TO-LO-PO-SO-GO

Montag, 17. Dezember 2007

Das ist kein Zungenbrecher, sondern der Name eines Prozesswerkzeugs nach Edward de Bono.
Was ist ein Prozesswerkzeug? Als Prozesswerkzeug bezeichne ich eine Methode oder Vorgehensweise, die einen gesamten Denkprozess von Beginn bis Ende strukturiert. Im Gegensatz zu anderen Denkwerkzeugen (vorgestellt, habe ich z.B. schon PMI oder Techniken des lateralen Denkens), kümmert sich ein Prozesswerkzeug nicht um einen bestimmten Aspekt des Denkens, sondern um den Denkprozess als Ganzes. Daher der Name Prozesswerkzeug.

Zur Abgrenzung: Laterale Techniken, die gerne auch Kreativitätstechniken genannt werden, haben zum Ziel, neue Ideen zu generieren und einen Spurwechsel im Denken zu erzeugen (Siehe hierzu meine Posts zur Fluchtmethode und zur Zufallsstimulation). Was man davor macht und was danach mit den Ideen passiert, oder ganz generell, wann man z.B. die Techniken des lateralen Denkens überhaupt einsetzt, darüber sagen die Techniken des lateralen Denkens nichts aus. Dafür benötigt man andere Werkzeuge, z.B. das TO-LO-PO-SO-GO-Werkzeug.

Die Abkürzungen stehen für die fünf Phasen des Denkprozesses.
TO: Zielsetzung
LO: Informationssammlung
PO: Generieren von Möglichkeiten
SO: Auswählen und verdichten der generierten Ideen und Möglichkeiten
GO: Umsetzungsschritte

In jeder der fünf Stufen können wiederum gesondert spezielle Techniken zum Einsatz kommen, wie z.B. die vorher erwähnten Techniken des lateralen Denkens. Andere Techniken können eingesetzt werden, müssen es aber nicht. Man kann TO-LO-PO-SO-GO einfach auch als Grundgerüst für das Denken sehen, ohne weitere Werkzeuge einzusetzen.

Hintergrund:
Denk- und Kreativitätsforscher haben in jahrelanger Forschungsarbeit Denkprozesse untersucht und daraus Modelle für einen vollständigen und effektiven Denkprozess abgeleitet, einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist Edward deBono. Auch andere Forscher wie z.B. Teresa M. Amabile von der Havard School of Business sind mit ganz ähnlich strukturierten Modellen in die Öffentlichkeit getreten.

Beispiele:
Typische Einsatzbeispiele für die TO-LO-PO-SO-GO-Methode sind folgende Aufgaben:


  • Sie möchten ein neues Veranstaltungskonzept für einen Kunden entwickeln
  • Eine Firma möchte ein neues Preissystem einführen
  • Sie planen eine Urlaubsreise
  • Ein Lehrer erstellt ein neues Unterrichtskonzept / ein Trainer ein neues Seminarkonzept

Sehr viele Aufgaben lassen sich in die oben genannten fünf Stufen unterteilen, die mit der TO-LO-PO-SO-GO-Methode effektiv und strukturiert bearbeitet werden können.

In den nächsten Posts stelle ich stelle ich die einzelnen Stufen etwas detaillierter vor.

Laterales Rätsel

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Helmut vom Denkclub Würzburg hat mir ein geniales Rätsel geschickt, dass ich euch nicht vorenthalten möchte!

Stell dir vor:


Du fährst mit dem Auto und hältst eine konstante Geschwindigkeit. Auf deiner linken Seite befindet sich ein Abhang.

Auf deiner rechten Seite fährt ein riesiges Feuerwehrauto ständig neben dir.

Vor dir galoppiert ein Schwein, das genauso groß ist wie dein Auto - und du kannst nicht vorbei.

Hinter dir verfolgt dich ein Hubschrauber auf Bodenhöhe.

Das Schwein und der Hubschrauber haben exakt deine Geschwindigkeit.

Was unternimmst du, um dieser Situation gefahrlos zu entkommen ???




Die Antwort findet ihr im erweiterten Teil dieses Posts.


"Laterales Rätsel" vollständig lesen

Wie man Leute zum Lesen motiviert? Mit einem Nagel, Teakholz oder einem Blähbauch!

Dienstag, 11. Dezember 2007

In meinen letzten drei Seminaren habe ich mit den Teilnehmern unter anderem die Kreativitätstechnik der Zufallsstimulation, genauer des Zufallswortes geübt.
Bei der Technik versucht man anhand eines zufällig gewählten Wortes eine Verbindung zu einem anderen Wort oder einer Aufgabenstellung herzustellen. Wie bei allen lateralen Techniken besteht die Aufgabe darin, in jeder Idee einen Bewegungswert (ein wertvolles Element, das Bewegung hin zum Ziel erzeugt) zu finden, der einem dem Ziel näher bringt.

Gegeben war folgendes Ziel: Es sollen mehr Leute zum Lesen motiviert werden.

Mit folgenden drei Zufallsworten haben wir gearbeitet: Nagel, Teakholz und Blähbauch

Folgende Ideen sind daraus entstanden:

Nagel: Von Nagel kommt auf festnageln. Man könnte Bücher festnageln. Man könnte Bücher mit einer Kette in öffentlichen Räumen/ Gebäuden oder an öffentlichen Plätzen festnageln, so dass jeder darin lesen und schmökern kann. Bei spannenden Büchern bringt man vielleicht mehr Leute dazu, wieder mehr zu lesen.

