Innovation 2.0

Eine Prozessinnovation die die Geschichte des Fundraisings neu schrieb.

2009 revolutionierte ein Startup die Grundsteine der Finanzierungswelt: Kickstarter.

Bis zu dem Zeitpunkt musste jeder der ein neues Projekt starten, ein Unternehmen Gründen oder ein Produkt entwickeln wollte auf umständliche Weise versuchen an das nötige Kleingeld zu kommen, wenn dies nicht von Hause aus gegeben war.

Dieses hatte mehrere Konsequenzen. Einerseits führte es dazu dass das Kriterium „Geld von Hause aus zu haben“ eine ganz bestimmte Art von Entrepreneuren hervorbrachte und andere im Hintergrund ließ. Andererseits verlangsamte und erschwerte es die Entwicklung und Arbeit derer, die für ihre Ideen kämpften und nach dieser externen Finanzierung suchten. Somit barg jedes neu gestartete Projekt ein sehr hohes Risiko auf verschiedenen Ebenen: sollte es scheitern würde man sich eventuell hoch verschulden, ist man erfolgreich würde man potentielle Gewinne mit den Investoren teilen müssen. Jede Menge Hürden also, die die Motivation dieser kreativen Köpfe stark bremsen.

Crowdfunding. Die soziale Investition.

Diese Thematik wurde durch das Konzept der Crowdfudings revolutioniert, einer Bewegung zur sogenannten „Schwarmfinanzierung“. Der Ursprung des Croudfundings liegt in der Musikindustrie die sich Anfang der 2000er durch die massive Anzahl an Raubkopierern bedroht fühlte und nach Alternativen suchte um weiterhin Geld mit ihrem Schaffen zu verdienen. In diesem Kontext etablierte sich der Begriff der sogenannten „Believers“, die Personen die an die Band glauben und die in das noch zu produzierende Album investieren.

Wichtige Vorreiter dieser Bewegung im Bereich der Kunst und Kultur, sowie er Produktentwicklung sind Perry Chen, Yancey Strickler und Charles Adler, die Gründer des US Startups Kickstarter. Kickstarter eröffnete kreativen Köpfen ab 2009 eine Internetplattform auf der man seine Ideen mittels eines Videos vorstellen konnte um damit zu versuchen auf eine bestimmte Summe an Geld in einem bestimmten Zeitraum zu kommen. Die sogenannten „Bakers“ (ähnlich wie die oben genannten „Believers“) bekommen von den „Creators“ verschiedene Formate der Beteiligung vorgeschlagen. Diese können dann entscheiden wem sie wie viel spenden, bzw. in welches Projekt sie investieren je nachdem welchen Output sie sich davon erhoffen. Dieser kann von einer Dankespostkarte, über die namentliche Nennung im Abspann eines Kinofilms oder die Lieferung des fertigen Produktes sein.

Die Highlights von Kickstarter.

Kickstarter hat inzwischen einige spannende Rekorde, sowie einige skurrile Geschichten zu erzählen.

Den eigenen Statistiken zu Folge wurden bis heute (10.02.2015) 1,5Milliarden US Dollar insgesamt investiert, bei einer Erfolgsrate von ca. 40%.

Das Projekt das die höchste Finanzierung bekam ist eine Kühlbox namens „The Coolest Cooler“. Dieses Produktdesign generierte über 13 Millionen Dollar und ist damit der (bisher) unumstrittene Rekordhalter.

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Den Rekord der meisten Baker brach ein kurioses Kartenspiel im Januar diesen Jahres. Es handelt sich um „Exploding Kittens“, eine Art Russisches Roulette in Karten Form, gestaltet vom bekannten Comic Zeichner „The Oatmeal“.

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Crowdfunding in Deutschland.

Im deutschsprachigen Raum gibt es auch einige wichtige Initiativen, wie zum Beispiel startnext.de, die vom selben Konzept wie Kickstarter ausgehen, aber als gemeinnützige GmbH aufgebaut sind und der Projektstarter im Falle einer Finanzierung selber entscheidet wie viel er an die Plattform zahlt. In Deutschland ist der Crowdfunding Markt noch nicht ganz so präsent wie in den USA, aber es werden immer mehr Projekte die dank dieser Art der Finanzierung zustande kommen.

Innovative Geschäftsmodelle entstehen.

Inzwischen geht es mit dem Business Universum rund um das Konzept des Crowdfundings und um Kickstarter weiter. Es haben sich einige Agenturen gegründet die sich darauf spezialisiert haben Kickstarter Kampagnen zu gestalten und durchzuführen, da die Aufmachung des Videos und der Kampagne oft ausschlaggebend sind für den Erfolg des Projekts.

Neider und Gegner.

Natürlich gibt es auch Industrien die von diesem Modell nicht so begeistert sind. Die klassischen Geldgeber, wie Banken und Investment Fonds vieler Länder sehen sich durch die Entwicklung des Crowdfundings bedroht. In Spanien, zum Beispiel, versuchte die Regierung Anfang sehr strenge Regulierungsmaßnamen einzuführen, im Vergleich zu den bestehenden Gesetzen in anderen europäischen Ländern. Im Oktober 2014 wurde dann per Gesetz durchgesetzt dass jeder nicht professionelle „Investor“ nur bis maximal 3000€in eine Idee investieren darf, sowie insgesamt nur 10.000€ im Jahr auf allen verfügbaren Crowdfunding Plattformen. Eine sehr starke Deckelung im Vergleich zu Deutschland wo es bei ca. 100.000€ pro Jahr liegt.

Die Frage die sich stellt ist: Ist es gerechtfertigt dass das hohe Potential das diese Modell mit sich bringt durch die Interessen derer gebremst wird, die sich dadurch bedroht fühlen? Sind die Lobbys, in einigen Ländern wie in Spanien, doch so einflussreich dass sie die Potentiale einer sowieso schon geschwächten Generation übergehen, um sich die eigenen Taschen zu füllen?

 

Hoffen wir dass die Bekanntheit dieser Prozessinnovation weiter steigt, dass sich das Verständnis und Selbstverständnis dieser Selbstbestimmten Art und Weise zu schaffen und sein Geld anzulegen sich weiter verbreitet, damit die Fülle an Projekten weiterhin bestehen kann.

 

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