Konsens – der Feind der Innovation

Einen Konsens zu finden wird grundsätzlich als etwas Gutes betrachtet und ist oft ein Ziel von Verhandlungen bei auseinander gehenden Interessen und Zielen. Ein Konsens ist eine Lösung, mit der alle leben können und bei der alle etwas aufgegeben haben.

Für Innovation kann ein Konsens oft das Aus bedeuten und ist daher nicht grundsätzlich erstrebenswert.
In Innovationsprozessen gibt es immer eine Phase, in der viele verschiedene Optionen entwickelt werden, ohne diese zu bewerten. Die Krux beginnt in der zweiten Phase, wenn es um die Auswahl und Priorisierung der Optionen geht. In etablierten Unternehmen ist dies immer auch eine Gruppenentscheidung von mehreren Beteiligten. Dabei entstehen zwei Spannungen: Einmal die Spannung zwischen unterschiedlichen Meinungen was inhaltlich am sinnvollsten ist, zum Beispiel verschiedene technische Möglichkeiten ein Problem zu lösen. Zum anderen die Spannung zwischen dem was aus Nutzersicht, aus technischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist und dem was unternehmensintern und politisch umsetzbar ist.

Ergebnis ist dann oft ein Konsens aus diesen Spannungen, etwas mit dem alle noch leben können, das aber für keinen ideal ist und das besonders aus Nutzersicht nicht unbedingt gut ist, da irgendwann unternehmensinterne strukturelle Argumente eine wichtige Rolle spielen.

Neues braucht Mut und Hartnäckigkeit

Wirklich Neues hat die Eigenschaft, dass es nicht deckungsgleich mit dem ist, was bereits existiert, oder was eine Organisation bereits tut. Ich habe auf diesem Blog bereits dargestellt, dass Menschen Neuem gegenüber oft skeptisch und ablehnend gegenüber stehen und auch warum das so ist. Für jetzt genügt es zu wissen, dass es so ist, wie viele von Ihnen sicherlich schon leidlich erfahren haben.

Jetzt erfolgreiche und allgemein akzeptierte Dinge wie zum Beispiel Automobile, Tablets oder auch die beutellosen Staubsauger, hatten keinen leichten Start und wurden anfangs mit viel Ablehnung und Skepsis bedacht. Sie alle wären dem Konsens zum Opfer gefallen. Das sie jetzt so erfolgreich sind, hat auch damit zu tun, dass ihre Ideengeber und Umsetzer nicht eingeknickt sind und für ihre Idee gekämpft haben.

Jemand, der von einer neuen Idee überzeugt ist, benötigt oft eine Menge Mut, für dieses Neue einzustehen und es überhaupt vorzuschlagen, wohl wissend, dass ihn nicht alle mit offenen Armen empfangen werden.
Neben Mut benötigt es darüber hinaus auch noch eine gute Portion Hartnäckigkeit, eine Lösung gegen Widerstände und Skeptiker weiter voran zu treiben. Dabei ist Hartnäckigkeit nicht mit Sturheit gleichzusetzen. Sturheit ist es immer wieder das gleiche zu tun und nicht von einem Weg abzuweichen. Hartnäckigkeit bedeutet, auf immer neue Weise einen Weg zu einem angestrebten Ziel zu finden.

Schneller herausfinden was funktioniert

Selbstverständlicher Bestandteil eines jeden Innovationsprozesses ist die Möglichkeit, dass etwas Neues nicht funktionieren wird, oder zumindest nicht so wie gedacht. Die Bewertungs- und Messsysteme in vielen bestehenden Unternehmen und auch die Entwicklungsprozesse, messen leider meist, wie erfolgreich oder wie genau man das ursprüngliche Ziel erreicht und sind darauf ausgerichtet etwas einmal Spezifiziertes ohne große Veränderungen umzusetzen. Dies macht es noch schwieriger für Ungewöhnliches und Neues einzustehen, besonders wenn es dann wenig Möglichkeiten einer Kurskorrektur gibt. Damit steigt der Druck einen „sinnvollen“ Konsens zu finden noch weiter an.

Eine Möglichkeit, von der Startups oft Gebrauch machen, die wir auch in unseren Innovationsprojekten mit Kunden ebenfalls einsetzen ist es, sehr schnell, sehr einfach ein Grobkonzept einer Lösung zu erstellen, um zu testen, ob die Annahmen dahinter wirklich zutreffen. Ziel dabei ist es zu lernen und schnell Veränderungen vorzunehmen, um so schrittweise funktionierende Lösungen zu finden. Es ist nicht Ziel zu beweisen, dass die ursprüngliche Idee funktioniert. Sehr schnell bedeutet dabei innerhalb weniger Stunden. Dieser Zeitraum wird später länger, je mehr Rückmeldung wir von Nutzern bekommen haben.
Vorteil dieses Vorgehens ist es, dass wir einfach und mit sehr überschaubaren Mitteln Ideen testen können, auch wenn nicht alle Mitglieder eines Teams davon überzeugt sind. Das reduziert den Druck, immer auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu kommen und erhöht die Wahrscheinlich etwas Neuem zum Durchbruch zu verhelfen. Konsens ist also nicht per se schlecht, manchmal gibt es Ideen, von denen alle sofort begeistert sind. Konsens ist jedoch im Kontext von Innovation nicht grundsätzlich erstrebenswert.

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