Teakholz: Bei Teakholz kann man an Stärke und festes Holz denken. Von Stärke und fest kann man auf einen starken Charakter kommen, der durch das Lesen entsteht. Man könnte eine Werbekampagne entwickeln, in der bekannte Persönlichkeiten unter dem Motto „Lesen stärkt den Charakter“ für Bücher werben.

Blähbauch: Hier kommen einen Toiletten in den Sinn. Mit Toiletten assoziiert man Klopapier. Man könnte Auszüge von Romanen auf Klopapier drucken. Am Waschbecken stehen dann die Namen der Romane, die man in der Nähe erwerben. In öffentlichen Toiletten könnte man außerdem Hörbücher abspielen, so dass man während des Geschäfts was auf die Ohren bekommt.

Danke an meine Seminarteilnehmer für die vielen Ideen!

Wie funktioniert die Technik?
Man wählt per Zufall ein Wort aus dem Wörterbuch. Das gewählte Wort muss genommen werden. Nun versucht man ausgehend von diesem Wort, eine Rückverbindung zum Thema der Denkaufgabe herzustellen. In einer Gruppe können sich die Teilnehmer dabei gegenseitig mit ihren Assoziationen helfen. Wichtig ist es, keine Scheu zu haben, Assoziationen, die scheinbar erst einmal zu nichts führen zu äußern. Jede Äußerung wird unter der positiven Wahrnehmung betrachtet, dass diese etwas enthält, das uns dem Ziel näher bringt. Herauskommen werden viele Ideen von denen einige mehr andere weniger brauchbar sind.

Neue Vorgehensweisen mit der Fluchtmethode

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Im Best-Practice-Business-Blog hat Burkhard Schneider kürzlich einen Bericht über einen Skilift veröffentlicht, der das übliche Prozedere auf den Kopf gestellt hat: Anstatt dass jeder Fahrgast mit einem gültigen Liftpass durch ein Drehkreuz geht, ist hier der Lift grundsätzlich offen und das Drehkreuz schließt sich dann, wenn ein Fahrgast keinen gültigen Ausweis hat.
Im Nachhinein denkt man sich, eine klasse Idee und außerdem völlig logisch! Trotzdem hat es lange gedauert, bis jemand diese Idee umgesetzt hat oder auf diese Idee gekommen ist. Mitunter kann es daran liegen, dass solche Konzepte, nachdem sie gefunden wurden, rückblickend betrachtet völlig logisch sind, man aber, bevor man diesen neuen Weg gefunden hat, durch logisches Denken und Analyse nicht unbedingt draufkommt.
Bei obigen Liftbeispiel musste ich an die Fluchtmethode denken, eine Technik des lateralen Denkens von Edward de Bono, die helfen kann, neue Ideen und neue Lösungen zu generieren. Die Anwendung ist schnell erklärt, in der Umsetzung ist viel Trial and Error notwendig.

Wie funktioniert es?
Ziel der Anwendung ist es, eine neue Idee, eine neue Vorgehensweise für eine bestehende Sache zu finden. Man nimmt mein vorhandenes Prinzip und überlegt, welche Aspekte man als gegeben hinnimmt.
Bei einem Supermarkt nehme ich als gegeben hin, dass es dort z.B. Waren zu kaufen gibt und dass ich als Kunde für die Ware bezahlen muss.
Nachdem man einige Dinge identifiziert hat, die man als gegeben hinnimmt, versucht man als nächstes bewusst, aus dieser Denkbahn zu fliehen und weitere Möglichkeiten zu denken.
Ausgehend von der Annahme, dass ich als Kunde bezahlen muss, könnte ich mit der Fluchtmethode auf die Idee kommen, dass der Supermarkt mich bezahlen muss, damit ich einkaufe. Nun versucht man von dieser Flucht einen Aspekt zu finden, der das Ganze in der Realität praktikabel macht. Edward de Bono spricht auch von movement value. Dieser könnte darin liegen, dass man ausgehend von der These "Der Supermarkt muss mich bezahlen" dazu kommt, Bonus- oder Paybacksysteme zu überlegen. Im Nachhinein alles ganz logisch, aber im Vorhinein sind diese neuen Denkbahnen sehr schwer zu finden.

Thinking Club: 6 hats von Edward de Bono – Teil 2

Samstag, 15. September 2007

In Teil 1 habe ich das parallele Denken vorgestellt. Die sechs Hüte sind eine Anwendung dieser Art des Denkens. Die Prinzipien sind recht einfach vorgestellt, die Anwendung Bedarf jedoch ein wenig der Übung und Erfahrung.

Sechs Farben – sechs Denkrichtungen

Die sechs Hüte setzen sich zusammen aus folgenden Hutfarben: weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau. Die einzelnen Hüte und deren Verwendung möchte ich im Folgenden kurz vorstellen:

Weiß

Der weiße Hut steht für Fakten und Fragen. Setzt man diesen Hut auf, geht es darum auf alle Fakten zu einem Thema zu sammeln und noch zu klärende Fragen zu stellen.

"Fakt ist, die Automobiltechnik schreitet immer weitere voran, weshalb es möglich ist, sparsamere Autos zu bauen."
"Fakt ist, durch medizinischen Fortschritt leben die Menschen in Deutschland im Schnitt länger als noch vor 20 Jahren."


Rot

Dieser Hut steht für Emotionen und Gefühle. Setzt man diesen Hut auf, geht es darum, seine Gefühle zu einem Thema zu äußern. Wichtig ist, dass diese nicht begründet werden müssen.

