Kopf schlägt Kapital

Wer eine Geschäftsidee hat und ein Unternehmen gründen möchte, der wird wahrscheinlich früher oder später eine Gründerberatung aufsuchen oder an einem Gründerseminar teilnehmen. Dort wird dann wahrscheinlich mit Freude zur Kenntnis genommen, dass Sie eine Gründungsidee haben, um Ihnen dann sofort rechtliches und betriebswirtschaftliches Wissen beizubringen, welches Sie für die Umsetzung Ihrer Idee brauchen.
Dieser Schwerpunkt auf Betriebswirtschaft ist laut Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin und Autor des kürzlich erschienen Buches Kopf schlägt Kapital der traditionelle Weg an Unternehmensgründungen heranzugehen und seiner Meinung alles andere als der geeignetste Weg. Von der ganz anderen Art ein Unternehmen zu gründen und von der Lust, ein Entrepreneur zu sein, darum geht es in diesem Buch. Beide Versprechen können erfüllt werden!

Faltin geht von zwei Prämissen aus:

  • Es kommt vor allem auf eine richtig ausgestaltete Unternehmensidee oder das richtige Entrepreneurial Design an, weniger auf Kapital oder das Management. Dies besonders am Anfang des Unternehmens.
  • Fast jeder „normale“ Mensch hat das Zeug und heute auch die Möglichkeiten zu gründen. Dies besonders wenn ein Unternehmen nach dem Komponentenprinzip aufgebaut wird, d.h. es greift auf bestehende, funktionierende Komponenten zurück.

Auf die Idee kommt es an
Nicht in erster Linie auf die betriebswirtschaftliche und rechtliche Umsetzung einer Idee komme es an, sondern auf die Idee selbst und deren systematischer, kontinuierlicher und beharrlicher Ausgestaltung. Die Geschäftsidee werde immer einfach als gegeben hingenommen, sie aber sei es gerade, die maßgeblich den Erfolg eines Unternehmens bestimme und an dieser Idee müsse so lange gefeilt werden, bis die Qualität stimme. Nur so können innovative anstatt imitativer Unternehmen gegründet werden. Welchen Prinzipien (Einfachheit, Skalierbarkeit, geringe Risiken) und Anforderungen diese Geschäftsidee genügen muss, wird im Buch ausführlich erläutert.
Faltins Betonung des Ideenkindes ist natürlich für mich als Moderator für kreative Problemlöseprozesse besonders spannend und interessant, da er davon ausgeht, dass eine (Geschäfts-)Idee eben nur teilweise vom Himmel fällt und dass diese vor allem systematisch und strukturiert entwickelt und verbessert werden kann und muss und dass es hierfür Methoden gibt.

Ähnlich wie man im Rahmen der kreativen Problemlösung mit Techniken (ich nenne diese Denkwerkzeuge) zur Generierung und Entwicklung von Ideen und Konzepten arbeitet, listet Faltin in seinem Buch sieben Techniken zur Ausarbeitung eines Entrepreneurial Design, die den potenziellen Gründer bei der Entwicklung seiner Unternehmensidee unterstützen können. Ich finde, diese erfüllen eine ganz ähnliche Funktion, allerdings sehr spezifisch für den Bereich der Ausarbeitung eines Unternehmenskonzeptes, wie Denkwerkzeuge im breiteren Sinne. Faltins beschriebene Techniken sagen dem Gründer nicht, was er machen soll, sondern in welche Richtung er Denken soll, z.b. die Techniken Potenzial in Vorhandenem entdecken und Funktion statt Konvention.
Ich glaube sogar, dass man Faltins Techniken sehr fruchtbar in Creative Problem Solving integrieren kann.

Innovative und lesenswerte Anleitung für Entrepreneure
Günter Faltin ist in mit Kopf schlägt Kapital eine innovative Anleitung für potenzielle Gründer gelungen. Innovativ in dem Sinne, dass die im Buch das bisherige – aus der traditionellen Industriegesellschaft kommende – Paradigma an Gründungen heranzugehen, verlässt und in Kapitel 10 explizit neues Denken fordert und erklärt.
Eine Anleitung in dem Sinne, da Faltin sein Modell – nach dem auch von ihm gegründete Teekampagne und die CO2-Kampagne entstanden sind – als Blaupause für andere Gründungen sieht und dies an einigen Beispielen verdeutlicht.
Und das Buch hält, was auf dem Cover steht: Mein bekommt richtig Lust ein Unternehmen zu gründen.

Den nächsten Workshop der Stiftung für Entrepreneurship möchte ich auf keinen Fall verpassen, ich bin schon sehr gespannt, Faltins Prozess einmal live zu erleben.

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