Creative Problem Solving im chinesischen Kulturraum

Die creaffective Asientour ist zu ende, seit letzter Woche versuche ich mich an die kalten Temperaturen zurück in Deutschland zu gewöhnen.
Leider bin ich in den letzten Wochen kaum zu schreiben gekommen. Zwei Leser haben mich während der letzten Wochen gebeten, doch etwas über Trainings und Workshops im chinesischen Kulturraum im Vergleich zu Deutschland zu schreiben.

Gleicher Kulturraum mit feinen Unterschieden
Ich war während der letzten sechs Wochen in Taiwan und Hong Kong, beide gehören zum chinesischen Kulturraum, dennoch gibt es in Hinblick auf Workshopmoderation und Trainings feine Unterschiede zwischen Taiwanern und Hong Kong Chinesen und sicherlich gibt es noch etwas größere Unterschiede zu den Menschen in Festland China. Trotzdem merkt man natürlich, dass alle zum chinesischen Kulturraum gehören und ich merke, dass ich kein Wort Kantonesisch verstehe, sondern nur Mandarin. Ich werde versuchen, mich auf die allgemeinem Unterschiede im Vergleich zu Deutschland zu konzentrieren.

Größere Zurückhaltung
Der größte Unterschied, auf den man sich als westlicher Moderator und Trainer sicherlich einstellen muss, ist die Zurückhaltung der Teilnehmer in Hinblick auf aktive Wortmeldungen. In der konfuzianischen Kultur wird das aktive und häufige Äußern seiner Meinung nicht so hoch angesehen, wie bei uns. Auch wenn das in westlichen Unternehmen vor Ort propagiert und gefördert wird, merkt man doch stark, dass die Menschen mit einem anderen Verhaltenskodex aufgewachsen sind. In einem Training ist es natürlich wünschenswert, dass die Leute Fragen stellen und Ihre Eindrücke äußern. Während meiner Zeit in Taiwan und Hong Kong waren es zuerst immer die wenigen Westler im Training, die angefangen haben ihr Meinung zu äußern, nachdem alle anderen erst einmal abwarten. In Hong Kong war das noch stärker ausgeprägt als in Taiwan, was vielleicht daran liegt, dass ich in Taiwan fast nur Geschäftsführer in den Trainings hatte und diese es eher gewohnt sind, ihre Meinung zu äußern. Manchmal hilft es, den Menschen mehr Zeit zu geben. Wenn das Eis einmal gebrochen ist und einige Teilnehmer sich äußern, dann rücken andere oft nach.
Nur weil die Leute sehr zurückhaltend sind, heißt das nicht, dass sie keine Meinung haben. Das zeigt sich besonders während der Feedbackrunden, wenn alle der Reihe nach aufgefordert werden, zu sprechen. Das hat sich aus meiner Erfahrung auch als einer der besten Wege herausgestellt, mehr von den Leuten zu erfahren.

Im Westen: schnelles Urteil – in Asien: größere Offenheit
Wirklich spannend ist aus meiner Sicht eine Übung in meinen Creative Problem Solving Workshops in der ich auf die Bedeutung von offener und positiver Rückmeldung zu Ideen und Vorschlägen aufmerksam machen möchte. Ich zeige dabei oft das unten stehendes Bild eines Schubkarrendesigns und bitte die Teilnehmer um Kommentare. (Dieses Vorgehen wurde erstmal von de Bono beschrieben) In Deutschland fallen die Kommentare im Durchschnitt folgendermaßen aus: Von 20 Kommentaren bekomme ich ca. 15 – 17 Gründe genannt, warum das Design mit Fehlern behaftet ist und nicht funktionieren kann.

In Taiwan und Hong Kong ist hier ein deutlicher Unterschied festzustellen. Von 20 Kommentaren waren mehr als die Hälfte Kommentare in Form von Fragen zum Design oder Kommentare a la „interessante Farbe“.
Kurz gesagt: Hier im Westen (das gleiche läuft in den USA ab) wird wesentlich schneller geurteilt, in Asien warten die Menschen länger bis sie ein Urteil fällen. In der Kreativitätsforschung spricht man hier von „premature closure„, die Vorschnelle Urteilsbildung, die man möglichst vermeiden sollte, um kreative Ergebnisse zu erzielen. Edward de Bono würde sagen, dass dieses Verhalten am Einfluss der christlichen Kultur liegt, in der wir schneller von richtig oder falsch sprechen und generell schneller ein Urteil fällen.
(Ich habe mir sagen lassen, dass das obige Schubkarrendesign tatsächlich irgendwo zum Einsatz kommt, ich habe bisher allerdings noch nicht heraus bekommen wo.)


In Asien: Zielgruppe obere Hierarchieebenen

Zumindest bei Trainings zu Creative Problem Solving gilt besonders in Asien, dass die Zielgruppe unbedingt Führungskräfte sein müssen. Nur mit entsprechender Entscheidungsgewalt und Personalverantwortung ist die Chance sicher gestellt, dass die Teilnehmer die für viele neue Herangehensweise zur kreativen Problemlösung im Arbeitsalltag umsetzen können. In Asien spielen Hierarchien eine viel größere Rolle als bei uns, deshalb ist es aus meiner Sicht essentiell bei Prozessen wie Creative Problem Solving von oben nach unten vorzugehen. Das halte ich auch in Deutschland für wichtig, allerdings nicht so essentiell wie in Asien.
Anders sieht es natürlich bei Workshops aus, in denen ich als Moderator fungiere, hier spielen Hierarchien eine geringer Rolle, da die Moderationshoheit ja bei einem Externen liegt.

Einen weiteren großen Unterschied habe ich auch noch festgestellt, der jedoch wohl nichts mit der Kultur zu tun hat: Es gibt in Asien keine vernünftigen Flipcharts die lediglich von einer Person bedient werden können. Außerdem ist es sehr schwierig Flipchartpapier zu kaufen. Flipchartanbieter auf nach Asien!

Ein Blick aus dem Workshopraum aus dem 27. Stock in Hong Kong.

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