Das Creative Problem Solving (CPS) Verfahren

Gibt es ein Verfahren mit dem man, wenn man es anwendet, innovative Lösungen für Herausforderungen und Probleme finden kann? Sozusagen fast automatisch?
Automatisch geht es leider nicht, aber Verfahren, die einen bei der zielgerichteten Suche nach innovativen Lösungen unterstützen können und die Erfolgswahrscheinlichkeit stark erhöhen, gibt es sogar mehrere:

Das TO-LO-PO-SO-GO Verfahren von Edward de Bono zu diesem Zweck sowie die Visualisierung mit Mindjet MindManager habe ich hier schon ausführlich vorgestellt. Aus Russland kommt das TRIZ-Verfahren zur Erfinderischen Problemlösung. Eine weitere große Schule ist das Synectics Verfahren.
Das Verfahren, das wissenschaftlich auch heute noch am stärksten untersucht, evaluiert und weiterentwickelt wird ist das Creative Problem Solving (CPS) Verfahren. Seinen Ursprung hat CPS in den 50ern Jahren am International Center for Studies in Creativity in Buffalo USA, wo ich auch meine Ausbildung dazu erhalten habe. Mit entwickelt wurde CPS in den Anfängen von Alex Osborn, dem Erfinder des Brainstorming, der auch hier zu Lande den meisten ein Begriff ist.

CPS: Ein expliziter Prozess zur kreativen Problemlösung

CPS ist keine Zauberei oder eine irgendwie besonders komplizierte Methode. CPS ist (wie übrigens die oben genannten Verfahren auch) ein expliziter Prozess, der sich an der natürlichen Art und Weise vieler Menschen Probleme zu lösen orientiert.


Das Bild (nach Miller, Vehar und Firestien) zeigt die drei Komponenten von CPS. In den Grundzügen ähneln sich alle vier genannten Prozesse:
Am Anfang steht immer eine Analyse des Problems / der Herausforderung. Wenn man dies einmal herausgearbeitet und eingegrenzt hat, folgt eine Phase der Ideengenerierung. Die gefundenen Ideen werden dann in einer weiteren Stufe weiterentwickelt und umsetzbar gemacht. (Einen guten Einblick in die grundlegende Struktur von TRIZ und dem Design Thinking Modell von Ideo bietet übrigens die aktuelle Ausgabe des Harvard Business Managers)

Einsatz bei „kreativen“ Problemen

Warum rede ich immer von kreativen Problemen? Alle genannten Verfahren kommen zum Einsatz, wenn es sich um Probleme oder Herausforderungen handelt, die vom Ergebnis her offen sind, d.h. das Endergebnis steht nicht im Vorhinein fest, wie z.B. bei einem Reparaturprozess, und deren Lösungen in irgendeiner Weise neu und anders sein müssen. Mit diesen beiden Kriterien haben wir eine Arbeitsdefinition (es gibt viele mehr) von Kreativität: Etwas das neu ist und Nutzen bietet. Ob es sich dabei um ein reaktives Vorgehen auf ein vorhandenes Problem handelt oder ein proaktives Vorgehen, um Probleme zu vermeiden, ist dabei egal.

Mehrere Phasen mit wiederkehrenden Arten des Denkens

Bild 1 zeigt die drei Komponenten von CPS, die wiederum in weitere Phasen unterteilt werden. Jeder dieser Phasen ist gemein, dass Sie zuerst divergierendes Denken (die breite Suche nach unterschiedlichen, neuen Alternativen) gefolgt von konvergierendem Denken (die fokussierte und bejahende Bewertung der Alternativen) erfordern (siehe Bild 2).




(Dieses Bild ist eine Kombination der Arbeiten von Puccio, Murdock und Mance sowie Miller, Vehar und Firestien)

Die Vermischung dieser beiden getrennten Phasen führt dazu, dass sogenannte „Ideensitzungen“ meist in die Hose gehen (einen schönen Beitrag hat dazu Jürgen Stock vom heureka-Blog geschrieben).

Kombination mit Denkwerkzeuge und Kreativitätstechniken

Angereichert werden die einzelnen Phasen von CPS (und auch die der anderen Verfahren) nun mit Kreativitätstechniken und Denkwerkzeugen um das beste aus einer Gruppe herauszuholen.

Da dies in Kombination alles nicht so einfach ist, werden Problemlöseverfahren in Gruppen meist durch einen Facilitator (Prozessmoderator) geleitet, der die Gruppe geschickt durch den Prozess leitet.

Warum?

Eingesetzt wird CPS immer dann, wenn innovative Lösungen auf Probleme (reaktiv) oder Herausforderungen (proaktiv) nötig sind. Der Einsatz von CPS ermöglicht es, die Arbeit, die in Gruppen oft in vielen Tagen oder Wochen statt findet auf einige Stunden zu kondensieren. Außerdem wird das leichter möglich gemacht, was oft aus eigener Anstrengung nur mit sehr viel Aufwand oder gar nicht möglich ist: Umsetzbare innovative Lösungen.

Hauptsächlich in Gruppen, aber auch alleine

Am meisten Sinn mach es, solche Prozesse in Gruppen einzusetzen. Es ist aber genauso möglich, den Prozess alleine zu durchlaufen. Am Beispiel von de Bonos TO-LO-PO-SO-GO habe ich das bereits einmal durchexerziert.
Ähnlich wie bei TO-LO-PO-SO-GO lässt sich auch der CPS-Prozess visualisieren und protokollieren(!). Auch hier habe ich wieder Mindjet MindManager benutzt.


(Entwickelt von Florian Rustler)

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