende Verhaltensweisen erwartet unabhängig davon, ob diese zum Menschen passen oder vom Menschen präferiert werden. Von der Rolle des Compliance Officers wird Regeltreue, Struktur und Ordnung erwartet, auch wenn dies dem Menschen, der die Rolle ausfüllt, möglicherweise total egal ist. Solange er / sie die Rolle ausfüllt, müssen die Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden.
Die soziologischen Systemtheorie, die creaffective in unserer Arbeit mit Kunden als Gerüst dient, betrachtet folglich die Menschen auch nicht als Teil der Organisation, sondern die Rollen. Eine Organisation delegiert Aufgaben an Rollen. Menschliche und künstliche Intelligenz sind mit diesen Rollen an die Organisation gekoppelt. Aus Sicht der Systemtheorie sind die Menschen jedoch in der Umwelt der Organisation. Was im Inneren des Menschen vorgeht ist für die Organisation erst einmal nur insofern relevant, als es die Performance in der Rolle beeinflusst.
Damit wird auch deutlich, dass Menschen in Organisationen nicht authentisch sein müssen. Sie müssen Rollenerwartungen erfüllen. Dafür wäre es manchmal sogar von Nachteil, wenn die Menschen authentisch wären. Stefan Wachtel beschreibt dies schön in seinem Buch die Kunst des Authentischen. Es geht darum authentisch zu wirken im Rahmen der Erwartungen der Rolle.
Wie das authentisch scheinen nicht klappt, hat der McDonalds CEO kürzlich gezeigt beim Essen eines der Produkte seines Hauses. (siehe Video)
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