Schnelllesen: Die Mind Mapping Lesetechnik

In den ersten beiden Posts habe ich das Konzept des Schnelllesens und die dahinter stehenden Techniken allgemein vorgestellt. Im dritten Teil soll es nun darum gehen, den Schnellleseansatz in Kombination mit Mind Mapping vorzustellen.

Das wichtigste in Kürze:

  • Die Technik eignet sich für Sachbücher
  • Der Leseprozess besteht aus mehreren Durchgängen, im Verlauf derer das Buch mehrmals bearbeitet wird. Trotzdem spart man sich viel Zeit!
  • Insgesamt werden drei Mind Maps (Hintergrundwissen-Map, Ziele-Map und Lese-Map) angefertigt.

Das Prinzip
Die Mind Mapping Lesetechnik hilft beim Be­arbeiten und Exzerpieren (Mitschriften anfertigen) umfangreicherer Sachtexte: Egal ob in der Arbeit oder im Studi­um, oft müssen wir Fach- und Sachbücher mit für uns wichtigen Informationen lesen und ver­arbeiten. Es geht hier also ganz explizit nicht um Literatur, die ich zum Genuss lese, sondern um eine Vorgehensweise, möglichst effizient relevante Informationen aus Sachtexten zu erhalten.
Die Mind Mapping Lesetechnik ist ein modula­rer Ansatz, der Konzepte aus dem Schnelllesen und dem Mind Mapping vereint und einen öko­nomischeren Umgang mit und eine intel­ligentere Herangehensweise an Sachtexte ermöglicht.
Die Technik ist vom Vorgehen her wie die russischen Matroschka-Schachtelpuppen aufge­baut. Vom Äußeren des Textes dringt man in immer kleineren Schritten nach innen vor. Je nach Text und Leseziel kann man die kom­plette Modulpalette einsetzen oder lediglich die ersten Schritte anwenden.

Das Vorgehen
Das Vorgehen untergliedert sich in folgende, auf einander aufbauende, Schritte:

Vorbereitung

  1. Überfliegen: Das zu lesende Buch wird erst einmal überflogen. Ziel ist es, einen Grundeindruck und einen grundlegenden Überblick über die Struktur des Buches zu erhalten. Bei diesem ersten Überfliegen, wird nicht gelesen, sondern jede(!) Seite des Buches lediglich ca. ein- bis zwei Se­kunden angesehen. Nach diesem Über­fliegen habt man einen Eindruck von der Schwierigkeit und der Struktur des Buches und weiß möglicherweise schon genauer, welche Abschnitte man davon wirklich lesen muss. Bei einem Sachbuch wird man in den seltensten Fällen wirklich alles lesen müssen.
  2. Bearbeitungszeitraum festlegen: Es ist sinnvoll sich einen realistischen Bearbeitungszeitraum zu überlegen in dem man das Buch lesen möchte. Dieser persönliche Stichtag wird immer wieder antreiben! Wer meint, alle Zeit der Welt für ein Buch zu haben, der wird wahrscheinlich auch alle Zeit der Welt brauchen! Wichtig ist, dass der festgelegte Zeitraum realistisch ist, sonst entsteht eher Frustration anstatt Mo­tivation.
  3. Hintergrundwissen abrufen: Besonders beim Lesen von Sachbüchern zu einem be­stimmten Thema, ist es in den wenigsten Fällen so, dass man als Leser zu diesem Thema noch überhaupt nichts weiß. Meis­tens hat man irgendeine Art von Vorwissen.
    Bevor man anfängt zu lesen, ist es hilfreich ein wenig Zeit aufzuwenden, um be­reits vorhandenes Wissen noch einmal präsent zu machen. Dies geschieht in Form eines Brainstormings mit Hilfe von Mind Mapping. Es wird ein erstes Mind Map (Hintergrundwissen-Map) angefertigt.
  4. Fragen&Ziele festlegen: Bevor man anfängt zu lesen, sollte man sich konkrete Fragen und Ziele festlegen: „Was möchte ich wissen?“ „Wann weiß ich, dass ich alles not­wendige gelesen habe und das Buch weg­legen kann?“
    Das Gehirn braucht einen Fokus, mit dem es den Text bearbeitet. Es ist unmöglich, alles zu lesen und auch zu verstehen! Je genauer man weiß, was man eigentlich sucht, desto kon­zentrierter wird man an das Buch her­angehen. Es ist wie bei einem Interview: Ich habe konkrete Fragen und erwarte konkrete Antworten darauf.
    Die Fragen und Ziele kann man mithilfe eines zweiten Mind Maps (Ziele-Map) visualisieren oder sich in einer anderen Form aufschreiben. Die Fragen und Ziele sollten beim Lesen in Sichtweite sein!

