Anwenderporträt Hans Hartmann

Herr Hartmann, stellen Sie sich bitte kurz vor und sagen Sie ein paar Sätze, was Sie beruflich machen (Aufgaben).

Ich arbeite als IT-Architekt bei einer Versicherung in Wien und halte auch an der TU-Leipzig eine Lehrveranstaltung über Software-Engineering großer betrieblicher Systeme. In der IT- habe ich noch einen zweiten Schwerpunkt, der ist Test-Management.
Beruflich setze ich neben MS Office auch Mindjet MindManager ein. Mittlerweile ist die ehemals von mir geführte Testmannschaft sehr auf Mindmanager ausgerichtet und verwendet ihn für Protokolltätigkeiten und Planung.

Wie sind Sie mit Mind Mapping in Berührung gekommen und wie haben Sie es gelernt?

Über einen Freund, der in Österreich der erste zertifizierte Mind-Mapping-Trainer war, kam ich mit Mind Mapping in Berührung und absolvierte vor über zehn Jahren mein erstes Seminar. Ich nahm damals auch meine 18-jährige Tochter mit, die mit Mindmaps ihr ganzes Jus-Studium bewältigte. Von ihr stammt auch das einzige „russische“ Mindmap, dass ich je gesehen habe.
Der Einsatz war anfänglich ausschließlich manuell. Die spärlichen Software-Versuche waren eher eine Bremse denn eine Beschleunigung. Als ich mit dem Mindmanager in der Version 3 bekannt wurde, entsprach er meinen damaligen Ansprüchen. Version 4 und X5 waren eine schöne Erweiterung, besonders in Hinsicht Office-Einbindung und rasche Präsentationsgestaltung.
In der Firma akzeptieren nicht alle die Maps. Ich kann das einsehen, denn ohne das Verständnis der zugrunde liegenden Philosophie sind die Maps von Außenstehenden nicht wirklich zu verstehen. Da die Übersetzung in eine Powerpoint-Präsentation so leicht erfolgen kann, stellt Mindmanager hier ein echtes Productivity-Tool dar.
Vor drei Jahren machte ich noch einmal ein Tagesseminar. Ich selbst bin ein „schlamperter“ Hund. Manchmal arbeite ich zwei Wochen nur mit Mindmaps, dann wieder zwei Monate überhaupt nicht.

Momentan bin ich in einem Zwiespalt, weil ich bald die Firma verlasse und privat auf Linux arbeite. Dort gibt es vym als ganz brauchbaren Ersatz, doch die Office-Integration fehlt natürlich. Es wird sich weisen, ob ich selbstständig arbeite oder bei einer Firma, davon ist dann der Werkzeugeinsatz auch abhängig.

Wie erstellen Sie Mind Maps? Als traditionelle Mind Maps mit Papier und Stift und/oder als Business Maps mittels einer Visualisierungs-Software?

In manchen Besprechungen protokolliere ich einfach mit Papier und Stift. Manchmal verwende ich den Logitech-Stift und kann die Mindmaps zumindest als Grafik in Dokumenten referenzieren. Sonst arbeite ich mit Mindmanager Version 4, weil das diejenige ist, die wir in der Firma lizensiert haben.

Für welche Einsatzgebiete verwenden Sie Mind Mapping? Geben Sie bitte einige Beispiele.

Für Vorträge und Präsentationen arbeite ich sehr oft konzeptionell mit Mindmaps. Als zweites Tool hat sich jetzt CMaps dazugesellt.

Vielleicht mag es interessieren, dass es auch ein Mindmap für meine Lebensplanung und für Buchkonzepte gibt.
Projektplanung startet ebenfalls oft als Mindmap, wird dann aber in MS-Project überführt. Ab dann wird Mindmap verlassen.

Wo sehen Sie die Vorteile beim Einsatz der Mind Mapping Methode?

Für mich gibt es einen strukturellen Vorteil, der so gravierend und auch bestimmend ist, dass ich ihn als einzigen hier anführe.
Ein Mindmap hat ein Zentrum und ähnlich wichtige Punkte (sprich Kategorien) sind gleich weit vom Zentrum entfernt. Ich erfasse auf einen Blick alles, was es zu berücksichtigen gilt. Die Verästelung nach außen hat für mich gleichzeitig eine visuelle Merkfunktion. Doch der Vorteil kann einfach dadurch beschrieben werden, in dem man ein Mindmap mit einem Inhaltsverzeichnis, das aus den Einträgen besteht, vergleicht. Bei einer komplexeren Grafik würde das Inhaltsverzeichnis über mehrere Seiten gehen und die Augen müßten von Kapitel zu Kapitel springen. Bei einem guten Mindmap erfasse ich die zentralen Äste quasi simultan und das entspricht meinem Denkmuster und der Denktätigkeit. Ein Mindmap unterstützt auf diese Weise auch spontane Assoziationen.

Wo haben Sie Schwierigkeiten beim Mind Mapping?

Beim papierbasierten Mindmap stoße ich mich an meiner Schrift und meiner grafischen Gestaltungsfähigkeit. Bei elektronischen Mindmaps stoße ich immer wieder auf Unterbrechungen, wenn ich formatieren will oder ein Symbol dazugegeben will. Ich muss allerdings hinzufügen, dass Mindmanager in dieser Hinsicht fast Unmögliches leistet. Von allen Systemen, die ich kenne, bietet es den geringsten Widerstand gegen intuitives Vorgehen. Allerdings hätte ich für Mindmaps gerne einen 42″-Bildschirm.

Erstellen Sie Mind Maps nur für sich, oder teilen Sie diese auch mit Ihren Freunden/Kollegen? Wie reagieren diese darauf?

In der Gruppe mußten meine Untergebenen mit meinen Mindmaps leben, nachdem ich sie alle in ein Workshop geschickt hatte:)
Sonst richte ich mich nach dem, was meine „Kunden“ sehen wollen, und das ist leider mitunter nur mehr Powerpoint. Darüber sollte einmal eine eigene Glosse geschrieben werden.

Verwenden Sie noch weitere Denk- und Arbeitstechniken? Wenn ja, welche und wie setzen Sie diese ein?

Ich verwende CMaps und habe Versuche mit „Gamma“ und „I think“ durchgeführt. Mein nächstes Ziel ist es, ein CMS wie Typo03 so aufzubohren, dass es als Gedächtniserweiterung verwendbar ist. Mit „Beagle“ (so etwas wie Google-Desktop) erreiche ich überraschende Finde-Ergebnisse.
Im Gegensatz zu vielen Räsonierern habe ich Lotus Notes als größtes Produktivitätssteigerungstool für meine geschäftliche Tätigkeit empfunden, – so besch. die Benutzeroberfläche ist.

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