Thinking Club: 6 hats von Edward de Bono – Teil 2

In Teil 1 habe ich das parallele Denken vorgestellt. Die sechs Hüte sind eine Anwendung dieser Art des Denkens. Die Prinzipien sind recht einfach vorgestellt, die Anwendung Bedarf jedoch ein wenig der Übung und Erfahrung.

Sechs Farben – sechs Denkrichtungen

Die sechs Hüte setzen sich zusammen aus folgenden Hutfarben: weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau. Die einzelnen Hüte und deren Verwendung möchte ich im Folgenden kurz vorstellen:

Weiß

Der weiße Hut steht für Fakten und Fragen. Setzt man diesen Hut auf, geht es darum auf alle Fakten zu einem Thema zu sammeln und noch zu klärende Fragen zu stellen.

„Fakt ist, die Automobiltechnik schreitet immer weitere voran, weshalb es möglich ist, sparsamere Autos zu bauen.“
„Fakt ist, durch medizinischen Fortschritt leben die Menschen in Deutschland im Schnitt länger als noch vor 20 Jahren.“

Rot

Dieser Hut steht für Emotionen und Gefühle. Setzt man diesen Hut auf, geht es darum, seine Gefühle zu einem Thema zu äußern. Wichtig ist, dass diese nicht begründet werden müssen.

„Davon bin ich begeistert.“
„Ich bin unsicher.“

Bei kontroversen Themen oder Themen, wo die Meinungen der Gesprächsteilnehmer unklar sind, kann dieser Hut helfen, erst einmal die Stimmung aller Teilnehmer transparent zu machen.

Schwarz

Diesen Hut haben viele Menschen ganz natürlich auf, leider jedoch meist die ganze Zeit: die Schwarzseher. Der Schwarze Hut beschäftigt sich damit, warum etwas nicht klappen kann, wo Gefahren und Schwierigkeiten liegen.
Wichtig ist, dass alle Punkte, die unter dem schwarzen Hut vorgebracht werden, logisch begründbar sein sollten.

„Rauchen in der Öffentlichkeit mit 10 Jahren Gefängnis zu bestrafen wird politisch nicht durchsetzbar sein. Hier ist die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt.“

Gelb

Dieser Hut stellt den Gegenpol zum schwarzen Hut dar. Er sieht das Positive und Konstruktive. Er zeigt, auch wiederum bemüht etwas zu begründen, auf, warum etwas klappen könnte. Der Fokus des gelben Huts liegt auf der Umsetzbarkeit und Praktikabilität.

Werbung in Schulbüchern könnte dazu führen, dass das in den Schulen verfügbare Lehrmaterial aktueller ist und häufiger ausgetauscht wird.

Grün

Der grüne Hut ist der kreative Hut, der versucht, neue Ideen und Sichtweisen zu generieren. Dazu können die Techniken des lateralen Denkens, wie z.B. Provokationen, eingesetzt werden, wie ich Sie in den anderen Posts zum Thinking Club (siehe hier und hier) beschrieben habe.
Hintergrund der Provokationen ist es, bestehende Denkbahnen zu verlassen und somit zu neuen Ideen zu kommen, die einen Mehrwert zu bestehenden Lösungen bieten.

Kunden könnten in Zukunft Geld dafür erhalten, wenn Sie in einem Geschäft einkaufen.

Blau

Der blaue Hut ist wie eine Art Dirigent, der das Denken an sich betrachtet. Er legt z.B. die Abfolge der Denkhüte fest, liefert Zusammenfassungen und gibt Hinweise, wie weiter verfahren werden sollte. Er ist somit vergleichbar mit der Rolle eines Moderators und wird auch meistens so eingesetzt. Dabei bestimmt man eine Person, die bereits Erfahrung mit der Technik hat, diesen Hut permanent aufzusetzen.

Art und Weise der Anwendung

Die Technik der sechs Hüte kann sowohl alleine als auch in der Gruppe eingesetzt werden.

Alleine, wenn man ein Thema umfassend betrachten möchte. In der Gruppe, wenn man die oft mühsamen, langatmigen und wenig produktiven Diskussionen umgehen möchte. Der Nutzen in der Gruppe und der Unterschied zu „herkömmlichen“ Vorgehensweisen ist sehr auffällig. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass die Leute bereit sind, sich darauf einzulassen. Ein Seminarteilnehmer sagte einmal, er fürchte, das zu viele Leute in seiner Firma eine „hidden agenda“ hätten und die Punkte, die gegen Ihren Standpunkt sprechen, einfach nicht vorbringen würden.

Bei unserem Thinking Club Treffen haben wir die Technik eingesetzt, um Fragen der Zukunftsplanung und der Berufswahl zu beleuchten.
Gruppen, die mein Seminar Denkwerkzeuge besucht haben, haben mir von einer ungewohnten Geschwindigkeit berichtet, mit der die Besprechungen plötzlich statt fanden, wenn die Technik zum Einsatz kam

Die 6 Hüte können dabei sowohl als feste Methode eingesetzt werden, d.h. der gesamte Denkprozess läuft mit der Methode ab, oder aber situativ, wenn eine Besprechung ins Stocken gerät. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man sich viel Zeit sparen könnte, wenn man die Besprechung auf diese Art begonnen hätte und die Technik nicht erst als letztes Mittel einsetzt.

Regeln

Wichtig ist, dass wenn ein Hut an der Reihe ist, alle diesen Hut aufhaben, d.h. parallel denken. Wenn der gelbe Hut an der Reihe ist, haben Kommentare, die dem schwarzen Hut zuzuordnen sind, nichts verloren. Die Rolle des Moderators ist es, hier sehr strikt auf die Einhaltung der Regeln zu achten.

Der Nutzen

Der größte Nutzen ist aus meiner Sicht, dass ein Thema viel schneller wesentlich umfangreicher betrachtet wird, dadurch das verschiedene Denkrichtungen eingeschlagen werden. Dadurch können Entscheidungen beschleunigt und erleichtert werden. Egal ob alleine oder in Gruppen.

Ein Kommentar auf “Thinking Club: 6 hats von Edward de Bono – Teil 2
  1. Vorherige Posts zu Thema:

    Einführung in TO-LO-PO-SO-GO
    Die TO-Stufe

    An zweiter Stelle der fünf Stufen der TO-LO-PO-SO-GO-Methode steht die LO-Phase. LO kann als Abkürzung für das englische look out gesehen werden. In dieser Stufe geht es darum, I

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