Test iMindMap 5

Die Version 5 von Buzan’s iMindMap ist nun schon seit einigen Monaten auf dem Markt. Da ich die Versionen 1 – 4 getestet habe und nun von einigen Lesern gebeten wurde, doch auch Version 5 zu testen, möchte ich dieser Bitte mit diesem Artikel nachkommen.
Die TRIZ-Methodik zur erfinderischen Problemlösung beschreibt die Evolution technischer Systeme und zeigt auf, wie technische Systeme mit der Zeit immer mächtiger, aber auch komplexer werden. Diesen Trend kann man an der Version 5 von iMindMap schön ablesen.
Die Funktionen und Möglichkeiten werden immer mehr, so dass es nun auch bei iMindMap 5 die MS-Office Symbolleisten gibt, um alles Funktionen noch unter zu bringen.
Neu in Version 5 ist unter anderem:

  • Ein 3D-Modus, um Mind Maps dreidimensional darzustellen
  • Eine Onlinekonto, um mit anderen gemeinsam an Mind Maps zu arbeiten
  • Die Möglichkeit Ablaufdiagramme in ein Mind Map einzufügen
  • Eine Filterfunktion
  • Automatische Designs um Mind Maps verschiedener Stilarten zu erstellenAufgehoben wurde die Unterscheidung zwischen einem SpeedMapping und einem Mind Mapping Modus zur Dateneingabe. Das Erstellen neuer Zweige erfolgt nun direkt über die Tastatur oder durch Zeichnen der Zweige per Maus oder Stift. Nach wie vor hat der Nutzer die Möglichkeit die Zweige komplett frei zu zeichnen, wie beim Erstellen von Mind Maps per Papier und Stift. iMindMap verfügt dabei über eine „SmartLayout“-Funktion, die die umliegenden Zweige bei Bedarf etwas verschiebt, so dass sich neu gezeichnete Zweige in das Mind Map einfügen und alles lesbar bleibt.
    Ich gehe wie auch bei den Tests von iMindMap 4, iMindMap 3 und iMindMap 2 nach meiner Feedback-Methode vor.

    iMindMap 5 – Was mir gut gefällt

    Nach wie vor ist iMindMap eines von zwei MindMapping-Programmen, das ich nutze und eines von zwei Programmen (neben dem MindManager), die ich in meinem Buch Mind Mapping für Dummies ausführlicher vorgestellt habe.
    Dies liegt daran, weil bei iMindMap einige Sachen richtig gut umgesetzt sind, die dieses Programm attraktiv machen. So auch in der neuen Version:

