Kreativität ist nicht Künstlertum – Maslows zwei Dimensionen der Kreativität

Kreativität wird von vielen Menschen mit Künstlern und künstlerischer Ausdrucksfähigkeit assoziiert. Das ist aus zwei Gründen bedauerlich:

1. Kreativität wird auf Kunst reduziert und wird damit der Bedeutung von Kreativität nicht gerecht. Bis heute gibt es in der Kreativitätsforschung keine allgemeingültige Definition von Kreativität, sondern viele Definition, die aus unterschiedlichen Herangehensweisen abgeleitet werden können (siehe dazu meine Artikel über das 4P-Modell der Kreativität).
Keine der Definitionen beschränkt das Ergebnis der Kreativität auf einen bestimmten Bereich, wie die Kunst. Viele Definitionen von Kreativität beinhalten das Erschaffen von etwas das neu und in irgendeiner Form nützlich ist. Das Ergebnis kann dabei überall auftreten, in der Kunst, im Handwerk, in der Buchhaltung, im Alltag.

2. Die einseitige Reduzierung von Kreativität auf Kunst impliziert immer auch, dass Kreativität etwas ist, was nur wenige Menschen haben oder ausdrücken können. Es gibt durchaus auch in der Kreativitätsforschung einige wenige Wissenschaftler, die diese elitäre Form der Kreativität propagieren. Damit wird ausgeschlossen, dass Kreativität etwas ist, dass jeder Mensch hat und das jeder Mensch ausdrücken kann. Die meisten Forscher vertreten die Auffassung, dass Kreativität etwas ist, dass man ganz bewusst verbessern und erlernen kann. Jeder Mensch kann das! Dazu gibt es auch Studien, die die Wirkung von affektiven und kognitiven Techniken zur Förderung der Kreativität und Kreativtrainings (ich nenne diese Trainings zur systematischen Ideenentwicklung) aufzeigen.

Zwei unabhängige Dimensionen der Kreativität
Dennoch gibt es Menschen, die ein besonderes Talent haben, wie z.B. Künstler wie van Gogh oder Picasso, oder Wissenschaftler wie Albert Einstein. Diese Menschen bringen kreative Leistungen auf einem Level das auch mit Training wahrscheinlich nicht erreichbar ist.
Der durch seine Bedürfnispyramide (die übrigens in dieser Form als widerlegt gilt) bekannt gewordene Psychologe Maslow unterscheidet zwei unabhängige Dimensionen von Kreativität: Kreativität basierend auf einem speziellen Talent und Kreativität basierend auf Selbst-Verwirklichung.

Menschen die ein spezielles außergewöhnliches Talent haben, haben meist Leistungen verbracht, für welche sie von einer großen Zahl von Menschen anerkannt und wert geschätzt werden. Von diesen Menschen gibt es per Definition nur wenige.
Auf Selbst-Verwirklichung basierende Kreativität kann jeder Mensch ausdrücken. Es handelt sich um geistig gesunde Menschen, die ständig an sich wachsen. Kreativität drücken sie dann aus, wenn sie ihre Stärken zum Einsatz bringen und etwas tun, womit sie ihren Präferenzen gerecht werden, d.h. sich selbst verwirklichen. Csikszentmihalyi hat in diesem Zusammenhang den Begriff Flow geprägt.

Illustration 1 zeigt die beiden von einander unabhängigen Dimensionen und die unterschiedlichen Quadranten in den Menschen sich danach befinden können.
Interessant ist an der Maslowschen Unterscheidung in zwei Dimensionen die Konsequenz, dass Menschen mit einem speziellen Talent nicht über eine gesunde Psyche verfügen müssen (aber natürlich können), um ihr Talent ausdrücken zu können. Vielleicht kommt daher auch der Spruch „Genie und Wahnsinn liegen oft nah bei einander“ und die Beobachtung, dass die Geschichte voll von neurotischen kreativen Genies war und ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Social Media
Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder XING. Wir veröffentlichen zudem regelmäßig auf Medium.com.