„Confessions of a Poor Collector“

Auf unserer Suche nach einem  Büroraum für creaffective, hatte ich die Gelegenheit zwei sehr interessante Menschen kennen zu lernen.  Jonas Beuchert und Tilman Schlevogt, vom Studio Taube in München, hatten einen Büroraum in ihrem Gemeinschaftsbüro am Regerplatz frei und luden mich ein vorbei zu kommen.

Mit dem Büro selbst hat es leider aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, doch da die Chemie stimmte und wir uns noch ein bisschen austauschen wollten, haben wir noch einen „Power-Chai-Latte“ im Café Käthe getrunken.

Die beiden erzählten mir von ihrem Job und von dem was Studio Taube tut. Ihr Design Büro für Corporate Identities und Ausstellungsgestaltung ist vor allem spezialisiert auf außergewöhnliche Formate und innovativen Einsatz von Print und digitalen Medien. Noch ein weiteres Feld in dem sich diese beiden Kreativen Köpfe bewegen, ist die Verlagswelt.Daneben haben sie den Verlag Edition Taube gegründet, der seit fünf Jahren in der Kennerszene mit außergewöhnlichen Künstlerbüchern für Aufsehen sorgt. Ihre bekannteste Publikation ist dabei das kleine Büchlein „Confessions of a Poor Collector“. Alleine der Titel hat mich schon so sehr angesprochen, dass ich mich entschloss dieses Büchlein bei Edition Taube online zu bestellen.

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onfessions of a Poor Collector (Quelle: Edition Taube)

„Confessions of a Poor Collector“

ist eine Art “How-to” Buch, das erklärt wie man mit nicht allzu großen finanziellen Möglichkeiten, den Schritt in die Kunstsammlerszene schaffen kann.

Der Text dieses Buches stammt aus einer Vorlesung die Eugene M. Schwarz 1970 am New York Cultural Center hielt. Schwarz war Zeiten seines Lebens, einer der wichtigsten Kunstsammler Amerikas und sein Besitz zählte zu den wichtigsten Sammlungen amerikanischer Nachkriegswerke. Nach seinem Tod 1995 wurden viele seiner Werke an Museen wie das MoMa oder das Whitney in New York gespendet.

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Eugene M. Schwarz (Quelle: Conceptual fine Arts)

Dieses kleine Büchlein beschreibt mit großer Natürlichkeit den Werdegang dieses außergewöhnlichen Sammlers. Alle (oder viele) seiner kleinen Kniffe und Tricks werden dort aufgelistet. Dies mag im ersten Moment danach klingen, dass Schwarz sich in das Kunsthandel Geschäft hinein gemogelt hat, aber im Gegenteil. Er hat seine eigene Art und Weise gefunden, versteckte Schätze ausfindig zu machen und mit den Kunsthändlern so umzugehen, dass diese gerne Geschäfte mit ihm machen.

Den Wert im Ungewöhnlichen erkennen

Einen Punkt den ich sehr spannend fand war „How to develop a great eye“, in dem es darum geht wie man als Kunstsammler erkennen kann was gute Kunst ist und in welche man investieren sollte. Einer der Tipps zu diesem Punkt beschreibt wie man entdecken kann ob ein junger Nachwuchskünstler gerade eine neue Stilrichtung einführt, oder schon existierenden Stilrichtungen folgt. Schwarz beschreibt folgendes:

  1. Now, how do you find an artist that starts a new style, rather than merely extends it? I believe that here are a few possible guidelines:
    1. He is going to be, when you first see him, rather unpleasant. He will violate what you think good art is. Therefore, you will have to measure him first by the negative intensity of your reaction – by the shock and the challenge to your expectations, rather than the immediate pleasure he gives you. In other words, he has turned off the road of art history at a right angle to yourself.
    2. When you first look at him, you will see the wrong thing in his work. You will think he is old fashioned – for example, “a return to abstract expressionism”. Or you will think that something is missing from his work. Or he will simply outrage you by the “fraud” he is trying to put over on the public. All this has been said about almost every one of the great artists of the past hundred years.
    3.  And, most delightfully, most of his work will not be sold. Because he exists in tomorrow rather than today, it will take most people till tomorrow to catch up to him. So you may leisurely take a chance on him now. Or you may wait for the “bird-dogs” I mentioned above to start pointing him out to you at a slightly higher, but safer price. (Once again, you are not interested in how soon you bought him, but whether you end up with the best.)

Das Spannende für mich an diesem Absatz ist, dass Schwarz vorschlägt den Künstler zu suchen, der einem im ersten Eindruck missfällt, bei dem man das Gefühl hat etwas stimme nicht mit seinem Bild.

Ähnlich geht es uns in der Kreativarbeit bei Trainings oder Workshops. Wir versuchen die Teilnehmer dazu zu bringen den Wert im Ungewöhnlichen zu sehen und wertzuschätzen. Dieses fällt oft sehr schwer, weil wir dazu tendieren das gut zu finden dass uns bekannt ist, dass wir schon kennen. Das ist dann jedoch selten eine Innovation, denn eine Innovation ist per Definition etwas neues, und das können wir noch nicht kennen. Es muss uns auf irgendeine Art und Weise befremdlich und ungewöhnlich vorkommen, und dennoch interessant genug.

Schwarz sagt auch dass man die Wahl hat. Man kann relativ bald in diesen Künstler, in dieses Bild investieren, oder man kann etwas abwarten, bis es konkretere Anzeichen gibt dass dieses eine neue Stilrichtung werden könnte. Für diesen etwas sichereren Weg, zahlt man allerdings auch einen höheren Preis. Ähnlich ist es in der Industrie. Man kann alles sehr früh auf eine Karte setzten oder etwas abwarten um besser abschätzen zu können, wie erfolgreich ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Geschäftsmodell sein wird. Dann hat man allerdings ein höheres Risiko nicht mehr der erste zu sein, was in der Industrie, im Gegensatz zum Kunstmarkt, wenn man noch mal den Letzten Satz des Zitates liest, ein ausschlaggebendes Kriterium ist.

Welchen weg man letztendlich nimmt, muss jeder selber entscheiden, aber offen zu bleiben, selbst gegenüber ungewöhnlichen Ideen, ist die Voraussetzung um überhaupt an dieser Kreuzung zu stehen.

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