Was hätte Ihr Unternehmen mit jemandem wie Steve Jobs gemacht? Vermutlich gefeuert!

Quelle: Matt Yohe, Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/File:Steve_Jobs_Headshot_2010-CROP.jpg)

In Hinblick auf die Innovationsleistung wären im Moment wohl viele Firmen gerne mehr wie Apple. Ein Unternehmen, das in den letzten Jahren eine erfolgreiche Innovation nach der anderen in den Markt eingeführt hat. Viele dieser Innovation waren dabei nicht nur inkrementell, wie das jetzige iPhone 4, sondern semi-radikal (d.h. es wurde eine neue Technologie oder ein neuer Markt genutzt), wie bei der Einführung von itunes oder des iPhones und des iPads. Diese Arten von Innovationen sind wesentlich schwerer zu erreichen als inkrementelle Innovationen.

Dabei scheinen sich alle einig zu sein, dass diese Erfolgsgeschichte ohne Steve Jobs so nicht stattgefunden hätte. Gregg Fraley hat auf seinem Blog kürzlich einen interessanten Artikel veröffentlicht und sich gefragt, was die meisten heutigen Unternehmen wohl tun würden, wenn der junge Steve Jobs bei ihnen anfangen würde zu arbeiten. Die Antwort: Die meisten Unternehmen würden Steve Jobs früher oder später wohl feuern, wenn sie ihn nicht gleich beim Erstinterview abgelehnt hätten.

Im Rückblick auf die Leistungen von Steve Jobs, kann man sich nur vor ihm verneigen und viele halten ihn für einen genialen innovativen Denker. Wenn man den jungen Steve Jobs heute einstellen würde und seine späteren Leistungen noch nicht absehbar wären, dann würde er vielen wohl als schwierig, störrisch und aufmüpfig erscheinen, als jemand der viel Zeit mit scheinbar irrelevanten Dingen verplempert, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Der roten Faden im Lebenslauf ist natürlich auch nicht sichtbar. Steve Jobs war jemand der „think different“ wirklich lebte. Einerseits würden die meisten Unternehmen an der Oberfläche sicherlich unterschreiben, dass „think different“ wünschenswert ist. Jemand wie Steve Jobs wäre jedoch vielen zu radikal und zu unterschiedlich in seiner Denkweise. Sein Denkstil wäre zu weit „außerhalb der Norm“.

Kreative Denkstile lassen sich messen

Kreativität ist eine Fähigkeit, die alle Menschen haben und weiter entwickeln können. Nicht jeder ist jedoch auf dem gleichen Gebiet kreativ und nicht jeder ist auf die gleiche Art und Weise kreativ. Diese unterschiedlichen Weisen des Kreativseins bezeichnet die Kreativitätsforschung auch als den kognitiven Stil der Kreativität. Der kognitive Stil der Kreativität drückt die individuellen Präferenzen der kreativen Problemlösung aus. Präferenz sagt dabei nichts über das Level der Kreativität aus, sondern deutet an, wo im kreativen Prozess und auf welche Art jemand eher Energie erhält oder Energie verliert. Dieser kognitive Stil wirkt direkt auf das Verhalten einer Person.

Dieser kognitive Stil der Kreativität lässt sich messen. Zwei valide und langjährig erforschte Instrumente sind das Kirton Adaption-Innovation (KAI) Inventory und Foursight, das wir von creaffective in unseren Kreativitätstrainings und Teambuilding-Maßnahmen einsetzen.

Steve Jobs als Innovator

Die Adaption – Innovation Theorie von Kirton sieht ein Kontinuum der kreativen Präferenzen von stark ausgeprägten Adaptoren bis hin zu stark ausgeprägten Innovatoren. Der Begriff Innovatoren ist hierbei leider missverständlich, weil er impliziert, dass die Adaptoren nicht kreativ sind, bzw. die Innovatoren kreativer sind. Beides kann man so nicht sagen.

Menschen mit adaptiven Präferenzen der kreativen Problemlösung bevorzugen eher strukturierte Probleme, sind stärker auf Konsenslösungen auf und sind innerhalb bestehender Paradigmen kreativ. Das führt dann eher in Richtung inkrementelle Innovation. Sie sind auf der Suche nach einer besseren Lösung.
Menschen mit innovativen Präferenzen bevorzugen schwach strukturierte Probleme, suchen selten den Konsens und haben oft Schwierigkeiten sich Gruppennormen und Regeln unterzuordnen. Innovatoren brechen bestehende Paradigmen. Innovatoren sind auf der Suche nach einer andersartigen Lösung. Beide Arten sind wichtig!

Nach den Berichten und Beschreibungen, die ich über Steve Jobs lese, würde ich Jobs auf der KAI-Skala stark auf der Innovatoren-Seite sehen. Kirton schreibt in der Einleitung seiner KAI-Theorie, dass Innovatoren mit einer Punktzahl weit außerhalb des normalen Korridors (dort wo die Mehrheit der Bevölkerung landet) mit hoher Wahrscheinlichkeit in kein Angestelltenverhältnis passen, weil sie sich zu weit außerhalb der bestehenden Paradigmen bewegen bzw. den erträglichen Rahmen der meisten Organisationen sprengen würden.

Bewusstsein über die eigenen den persönlichen Stil der Kreativität hilft, besser in Teams zu arbeiten und bessere Ergebnisse zu erzielen

Instrumente, die kognitive Stile der Kreativität messen, sind nicht dazu entwickelt worden, um Menschen in irgendwelche Schubladen zu stecken. Wichtig ist zu wissen, dass es hier weder gute noch schlechte Werte gibt. Unternehmen brauchen unterschiedliche kognitive Stile, um zu Innovation zu kommen. Die unterschiedlichen Stile spielen ihre Stärken an verschiedenen Stellen des Innovationsprozesses aus und sind für verschiedene Arten der Innovation besonders relevant.
Bewusstsein über die persönlichen Präferenzen der kreativen Problemlösung hilft dabei,

  • das eigene Verhalten und das Verhalten anderer im kreativen Prozess besser zu verstehen
  • die Stil-Unterschiede positiv zu nutzen
  • bessere Teams zusammen zustellen
  • die Arbeit in Teams besser aufzuteilen
  • zu besseren Ergebnissen zu kommenDie Krux mit den Präferenzen ist, dass sich gleich und gleich gern gesellt. Menschen mit ähnlichen kognitiven Stilen empfinden die Zusammenarbeit meist als sehr angenehm, wohingegen unterschiedliche Stile, oft zu Reibungen führen können. Das führt dazu, dass Unternehmen und Teams gerne Menschen rekrutieren, die ähnlich ticken, oder diejenigen die anders ticken, es schwer haben, gehört zu werden! Wenn diese Unterschiede zu groß sind und es kein Bewusstsein für diese Stilunterschiede gibt, kann dies schnell zu Konflikten führen. Bei jemandem der weit im Innovatoren-Bereich ist, hätte dies wohl in vielen Unternehmen dazu geführt, dass man sich von ihm trennt, weil er sich zu wenig in Strukturen einpassen kann und zu viel und zu radikal verändert. So vermutlich auch von Steve Jobs.

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