Stress und Kreativität- Freund oder Feind?

Oft fragen Teilnehmer in unseren Workshops, wie es denn nun konkret aussieht: Fördern Druck bzw. Stress unter Umständen Kreativität oder wirken sie ausschließlich hinderlich? Zitate wie: „Ein Diamant ist ein Stückchen Kohle, aus dem unter Druck etwas geworden ist“ kennt jeder. Oft wird noch ergänzt, dass viele Erfindungen schließlich aus der Not heraus entstanden sind. Wenn der Druck nicht so groß gewesen wäre, hätte der Geistesblitz doch sicher nicht eingeschlagen.

Fokus und Zeitknappheit können helfen

Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Ein wenig Fokus fördert Kreativität durchaus. Das bedeutet, ich nehme mir gezielt 15 Minuten Zeit, um am Besten gleich mit der einen oder anderen Kreativitätstechnik wie dem Brainstorming erste Ideen für eine Fragestellung zu generieren. Dabei wird jede Idee unverzüglich zu Papier gebracht und nicht lange darüber lamentiert ob es sich um eine gute oder schlechte Idee handelt. Wenn ich vorab jedoch eine ganze Stunde damit verbringe, in Ruhe über das Gesamtthema nachzudenken, ist die Gefahr groß, dass ich mich verzettle und garantiert pro Idee zehn gute Gründe finde, warum es eine besonders dumme Idee ist. In der Fachsprache schaffe ich es unter etwas Zeitdruck besser, das divergierende und konvergierende Denken zu trennen. Übersetzt heißt das: Erst Ideen sammeln ohne diese zu bewerten und „ja, aber“ zu sagen, anschließend die Ideen bewerten und auswählen. So verhält es sich auch mit den aus der Not heraus geborenen Ideen. Wer nicht viel zu verlieren hat, probiert Dinge recht offen aus und verwirft die Idee nicht sofort wieder. Die Erfolgsquote für Durchbrüche erhöht sich plötzlich.

Kreativitätskiller Überforderung

Auch gibt es eine feine Linie zwischen Forderung und Überforderung. Grundlegend: Wer sich ständig unterfordert und lange Zeit lässt – das heißt den eigenen Kreativitätsmotor auf 80 Prozent laufen lässt – wird in den alten Denkmustern immer fester fahren und die eigene Komfortzone Neuem gegenüber immer weiter einengen. Hier sind eher die 110 Prozent anzuraten. Wer gerne neue Dinge ausprobiert, ungewohnte Sichtweisen einnimmt und sich in unbekannte Situationen begibt, fordert die eigenen Sichtweisen heraus und lernt ständig dazu. Dies unterstützt Kreativität ungemein. Wer ständig auf 160 Prozent läuft und auch unter enormen zeitlichen und emotionalen Druck gesetzt wird, sofort auf neue Ideen zu kommen, befindet sich in einer dauerhaften Überforderungssituation. Diese wirkt sich recht hinderlich auf unsere Kreativität aus. Solche Überforderungssituationen sollten am besten von Führungskräften entsprechend wahrgenommen werden und gar nicht erst entstehen. Ist es bereits geschehen, gibt es auch Techniken aus dem Bereich Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit, die durch bewusstes Erkennen und Wahrnehmen der Situation entsprechende Gehirnregionen aktivieren und Abhilfe von Stress schaffen- und so Kreativität erneut ermöglichen.

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