Adventskalender der Denkwerkzeuge 19: PMI

Freitag, 19. Dezember 2008

Nachdem wir in den letzten Posts Denkwerkzeuge zur Ideenentwicklung kennen gelernt haben, möchte ich nun einige evaluative Werkzeuge vorstellen, deren Ziel es ist, Themen/ Vorschläge/ Ideen von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu bewerten.

PMI ist ein wahrnehmungslenkendes Werkzeug entwickelt von Edward de Bono, das dem Denker hilft, eine Situation ganzheitlich zu erkunden und zu erforschen, bevor er ein Urteil fällt. PMI steht für Plus – Minus – Interessant.

PMI ist deswegen besonders wichtig, da gerade Erwachsene, besonders in westlichen Kulturen, dazu neigen, sehr schnell zu urteilen und sich auf eine Position fest zu legen. PMI hilft, das Schema Reiz – Reaktion (Vorschlag – sofortiges Urteil) zu unterbrechen und zwischen Reiz und Reaktion eine Phase des Erkundens zu schalten. In der Kreativitätsforschung spricht man hier davon das Phänomen des premature closure (das gedankliche zumachen) zu vermeiden, eines der Haupthindernisse für Kreativität. Dadurch, dass wir die Aufmerksamkeit einmal bewusst auf die Aspekte Plus – Minus – Interessant lenken, kann sich die Wahrnehmung auf ein Thema ändern und somit auch die Meinung und Reaktionen verändern. PMI kann uns besonders bei unsicheren Entscheidungssituationen helfen, oder auch als Vorstufe einer Diskussion (ähnlich wie die 6 Hüte, nur reduzierter und kürzer).

So funktioniert es:

  • Nehmen Sie sich alleine oder als Gruppe ein Thema und betrachten Sie es nacheinander nach den Aspekten, Plus – Minus – Interessant
  • Für jede Denkrichtung (P-M-I) gibt es ein Zeitlimit von z.B. 2 Minuten.
  • Wichtig ist, dass alle zur gleichen Zeit sich mit der gleichen Richtung beschäftigen und Ihre Einfälle zum Thema bringen.
  • Während die Gruppe in eine Richtung denkt, gibt es keine Diskussion und kein Springen zwischen den Denkrichtungen. Diese werden von einer Person schriftlich festgehalten.
  • So werden nacheinander gemeinsam die Punkte Plus – Minus – Interessant durchgegangen.
Ergebnis eine PMI ist oft, dass eine umfassendere Sicht auf ein Thema entsteht, dass Menschen Ihre ursprüngliche Meinung verändern und dass es nun leichter fällt in einem zweiten Schritt zu reagieren.

Eingesetzt haben wir PMI auch zum Auftakt des ersten Semesters des Münchner Denkclubs, um den Interessenten einen Einstieg in das Thema Denkwerkzeuge zu vermitteln.

Adventskalender der Denkwerkzeuge 5: Six Thinking Hats

Freitag, 5. Dezember 2008

Ein Zwitter aus Framework (siehe Post Adventskalender Nr. 4) und einem Denkwerkzeug sind die auch in Deutschland bekannten Denkhüte von Edward de Bono.

Ein Thema umfassend betrachten
Sinn und Zweck der Sechs Denkhüte ist es, ein Thema umfassend und strukturiert zu betrachten und das oft sprunghafte und unstrukturierte Hin und Her, wie es sich in vielen Diskussionen findet, zu vermeiden. Damit soll einmal Zeit gespart werden, aber vor allem auch ein Thema wirklich ganzheitlicher betrachtet werden, um so eine bessere Ausgangsbasis für Entscheidungen oder Diskussionen zu haben.


Eine Farbe pro Denkrichtung
Wie der Name bereits sagt, arbeitet dieses Vorgehen mit sechs verschiedenfarbigen Hüten, deren Farben eine bestimmte Art zu Denken symbolisieren. Das Besondere daran: Wenn die Technik in einer Gruppe angewendet wird, dann haben alle Personen zur gleichen Zeit, den gleichen Hut auf, d.h. alle betrachten zur gleichen Zeit den gleichen Aspekt. Dieses Vorgehen nennt de Bono auch paralleles Denken, da alle zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung denken und auch alle gemeinsam den Hut wechseln. Zum Beispiel könnten in einer Hut-Sitzung alle Teilnehmer gebeten werden, einmal zwei Minuten zu überlegen, wo Vorteile und Potenziale einer Sache liegen – und zwar unabhängig von ihrer ursprünglichen Meinung (ich bin dafür oder dagegen). Als nächstes könnten dann alle gemeinsam wiederum für eine bestimmte Zeit überlegen, wo Schwachstellen und Gefahren liegen.


Die Hüte im Detail
Das Vorgehen arbeitet mit den Farben weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau.

