Maschinen und Kreativität

Lernende Maschinen und die Kernkompetenz des Menschen

Die Automatisierung schreitet unaufhaltsam voran. In regelmäßigen Abständen hört man deswegen einen Aufschrei, weil Arbeitsplätze durch Roboter und Computersysteme bedroht werden. Tatsächlich sind die Auswirkungen nie so extrem wie von Anhängern der Gewerkschaften befürchtet und dargestellt. Aber natürlich verändert die Automatisierung das Arbeitsleben mehr und mehr. Hauptsächlich fallen dabei Arbeitsplätze weg, die auf Repetition basieren. Sich wiederholende Tätigkeiten lassen sich verhältnismäßig leicht auf Maschinen übertragen.

Künstliche Intelligenz kommt bald

Die Maschinen der Zukunft werden aber weitaus mehr können: In seinem TEDx-Talk zeigt Jeremy Howard die Macht von lernenden Maschinen:

Den meisten Menschen bekannt sind bereits Computer, die Schach, Dame und Jeopardy spielen. Neu ist, dass Computer auch sensorische Informationen annähernd wie Menschen aufnehmen können. Sie können zunehmend Bilder erkennen und betiteln, Sprache erfassen und übersetzen, sowie ihre Umwelt wahrnehmen und verarbeiten. Dementsprechend ist es kein Zufall, dass Start-ups zu Themen der künstlichen Intelligenz gerade einen enormen Boom erfahren. Den Investoren geht es einmal um Algorithmen, die Big Data auswerten. Aber natürlich profitieren auch embedded systems enorm von den neuen Möglichkeiten. Das bekannteste Beispiel hier ist das selbstfahrende Auto. Mehr und mehr Tätigkeiten gehen vom Menschen auf Computer und Roboter über.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage: Gibt es etwas, dass dem Menschen immer voraus bleiben wird? Die am meist gehörte Antwort ist: ja, natürlich. Es wird immer Bereiche geben, in denen Maschinen das Nachsehen haben werden. Ein Blick in die Geschichte der Technologie zeigt aber ein anderes Bild. Irgendwann werden Maschinen vermutlich alles tun können, wozu Menschen in der Lage sind. Wie das genau aussieht und welche positiven wie negativen Auswirkungen das haben wird ist das Thema vieler Science-Fiction-Visionäre. Philip K. Dick beispielsweise schuf mit seinem berühmten Buch Do Androids Dream of Electric Sheep die Vorlage für Ridley Scotts Film Blade Runner. Isaac Asimov wurde mit seinen Werken über Robotik berühmt, und die düstere Science-Fiction der Cyberpunk Welle in den 80er Jahren beinhaltete häufig die Idee von künstlicher Intelligenz, die außer Kontrolle geriet.
HAL 9000
Das „Auge“ des mordlustigen Computers HAL 9000 aus dem Film Space Odyssey 2001. (Quelle: Wikimedia Commons)

Die letzte Bastion des Menschen

Man kann aber jetzt schon eine Fähigkeit des Menschen identifizieren, die als eine der letzten Bastionen fallen wird: Die Kreativität. Die Fähigkeit des Menschen, neue Wege zu gehen, indem altbekanntes neu kombiniert und interpretiert wird, kann als Alleinstellungsmerkmal gelten. Viele intelligente Tiere können durch Trial and Error neue Verhaltensmuster erlernen, sind aber auf blindes Herumprobieren angewiesen. Allein der Mensch kann durch seine Vorstellungskraft bereits erahnen, wie bestimmte Prozesse ablaufen werden, und nutzt diese Fähigkeit ständig in großem Maße. So konnte man feststellen, dass kreative Menschen unterbewusst unzählige Möglichkeiten durchspielen und im Geiste quasi „ausprobieren“, bevor sie die vielversprechenden darunter ausformulieren und komplett durchdenken.

Diese einzigartige Fähigkeit des Menschen war der Antrieb des technologischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Fortschritts schlechthin und ist – zumindest momentan – noch weit jenseits dessen, was Maschinen leisten können. Sollten aber Computerprogramme einmal diese Grenze überschreiten, stellt sich tatsächlich die Frage, ob es noch etwas gibt, was allein dem Menschen vorbehalten ist. Wenn Maschinen nämlich selbst kreativ werden und Dinge „schaffen“ können, ist der Mensch in gewisser Weise überflüssig geworden.

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