"Davon bin ich begeistert."
"Ich bin unsicher."


Bei kontroversen Themen oder Themen, wo die Meinungen der Gesprächsteilnehmer unklar sind, kann dieser Hut helfen, erst einmal die Stimmung aller Teilnehmer transparent zu machen.

Schwarz

Diesen Hut haben viele Menschen ganz natürlich auf, leider jedoch meist die ganze Zeit: die Schwarzseher. Der Schwarze Hut beschäftigt sich damit, warum etwas nicht klappen kann, wo Gefahren und Schwierigkeiten liegen.
Wichtig ist, dass alle Punkte, die unter dem schwarzen Hut vorgebracht werden, logisch begründbar sein sollten.

"Rauchen in der Öffentlichkeit mit 10 Jahren Gefängnis zu bestrafen wird politisch nicht durchsetzbar sein. Hier ist die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt."

Gelb

Dieser Hut stellt den Gegenpol zum schwarzen Hut dar. Er sieht das Positive und Konstruktive. Er zeigt, auch wiederum bemüht etwas zu begründen, auf, warum etwas klappen könnte. Der Fokus des gelben Huts liegt auf der Umsetzbarkeit und Praktikabilität.

Werbung in Schulbüchern könnte dazu führen, dass das in den Schulen verfügbare Lehrmaterial aktueller ist und häufiger ausgetauscht wird.

Grün

Der grüne Hut ist der kreative Hut, der versucht, neue Ideen und Sichtweisen zu generieren. Dazu können die Techniken des lateralen Denkens, wie z.B. Provokationen, eingesetzt werden, wie ich Sie in den anderen Posts zum Thinking Club (siehe hier und hier) beschrieben habe.
Hintergrund der Provokationen ist es, bestehende Denkbahnen zu verlassen und somit zu neuen Ideen zu kommen, die einen Mehrwert zu bestehenden Lösungen bieten.

Kunden könnten in Zukunft Geld dafür erhalten, wenn Sie in einem Geschäft einkaufen.

Blau

Der blaue Hut ist wie eine Art Dirigent, der das Denken an sich betrachtet. Er legt z.B. die Abfolge der Denkhüte fest, liefert Zusammenfassungen und gibt Hinweise, wie weiter verfahren werden sollte. Er ist somit vergleichbar mit der Rolle eines Moderators und wird auch meistens so eingesetzt. Dabei bestimmt man eine Person, die bereits Erfahrung mit der Technik hat, diesen Hut permanent aufzusetzen.

Art und Weise der Anwendung

Die Technik der sechs Hüte kann sowohl alleine als auch in der Gruppe eingesetzt werden.

Alleine, wenn man ein Thema umfassend betrachten möchte. In der Gruppe, wenn man die oft mühsamen, langatmigen und wenig produktiven Diskussionen umgehen möchte. Der Nutzen in der Gruppe und der Unterschied zu "herkömmlichen" Vorgehensweisen ist sehr auffällig. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass die Leute bereit sind, sich darauf einzulassen. Ein Seminarteilnehmer sagte einmal, er fürchte, das zu viele Leute in seiner Firma eine "hidden agenda" hätten und die Punkte, die gegen Ihren Standpunkt sprechen, einfach nicht vorbringen würden.

Bei unserem Thinking Club Treffen haben wir die Technik eingesetzt, um Fragen der Zukunftsplanung und der Berufswahl zu beleuchten.
Gruppen, die mein Seminar Denkwerkzeuge besucht haben, haben mir von einer ungewohnten Geschwindigkeit berichtet, mit der die Besprechungen plötzlich statt fanden, wenn die Technik zum Einsatz kam

Die 6 Hüte können dabei sowohl als feste Methode eingesetzt werden, d.h. der gesamte Denkprozess läuft mit der Methode ab, oder aber situativ, wenn eine Besprechung ins Stocken gerät. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man sich viel Zeit sparen könnte, wenn man die Besprechung auf diese Art begonnen hätte und die Technik nicht erst als letztes Mittel einsetzt.

Regeln

Wichtig ist, dass wenn ein Hut an der Reihe ist, alle diesen Hut aufhaben, d.h. parallel denken. Wenn der gelbe Hut an der Reihe ist, haben Kommentare, die dem schwarzen Hut zuzuordnen sind, nichts verloren. Die Rolle des Moderators ist es, hier sehr strikt auf die Einhaltung der Regeln zu achten.

Der Nutzen

Der größte Nutzen ist aus meiner Sicht, dass ein Thema viel schneller wesentlich umfangreicher betrachtet wird, dadurch das verschiedene Denkrichtungen eingeschlagen werden. Dadurch können Entscheidungen beschleunigt und erleichtert werden. Egal ob alleine oder in Gruppen.

Thinking Club: 6 hats von Edward de Bono – Teil 1

Montag, 10. September 2007

Leider kann ich mein Ziel die Treffen des Denkclubs immer gleich nach den Treffen zu dokumentieren nicht erfüllen, aber zumindest kann ich nachträglich ab und zu etwas einstellen.
In einem der letzten Treffen haben wir uns mit der 6 hats Methode von Edward de Bono beschäftigt, der wohl bekanntesten Technik von ihm überhaupt. Diese kursiert auf Deutsch auch unter dem Namen Hutwechselmethode, 6 Denkhüte, Farbwechselmethode etc.