    • Individuelle Mind Maps: Mit iMindMap lassen sich optisch ansprechende und flexibel gestaltbare Mind Maps erstellen. Diese Individualität von Mind Maps machen viel von der Effektivität der Technik aus. iMindMap ist allerdings eines der wenigen Programme wo dies möglich ist. Viele andere Programme arbeiten mit „Fischgrätendiagrammen“, die kaum verändert werden können.
  • Freihandfunktion: Besonders die Freihand-Funktion ist interessant, bei der man die Zweige eines Mind Maps wie mit Stift und Papier völlig frei zeichnen kann. Dies ist vor allem für die wenigen Nutzer von Tablet PCs besonders attraktiv. Bei einem Tablet PC lässt sich der Bildschirm umklappen, womit er zu einer Schreibfläche wird. Mit einem speziellen Stift kann man nun so auf dem Bildschirm schreiben, oder – ähnlich wie beim iPad – die Finger nutzen. Mit einem Tablet-PC wird iMindMap wie ein digitales Papier, dass die Vorteile des freien Schreibens und Zeichnens mit den Vorteilen des Computers kombiniert. Die integrierte Handschrifterkennung von Windows 7 funktioniert wunderbar, so dass man seinen Text direkt mit Stift eingeben kann (siehe Abbildung 1).
    Abbildung 1: Freihand Modus
  • Filterfunktion: Neu und lange erwartet ist die Filterfunktion bei iMindMap 5. Damit lassen sich innerhalb eines Mind Maps Zweige, die bestimmten Kriterien entsprechen, ein- und ausblenden. Kriterien können dabei Symbole, Texte, Links oder Notizen sein (siehe Abbildung 2).
    Abbildung 2: Filterfunktion
  • Mehrere Zentralideen: iMindMap erlaubt es auf einer Weißfläche mehrere Mind Maps gleichzeitig zu erstellen. Nutzer werden vermutlich nicht oft den Bedarf haben, dies zu tun, aber für bestimmte Einsatzgebiete (z.B. Vergleiche) mag das durchaus interessant sein (Abbildung 3).
    Abbildung 3: Zwei Zentralideen auf einer Weißfläche
  • Verbesserte Symbolhandhabung: In meinen früheren iMindMap-Tests habe ich immer wieder die ungenügende Handhabung von Symbolen bemängelt. So musste man diese oft per Hand an die richtige Stelle des Zweiges ziehen oder nachjustieren, wenn man die Position eines Zweiges verschoben hat. Diese Probleme sind mit Version 5 behoben.
    Anderseits wurde nun auch die Flexibilität der Symbolverwendung eingeschränkt. So ist es zum Beispiel nicht möglich, mehr als ein Symbol auf einen Zweig zu platzieren. Dies finde ich sehr bedauerlich, da es oft Bedarf für genau diese Funktion gibt.
  • Angenehme Schrifteinstellung: Man könnte meinen, dass dies Standard sein sollte, war es bei iMindMap bis vor kurzem jedoch nicht. iMindMap verwendet nun voreingestellt eine angenehme Schriftart und mit den Zweigebenen kleiner werdende Schriftgrößen, was den Mind Maps ein schönes Aussehen verpasst und lästiges manuelles Verändern überflüssig macht.
  • Zeichnungen: iMindMap erlaubt die Erstellung von Zeichnungen und Skizzen, die zu einem Zweig hinzugefügt werden können. Nun kann man diese auch nachträglich sehr einfach verändern oder erweitern, in dem man einfach doppelt auf die Zeichnung klickt und so wieder in den Editiermodus gelangt.
  • Bildergalerie: iMindMap verwendet eine Online-Bildergalerie, die es ermöglicht aus tausenden von Bildern auszuwählen, um diese zu zweigen hinzuzufügen. In der Vergangenheit waren die Bilder frappierend scheußlich. Mein Eindruck ist, dass sich dies etwas gebessert hat und die Bilderdatenbank um ästhetisch anspruchsvollere Bilder ergänzt wurde.
  • Exportmöglichkeiten: Wer nach dem Erstellen eines MindMaps die Inhalte in anderem Programmen weiter verwenden möchte, bekommt eine Vielzahl an Exportmöglichkeiten geboten.

    iMindMap 5 – Was ich verändern würde

    Einige der Punkte, die ich bereits in den Kritiken zu Version 3 und 4 geschrieben habe, sind leider nach wie vor für die Version 5 gültig.

    Präsentationsmodus

    Hier kann ich meine Kritik aus dem Artikel zu iMindMap 4 fast unverändert noch einmal wiederholen. Ich finde die Idee eines Präsentationsmodus gut und richtig. Das ermöglicht weitere Einsatzgebiete von iMindMap und Mind Maps im Allgemeinen. So gut die grundsätzliche Idee auch ist, die Umsetzung ist noch nicht zufriedenstellend. Für den praktischen und professionellen Einsatz ist der iMindMap Präsentationsmodus meiner Meinung nach, nach wie vor nicht geeignet.
    Funktionen, die ich brauche, um vor Publikum mit iMindMap sinnvoll präsentieren zu können:

    • es ermöglichen, im Präsentationsmodus einzelne Zweige flexibel ein- und auszuklappen
  • es dem Benutzer ermöglichen, mit einem „Weiter“-Knopf immer den nächsten Zweig zu öffnen, ohne dabei sämtliche Unterzweige zu öffnen
  • es ermöglichen, zu Beginn der Präsentation alle Hauptzweige sichtbar zu machen
  • es ermöglichen, die automatische Zoom-Funktion abzustellen, so dass es visuell ruhiger wirkt.
    In Punkto Bedienerfreundlichkeit des Präsentationsmodus ist Mindjet MindManager aus meiner Sicht ein positives Beispiel.

