Kunst und Innovation

Ende April einen Tag bevor der europäische Luftraum wegen der Aschewolke gesperrt wurde war ich am New Yorker Flughafen, um einen Flieger nach Frankfurt zu erwischen. Wegen der Aschewolke würde der Flug mit sechs Stunden Verspätung abheben. Hinter mir in der Reihe stand ein – wie ich kurz danach herausfinden sollte – Professor der Frankfurter Kunstakademie, der die Hälfte des Jahre in New York und die andere Hälfte in Frankfurt lebte. Kurz darauf gingen wir zum Abendessen am Flughafen und ich fragte den Experten nach einer Definition von Kunst.
Zu meinem Erstaunen hatte er keine für mich, Kunst ließe sich nicht so einfach definieren genauso wie es sich nicht so einfach bewerten ließe.
Obwohl ich es bis heute nicht genau weiß, was Kunst eigentlich ist, bin ich mir ziemlich sicher, dass Kunst im Zusammenhang mit Kreativität steht.

Kreativität definiere ich als etwas „Neues, das Nutzen bringt“. Für wen und für wie viele Menschen dieses Neue nützlich sein muss, darüber debattieren die Kreativitätsforscher seit langem.

Auch Innovation steht in Zusammenhang mit Kreativität. Innovation definiere ich als „die Einführung eines kreativen Ergebnisses in einen Markt“.
Gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen Kunst und Innovation?

Originalität als gemeinsamer Bestandteil von Kunst und Innovation

Weiter geholfen hat mir hier Richard Sennett mit seinem Buch „The Craftsman“. Er beschäftigte sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Handwerk und Kunst. Ein Unterschied zwischen den beiden ist bei oft gleicher Tätigkeit die Betonung der Originalität und der Fokus auf die Künstlerperson in der Kunst im Gegensatz zum Handwerk. Sennett definiert Originalität als „ein etwas wo zuvor nichts war.“

Ist das Kunst oder kann das weg? – Unterschiedliche Bewertungskriterien

Die Originalität spielt auch in der Innovation eine große Rolle. Im Gegensatz zur Kunst ist Innovation heute fast nur in einem Team zu schaffen. Neben der Originalität muss jedoch auch das Kriterium der Effektivität erfüllt sein. Hierzu habe ich mir in einem Artikel zum Unterschied zwischen Kreativität und Innovation bereits Gedanken gemacht und dazu auch eine Matrix entworfen, die bei der Unterscheidung hilfreich sein kann.

Das Kriterium der Effektivität und damit der Frage, wie viel Nutzen ein originelles Produkt für einen Markt stiftet ist das Hauptbewertungskriterium für Innovation.
Eine Aussage a la „du verstehst mich halt nicht“, wie sie laut Sennett von vielen Künstlern geäußert wird, hat bei der Bewertung von Innovation keinerlei Gültigkeit.
Die Herangehensweise und die Einstellung von Künstlern und zum Beispiel Ingenieuren, die an einem neuen technischen Produkt arbeiten, können durchaus ähnlich sein, in der Hinsicht, dass beide einen kreativen Prozess einsetzen. „Die Grenzen zwischen Kunst und dem Ingenieurwesen existieren nur in unserem Kopf“, wie dieses Video schön zeigt.

Innovation als ein kreativer Prozess mit Beschränkungen

Der Forscher Dean Simonton beschäftigte sich lange mit wissenschaftlicher Kreativität und verglich diese mit künstlerischer Kreativität. Die künstlerische Kreativität nutzt möglicherweise einen ähnlichen Prozess der Erschaffung und Auswahl von Ideen, wie die wissenschaftliche Kreativität. Die wissenschaftliche Kreativität ist jedoch vielen Beschränkungen (zum Beispiel Naturgesetze) unterworfen wie die künstlerische Kreativität. Diese Beschränkungen müssen berücksichtigt werden, um zu einem Ergebnis zu kommen, dass neu und nützlich ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Newsletter

Social Media
Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder XING. Wir veröffentlichen zudem regelmäßig auf Medium.com.