Schnelllesen – Teil 1

Die Menge an zu lesenden Texten steigt immer weiter an. Durch das Internet und seine vielen Informationsquellen und die niedrigen Kosten diese zu verbreiten, nimmt die Datenflut immer stärker zu. Kürzlich habe ich wieder einmal in der Zeitung gelesen, dass der Großteil aller Büroarbeiter klagt, mit dem Lesen kaum mehr hinterher zu kommen und unter Informationsüberflutung zu leiden. Konsequenz: Vieles – darunter vielleicht auch relevante Information – wird gar nicht gelesen. Irgendwie muss man sich ja dagegen schützen. Deshalb haben Kurse, die Schnelllesetechniken vermitteln wieder Konjunktur.

Nicht immer sinnvoll
Ein Mann erzählt seinen Freund von seinen neuen Fähigkeiten im Schnelllesen: „Neulich habe ich ‚Krieg und Frieden‘ in 30 Minuten schnell gelesen!“
„Echt? Wahnsinn! Und?“
„Es ging um Russland.“

Schnelllesen kann die Lesegeschwindigkeit verbessern und sehr viel Zeit sparen, ist aber nicht immer sinnvoll.
Wann setzt man es ein? Schnelllesetechniken erhöhen die Geschwindigkeit durch bestimmte Vorgehensweisen. Dabei wird der Text teilweise zerhackstückelt mehrmals gelesen und viele Dinge weggelassen, die beim normalen Lesen den Lesegenuss ausmachen. Ein Roman, den ich lesen möchte, um mich an der Geschichte und der Schreibkunst des Autors zu erfreuen ist kein Schnellleseobjekt. Ein Handbuch zur neuen Qualitätsrichtlinie, in dem ich eine Antwort auf zwei spezifische Fragen vermute hingegen schon. Schnelllesen macht also vor allem bei Sachtexten Sinn, die ich nicht zum Genuss lese. Wenn es mir darum geht in möglichst kurzer Zeit viel Information aus einem Text zu ziehen, dann helfen Schnelllesetechniken weiter. Solange es keine Internetsuchmaschinen gibt, die mir diese Arbeit abnehmen – und davon sind wir noch weit entfernt – muss dieser Suchvorgang noch von jedem Leser selbst erledigt werden.
Je nach Art des Textes wird die Lesegeschwindigkeit trotz des Einsatzes von Techniken variieren, auch das gehört zum Schnelllesen. Ein philosophisches Traktat werde ich anders lesen als einen Artikel im Focus.
Edward de Bono spricht auch von dense reading. Manche Texte müssen langsam gelesen werden, da die Informationsdichte sehr hoch ist und wir in den meisten Fällen eine gewisse Zeit benötigen, um das Geschriebene zu verstehen und zu verarbeiten.
Schnelllesetechniken erhöhen die Lesegeschwindigkeit und nehmen es in Kauf, dass nicht 100% des Textes verstanden werden, sondern vielleicht nur 80%. In vielen Fällen, auch im universitären Kontext, ist das völlig ausreichend.

Im nächsten Post möchte ich die Herangehensweisen der Schnelllesetechniken genauer vorstellen.

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