    Projektmanagement-Modus

    Der Projektmanagement Modus ermöglicht die Darstellung eines Gantt-Diagramms in die Zuordnung von Prioritäten und Zeiten zu den einzelnen Zweigen. Damit soll iMindMap für das Projektmanagement nutzbar gemacht werden. Auch hier gilt dasselbe wie für den Präsentationmodus. Die Idee an sich ist gut und hat viel Potenzial. Die Umsetzung ist aus meiner Sicht zu wenig nutzerzentriert und nutzerorientiert. Ich habe die meisten Punkte bereits im Test zur Version 4 angesprochen, leider hat sich wenig verändert. Für mich ist das Arbeiten damit so umständlich und unübersichtlich, dass iMindMap als Projektmanagement-Software schlicht nicht in Frage kommt.
    Was sich ändern müsste:

    • Was bei iMindMap 4 noch möglich war ist in der Version 5 nun nicht mehr möglich: Die gleichzeitige Ansicht von Mind Map und Projektmanagement Modus (siehe Abbildung 4). In Version 5 bekommt man lediglich das Gantt-Diagramme und eine tabellarische Ansicht der Mind Map-Inhalte angezeigt (siehe Abbildung 5). Der Nutzer erstellt in erster Linie ein Mind Map und orientiert sich an der visuellen Darstellung des Mind Maps. Wenn diese nun genommen wird und man sich lediglich in einer Tabelle zurechtfinden muss, ohne den visuellen Anker zu haben, dann ist die Navigation, besonders bei umfangreicheren Mind Maps extrem anstrengend und zeitraubend.
    Abbildung 4: Projektmanagement-Modus bei iMindMap 4
    Abbildung 5: Projektmanagement-Modus bei iMindMap 5
  • Anstatt alle Zweiginhalte automatisch in die Gantt-Ansicht einzufügen und diese Ansicht damit völlig zu überfrachten, müsste es genau anders herum sein. Anhand der visuellen Mind Map-Ansicht entscheidet der Nutzer, welche Zweige in den Projektmanagementmodus übertragen werden. Vorbildlich gelöst wurde dies in der Software Mindjet MindManager.
  • Im Moment lassen sich Zeitdauer und Datum eines Zweiges nur im Projektmanagement-Modus verändern nicht in der Taskansicht in der Seitenleiste. Hier kann man die Werte lediglich betrachten, aber nicht editieren. Als Nutzer brauche ich genau diese Funktion: Ich betrachte einen Zweig meins Mind Maps und will dann ohne das Mind Map zu verlassen Dinge wie Datum und Priorität einstellen können.

    Mehrere Zweigsymbole ermöglichen

    Vermutlich, weil es in dieser Version neu die Filterfunktion gibt, kann man aus wohl technischen Gründen nur noch ein Symbol pro Zweig hinzufügen. Aus Mind Mapping-Perspektive benötige ich oft mehrere Symbole pro Zweig, besonders bei der Erstellung von Mitschriften aus Texten und Büchern.

    iMindMap 5 – Wo ich mir unschlüssig bin

    Neu ist der 3D Modus (siehe Abbildung 6). Damit bekommen die zweidimensionalen Mind Maps plötzlich Tiefe und lassen sich bis zu einem gewissen Grad horizontal und vertikal rotieren. Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet, was ich davon halten soll.
    Einen zusätzlichen Nutzen oder Vorteile beim Betrachten von Mind Maps und meinen Inhalten habe ich dadurch noch nicht erkannt. Vielleicht reicht es in diesem Fall ja, dass einige Nutzer es vielleicht cool finden.

    Abbildung 6: 3D-Modus

    iMindMap 5 – Fazit

    Das Besondere an iMindMap ist nach wie vor, dass sich damit visuell ansprechende und gleichzeitig sehr individuelle Mind Maps gestalten lassen. Für die Effektivität und den Nutzen der Mind Mapping Technik ist das sehr wichtig. So simpel die Anforderung, so schwer ist gleichzeitig die Umsetzung. iMindMap ist nach wie vor eines der wenigen Programme, die dies ermöglichen. In Kombination mit einem Tablet-PC gibt es fast keinen Unterschied mehr zu den Freiheiten von Papier und Stift. Phantastisch! (siehe Abbildung 7)

    Abbildung 7: Ein individuell erstelltes Mind Map mit iMindMap.

    iMindMap versucht mit Projektmanagement und Präsentationmodus mehr zu sein, sich andere Nutzergruppen und Einsatzgebiete zu erschließen. Ich sehe das Potenzial in diesen Ideen und es gibt andere Mind Mapping Software wo dies bereits umgesetzt wurde. Die Umsetzung in iMindMap 5 ist momentan allerdings noch nicht so ausgereift und durchdacht, das dieses Potenzial wirklich gehoben werden kann und die genannten Funktionen für den Nutzer (in diesem Fall für mich) attraktiv sind.

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