Die 6 hats sind ein Beispiel für den von de Bono geprägten Begriff des parallelen Denken.
In diesem Post möchte ich diese unterschiedlichen Denkarten etwas erläutern.

Paralleles Denken vs. traditionelles Denken

De Bono unterscheidet verschiedene Denkmodi, neben traditionellem Denken, spricht er von parallelem und lateralem Denken. Mehr dazu auch in diesem Post.

Traditionelles Denken entspricht dem Stil einer Diskussion. Person A vertritt einen Standpunkt und Person B vertritt einen anderen Standpunkt. Beide versuchen nun den anderen von seinem Standpunkt zu überzeugen und Argumente für seine Sichtweise zu finden. Ganz selbstverständlich wird jeder mögliche Einwände, die gegen seinen Standpunkt sprechen, nicht von sich aus zur Sprache bringen, er möchte sich ja schließlich nicht selbst schwächen. Ganz typisch ist diese Art des Denkens für die Politik und große Teile des akademischen Denkens.
Für manche Bereiche, besonders in der Wissenschaft, ist dieses Vorgehen sicherlich sinnvoll, es geht hier darum, die Wahrheit zu finden und das Nicht-Wahre zu verwerfen. In der Praxis (im Gegensatz zur wissenschaftlichen Theorie) geht es nicht um Wahrheit, sondern um Möglichkeiten.
In der Praxis ist der reine Diskussionsstil oft von Nachteil: Abgesehen davon, dass es immer wieder zu langatmigen, konfrontativen und meist unstrukturierten Diskussionen führt, nimmt man sich mit dieser argumentativen Vorgehensweise die Möglichkeit, seinen Standpunkt zu verlassen und andere Aspekte zu sehen.


Bildlich gesprochen kann man sich diese Art der Diskussion so vorstellen, dass zwei Personen aus unterschiedlicher Blickrichtung auf ein Auto sehen, der eine von links und der andere von rechts. Nehmen wir einmal an, das Auto hat auf jeder Seite eine andere Lackierung, links ist es weiß und rechts ist es schwarz. Nun versucht jeder den anderen davon zu überzeugen, dass seine Sicht der Dinge, die richtige ist. Der eine wird also argumentieren, dass das Auto schwarz ist, der andere, dass es weiß ist.

Beim parallelen Denken denkt man (oder mehrere, z.B. bei einer Besprechung) zur gleichen Zeit in eine bestimmte Richtung, um dann gemeinsam die Denkerichtung zu wechseln. So könnten z.B. alle zuerst versuchen, positive Aspekte zu sehen, um dann negative Aspekte zu suchen. Aus dem konfrontativen Gegeneinander wird ein Miteinander. D.h. beim parallelen Denken, denken alle zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung, um dann alle gemeinsam die Blickrichtung zu wechseln und in eine andere Richtung zu denken. Um am Beispiel des Auto zu bleiben, würden beide das Auto erst von links betrachten, dann von vorne, von rechts und von hinten und zwar beide zur gleichen Zeit aus derselben Perspektive, also parallel.
Wie bei einer Landkarte werden zuerst alle Routen abgeschritten, um sich dann für einen Weg zu entscheiden.


Die 6 hats Methode stellt eine Umsetzung des parallelen Denkens dar und kann z.B. bei Besprechungen zu einem erheblichen Zeitgewinn führen.

Dazu mehr im nächsten Post.

Thinking Club drittes Treffen

Dienstag, 17. Juli 2007

Das Treffen ist schon wieder eine Weile her, leider bin ich mit dem Artikel dazu etwas spät dran, aber besser spät als nie. Eigentlich müsste die Überschrift zu diesem Post auch lauten Thinking Club Treffen 3 und 4. Beim ersten Versuch vor drei Wochen ist uns etwas passiert, dass man eigentlich während des Thinking Clubs vermeiden sollte: Wir haben uns von einer der gefundenen Ideen mitreißen lassen und haben den ganzen Abend damit verbracht, diese Idee zu Ende zu denken.

Ausgangspunkt war die Umkehrmethode, die wir auf den Begriff Arzt verwendet haben. Wir haben versucht Punkte zu finden, die wir beim Arzt als gegeben hinnehmen und diese dann auf den Kopf gestellt. Davon ausgehend sind wird dann darauf gekommen, dass Ärzte nur dann Geld erhalten sollten, wenn die Patienten gesund sind und die Bezahlung dann von einem Ranking abhängt, das die Patienten vergeben... und so weiter und sofort ... so landeten wir irgendwann bei der Idee, ein Ärzte-Ranking-Portal im Internet zu schaffen. Das gibt und gab es schon, wie wir danach festgestellt haben, aber es hat auf alle Fälle großen Spaß gemacht, diese Idee weiter zu denken.

Nun aber zur Ende Agenda des Treffens:

Ich werde dieses Mal versuchen, ein paar der Ergebnisse gleich in die Agenda einzubauen.

