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Der englische Begriff Mindset wird auch im Deutschen verwendet. Der deutsche Begriff, der Mindset am nächsten kommt, ist Haltung oder Einstellung.

Wikipedia definiert Mindset als: „A mindset (also known as mentality especially when considered as biased and closed-minded) refers to an established set of attitudes of a person or group concerning culture, values, philosophy, frame of reference, outlook, or disposition.

In Unternehmen gibt es oft Bestrebungen, gewisse Verhaltensweisen von Menschen in der Organisation zu fördern und zu fordern. So gibt es Initiativen zum unternehmerischen Denken, Entrepreneurship, Ownership, etc.
Eine Annahme, die viele Unternehmen dabei leitet ist, dass das Mindset der Menschen dazu passen müsse. Eine weitere Annahme ist dass man das Mindset der Menschen schulen, trainieren oder schaffen müsse und könne, z.B. in dem man Menschen dazu auffordert und entsprechende motivierende Beispiele bringt: „Seid mutig und handelt so, als wäre es eure Company„. Diesen gut gemeinten Appell, habe ich exakt so bei einem Kunden gehört. Denn wenn das Mindset stimmt, dann werden sich die Mitarbeiter auch entsprechend verhalten.

Wie (aus meiner Sicht) zu erwarten, hat es nichts gebracht und nichts verändert. Warum?

Wie wird Mindset beeinflusst?

Systemtheoretisch betrachtet können folgende Heuristiken eine gute Annäherung liefern:

  • Es gibt meistens einen Grund für das Verhalten von Menschen
  • Das Verhalten des Menschen in der Organisation ist Ausdruck der Verhältnisse der Organisation

Beides führt eher dazu, dass es meist nicht ein Problem des Mindsets ist, dass sich z.B. Menschen nicht unternehmerisch verhalten. Häufig gibt es andere Gründe, die das Verhalten erklären.
Wenn ich als Mitarbeiter im Unternehmen für eine „unternehmerische Initiative“ 50 Euro benötige und dafür drei Unterschriften einholen muss, dann ist zu erwarten, dass sich nach dieser Erfahrung mein unternehmerischer Ehrgeiz in Zukunft in Grenzen halten wird. Einfach deshalb, weil es mir die Verhältnisse in der Organisation extrem schwer machen, mich „so zu verhalten, als wäre es meine Company“. Da nützt mir auch ein entsprechendes Mindset nichts.

Anders herum wird allerdings ein Schuh draus. Wenn eine Organisation die Verhältnisse so gestaltet, dass bestimmte Verhaltensweisen wahrscheinlicher oder leichter werden, dann werden die Handlungen auch eher entstehen. UND dann ist es gut möglich, dass das Erleben dieser Verhältnisse auch Einfluss auf die Haltung hat. Beamten haben meist Beamten-Mindset, weil sie längere Zeit in einer Behörde verbracht haben! Sie werden durch das Erleben in der Behörde sozialisiert.
Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es auch innerspsychologische Aspekte gibt, die das Mindset eines Menschen beeinflussen. In Organisationen ist der Einfluss der Verhältnisse allerdings relevanter.

Für Organisationen bedeutet dies vor allem, dass Entscheider sich die Verhältnisse anschauen müssen, um einen Hebel auf das Verhalten zu bekommen.

Wessen Haltung strukturrelevant ist

Der Fisch stinkt vom Kopf heißt es ja bekanntlich.
Das gilt in diesem Fall auch für das Thema Mindset. Die Haltung von oberen Entscheidern ist in der Tat zentral und anders zu bewerten als die der Mitarbeiter. Deshalb, weil das Mindset der obersten Führungstruppe Einfluss auf die Struktur der Organisation hat, weil diese Menschen durch ihre formale Macht die Verhältnisse beeinflussen.
Systemtheoretisch wird das Auswechseln von Top-Entscheidern auch als Eingriff in die Struktur einer Organisation betrachtet, obwohl ja „nur“ eine Person ausgetauscht wird.

Das erklärt auch, warum die Unternehmenskultur oft sehr stark von der Persönlichkeit des Gründers abhängig ist. Dieser prägt durch seine Haltung sehr stark die formalen und informellen Strukturen des Unternehmens.