Lesen
Bis jetzt hat man noch nichts gelesen, der Lesevorgang beginnt jetzt.

  1. Überblickslesen: Nun wird zum ersten Mal richtig gelesen. Dabei arbeitet man sich in mehreren Durchgängen vom Äußeren immer tiefer in die Details vor. Muss man z.B. ein Kapitel eines Buches lesen, so wird zu­erst Einleitung und Zusammenfassung gelesen. Die daraus entnommenen Informationen trägt man in ein drittes Mind Map (Lese-Map) ein. Dieses Mind Map wird nun mit fortschreitendem Leseprozess kontinuierlich erweitert.Oft ist es so, dass Einleitung und Zu­sammenfassung bereits einen Großteil der im Kapi­tel stehenden Informationen enthal­ten. Möglicherweise sind die dort stehenden Informationen schon ausreichend, um die gestellten Fragen zu beantworten und die Leseziele zu erreichen. Für diesen Fall kann man das Buch zur Seite legen! Es besteht kein Grund noch weitere Zeit aufzuwenden. Ist das Ziel noch nicht er­reicht, erleichtert man sich durch das Überblickslesen auf alle Fälle die weitere Lese­arbeit, da man nun bereits eine Grobstruk­tur des zu Lesenden Kapitels kennt.Jetzt werden Zwischenüberschriften, Tabellen, Bilder und so weiter betrachtet und etwaige In­formationen in das Mind Map eingetragen.
  2. Vorschau: Je nach Struktur des Buches liest man in diesem Schritt die jeweils ersten und letzten Paragraphen eines je­den Kapitelabschnitts und trägt die dar­aus ge­wonnen Informationen in das Lese-Map ein.
    Hier gibt es kein absolut richtiges Vorge­hen. Das hängt immer auch etwas mit der Art und der Struktur des Buches zu­sammen.
    Manchmal ist es sinnvoll, die ersten und letzten Paragraphen zu lesen, manchmal kann es auch sinnvoll sein, die ersten und letzten Sätze eines jeden Paragraphen zu lesen.
  3. Vertiefung: Sollten die Leseziele noch nicht erreicht sein. Liest man alle Absätze im Detail. Das Lese Map wird um um alle neuen Informationen erweitert! Besonders schwierige Stellen, die auch nach mehrmaligem Lesen nicht verständlich sind, kann man vorerst einmal zurück stellen. Zum Schluss werden diese Stellen noch einmal vertieft bearbei­tet. Möglicher­weise klärt sich deren Be­deutung im wei­teren Verlauf des Buches.
  4. Schwierige Stellen: In diesem Schritt be­arbeitet man die vorher markierten schwie­rigen Stellen noch einmal. Das bis hierher angefertigte Lese-Map hilft vielleicht dabei, den Sinn der Stellen im Hinblick auf das große Ganze zu klären.
Hier ist der Vorgang des Lesens und das Erweitern des Lese-Maps noch einmal verdeutlicht.

Fazit:
Die hier vorgestellte Lesetechnik ist von der Vorgehensweise dem Aufbau eines Mind Maps ähnlich. Zuerst befindet man sich auf der Stufe der Hauptäste, dann arbeitet man sich immer weiter ins Detail vor. Deshalb ist diese Technik in insgesamt acht aufeinander aufbau­ende Abschnitte eingeteilt. In den Schritten 5 – 8 wird das Lese-Map kontinuierlich erweitert und ergänzt
Der ständige Blick auf das große Ganze (Mind Map) und das vorherige Wissen um den Rahmen des Textes erleichtert das Lesen.
Abgesehen davon, dass man mit dieser Technik sein Textverständnis erhöht, kann man sich durch diese ökonomische Herangehensweise darüber hinaus noch sehr viel Zeit sparen. Gut möglich, dass man sein Leseziel bereits nach Schritt 6 erreicht hat. Man kann das Buch dann getrost zu Seite legen und sich mühe­volles, aber ergebnisloses Weiterlesen ersparen.

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