Agenda


  • Einführung: Laterales Denken, Unterscheidung zu kreativem Denken
    Wichtig beim lateralen Denken ist der Versuch eines bewussten Spurwechsels im Denken. Die geschieht z.B. durch unten aufgeführte Techniken. Die Anwendung der Techniken erfolgt dabei völlig wertneutral, d.h. man bewertet gefundene Ideen erst einmal nicht danach, ob diese gut oder schlecht sind, sondern versucht, den Movement Value zu finden. Dieser Bewegungswert ist der Aspekt einer verrückten Idee, der trotzdem hilfreich für die Lösung bestehende, realer und normaler Probleme ist.
  • Vorstellung: exploratives Denken, paralleles Denken, laterales Denken

    • Einführung Zwischenschrittmethode: Umkehrmethode, Wunschdenken, Übertreibung, Provaktion
    • Übung 1: (4 Minuten) Provocative Operation (PO): PO Öffentlicher Nahverkehr ist grundsätzlich kostenlos
    • Übung 2: (4 Minuten) Umkehrmethode: Wir arbeiten erst und werden dann ausgebildet
    • Übung 3: (4 Minuten) Wunschdenken: Ich wünschte, ich bräuchte keinen Schlaf
      Ergebnisse mit Movement Value: Mehr Reflektieren, welche Dinge wirklich wichtig sind und diesen Priorität einräumen und sich bewusst dafür Zeit nehmen.
    • Übung 4: (4 Minuten) Provocative Operation (PO): PO Abgeordnetenmandate werden per Lotterie zugeteilt.
      Ergebnisse mit Movement Value: Die per Zweitstimme erhaltenen Listenplätze einer Partei werden innerhalb der Partei per Los zugeteilt, um Verkrustungen und Ämterpatronage zu verhindern. So wären die Abgeordneten auch unabhängiger, da sie sich nicht vorrangig um Ihre Wiederwahl kümmern müssten.

  • Einführung Fluchtmethode: Dinge als gegeben hinnehmen, Gegenteil finden, Provokation finden

    • Übung 5: (3 Minuten) Soldaten
    • Übung 6: (3 Minuten) Supermärkte
    • Übung 7: (4 Minuten) Autos
      Ergebnisse mit movement value: Es gibt öffentlich Autos innerhalb großer Städte, ähnlich wie das call-a-bike Konzept. Diese können an beliebigen Zonen innerhalb der Stadt abgestellt werden und ausgeliehen werden. Diese Autos werden sehr robust und einfach sein.

  • Einführung Zufällige Stimulation (Bisoziation): Wörter, Bilder

    • Übung 8: (6 Minuten), Einzelarbeit: (3 Minuten), Feedback (3 Minuten)
      Situation: Berufe schützen – Zufallswort,
      Zufallswort: Lotterie
      Ergebnisse mit Movement Value: Kontingente für bestimmte geschützte Berufe werden per Los vergeben, ähnlich der Green Card Lotterie in den USA
    • Übung 9: (4 Minuten) Situation: Staatliche Kindererziehung verbessern – Zufallswort
      Zufallswort: Hygiene
      Ergebnisse mit Movement Value: Die geistige Hygiene unserer Kinder verbessern durch gezielten Unterricht zu Werten, Stressmanagement und Meditation bereits in der Schule.
      Den Unterrichtsstoff hygienischer machen durch das Reduzieren unnötiger Details und geistigem Ballast.
    • Übung 10: (4 Minuten) Situation: Übergewichtige reduzieren – Zufallswort
      Zufallswort: Veranstaltung
      Ergebnisse mit Movement Value: Aufklärungsshows zu den Themen Ernährung, Sport und Gewichtsreduktion.
      Spezielle Abnahmezentren einrichten, wo Übergewichtige und fachmännischer Aufsicht abnehmen können.

  • Diskussion (10 Minuten)

    • Wo liegt der Unterschied zwischen kreativem und lateralem Denken?
      Im deutschen Sprachgebrauch – im Gegensatz zum Englischen - hat sich der Begriff laterales Denken noch nicht durchgesetzt. Das was deBono unter lateralem Denken versteht, würden bei uns die meisten Menschen als kreatives Denken bezeichnen. Letztendlich ist es auch von den jeweils verwendeten Definitionen abhängig, wie groß die Überschneidungen sind. Die wichtigsten Unterschiede kurz zusammengefasst:
      Lateral: Ziel ist es durch einen bewussten Spurwechsel im Denken und in der Wahrnehmung einen Mehrwert zu schaffen, d.h. Verbesserungen zu bestehenden Lösungen zu erarbeiten. Erreicht werden kann dieser Spurwechsel mittels gezielt einzusetzender Techniken wie z.B. der Provocative Operation.
      Kreativ: Bezeichnet nach der von deBono verwendeten Definition vor allem eine Perspektive, die sich von der normalen, dem Mainstream, unterscheidet. Das Wort kreativ ist auch mit einer positiven Konnotation besetzt, in Richtung Rebellentum, Frei- und Querdenker. Das kreative Denken muss sich allerdings nicht (!), wie das laterale Denken durch bewussten Spurwechsel auszeichnen, sondern vor allem durch seine Andersartigkeit. D.h., dass Kreative auf ihre andere Art oft in dieser Art des Denken relativ starr sind und diese andere Perspektive nicht wechseln, aber einfach anders sind und deshalb schon von einer Gesellschaft als kreativ wertgeschätzt werden.
    • Wann wäre der Einsatz besonders sinnvoll?
      Vor allem dann, wenn es darum geht, Neues zu generieren oder bestehende Dinge zu verbessern und Blockaden aufzulösen.
    • Wo liegen Schwierigkeiten?
      In Gruppen: Fehlende Offenheit und Bereitschaft sich darauf einzulassen (Kulturfrage).
      Den Kollegen, die Tools nicht kennen, diese erst einmal zu erklären und zu „verkaufen“
      Die Unsicherheit, ob überhaupt etwas und dann noch etwas „Brauchbares“ dabei herauskommen wird. Oft kann auch gar nichts dabei herauskommen.


