Die Bananenkönige: Lorenzo Baker, Andrew Preston, Minor Keith

Wer sich heutzutage mit Unternehmertum beschäftigt, findet in vielen Medien und der Fachliteratur eine starke Verbindung zu sozialen und ökologischen Themen, zu ethischen Prinzipien und teilweise sogar zu einer Art Ehrenkodex. Die Ideale moderner Unternehmer sind Freiheit, Selbstverwirklichung und die Verwandlung der sozialen und technologischen Welt. Die Verknüpfung scheint aber keine natürlich zu sein, denn zu früheren Zeiten waren die Motive vieler Unternehmer und dadurch auch deren Handlungen auf andere Ziele gerichtet.

Abenteuer und Bananen

Jeder von uns kennt den Begriff „Bananenrepublik“. Gemeint ist ein korruptes, südländisches Regime, das häufig von außen gesteuert wird oder zumindest zu schwach ist, um nach außen hin selbstbewusst aufzutreten oder nach innen den Rückhalt der Bevölkerung zu genießen. Aber woher kommt der Begriff ursprünglich? Die Geschichte dahinter involviert mehrere amerikanische Unternehmer, die Ende des 19. Jahrhunderts ein heute noch bestehendes Wirtschaftsimperium aufbauten. Es waren der Seefahrer Lorenzo Dow Baker und die Geschäftsleute Andrew W. Preston und Minor Cooper Keith.

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Bananas“. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons.

Baker war ein Seefahrer und Abenteurer, womit er ein Entrepreneur im wahrsten Sinne war, denn der Begriff Enterprise bezeichnet erst einmal nur eine schwierige, möglicherweise auch gefährliche Unternehmung. Baker musste während einer seiner Reisen 1870 notgedrungen in Port Antonio auf Jamaika Halt machen und kaufte dort Bananen, die damals in den USA noch selten waren. Der Verkauf war so lukrativ, dass er mit der Zeit einen Handel mit den Südfrüchten aufmachte. 1885 gründete er zusammen mit Andrew W. Preston und acht anderen die Boston Fruit Company, die 1895 bereits zu einem ein gewaltigen Unternehmen gewachsen war. Man besaß eigene Dampfschiffe für den Transport und, was damals einzigartig war, 16.000 Hektar Land mit 35 Plantagen.

Bananen und Politik

1898 fusionierte man mit einem Konkurrenten, Minor Cooper Keith, und schuf so die United Fruit Company. Diese wurde nicht nur zum dominierenden Unternehmen im Bananenimport sondern erlangte vor allem in den Produktionsländern gewaltige Bedeutung. Keith hatte mit seinem Unternehmen bereits vorher von der Regierung von Costa Rica außerordentliche Zugeständnisse erhalten, als Gegenleistung für die Neuverhandlung Schulden, die die Regierung gegenüber Keith hatte. Präsident Oreamuno gewährte ihm über 320.000 Hektar steuerfreies Land sowie eine 99-jährige Pacht der zugehörigen Eisenbahn. Nach Entstehung der United Fruit Company wurde diese 1901 von Guatemala angeheuert, das dortige Postwesen zu verwalten. 1904 erhalt man vom dortigen Präsidenten, Manuel Estrada Cabrera, Bodenrechte, Steuernachlässe und auch hier diverse Eisenbahnlinien. 1913 schuf die United Fruit Company die Tropical Radio and Telegraph Company, und 1930 war die Firma der größte Arbeitgeber Zentralamerikas.

Große Teile der Gesellschaften der Produktionsländer waren mit dem Unternehmen verwoben. Lokale Arbeiter gaben ihr hart verdientes Geld in den Läden des Konzerns vor Ort wieder aus. Und damit nicht genug. Um die ungleichen Boden- und Steuerrechte zu erhalten involvierte sich die Firma massiv in die Politik der Länder. Es ist durchaus umstritten, wie stark diese Einmischung war. Linksgerichtete Autoren und Aktivisten prangerten die United Fruit Company wieder und wieder an, teilweise sicher auch mit etwas zu viel Leidenschaft. Klar war aber, dass die Firma bei der hondurischen Invastion Guatemalas 1954 ihre Hände im Spiel hatte. Dank der engen Beziehung zur amerikanischen Regierung konnte man Truman und Eisenhower in deren Befürchtung stärken, dass Guatemala dem Sowjetblock beitreten wolle. Für die Firma spielten aber wohl eher die dort geplanten Agrarbodenreformen eine entscheidende Rolle. Die schwachen Positionen der zentralamerikanischen Regierungen prägten letztendlich den Begriff der Bananenrepublik.

Unternehmertum weltweit

Die United Fruit Company konnte ihre Vormachtstellung bis heute halten. 1984 wurde sie in Chiquita Brands International umbenannt und dominiert nach wie vor den Bananenhandel. Die Methoden der United Fruit Company waren in der damaligen Zeit durchaus üblich, schließlich fiel die Gründung auch in die Zeit des amerikanisch-europäischen Imperialismus. Aber auch heute herrschen in vielen Weltgegenden ähnliche Zustände. Wer unternehmerisch Erfolg hat bündelt viel Macht auf sich als Person. Häufig wird diese Macht missbraucht, statt sie für das Gemeinwohl einzusetzen. Insofern kann das heutige Ideal eines sozial und ökologisch bewussten Unternehmers nur begrüßt werden!

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