Radikale Innovation – ein Fahrrad aus Pappe

In unseren Kreativitätstrainings machen wir ziemlich am Anfang eine Übung mit den Teilnehmern um die Trennung zwischen divergierendem und konvergierendem Denken deutlich zu machen. Dazu bereiten wir eine Frage zur Ideenentwicklung vor. In Europa lassen wir die Teilnehmer an der Verbesserung von Badewannen arbeiten, in Asien meist an Fahrrädern.

In dieser Übung haben Kleingruppen von 4 – 6 Personen 9 Minuten Zeit eine Vielzahl an Ideen zu entwickeln, wie ein Fahrrad verbessert werden könnte, bevor es anhand einiger spezifischer Kriterien an die Auswahl von Ideen geht. In diesen 9 Minuten werden im Schnitt pro Gruppe zwischen 40 und 50 Ideen entwickelt, wie ein besseres Fahrrad aussehen könnte. Unter anderem kommen natürlich auch Ideen wie ein besonders leichtes Fahrrad, ein unzerstörbares Fahrrad, ein Fahrrad aus einem anderem Material, z.B. aus Bambus und besonders in China geht es auch immer wieder um besonders günstige Fahrräder.

In unserer Übung bleiben die Ideen auf dem Status von Erstideen und wir tauchen im Training zu diesem Zeitpunkt noch nicht in die Entwicklung von detaillierten Lösungen ein. Wie ich heute auf Spiegel Online entdeckt habe, hatte auch der Israeli Izhar Gafni die Idee ein leichtes Fahrrad aus Pappe zu erschaffen und hat diese Idee nun in jahrelanger Arbeit verwirklicht.

9 Kilogramm schwer, 10 Dollar Materialkosten, 20 Dollar Verkaufspreis

Nun gibt es funktionierende Pappräder die Gafni fertig entwickelt hat. Das unten stehende Video zeigt sehr schön die Entstehungsgeschichte und den groben Entwicklungsprozess der Gafni dabei durchlaufen hat.

Das fertige Fahrrad ist nur 9 Kilogramm schwer und hat angeblich nur 10 Dollar Materialkosten. Der angestrebte Verkaufspreis liegt bei 20 Dollar. Damit hat das Papprad das Zeug zu einer wirklich radikalen Innovation. Als radikale Innovation bezeichnet man eine Neuerung die sowohl eine neue Technologie (Pappe) nutzt als auch in neue Märkte vordringt. Einerseits wäre es natürlich möglich, das Fahrrad überall dort zu verkaufen, wo jetzt auch bereits Räder verkauft werden. Die Komponente, die diese Fahrradinnovation aus meiner Sicht radikal macht ist, dass mit Herstellungskosten von rund 10 Dollar ganz andere Kundengruppen und Geschäftsmodelle denkbar werden.

Einerseits wird ein Fahrrad nun vielleicht für Menschen erschwinglich, die es sich vorher nicht leisten könnten, andererseits könnten Geschäftsmodelle wie ein Abomodell oder eine Leihservice von Papprädern an öffentlichen Plätzen für Mitglieder interessant werden.

Eigenschaften von Innovatoren

An Izhar Gafnis Geschichte zeigt sich auch wieder welche Eigenschaften innovative Denker und Macher oft auszeichnen.

Man sieht die Leidenschaft mit der er an sein Projekt herangeht, eine Voraussetzung, um den oft langen und steinigen Weg von der Idee zur fertigen und funktionierenden Lösung auf sich zu nehmen. Deutlich wird auch der Mut und die Hartnäckigkeit die nötig sind, um auch gegen viel Gegenwind an einer Idee weiter zu arbeiten und sich nicht entmutigen zu lassen. Wie es meist passiert mit wirklich neuen Ideen, werden diese von den sogenannten Experten anfangs erst einmal für unmöglich betrachtet . „Das geht nicht“ kann allerdings auch ein guter Hinweis sein, dass man an etwas wirklich Großem dran ist, zu groß für die Vorstellungskraft viele Experten.

Es wird sehr spannend sein die weitere Geschichte dieses Papprades zu beobachten. Ich persönlich finde vor allem die völlig neuen Geschäftsmodelle spannend, die hier denkbar werden.

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