Zum Thema Laterals Denken empfehle ich den geleichnamigen Podcast von Ruth Pink und Jürgen Stock vom Kreativblog.

Thinking Club – Zweites Treffen

Sonntag, 3. Juni 2007

Am vergangenen Donnerstag ist der Thinking Club mit nun schon vier Leuten zum zweiten Mal (siehe Post zum ersten Treffen) zusammen gekommen. Thema der zweiten Sitzung war: APC. Die Abkürzung steht für Alternatives, Possiblities and Choices, was im Endeffekt aber immer auf das Gleiche hinaus läuft: nämlich die Suche nach Alternativen.
Wie auch bei PMI (Thema des ersten Treffens) signalisiert APC, dass nun ganz bewusst für einen begrenzten Zeitraum ein Werkzeug eingesetzt wird, das nach bestimmten Regeln funktioniert. Der normale (d.h. freie, assoziative und diskussionsartige) Denkmodus wird für die Zeit des APC verlassen. In dieser Zeit wird nur nach Alternativen gesucht, erst einmal unabhängig, ob diese gut oder schlecht, wahrscheinlich oder unwahrscheinlich etc. sind.
Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Alternativensuchen unterscheiden. Alternativen zu einer Lösung/ Erklärung innerhalb einer Herangehensweise (linkes Bild) und Alternativen, die einem völlig neuen Ansatz folgen (rechtes Bild).


Alternativensuche: nicht unendlich
Man könnte auf diese Weise stets immer weiter nach Alternativen suchen und niemals zufrieden sein bzw. niemals zum Ende kommen. Damit würde man sich selbst lähmen und die Alternativensuche wäre so nicht nur nicht zielführend sondern kontraproduktiv. Deshalb muss es man hier einen sinnvollen Schnitt definieren, an dem man mit der Alternativensuche (und damit Verbesserungssuche) aufhört und die gefundene Lösung annimmt. Auch hier gilt wieder die Parato-Regel: in 20% der Zeit lassen sich 80% der sinnvollen Alternativen finden, der Großteil der Zeit geht dann für die Suche nach wenigen und geringfügig besseren Lösungen drauf (siehe Bild 2). Daher sollte man die Suche nach einer gewissen Zeit abbrechen. Meist ist aber das Problem nicht, dass zu viele Alternativen und zu viel Verbesserungsschritte gesucht werden, sondern, dass gar nicht nach Alternativen gesucht wird, aus welchem Grund auch immer.



Die Agenda:


  • Einführung Thinking Tool: APC: Alternatives, Possibilities and Choices

  • Übung 1: (6 Minuten)
    Einzelarbeit APC (2 Minuten): Eines Morgens sieht man eine Frau, die drei rote Socken im Garten vergräbt, jeden in einem anderen Loch. Wie lauten alternative Erklärungen.
    Feedback in der Gruppe (4 Minuten)

  • Übung 2: (7 Minuten)
    Zweiergruppen (3 Minuten): Finden Sie verschiedene Wege um die Menge an Flüssigkeit zu messen, die ein Mensch innerhalb von 24 Stunden zu sich nimmt.
    Feedback in der Gruppe (4 Minuten)

  • Übung 3 (max. 8 Minuten): Es werden nacheinander Alternativen generiert, jeder ist abwechselnd an der Reihe. Wer nicht weiter weiß kann passen.
    Finde alternative Möglichkeiten Energie zu sparen, im Haus und im Allgemeinen.

  • Übung 4: (7 Minuten)
    Zweiergruppen (3 Minuten): Ein Vater findet heraus, dass sein 18 jährige Sohn das Familienauto verkauft hat, um Schulden zu bezahlen. Der Sohn erzählt nun, wer das Auto gekauft hat. Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben dem Vater?
    Gruppenfeedback (4 Minunten)

  • Diskussion (10 Minuten)

    • Wann suchen wir nach Alternativen und wann nicht?
    • Was sind die Gefahren, wenn man immer nach Alternativen sucht?
    • Warum ist es oft schwierig, Alternativen zu finden?
    • Sollten wirklich alle Alternativen aufgezählt werden, auch die unwahrscheinlichen?
    • Was sind Schwierigkeiten beim Anwenden von APC in Gruppen?


  • Übung 5: (6 Minuten)
    Am Anfang 2 Minuten Denkzeit für jeden.
    Alternativen, die die gleichen Funktionen erfüllen, wie: eine Leiter, eine Tasse, eine Uhr, ein Schlüssel, Geld.

  • Übung 6 (7 Minunten)
    Finde alternative Erklärungen (Nicht Lösungsmöglichkeiten) für das folgende Problem: Ein Gefühl immer größerer Unsicherheit trotz immer besser werdender Sicherheitstechnik.
  • Ausblick weitere Sessions: Methoden des lateralen Denkens


Fazit der Diskussion:

  • Wir suchen nicht Alternativen, wenn wir keine Notwendigkeit sehen, unsicher sind (und uns deshalb nicht weiter verunsichern möchten), überfordert sind, glauben keine Zeit zu haben, wenn die Suche unwirtschaftlich ist oder weil wir schlicht darauf konditioniert sind, nicht weiter zu suchen.

  • Wir begeben uns auf die Suche nach Alternativen, aus Perfektionismus (hier ist ein Schnitt besonders wichtig), aus Unzufriedenheit, aus dem Wunsch nach Verbesserung und aus Langeweile. Ganz oft ist eine Krise der Auslöser, die ein grundlegendes Umdenken und die Suche nach Alternativen fordert.

