Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer

Teil 2 des Gastbeitrags von Bauingenieur Stefan Scheurer

Das Wichtigste in Kürze

  • Probleme müssen abgegrenzt werden!
  • Die Realität ist nicht begreifbar!
  • Achtung Denkblockaden, durch Objektivität, Ideale, Vorbilder usw.

Lukas, der Lokomotivführer und die Region der schwarzen Felsen Einsame Gegend zwischen der Wüste „das Ende der Welt“ und dem „Land der Tausend Vulkane“. Die Felsen sind hier so unvorstellbar schwarz, dass alles Licht und alle Wärme verschluckt wird. Zu durchqueren ist diese Region auf einer schnurgeraden Straße, auf einem schmalen Felsgrat zwischen zwei Abgründen, die an der höchsten Stelle durch den „Mund des Todes“ führt – ein Felsentor, durch das ständig ein eisiger Wind weht und dabei schauerliche Geräusche verursacht. Erst Emmas Dampf, der in der Eiseskälte zu Schnee gefror, konnte die Straße in der absoluten Finsternis sichtbar machen.

Im ersten Teil von „Die Frucht wächst am Rande des Baumes“ habe ich mich ganz allgemein mit der Umgangsweise bei Problemstellungen beschäftigt, dabei aber still vorausgesetzt, dass Ihnen das Problem bereits bekannt war oder Ihnen in irgendeiner Form zugetragen wurde. Ihre Kenntnis und Ihr Wissen haben es entweder zu einem Problem oder zu einer Aufgabenstellung werden lassen. Wie ist jedoch die Wirklichkeit? Muss das Problem zunächst nicht erst erkannt oder nachvollzogen, bzw. die Problematik sichtbar gemacht oder abgegrenzt werden? Um die Sichtbarmachung und Abgrenzung von Problemen geht es mir im Folgenden.

Analogie
Versuchen Sie doch mal ein unbekanntes Objekt in völliger Dunkelheit zu beschreiben! Einziges Hilfsmittel ist ein Laserpointer, mit dem Sie das Objekt anleuchten können. Dieser Laserpointer hat ein bestimmtes Farbspektrum (= Ihr kultureller Hintergrund), eine definierte Leuchtenergie (= Ihr Intellekt) und als Lichtkegel leuchtet er auf engstem Raum kreisförmig (= Ihr Wissensumfang) aus. Sie als Beobachter schließen auf den ersten Blick, dass dieses Objekt rötlich schimmert, eine geringfügige Struktur hat und kreisförmig ist. Andere Beobachter mit anderen Laserpointern (also mit anderen Farbspektren, höherer oder nicht so hoher Leuchtenergie und größere Lichtkegel) ausgestattet, behaupten dass dieses Objekt vielleicht grünlich schimmert, eine feinkörnige Struktur hat, ebenfalls rund, dafür aber größer ist.
Das Bedürfnis der Beobachter, die gesammelten Eindrücke zu vergleichen, führt zu einer vielseitigen Vorstellung und zu einem umfangreicheren Bild vom unbekannten Objekt. Die unterschiedlichen Standpunkte und Beobachtungen werden durch Sprache und Schrift ausgetauscht und verglichen. Danach werden objektive Wissensinseln und einheitliche Beschreibungssprachen aufgebaut, um das unbekannte Objekt wie auch die Laserpointer besser beschreiben zu können.
Nach einiger Zeit gibt es halt eben mehrere Beobachter mit Laserpointern, die sogenannte objektive (einheitliche) Farbspektren aufweisen. Mehrere Beobachter, die unterstützt durch die Brille der Objektivität und des Wissens allerdings nur noch ähnliche Erkenntnisse sammeln. Diese Vereinheitlichung von Standpunkten und von Wissen, sowie der Glaube an die Objektivität verdrängen allerdings aus meiner Sicht das Sprachbedürfnis, welches vorher für den Informationsaustausch so wichtig war. Im Schatten des gesammelten Wissens kommt ein anderes Licht der Erkenntnis bei Ihnen nicht mehr an.

Aber: Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!
Bestand aber die Aufgabe nicht darin ein unbekanntes Objekt zu beschreiben? Sie stellten fest, dass Ihnen nichts darüber bekannt war, Sie also nichts darüber wussten, was doch nach allem darauf hindeutete, dass es sich hierbei eher um eine Problemstellung als um eine Aufgabenstellung handelte! Sie gingen darum mit Ihrem Wissen und Ihren Methoden heran, das Problem zu lösen und kamen vom hundertetsten ins tausendste, schafften es aber dennoch nicht, weil Ihnen immer noch ein Kriterium einfiel, bzw. ein anderer Standpunkt hinzugekommen war.
Hätten Sie vielleicht nicht von Anfang an ganz einfach auch fragen können, warum sie das Objekt überhaupt beschreiben sollen oder wollen? Die Antwort hätte vielleicht gelautet: „Wir wollen einen Flughafen bauen und müssen dieses Objekt überfliegen. Daher möchten wir wissen, wie hoch es ist“. Oder: „Wir möchten ein Freilichtkino bauen und wollen wissen, ob die Oberfläche des Objektes sich zum
Abspielen eines Filmes eignet“. Sie greifen sich an den Kopf und rufen: „Natürlich! Das Problem ist immer das Problem im Kopf“. Sie hätten lediglich mit Ihrem Laserpointer nur die Kontur des unbekannten
Objektes feststellen müssen, damit das Flugzeug sicher daran vorbei oder darüber hinweg fliegen kann. Sich Gedanken über die Farbe und Struktur des Objektes zu machen war absolut nicht notwendig. Hier zeigt sich die Wichtigkeit der Problemabgrenzung, denn die Realität kann nicht erfasst werden, dafür aber das Problem. Ganz einfach durch Eingrenzung mit Hilfe von einer oder mehreren „Warum?“- oder „Wozu?“-Fragen. Wenn Ihnen also beim nächsten Mal ein scheinbares Problem geschildert wird, fragen Sie nach dem „Warum“.

