Das Gründerprofil: Fakt und Fiktion

Was haben die Unternehmer-Ikonen Steve Jobs, Bill Gates, Marc Zuckerberg gemeinsam? Sie haben alle die Uni geschmissen und drei der erfolgreichsten Technologie- bzw. Internet-Unternehmen aufgebaut, die Silicon Valley je hervorgebracht hat. Damit haben sie unfreiwillig dazu beigetragen eins der häufigsten Gründerklischees zu etablieren: Jung müssen sie sein.

Gates und Zuckerberg sollen außerdem echte IT-Genies sein, was das zweite Klischee begründet: Im Software- bzw. Internetbereich schaffen es nur brilliante Entwickler und folglich nur richtige Nerds.

Aber mal im Ernst: Was ist denn das typische Gründerprofil? Endeavor, eine internationale Entpreneurship-Organisation, hat die Demografie von Gründern im New Yorker Tech-Sektor über fünf Jahre hinweg untersucht und kam zu folgenden Ergebnissen:

Jung ist relativ

Tatsächlich sind die meisten Gründer im technologischen Bereich in den 20ern. Aber: Das durchschnittliche Gründungsalter liegt bei 31! Und ganze 25% der Tech-Gründer waren sogar über 35!

Das Alter von Tech-Gründern

Quelle: NYC Tech Report

Eine andere Studie der Duke University (The Anatomy of an Entrepreneur) aus 2009 kommt auch zu einem anderen Ergebnis: 549 Gründer in wachstumsstarken Branchen wie Raumfahrt, Verteidigung, Computertechnologie und Gesundheit waren im Durchschnitt 40 Jahre alt, als sie ihre erste(!) Firma gegründeten (in Deutschland herrscht übrigens ein ähnliches Bild). Außerdem waren 70% davon verheiratet. Und 60% hatten mindestens ein Kind. Noch Fragen?

Von wegen Nerds

Der nächste Schock: Die meisten Gründer sind keine Studienabbrecher :-). OK – das war wahrscheinlich zu erwarten. Aber was aber vielleicht doch ein wenig überraschend kommt: Nur 35% der Gründer kommen aus dem berüchtigten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technologie). Ganze 65% haben einen anderen Abschluss gemacht.

Studienabschlüsse von Gründern

Quelle: NYC Tech Report

Auch die Duke-Studie belegt, dass die meisten Gründer gut gebildet sind: Ganze 95% der Befragten hatten mindestens einen Bachelor-Abschluss. Weitere 47% einen weitergehenden. Das soll natürlich niemanden entmutigen, der keinen Hochschulabschluss hat. Bildung und Transferwissen sind zweifelsfrei wichtig, aber beides kann man auch auf anderem Wege erlangen.

Erfolg ist keine Alterssache

Endeavor hat auch einige traditionelle Erfolgsmetriken mit dem Gründungsalter der Entrepreneure verglichen (z.B. Investitionssummen, Mitarbeiterzahl, Exitsumme) und fanden keinerlei Zusammenhang zwischen Gründungsalter und Erfolgswahrscheinlichkeit.

73% der Befragten Teilnehmer von der Duke-Studie, waren aber der Meinung, dass ihre beruflichen Netzwerke von hoher Bedeutung gewesen sind. 62% dachten dies auch über ihre privaten Netzwerke. Die Qualität des eigenen Netzwerks steigt ja mit zunehmenden Alter, was auch lt. der Studie Gründerinnen und Gründer ab dem mittleren Alter: Schlüsselfaktor für die Wirtschaft (vom RKW Kompetenzzentrum) ein Erfolgsfaktor ist.

Aber auch diese Studie nennt widersprüchliche Quellen und kommt zu keinem eindeutigen Zusammenhang zwischen Alter und wirtschaftlichem Erfolg von Gründern. Auch wenn die Verfasser glauben, dass die widersprüchliche Datenlage eher zu Gunsten der älteren Gründer sprechen sollte.

Fazit

Was haben wir also gelernt?

  1. Gründer – auch die aus dem Tech-Sektor – sind nicht so jung, wie man häufig meint.
  2. Die Gründer in wachstumsstarken Branchen sind gut gebildet und haben einen Hochschulabschluss.
  3. Es gibt keinen belegbaren Zusammenhang zwischen Erfolgswahrscheinlichkeit und Gründungsalter bzw. die Quellen widersprechen sich in dieser Hinsicht.

Und was bedeutet das letztendlich?

  1. Es gibt kein „richtiges“ Alter zum gründen.
  2. Bildung ist wichtig.

Folglich sollte sich niemand zu jung oder zu alt wägen, um zu gründen. Manch einer mag auch behaupten, dass eine Firma zwangsläufig auf Kosten der Familie geht, aber dass ist nur ein Glaubenssatz. Ryan Carson von Treehouse hat es z.B. geschafft sein (profitables!) Unternehmen mit 3 Mio. USD Jahresumsatz, 34 Angestellten und einer 5-Mio-USD-Investmentrunde in einer Vier-Tage-Woche aufzubauen! ‚Nuff said.

 

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