Wie ein Innovationsworkshop abläuft

In den letzten Wochen was es etwas ruhiger hier auf dem Blog. Ich war zwei Wochen in China um das zu tun, worüber ich hier oft schreibe: Innovationsworkshops moderieren.
In nur drei Tagen ist es dem Kunden in einem Innovationsworkshop gelungen, mehrere neue technische Design-Konzepte für ein neues Produkt auszuarbeiten.
Der Kunde ist sehr zufrieden mit dem Ausgang des Workshops und hat mir daher auch offen gesagt, dass es große Vorbehalte gegenüber mir und den Methodiken gab. Ich bin kein Techniker, ich habe keine Vorerfahrung mit dem konkreten Produkt und während der ersten Videokonferenz war wohl noch zu abstrakt, wie der Workshop genau ablaufen wird.
Für diese Rückmeldung bin ich sehr dankbar. Ich merke immer wieder, dass es nicht einfach ist, rein mündlich zu erklären, wie ein Innovationsworkshop ablaufen kann und was konkret dort passieren wird.
In diesem Post möchte ich versuchen, die groben Schritte darzustellen.

Trennung zwischen Prozess und Inhalt

Wichtig für das grundlegende Verständnis ist die Trennung zwischen Prozess und den Inhalten. Ich als Moderator für einen Innovationsworkshop kümmere mich nur um den Prozess der kreativen Problemlösung. Ich muss kein Expertenwissen hinsichtlich des Inhalts haben. Mir ist es egal, ob der Kunde Cornflakes oder ein Antriebssystem entwickelt. Der grundlegende für Innovation relevante Denkprozess der kreativen Problemlösung ist immer ähnlich. Daher kann ein Moderator mit den entsprechenden Methoden bei vielen Fragestellungen helfen.

Modell der kreativen Problemlösung als Rahmen für einen Innovationsworkshop

Jeder Workshop folgt einem expliziten Prozess der kreativen Problemlösung. Es handelt sich um ein Modell, das einerseits sehr flexibel ist, andererseits aber einen Orientierungsrahmen darstellt, der für alle Beteiligten eine Struktur gibt und explizit macht, wo innerhalb des Prozesses wir uns gerade befinden. Dies stellt sicher, dass alle auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind und nicht eine Person Ideen entwickelt, während die andere Person versucht das Problem zu definieren.

Vor dem Innovationsworkshop: Das Vorgespräch

Damit der Workshop erfolgreich sein kann, ist vorab in meinem Fall ein 2 – 3 stündiges Vorgespräch mit dem Auftraggeber(n) nötig.

Ziel: Hier geht es darum, viele Informationen zum Problem zu bekommen
Das hilft dem Moderator den Workshop sinnvoll vorzubereiten. Die im Vorgespräch gefundenen Informationen dienen dann dazu gemeinsam im Workshop das genaue Problem gemeinsam zu definieren.

Die Schritte während des Innovationsworkshop

Während des Innovationsworkshops laufen dann grob vereinfacht (!) gesagt, die folgenden Schritte ab.

  1. Herausforderungen formulieren: Das Problem eingrenzen

    Ziel: Die Gruppe erhält einen Überblick über den Rahmen des Problems und kann dann entscheiden, welches die wichtigsten Ansatzpunkte sind, um nach einer Lösung zu suchen.

    Ich setze sehr oft das Denkwerkzeug des Challenge Mapping ein, um herauszuarbeiten welche Fragestellungen beantwortet werden müssen, um dem Ziel des Workshop näher zu kommen. Interessant ist hierbei für den Kunden, dass das gewählte Problem meist ein anderes es ist, oder einen anderen Zuschnitt hat, als er vorher dachte.

    Das Bild 1 zeigt eine anonymisierte Challenge Map mit bereits ausgewählten Schlüsselfragen.

  2. Ideen erkunden

    Ziel: Die Gruppe erarbeitet eine Liste von ausgewählten Ideen, die das Problem lösen könnten.

    Hier stecken mehrere wichtige Aspekte drin:

    • Eine Idee ist noch keine Lösung
    • Bevor ich auswählen kann, muss ich erst einmal Ideen entwickeln

    In diesem Schritt kommen nun ausgewählte, zum Problem passende, Kreativitätstechniken zum Einsatz, um eine Gruppe auf viele und viele neue Ideen zu bringen. Das Ergebnis können z.B. 200 Ideen auf eine Frage sein.
    Dann werden die Ideen wiederum mit bestimmten Denkwerkzeugen bewertet (siehe Bild 2) und kategorisiert (Bild 3), so dass am Ende des Schritte eine Liste von Ideen steht, die das Problem lösen könnten.

  3. Lösungen formulieren

    Ziel: Ausgefeilte Lösungen, die umgesetzt werden können.

    Bei technischen Fragestellungen beginnt nun die eigentliche Arbeit. Aus den möglichen Ideen muss herausgearbeitet werden, welche Ideen oder welche Kombinationen weiter ausdetailliert werden.
    Steht eine Grobrichtung fest, geht es darum, diese mit Leben zu füllen und auf Stärken und Schwächen abzuklopfen. Wichtig in einem Innovationsworkshop ist, dass wir die Schwächen nicht lediglich feststellen, sondern in mehreren Schleifen versuchen, diese auszuräumen.
    Am Ende dieses Schrittes, der in einem dreitägigen Workshop gut 1,5 Tage einnehmen kann, stehen eine Reihe (4 – 5) ausgearbeitete Lösungen (Bild 4 zeigt ein Beispiel für eine ausgearbeitete Lösung mit technischen Konstruktionszeichnungen), die nun noch einmal anhand definierter Kriterien bewertet werden können. Nach dieser Bewertung kristallisieren sich dann möglicherweise 2 – 3 Optionen heraus, die nach dem Workshop weiter verfolgt werden.

  4. Plan formulieren

    Ziel: Ein Handlungsplan mit einer detaillierten und spezifischen Aufstellung, wer was bis wann erledigt.

    Für diesen Teil am Ende plane ich immer noch einmal 1,5 bis 2 Stunden ein. Die Planerstellung ist anstrengend und gerade gegen Ende oft ermüdend aber essenziell, damit im Workshop gefundenen Lösungen auch umgesetzt werden können.

Flexible Schleifen

In einem Workshop wird es meist so sein, dass am Ende von Schritt 1 (Herausforderungen formulieren) mehrere Schlüsselfragen ausgewählt werden, die nacheinander oder parallel gelöst werden müssen, um zu einer Lösung zu kommen. In diesem Fall werden die Schritte 2 und 3 für jede Problemfrage durchgeführt, so dass am Ende eine Gesamtlösung entsteht. Das unten stehende Schaubild verdeutlicht das vielleicht (zum vergrößern klicken).

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