Buchbesprechung: 4-Hour Workweek

In meinem letzten Post habe ich das Buch schon angesprochen, in Zusammenhang mit Effektivität. Nicht nur in Punkte Effektivität passt dieses Buch thematisch gut zu diesem Blog, sondern auch hinsichtlich Kreativität. Jemand der kreativ ist, sieht die Dinge oft anders als der Großteil seiner Mitmenschen, was man von Tim Ferriss wahrlich behaupten kann.

Ziel: New Rich als Lebensstil
Mit dem Buch möchte Tim Ferriss den Lesern den Weg hin in die Gruppe der New Rich zeigen, auf Deutsch vielleicht am besten mit den neuen Reichen übersetzt, im Gegensatz zu Neureichen. Neue Reiche zeichnen sich durch einen Lebensstil aus, den man sonst den Millionären zutraut. Sie sind Herr ihrer Zeit, d.h. sie bestimmen wann sie was wo tun, im Gegensatz zu den Bürosklaven, die täglich von 9 bis 17 Uhr, je nach Branche und Kontinent wesentlich länger in Büros verbringen und dem Leben vom Bürofenster aus zusehen. Mittel auf dem Weg dort hin ist es, die Korrelation von Einkommen und Arbeitszeit aufzuheben: in möglichst wenig Zeit und mit wenig Aufwand ausreichend (nicht so viel wie möglich!) Geld für den Lebensstil der New Rich zu gewinnen.

Prämissen
Ferriss selbst trifft einige Annahmen:

  • In Hinblick auf Arbeit glaubt er nicht an die Berufung, eine Tätigkeit, die einen voll und ganz erfüllt und die man nicht als Arbeit im Sinne von Mühe und Anstrengung empfindet.
  • Außerdem gibt es kein Glück (siehe hierzu meinen Post zu Matthieu Ricard) im Sinne eines dauerhaften Zustandes, sondern es geht eher darum, das Leben mit aufregenden und erinnerungswürdigen Momenten und Aktivitäten zu füllen.
  • In Ruhestand zu gehen, ist der größte anzunehmende Unfall und sollte nur im absoluten Notfall einer Arbeitsunfähigkeit in Betracht gezogen werden. Statt dessen plädiert er dafür, die freie Zeit vom Renteneintritt bis zum Tod über das Leben zu verteilen und häufig Mini-Ruhestände einzuführen.
  • Umsetzbar ist dieses Konzept nur für Menschen, die eine Tätigkeit haben, die nicht nach Zeit gemessen werden muss. Eine Krankenschwester oder Portier im Hotel, die eine fest definierte Zeitspanne anwesend sein müssen, haben hier keine Chance.

Der Weg: DEAL und DELA (für Angestellte)
Vier aufeinanderfolgende Schritte sind notwendig, um das Ziel zu erreichen (ich verwende die englischen Begriffe aus dem Buch):

  • Definition
  • Elimination
  • Automation
  • Liberation

Definition: Das Traumziel festhalten und den Weg dorthin planen
Der erste Schritt besteht darin ein Ziel zu definieren, welche man bald erreichen möchte (innerhalb von 6 – 12 Monaten). Im Buch wird darauf ausführlich in der Übung des Dreamlining eingegangen. Das Ziel kann mehrere Ziele in Punkte Haben, Sein und Tun behinhalten. z.B. In 12 Monaten möchte ich fließend Japanisch sprechen und zwei Monate in Kyoto verbracht haben.

Elimination: Einfachheit statt beschäftigt sein
Um eine Chance zu haben, die Dinge zu tun, die man wirklich möchte, muss man einerseits die eigene Produktivität stark erhöhen und andererseits all die Dinge, die man glaubt machen zu müssen, radikal einschränken oder streichen. In diesem Abschnitt gibt Ferriss ganz konkrete Tipps, wie man es schafft, Unterbrechungen soweit wie Möglich zu reduzieren und Aufgaben zu Gruppieren, um diese dann stapelweise abzuarbeiten. In Hinblick auf E-Mail Management hat Ferriss das Vorgehen im Lifehacker-Blog beschrieben.

Automation: Das Leben Outsourcen und eine Geldmaschine erschaffen
Dieser Teil ist meiner Meinung nach der visionärste von allen. Alle Tätigkeiten, die man nicht abschaffen kann, sollte man soweit wie möglich automatisieren, z.B. Junkmailfilter bei E-Mails. Ist dies nicht möglich, dann sollte man diese outsourcen. Der englischsprachige Mensch kann viele Tätigkeiten nach Indien auslagern und sich dort einen Virtual Assistent mieten, der dann grundlegende Geschäftskorrespondenz für einen erledigt, oder sich z.B. um das Pflegen der eigenen Website kümmert.
Das wichtigste – hier liegt der Knackpunkt – ist eine Geldmaschine, die man sich schaffen muss. Diese ist idealerweise ein Produkt (keine Dienstleistung, den diese ist nicht skalierbar), das über einen hochautomatisierten Webshop verkauft wird. Ferriss‘ eigene Cashcow heißt BrainQuicken. Alle anderen Tätigkeiten, wie Versand, Rechnungstellung, Kundenkorrespondenz lagert man aus, bzw. holt sich Leute, die das für einen machen. Dies nennt Ferriss dann MBA – management by absence.

Liberation: endlich frei!
Ist man endlich soweit und hat es nach einer Anlaufphase geschafft, seine Geldmaschine so zu gestalten, das diese fast ohne einen auskommt (vier Stunden pro Woche sollten reichen, daher der Buchtitel), dann ist man frei zu reisen und den wiederkehrenden Mini-Ruhestand zu genießen.
Für alle die noch im Reich des Bullshit (aus dem Buch Wir nennen es Arbeit) gefangen sind – also angestellt sind – kommt der Schritt der Freiheit vor der Automatisierung. Der Angestellte muss es zuerst schaffen, die Erlaubnis zu bekommen, einen Großteil seiner Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten zu dürfen. Nur wenn es keine willkürliche Anwesenheitszeiten gibt, hat man wirklich Anreize produktiv und hoch effektiv zu arbeiten:
The world has agreed to shuffle papers between 9:00 AM and 5 PM, and since you are trapped in the office for that period of servitude, you are compelled to create activities to fill that time.“ S. 73

Fazit
Dieses Buch ist extrem provokativ geschrieben und verfehlt sein Ziel nicht, viele der Dinge in Frage zu stellen, die unsere Gesellschaft und unsere Kultur als gegeben hinnimmt. Vieles der oben beschriebenen Vorgehensweisen klingt auf den ersten Blick utopisch, ist es allerdings nicht. Ferriss gibt eine Menge praktischer Tipps und Vorschläge zur Umsetzung, die wirklich funktionieren. Für deutschsprachige Leser, gibt es Blog, dessen Autoren versuchen, Ferriss‘ Konzept in die Tat umzusetzen.

Zum Schluss wie immer mein Mind Map zum Buch (erstellt mit iMindMap):
zum vergrößern klicken

Ein Kommentar auf “Buchbesprechung: 4-Hour Workweek
  1. Letzte Woche habe ich den TED-Vortrag von Stefan Sagmeister gesehen (siehe Video), in dem er über die Wirkung von regelmäßigen Auszeiten sprach. Sagemeister, ein in New York lebender – und anscheinend sehr gefragter – Designer hat sich entschlosse

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