Die vier Ps der Kreativität – Teil 2: Der Prozess

Neben Person und Produkt (vorgestellt im letzten Post), unterscheidet das Modell von Rhodes außerdem noch zwischen Prozess und Umfeld (englisch: Press). Im heutigen Post möchte ich näher auf den Prozess eingehen.

Strukturiert und zufällig
Mein Eindruck ist, dass dieser Aspekt am meisten unterschätzt wird. Viele Menschen glauben, dass Kreativität etwas ist, dass man hat oder nicht hat und dass es etwas unkontrollierbares und zufälliges ist. Das ist nur teilweise richtig. Wie unter „Person“ beschrieben, haben Menschen durchaus Veranlagungen, die auch bei Kreativität eine Rolle spielen, allerdings machen diese nur einen Teil aus. Über den Einsatz und die Übung von Techniken und ein Bewusstsein über den Prozess lässt sich eine Fertigkeit trainieren, die jeder nutzen kann, um relativ gesehen kreativer zu sein.

Es ist auch richtig, dass Elemente der Kreativität chaotisch und unkontrollierbar sind. Ein anderer Teil ist ein sehr strukturierter Prozess, der sich bewusst steuern und beeinflussen lässt. Obwohl das Creative Problem Solving (CPS) Modell, mit dem ich viel arbeite, aus den USA stammt, denken alle meine Kunden hier in Taiwan, dass meine strukturierende Tätigkeit als Prozessmoderator für kreative Problemlösungen sehr gut zu mir als Deutschen passe, den schließlich sind alle ja alle Deutschen extrem strukturiert 🙂

Mehrere Phasen
Eines der ersten Modelle zum kreativen Prozess kam von Graham Wallas im Jahr 1926. Es teilt den kreativen Prozess in folgende vier Phasen ein, die verschiedenen bewusste und unbewusste geistige Prozesse umfassen: Vorbereitung, Inkubation, Illumination, Verifikation. Dieses erste Modell findet sich heute in abgewandelter Form in vielen Verfahren zur kreativen Problemlösung wieder (siehe unten).

Zwei Arten des Denkens
In jeder dieser Phasen (wie auch immer diese nun genau aussehen), wenn diese effektiv gestaltet werden, kommen zwei Arten des Denkens zum Einsatz, die erstmals 1967 von Guilford in dieser Form benannt wurden: Divergierendes und konvergierendes Denken.

Divergierendes Denken bezeichnet die breite Suche nach Optionen und Alternativen für ein Problem, für welches es keine eindeutige Antwort gibt. Im etwas engeren Kontext der Ideen wird diese Phase als Ideenfindung bezeichnet.
Konvergierendes Denken kann als die fokussierte Evaluation und Auswahl der Alternativen bezeichnet werden. Im Kontext der Ideen wird diese Phase auch als Ideenbewertung bezeichnet. Beide Arten sind wichtig und notwendig im kreativen Prozess, jedoch sollten diese für einen effektiven Prozess von einander getrennt werden, da beide anderen Regeln folgen.
Hier liegt die Krux in vielen Köpfen und vielen Teams: Die beiden Arten (egal, ob diese nun so genannt werden oder nicht) werden oft vermischt.
Jeder kennt das vielleicht: Man bringt einen Vorschlag und erhält als erstes 10 Gründe, warum dieser nicht funktionieren kann.

Der Prozess der kreativen Problemlösung
Im Kontext der kreativen Problemlösung sind folgende sechs Phasen allgemein akzeptiert (d.h. die Forschung ist sich hierüber weitgehend einig):

  1. Zielfindung: Hier wird das Problemgebiet definiert
  2. Faktenfindung: Relevanten Informationen werden zusammen getragen
  3. Problemfindung: Hier wird versucht, dass Problem richtig zu definierten
  4. Ideenfindung: Ideen zur Lösung des Problems werden generiert
  5. Lösungsfindung: Ideen zur Lösungen werden bewertet und ausgewählt
  6. Akzeptanzfindung: Hier wird versucht, die Grundlage für die Umsetzung der Ideen zu finden

Das CPS-Verfahren (hier ein Post dazu) mit dem ich viel arbeite, folgt einem noch ausgefeilteren Muster, der noch einmal besonderes Augenmerk auf die Weiterentwicklung und Verfeinerung der Lösungsalternativen legt und auch die letzte Phase der Akzeptanzfindung noch stärker unterteilt. (Ein Anwendungsbeispiel gibt es hier.)

Auch andere Verfahren folgen in groben Zügen diesem Muster, so z.B. auch TRIZ oder das ebenfalls bereits auf diesem Blog vorgestellter TO-LO-PO-SO-GO Verfahren von Edward de Bono. Auffällig und gleichzeitig größter Schwachpunkt bei de Bonos Verfahren ist, dass es keine gesonderte Stufe für die genaue Eingrenzung und Definition des Problems gibt. Diese ist allerdings extrem wichtig, da sonst die Lösungsversuche möglicherweise in die falsche Richtung laufen.
Letzte Woche habe ich mit Beratern von McKinsey Taiwan über Problemlöseverfahren gesprochen. Diese berichteten mir, dass bei sie in ihren Projekten mehrere Tage für die genaue Definition des Problems verwenden, denn schließlich hängt ein Großteil der Stoßrichtung der Arbeit davon ab, wie das Problem definiert wird.

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