Behauptungen

  • Objektivität ist eine Droge, führt in die Abhängigkeit der Gleichschaltung. Dessen sollte man sich immer bewusst sein.
  • Wissen darf nur in der Menge vorhanden sein, die notwendig ist, um das Problem zu lösen. Darüber hinaus ist es eher Ballast und üngünstigenfalls ein Wegweiser in die falsche Richtung.
  • Zwischen Wirklichkeit und Realität ist zu unterscheiden. Die Wirklichkeit ist in uns
    und bewirkt unser Handeln. Die Realität ist voll umfänglich nicht greifbar.
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen zur Lösung immer wieder und immer noch ein Detail
    fehlt, reißen Sie das Steuer rum, denn Sie verlieren sich soeben in der Grenzenlosigkeit der Realität, bzw. an Ihrem Bedürfnis zur Objektivität.

Ein erweitertes Rezept für Probleme
Nur Aufgaben kann man lösen, ohne nach dem „Warum“ zu fragen. Bei Problemen geht dies nicht. Mein Regelwerk erweitert sich gegenüber Kapitel 01 um den Punkt der Problemabgrenzung durch ein einfaches „Warum“:

  1. Unterscheiden Sie anhand Ihres Wissens, ob eine Aufgabe bewältigt werden soll, oder ob Sie ein Problem angehen!
  2. Sollten Sie ein Problem angehen, fragen Sie so lange nach dem „Wozu?“ oder „Warum?“
    bis Sie es abgegrenzt haben!
  3. Teilen Sie das Problem gedanklich in die Problematik und in die Lösungsfindung auf!
  4. Nehmen Sie an der Problematik möglichst vorurteilsfrei teil, um Erfahrungen zu
    sammeln!
  5. Nehmen Sie Ihre Erfahrungen mit nach Hause und modellieren Sie die Problematik!
  6. Finden Sie danach den richtigen Hebel und lösen Sie Ihr Problem!

„Muster“knabe Mindmap
War nicht die Art und Weise der Präsentation in Verbindung mit der Persönlichkeit des Lehrers maßgeblich zum Verständnis eines bestimmten Themas?
Hatten nicht der oder die, zu denen Sie ein besonders vetrauensvolles Verhältnis hatten einige Denkblockaden bei Ihnen aufgelöst?
War nicht manchmal die Art einer bildhaften Darstellung (Karrikatur oder Detail) oder allein nur der Satzaufbau dafür entscheidend, dass Sie etwas behalten oder besser verstanden haben?
Nun, dann geht es Ihnen wie mir!

Im Gegensatz zu geometrischen Aufgabenstellungen, bei denen nur Zirkel und Lineal zugelassen sind, sind bei Problemstellungen jedwede Hilfsmittel der Anschauung zugelassen und dienen als „kognitiver Spiegel“. Hilfsmittel, mit denen Sie nach bestimmten Regeln Muster erzeugen können, um ihnen danach individuelle Bedeutung beizumessen. Solch ein Hilfsmittel, solch ein „kognitiver Spiegel“ ist eine Mindmap! Stellen wir uns leichtsinnigerweise vor, dass unser Gehirn ebenfalls wie ein „kognitiver Spiegel“ arbeitet: Die Natur und die Umwelt haben Einfluss auf unseren Organismus und auf die Struktur unseres Gehirnes. Dieses hält aber auch Algorithmen (Sinnsuche) vor, die im Nachhinein dieses gewachsene, evolutionäre Muster deuten und als Ergebnis einen Gedanken erzeugen.
Ähnlich, einem Muster, das Sie auf ein Stück Papier kritzeln, um danach spaßeshalber Figuren herauszuinterpretieren. Ähnlich eben einem Mindmap-Muster, dass Sie aufmalen um es immer wieder auf’s neue zu deuten und zu ordnen um neue Erkenntnisse zu erhalten.
Der Erfolg der Methode Mindmap hängt aus meiner aktuellen Sicht und als wage Vorhersage auf die noch folgenden Kapitel von verschiedenen Faktoren ab:

  • Aufgrund der Zergliederung von Themen und dem typischen Erscheinungsbild der Mindmap erhalten Sie gewissermaßen auf methodische Art und Weise einen zweiten (Pseudo-)Standpunkt.
  • In der Folge müssen Sie als Anwender nun einen „roter Faden“ zwischen Ihrem Standpunkt und der Mindmap als Pseudostandpunkt gezwungenermaßen generieren.
  • Aufgrund der Zergliederung von Themen ist immer ein zweiter, wenn auch ein methodischer „roter Faden“ zwischen den Inhalten gewährleistet.
  • Das Gruppieren von Inhalten in Container ermöglicht eine permanente Zusammenfassung.Damit hat die Mindmap Eigenschaften einer Stichwortliste, eines Texteditors, bietet und erzwingt „rote Fäden“ bei gleichzeitiger gleitender Zusammenfassung! Quasistatisch alles in allem in einem Bild.

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