  • Warum ist es oft so schwierig Alternativen zu finden? Ein wichtiger Grund könnten geistige Pfadabhängigkeiten sein. Je öfter wir gewisse Denkweisen anwenden, desto gefestigter werden diese und desto schwieriger wird es, diese wieder zu verlassen (so funktioniert unser Gehirn). Politischer oder religiöser Idealismus könnte ein weiterer Grund sein, es ist uns aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Partei oder Religion einfach nicht möglich (erlaubt) in einer andere Richtung zu denken. Oft ist es schlicht und einfach unangenehm nach einer noch besseren Lösung zu suchen, das könnte uns dazu zwingen, über uns nachzudenken und ggf. unsere Meinung zu revidieren.

  • Auch in dieser Runde haben wir wieder festgestellt, dass Humor ein wichtiger Katalysator bei der Suche nach alternativen und neuen Ideen ist. Bei Humor passiert genau das, was man mit vielen Kreativitätstechniken erreichen möchte: Zwei Dinge, die man zuerst nicht in Zusammenhang bringt, werden miteinander verknüpft.

  • Allerdings gibt es auch Gefahren, die die Suche nach Alternativen mit sich bringt: Manchmal entsteht Verunsicherung, je länger man sucht, desto unsicherer wird man. Der Aufwand und die Komplexität eine Entscheidung zu finden steigen, deshalb ist der Schnitt so wichtig. Zu viele Alternativen führen möglicherweise zu einer Polarisation der Teilnehmer und es kommt zu unangenehmen Diskussionen.




Fazit

Auch dieses Mal haben wir wieder sehr von unseren völlig unterschiedlichen Berufen, Hintergründen und Herangehensweisen profitiert, da wir uns so immer wieder gegenseitig zu neuen Sichtweisen angeregt haben. Erst waren wir uns nicht sicher, wie viel ein so „banales“ Werkzeug, wie APC wirklich hergeben wird und wann immer wieder überrascht, was für Alternativen wir gefunden haben (das nächste Mal freuen wir uns einfach, wenn unser Auto weg ist, dann können wir wenigstens ein neues kaufen :-)). Wichtig für die Anwendung und den Erfolg der Tools ist es, sich an die auf den ersten Blick sehr strengen Regeln und Vorgaben zu halten, sonst wird es schnell beliebig und ineffektiv.

Thinking Club eröffnet

Sonntag, 20. Mai 2007

Edward de Bono beschreibt in seinem – wie ich finde – ganz fantastischen Buch Thinking Course einen Denkclub, bei dem Interessierte zusammen kommen, um Denkwerkzeuge anzuwenden.
Diese Idee fand ich total faszinierend und deshalb habe ich nun einen Denkclub gegründet, der sich am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal getroffen hat.

Sinn und Zweck eines Denkclubs

Ein Denkclub stellt einen geschützten Raum dar, in dem Interessierte Denkwerkzeuge ausprobieren, anwenden und üben können. Ziel ist es, in der Anwendung von Denkwerkzeugen sicher und routinierter zu werden und natürlich Spaß zu haben.

Voraussetzungen und Teilnehmer

Gibt es eigentlich keine. Die Teilnehmer sollten lediglich offen sein für eine andere Herangehensweise an Fragestellungen und Probleme und Lust haben, Denkwerkzeuge auszuprobieren und einzusetzen.
DeBono empfiehlt einen Teilnehmerzahl von exakt sechs Leuten, um bestimmte Gruppenarbeiten zu ermöglichen. Wir waren nur zu dritt. Das stellt auch die absolute Mindestteilnehmerzahl dar. Mehr als sechs Leute sollten es auch wieder nicht sein, das sonst die Zeit für einzelnen Teilnehmer zu kurz wird, bzw. die Denksessions sich zu sehr in die Länge ziehen.
Es erleichtert das Ganze, wenn einer der Teilnehmer bereits Erfahrung mit Denkwerkzeugen bzw. wenn alle etwas darüber gelesen haben oder ein Seminar besucht haben.

Ganz grundsätzlich: Was sind Denkwerkzeuge?

Denkwerkzeuge sind Methoden und Vorgehensweisen, die das Denken nach vorgegebenen Regeln und Strukturen in bestimmte Richtungen lenken und somit die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte lenken. Wie normale Werkzeuge auch, werden diese für bestimmte Anwendungsbereiche eingesetzt, wenn dies Sinn macht.

Ein Beispiel: In der ersten Sitzung des Denkclubs haben wir PMI geübt. PMI ist ein von Edward DeBono entwickeltes Werkzeug und steht für Plus – Minus – Interesting. Es geht darum, zu einer These/ einem Sachverhalt Aspekte zu den drei Kategorien Plus (positive Aspekte) – Minus (negative Aspekte) und Intersting (offene und interessante Fragestellungen) zu finden. Ziel des PMI ist es, innerhalb von drei Minuten einen Überblick über die drei genannten Aspekte eines Themas zu erhalten, um so zu einer ausgewogeneren Sichtweise zu kommen, bevor eine Entscheidung gefällt wird. Ganz wichtig bei PMI ist, dass positiv und negativ hier nicht im Sinne eines Werturteils also pro und contra verstanden werden darf. Sinn und Zweck von Denkwerkzeugen ist es meistens, den Blick für ein Thema ohne Werturteil erst einmal zu erweitern, statt diese durch ver-/be-urteilen einzuengen.
Die Denkwerkzeuge (im Beraterjargon werden diese auch gerne Frameworks genannt) werden ganz bewusst und gezielt eingesetzt und folgen dabei strengen zeitlichen und inhaltlichen Regeln, die den Anwendern klar symbolisieren, dass gerade ein Werkzeug eingesetzt wird.

