Symposion Lernen lernen: Prof. Bauer – Motivation durch Beziehung

Folgende Artikel zum Symposion sind bereits erschienen:
Teil 1: Prof. Martin Korte – Wie lernt der Mensch?
Teil 2: Interview mit Dr. Andreas Gößling

Das Wichtigste in Kürze:

  • Motivation ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Erfolg des Schulsystems
  • Motivation führt zu höherer Leistung und ermöglicht kreatives Denken
  • Beziehungen sind eine notwendige Bedingung für Motivation
  • Der Mensch verfügt über Spiegelneurone, die bei abhängig von den Handlungen anderer aktiviert werden

Das Wissenschaft motivieren kann, zeigte der Vortag von Prof. Joachim Bauer, der nach seinem Vortrag von Wolfgang Endres den Spitznamen Prof. Aufbauer verliehen bekam.
Grundgedanke des Vortrags war, dass die Leistungsbereitschaft und der Lernerfolg eines jeden Menschen neben anderen Faktoren besonders von seiner Motivation abhängt. Ist Motivation vorhanden, kommt es im Gehirn zur Ausschüttung einiger wichtiger Botenstoffe, wie Dopamin und körpereigener Opioide, die für Freude und Wohlbefinden sorgen.
Stimuliert werden kann das Motivationssystem durch Musik, durch Bewegung (wer sich für neurobiologische Hintergründe interessiert, dem empfehle ich Brainule #1 von John Medina) und Beziehungen.

Beziehungen als Ziel jedes Handelns
Positive Beziehungen zu anderen Menschen sind einerseits Grundvoraussetzung für Motivation. Sind diese nicht vorhanden, führt dies zu dauerhaften Stressreaktionen und damit zu Angstzuständen und Aggression.
Gleichzeitig sind Beziehungen immer auch mit Ziel unserer Handlungen. Wir alle benötigen Zuwendung (z.B. durch Gespräche oder auch nur Blickkontakt), Anerkennung und Bestätigung durch andere Menschen.

Spiegelneurone und das Potenzial positiver Ansteckung
Seit einigen Jahren weiß man von so genannten Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Diese werden durch Handlungen anderer aktiviert und ermöglichen Empathie (Verständnis für das Innenleben anderer Menschen) sowie Modellernen, indem wir den Handlungen und Bewegungen anderer zusehen, um dann eigene Verhaltensweisen zu formen.
Durch Spiegelneurone kann gut erklärt werden, warum jeder durch sein Verhalten und sein Auftreten andere anstecken kann, im positiven wie im negativen Sinne. Sichtbar wird eine solche Ansteckung z.B. beim Gähnen. Ich musste einmal einen Vortrag aushalten, indem sich der Redner 90 Minuten ununterbrochen geräuspert hat. Man konnte ich richtig sehen, wie sich bei den Zuhörern ein Unwohlsein und Kratzen im Hals entwickelte.

Nicht nur auf den Inhalt kommt es an
Durch diese Ansteckungsmöglichkeit ergeben sich vielfältige Chancen, wie Trainer, Lehrer aber selbstverständlich auch Führungskräfte in Unternehmen Ihre Schüler, Kursteilnehmer oder Mitarbeiter positiv beeinflussen können und somit deren Motivation steigern können. Allein durch entsprechendes positives Auftreten, Beachtung und Aufmerksamkeit für jeden einzelnen ist hier viel möglich. Durch wohl gemeinte (konstruktive) Rückmeldung zur individuellen Leistung erhalten Schüler und Seminarteilnehmer wichtige Hinweise zur Verbesserung. Im Gegenzug sollte es selbstverständlich sein, dass jeder Schüler, jeder Seminarteilnehmer oder Mitarbeiter absoluten Schutz vor Beschämung und Vorführen vor dem Rest der Gruppe hat. Hier reicht eine Beschämung, um einem Menschen für den Rest seines Lebens negativ zu prägen. Mit Grauen, aber gleichzeitig so, als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an eine Musikstunde in der vierten Klasse, in der ich gezwungen wurde alleine vor der gesamten Klasse zu singen.
Solche grundlegenden Verhaltensweisen von Lehrern, Trainern und Führungskräfte sind genauso wichtig wie interessante und gut strukturierte Inhalte oder Fachkompetenz.

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