Methodenkongress – Teil 2

Für den ersten Teil lesen Sie den Beitrag vom 04.12.06

Systemische Methoden in der Didaktik (Prof. Reich)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei systemischen Methoden spielen die Beziehungen zwischen den Personen eine wichtige Rolle, diese haben daher immer Vorrang.
  • Lernen wird neben Beziehungen beeinflusst durch Vorwissen und Motivation.
  • Beispiele für systemische Methoden sind Feedback, zirkuläres Fragen und paralleles Denken.

Nach dem Vortrag und dem anschließenden Forum von Manfred Spitzer, ging es für mich in das zweite Forum mit Prof. Reich.
Prof. Kersten Reich (Prof. für Pädagogik an der Universität Köln) wollte mit seinem Vortrag „Systemische Methoden in der Didaktik“ einen Einblick geben, wie systemische Methoden, die bisher vor allem in der Beratung eingesetzt wurden, für die Didaktik genutzt werden können.
Systemische Methoden stammen aus dem Konstruktivismus, der grob vereinfacht gesagt, die Welt durch die Brille von Systemen betrachtet (so ist auch der Mensch ein System) und davon ausgeht, dass sich diese Systeme gegenseitig beeinflussen, bzw. selbst hervorbringen. Im Sinne von menschlichen Systemen heißt das, dass vor allem die Beziehungen zwischen den Menschen eine entscheidende Rolle spielen, daher auch der überwiegende Einsatz dieser Methoden in der Beratung und dem Coaching.

Nach dieser Denkweise laufen beim Lernen drei Prozesse ab:

  • Konstruktion
  • Rekonstruktion
  • Dekonstruktion

Konstruieren: Der Lernende setzt die neuen Inhalte mit bestehenden Denk-Mustern und sich selbst in Beziehung, damit werden neue Assoziationen gebildet. Welche neue Assoziationen gebildet werden, hängt von bestehendem Wissen und Erfahrungen ab.
Danach versucht der Lernende den Lerngegenstand sinnvoll zu rekonstruieren, nur wenn das gelingt, kann man auch lernen. Schließlich wird der Lerninhalt dekonstruiert, d.h. entweder verändert oder wieder vergessen.
Beim Lernen sind drei Elemente besonders wichtig: Es muss (1) Vorwissen in irgend einer Form vorhanden sein, damit ein Lernender die neuen Inhalte mit Bekanntem verknüpfen kann. Prof. Wahl wird das Vorwissen in seinem Vortrag am nächsten Tag sogar höher gewichten, als die Motivation, die in der „Alltagstheorie“ und von vielen „Gurus“ immer als der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen betrachtet werde.
Neben dem Vorwissen ist (2) der Kontext ein weiterer Aspekt. Der neue Lerninhalt muss in einen bestehenden eingefügt werden, er steht nicht abstrakt für sich. Übertragen auf Unterricht und Trainings heißt das, die Lernenden viel ausprobieren zu lassen und dadurch unterschiedliche Zugänge zum Thema zu ermöglichen, um Erinnerungen und Assoziationen zu bilden.
Die (3) Beziehungen zwischen Lehrendem und Lernendem sind nach Prof. Reich am wichtigsten. Die emotionale Komponente spielt für den Lernerfolg eine entscheidende Rolle, das bedeutet einerseits, dass sich der Trainer oder Lehrer um ein angenehmes und lernförderliches Klima kümmern muss und andererseits, dass Probleme auf der Beziehungsebene immer Vorrang vor allem anderem haben müssen.

Systemische Methoden

Im Anschluss versuchte Prof. Reich einige der systemischen Methoden an konkreten Beispielen näher zu erläutern.
Denn meisten bekannt, aber wahrscheinlich nicht bewusst, dass es sich um eine systemische Methode handelt, ist das Feedback. Richtig angewendet drückt der Feedbackgeber sein Empfinden und seine Wahrnehmung der Handlungen des anderen aus.
Eine weitere Technik ist z.B. das zirkuläre Fragen, bei dem man versucht, eine Situation aus Sicht eines anderen zu sehen. Anstelle von „Warum schreien die Männer?“ würde man nach dieser Technik fragen „Was glaubst du, denkt Petra, wenn sie sieht, dass um sie herum alle Männer schreien?“. Das klingt sehr kompliziert an und ist es auch! Es ist ziemlich schwer, diese Art von Fragen zu bilden. Sinn und Zweck für Unterricht und Trainings ist es, die Lernenden ein Situation aus sicht eines anderen analysieren zu lassen. Dadurch erweitert man seine Perspektiven und ist gezwungen viel stärker über ein Thema zu reflektieren.

Zum Abschluss verwies Prof. Reich auf Edward deBono und sein Konzept des parallelen Denkens. Für mich war dieser Teil natürlich besonders interessant, da mein Seminar 5-Typen-Denken, auf diesem Konzept basiert. Paralleles Denken heißt, ein Thema bewusst von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und diese Blickwinkel alle in die Betrachtung mit einzubeziehen. Denkrollen oder Denktypen, die für den Zeitraum einer Denkrunde eingenommen werden, erleichtern es, in Richtungen zu denken, die nicht unbedingt den eigenen entsprichen.
So kann man z.B. die Frage ob man seinen momentanen Job wechseln sollte und ein anderes Angebot annehmen sollte nach verschiedenen Denktypen analysieren und so ein umfassenderes Bild dieser Frage bekommen und seine Entscheidung leichter und/oder fundierter treffen.

Die Universität Köln hat einen Online-Methodenpool entwickelt, der verschiedenste didaktische Methoden und Techniken vorstellt und ausführlich erklärt.

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