Die Agenda der ersten Sitzung


  • Einführung: Motivation, Sinn und Zweck Thinking Club, Verteilung der Rollen
  • Vorstellung: exploratives Denken, paralleles Denken, laterales Denken
  • Einführung Thinking Tools: PMI: Plus, Minus, Interesting
  • Übung 1: (6 Minuten) Jeder sollte einen Anstecker tragen, der seine momentane Laune anzeigt.
  • Übung 2: (6 Minuten) Es wäre nützlich, wenn wir neben unseren normalen Augen auch Augen am Hinterkopf hätten.
  • Übung 3: (6 Minuten) Rauchen sollte grundsätzlich verboten sein und Zigaretten wie harte Drogen eingestuft werden.
    Einzelarbeit (2 Minuten), jeder einen Aspekt (P,M,I)
    Feedback (4 Minuten)
  • Übung 4: (6 Minuten) Steuerzahler sollten entscheiden können, wofür ihre gezahlten Steuern eingesetzt werden.
  • Diskussion (10 Minuten)

    • Was bringt PMI?
    • Wann hilft PMI am meisten?
    • Gefahren beim Einsatz von PMI?
    • Meinung zu den Formalia von PMI? Rollenverteilung, Zeitbeschränkung
    • Die Schwierigkeit des "Interesting"-Teils

  • Übung 5: (6 Minuten) Eine Ehe sollte ein auf fünf Jahre beschränkter aber verlängerbarer Vertrag sein.
  • Brainstorming weitere Übungsthemen für zukünftige Sessions
  • Ausblick Session 2: APC
  • Ausblick weitere Sessions


Rollen der Teilnehmer

Es gibt zwei wichtige Rollen: Den Zeitnehmer, der darauf achtet, dass die Übungszeiten genau eingehalten werden und den Protokollanten, der die Ergebnisse der Denksessions festhält.

Fazit der Diskussion über die erste Sitzung

Nutzen von PMI:

  • Unser Eindruck war, dass der Rundumblick, der durch PMI ermöglicht wird zu einer größeren Klarheit führt. Entscheidungen werden bewusster (was nicht heißt rationaler) gefällt, da ein Thema von unterschiedlichen Aspekten beleuchtet wurde.
  • Besonders positiv war für uns die Interaktion mit anderen, da die Einfälle der anderen, bei jedem selbst wieder weitere Ideen ausgelöst haben und es so leichter war, bestehende Bahnen zu verlassen bzw. in vorhandenen Muster stecken zu bleiben.
  • Eine große Chance bietet PMI unserer Meinung nach bei konfliktbeladenen und emotional aufgeladenen Themen, da hier erst einmal unabhängig von eigenen Werturteilen ("das ist gut oder das ist schlecht") eine ausgeglichenere Betrachtung ermöglicht wird.


Gefahren des PMI:

  • Es könnte zu einer Überrationalisierung kommen bzw. das Bauchgefühl abgewertet werden, da man nicht direkt auf dieses hört, sondern sich so viel Mühe macht, ein Thema von allen Seiten zu betrachten. Allerdings betont DeBono immer wieder, dass es nicht darum geht, einer Entscheidung den emotionalen Aspekt zu nehmen. Gefühle sind äußerst wichtig und man sollte sich nicht einbilden, dass man Entscheidungen rational fällen kann oder dies sollte! (Auch wenn dies immer wieder suggeriert wird, dass rationale Entscheidungen die besseren sind) Allerdings sollten die Gefühle nicht am Anfang eines Entscheidungsprozesses stehen, da sie so den Blickwinkel sofort einengen, sondern am Ende ins Spiel kommen.
  • Impulsivität und Spontaneität gehen zurück, da man dem Impuls (diese reduzierte Handtasche kaufe ich mir jetzt!) nicht sofort nachgibt (-> schlecht für die Handtaschenverkäufer :-)).


Die Bedeutung der Formalia:
Die "strengen" Regeln (eine Minute pro Aspekt, ein hin- und herspringen zwischen den Aspekten) sind wichtig! Sie signalisieren uns, dass wir nun für eine begrenzte Zeit in einen anderen Denkmodus umschalten. Ohne diese Regeln würde das ganze schnell wieder beliebig und die Gefahr, dass wir wieder in den meist normalen Diskussionsmodus zurückfallen, wäre sehr hoch. (Siehe hierzu auch diesen Post).

Änderung der Wahrnehmung
Es war sehr spannend zu sehen, wie sich nur dadurch, dass man PMI auf ein Thema anwendet, die Wahrnehmung plötzlich verändert und damit auch die Handlungsentscheidung am Ende anders ausfällt. Einfach dadurch, dass man einmal bewusst die drei Aspekte wirklich durchdenkt entstehen plötzlich neue Verbindungen, die die bisherige Meinung drehen können.

Fazit

Uns dreien hat es viel Spaß gemacht und wir werden uns nun alle zwei Wochen treffen, um verschieden Tools zu üben und zu testen. Nur durch regelmäßiges Üben und der damit verbundenen Sicherheit, wird es möglich sein, diese Werkzeuge in den Alltag mitzunehmen und diese auch sinnvoll und richtig anzuwenden.