Sie möchten kreativer sein? Lesen Sie!

Wenn wir mit einem Kunden einen Innovationsworkshop vorbereiten, dann kommen wir im Verlauf des ersten Vorbereitungsgesprächs auch auf das Thema der Innovationsworkshop-Teilnehmer. Meist schlägt der Kunde selbst vor, nach einer gemischten Gruppe im Unternehmen zu suchen, die so gemeinsam besser Ideen entwickelt. Gemischt bedeutet dabei Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, mit verschiedenen Ausbildungs- und Erfahrungshintergründen. Eine so zusammengesetzte Gruppe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass bisher nicht verbundene Gedanken verknüpft werden und sorgt daher eher dafür, dass kreatives Denken entsteht, da sie die Bandbreite der Gedanken und möglicher Verknüpfungen vergrößert.

Im obigen Beispiel findet die Entstehung neuer Gedanken aufgrund der Interkation zwischen mehreren Menschen statt.

Der Autor Bas Kast berichtet in seinem Buch „Und plötzlich macht es KLICK!“ von Studien, die diesen Effekt innerhalb von Unternehmen zeigen konnten: „Wer als Manager also seine Fühler in andere Arbeitsgruppen und Abteilungen hineinstreckt, setzt sich – einer Auslandsreise en miniature gleichkommend – einer größeren Vielfalt von geistiger Stimulanz aus. Wie der Soziologe Burt feststellte, verfügen solche Manager über einen entscheidenden Vorteil: Sie genießen ein »erhöhtes Risiko für gute Ideen«.“

Lesen: Neue Verknüpfungen innerhalb eines Menschen

Eine phantastische Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit von neuen kreativen Gedanken zu erhöhen (und zwar nicht zwischen mehreren Menschen sondern innerhalb nur eines Menschen), ist es zu lesen!

Im Rahmen meiner Ausbildung in den USA habe ich Forschungsarbeiten gelesen, die einen Zusammenhang aufzeigen, zwischen der Anzahl der Patente von einzelnen Personen und deren Leseverhalten.
Dabei war zuerst einmal auffällig, dass diejenigen, die viele Patente angemeldet haben, sich von anderen auch dadurch unterscheiden, dass sie ungewöhnlich viel lesen.
Noch spannender: Es zeigte sich auch, dass nicht diejenigen am meisten Patente anmeldeten, die besonders viel Fachliteratur konsumierten. Es waren diejenigen, die neben der Fachliteratur sehr breit und unterschiedlich lasen.
Im Nachhinein mag sich dieses Ergebnis gut erklären lassen: Wer viele unterschiedliche Themen liest, sorgt dafür, dass sich besonders viele Querverbindungen und Analogien bilden lassen. Ganz nach dem Motto: „Innovation findet an den Rändern eines Fachgebietes statt“. Oft ist es leichter, sich von einem fachfremden Prinzip inspirieren zu lassen und dies kreativ auf sein eigenes Fachgebiet zu übertragen.
Lesen kann dabei oft den gleichen Effekt haben, wie mit unterschiedlichen Menschen zusammen zu sein. Dies passiert ja auch in der Tat, da man die Gedanken des Autors eines Buches nachvollzieht, diesen ausgesetzt ist und so mit dem Autor „zusammen ist“. Diese Gedanken kann man während des Lesens mit seinen bestehenden Mustern verknüpfen und auf diese Weise neue Verknüpfungen schaffen.

Quelle: http://www1.stuttgart.de/stadtbibliothek

Quelle: http://www1.stuttgart.de/stadtbibliothek

Edward de Bono, Autor vieler Bücher zum Thema Kreativität und kreatives Denken hat Ender der 1960er Jahre den Begriff „laterales Denken“ geprägt. Dies beschreibt einen bewussten Spurwechsel im Denken. In einem seiner Bücher hat er das Bild eines Goldsuchers verwendet. Anstatt an nur einer Stelle immer tiefer zu graben, versucht der laterale Denker an vielen Stellen nebeneinander zu graben, wenn auch nicht ganz so tief.

Der Autor, Design Thinker und IDEO Veteran Tim Brown spricht in seinem Buch „Change by Design“ von einem T-Profil, das kreativer Denker idealerweise mitbringen sollten. Der senkrechte Strich des Ts steht dabei für Tiefgang in einem Fachgebiet. Der waagrechte Strich steht für Einblicke in eine große Bandbreite an Themen. Dieses T-Profil vermeidet Fachidiotentum und macht es wahrscheinlicher, dass kreative Gedanken entstehen können, dass es ein breites Wissensrepertoire gibt, aus dem geschöpft werden kann.

Sachbücher besser als Literatur

Für unser spezielles Thema durch Lesen die Wahrscheinlichkeit für neue Ideen zu erhöhen, eignen sich Sachbücher naturgemäß deutlich besser als Literatur. Sachbücher sollen ja einen fundiert argumentierten Einblick in ein Thema geben.
Für das Lesen gilt dabei in der Tat die Devise: Viel hilft viel. Je mehr jemand liest, desto eher können neue Verknüpfungen entstehen.
Meine eigene Erfahrung ist es, dass ganze Bücher für mich dabei besser funktionieren als Zeitungs- oder Blog-Artikel.
Für mich braucht es eine gewisse Tiefe und einen gewissen Raum, um ein Thema besser zu verstehen und neue Gedanken zu entwickeln. Diese Aufgabe erfüllen Bücher besser als kurze Texte. Zeitungen, Zeitschriften oder sogar Social Media Posts können jedoch oft ein Hinweisgeber für spannende Bücher sein. Die Herausforderung besteht dann darin, sich trotz lauter kurzer Infoschnipsel mit hohem Ablenkpotenzial die Zeit zu nehmen, ohne Störungen und Unterbrechungen ein Buch auch wirklich zu lesen. Eine Fertigkeit die heute, glaube ich, eher ab- statt zunimmt.

Mitschriften helfen

Ein ebenfalls bekanntes Phänomen ist die Tatsache, dass sich die meisten Menschen nach dem Lesen eines Sachbuchs lediglich an einen Bruchteil der Informationen erinnern können.
Auch wenn es etwas aufwändiger ist und manche Leser vielleicht an ihre Schulzeit erinnert: Mitschriften haben hier großen Mehrwert. Sie helfen nicht nur, das Gelesene festzuhalten, sondern unterstützten je nach Art der Mitschrift auch dabei, die Inhalte tiefer zu verarbeiten und neue Verknüpfungen entstehen zu lassen.
Ich persönlich nutze für meine Mitschriften die Technik des Mind Mapping. Es funktioniert natürlich auch jede andere Art der Mitschrift.

Menschen die viel Lesen, betrachten die Tätigkeit des Lesens erst einmal als Selbstzweck. Zumindest ergeht es mir so. Es geht nicht in erster Linie darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Eifrige Leser sind einfach neugierige Menschen, die sich gerne mit verschiedenen Inhalten beschäftigen. Ein schöner Nebeneffekt kann dann eben auch sein, dass das Lesen die Wahrscheinlichkeit erhöht, auf kreative Ideen zu kommen.

Bas Kast beschreibt in seinem Buch auch andere Möglichkeiten, sich geistig zu stimulieren, zum Beispiel längere Auslandsaufenthalte und Gespräche mit anders denkenden Menschen.
Lesen ist hier sicherlich die für viele Menschen am einfachsten zu realisierende Möglichkeit.

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