Die Unzuordbarkeit des Hovercrafts

Wenn man von den Kategorien „Innovations Hits“ und „Innovations Flops“ spricht, ist es nicht einfach den Hovercraft klar einer der beiden zu zuordnen. Wie so viele andere Produkte, hatte er eine „schwere Kindheit“ und wurde nach der Pubertät doch irgendwann von der Industrie und dem Markt akzeptiert. Heutzutage ist er zwar nicht das wichtigste und bekannteste Produkt das die Welt je gesehen hat, aber seine Entwicklung illustriert ganz schön, was vielen anderen Innovationen auch wiederfährt.

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Hovercraft (Quelle: Wikimedia Commons)

Die „schwere Kindheit“ einer Idee

Nach vielen ersten Versuchen der Entwicklung einer Technik, die es einem Objekt erlaubte über seinem Untergrund zu schweben und zu gleiten in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts, experimentierte auch der Brite Sir Christopher Cockerell in den 1950ger Jahren mit diesem Prinzip. Der erste Prototyp mit dem er die notwendige Führung des Luftstroms erreichte, bestand aus einer Konstruktion aus einer Küchenwaage, einer leeren Kaffeedose, einer leeren Katzenfutterdose und einem Fön. 1955 Patentierte er das Prinzip und nannte das Gerät Hovercraft.

Der Produktion und Industrialisierung dieses innovativen Transportmittels dank dieser technischen Entwicklung schien nichts im Wege zu stehen, bis auf die Tatsache, dass es niemand produzieren wollte. Die Luftfahrt Industrie meinte es passe nicht in ihr Portfolio, da es mehr einem Schiff gleiche als einem Flugzeug und die Redereien meinten, dass es sich bei einem Hovercraft wohl eher um ein Flugzeug handele als um ein Schiff.

Daraufhin versuchte Cockerell sein Glück beim Britischen Militär. Die Aussagen der Airforce und der Navy waren genau die gleichen wie die aus dem privaten Sektor. Später erinnerte er sich an diese Zurückweisungen mit Humor: “The Navy said it was a plane not a boat; the Air Force said it was a boat not a plane; and the Army was ‚plain not interested.”

Nichtsdestotrotz muss dem britischen Militär das Potential des Hovercrafts doch so relevant  (oder verdächtig) vorgekommen sein, dass es ihn erst einmal auf die “Secret List“ setzte und seinem Entwickler für ein Jahr verbot seine Erfindung der Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Umsetzung

Die Aufhebung dieses Verbots wurde durch Gerüchte über die Entwicklung ähnlicher Techniken auf dem europäischen Festland 1958 hervorgerufen. Cockerell wurde dann doch von der National Research Development Corporation (NRDC) unterstützt und der erste funktionale Prototyp wurde finanziert. 1959 fuhr dieser erfolgreich über den Ärmelkanal. Seither werden diese Luftkissenboote vom Militär, aber auch in zivilen Kontexten genutzt.

Ein bekanntes Muster

Das Schicksal des Hovercrafts lässt sich auf die Erfindung, Entwicklung und Einführung vieler Produkte oder Geschäftsmodellideen übertragen. Allzu oft passiert es, dass in der R&D Abteilung eines Unternehmens etwas Innovatives und Neues entwickelt wird, es aber aus unterschiedlichen Gründen erst einmal nicht in die Produktion kommt. Ein häufiger Grund dafür ist die fehlende Zuordnung in einen konkreten Geschäftsbereich des Unternehmens, die Fragen wie „Wie sollen wir das vermarkten?“ oder „Wer ist überhaupt der Kunde für dieses Produkt“ aufwirft. Und doch ist werden diese Art von Entwicklungen intern doch als so relevant eingestuft, dass man sie im ersten Moment nicht veröffentlicht, verheimlicht und versteckt, obwohl man selber keine weiteren Ressourcen zur Weiterentwicklung  hineininvestieren wird.

Diese Art von Geheimhaltung, die natürlich aus der Perspektive der Unternehmen absolut verständlich ist, verlangsamt oder verhindert sogar die Entstehung von wirklicher Innovation, die die Veröffentlichung des Produkts und die Einführung in einen Markt voraussetzt.

Je schneller Ideen in die Umsetzung kommen und sich Unternehmen auf das Risiko eventuellen Scheiterns einlassen, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Ideen weiterentwickelt und verbessert werden können um dann tatsächlich zu nachhaltigen Innovationen zu werden.

Quellen:
Wikipedia

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