Kurz und knapp vorgestellt stehen die Farben für folgende Arten des Denkens:

  • Weiß: Objektive Fakten und Fragen
  • Rot: Emotionen, Intuition und Ahnungen
  • Schwarz: Gefahren, Schwächen, Nachteile
  • Gelb: Vorteile, Möglichkeiten und Chancen
  • Grün: Alternativen und neue Sichtweisen
  • Blau: Meta-Hut, dieser Hut strukturiert das Denken
Zu Anfang des Post habe ich die Sechs Denkhüte als einen Zwitter aus einem Framework und einem Denkwerkzeug beschrieben. Eine Mischform deshalb, da die Technik anhand einer bestimmten Hut-Reihenfolge "abgespult" werden kann, dann hat es stärker einen Werkzeugcharakter. Die Hüte können allerdings auch wesentlich umfangreicher und mächtiger eingesetzt werden, wenn eine Person bestimmt wird, die den blauen Hut auf setzt und sich aus den Inhalten heraus hält und damit als Moderator fungiert und die Hüte nach Bedarf variiert oder wiederholt (Framework-Charakter).

Etwas ausführlicher (Teil 1 und Teil 2) habe ich die Sechs Denkhüte bereits in 2007 einmal vorgestellt.

Thinking Club: 6 hats von Edward de Bono – Teil 2

Samstag, 15. September 2007

In Teil 1 habe ich das parallele Denken vorgestellt. Die sechs Hüte sind eine Anwendung dieser Art des Denkens. Die Prinzipien sind recht einfach vorgestellt, die Anwendung Bedarf jedoch ein wenig der Übung und Erfahrung.

Sechs Farben – sechs Denkrichtungen

Die sechs Hüte setzen sich zusammen aus folgenden Hutfarben: weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau. Die einzelnen Hüte und deren Verwendung möchte ich im Folgenden kurz vorstellen:

Weiß

Der weiße Hut steht für Fakten und Fragen. Setzt man diesen Hut auf, geht es darum auf alle Fakten zu einem Thema zu sammeln und noch zu klärende Fragen zu stellen.

"Fakt ist, die Automobiltechnik schreitet immer weitere voran, weshalb es möglich ist, sparsamere Autos zu bauen."
"Fakt ist, durch medizinischen Fortschritt leben die Menschen in Deutschland im Schnitt länger als noch vor 20 Jahren."


Rot

Dieser Hut steht für Emotionen und Gefühle. Setzt man diesen Hut auf, geht es darum, seine Gefühle zu einem Thema zu äußern. Wichtig ist, dass diese nicht begründet werden müssen.

"Davon bin ich begeistert."
"Ich bin unsicher."


Bei kontroversen Themen oder Themen, wo die Meinungen der Gesprächsteilnehmer unklar sind, kann dieser Hut helfen, erst einmal die Stimmung aller Teilnehmer transparent zu machen.

Schwarz

Diesen Hut haben viele Menschen ganz natürlich auf, leider jedoch meist die ganze Zeit: die Schwarzseher. Der Schwarze Hut beschäftigt sich damit, warum etwas nicht klappen kann, wo Gefahren und Schwierigkeiten liegen.
Wichtig ist, dass alle Punkte, die unter dem schwarzen Hut vorgebracht werden, logisch begründbar sein sollten.

"Rauchen in der Öffentlichkeit mit 10 Jahren Gefängnis zu bestrafen wird politisch nicht durchsetzbar sein. Hier ist die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt."

Gelb

Dieser Hut stellt den Gegenpol zum schwarzen Hut dar. Er sieht das Positive und Konstruktive. Er zeigt, auch wiederum bemüht etwas zu begründen, auf, warum etwas klappen könnte. Der Fokus des gelben Huts liegt auf der Umsetzbarkeit und Praktikabilität.

Werbung in Schulbüchern könnte dazu führen, dass das in den Schulen verfügbare Lehrmaterial aktueller ist und häufiger ausgetauscht wird.

Grün

Der grüne Hut ist der kreative Hut, der versucht, neue Ideen und Sichtweisen zu generieren. Dazu können die Techniken des lateralen Denkens, wie z.B. Provokationen, eingesetzt werden, wie ich Sie in den anderen Posts zum Thinking Club (siehe hier und hier) beschrieben habe.
Hintergrund der Provokationen ist es, bestehende Denkbahnen zu verlassen und somit zu neuen Ideen zu kommen, die einen Mehrwert zu bestehenden Lösungen bieten.

Kunden könnten in Zukunft Geld dafür erhalten, wenn Sie in einem Geschäft einkaufen.

Blau

Der blaue Hut ist wie eine Art Dirigent, der das Denken an sich betrachtet. Er legt z.B. die Abfolge der Denkhüte fest, liefert Zusammenfassungen und gibt Hinweise, wie weiter verfahren werden sollte. Er ist somit vergleichbar mit der Rolle eines Moderators und wird auch meistens so eingesetzt. Dabei bestimmt man eine Person, die bereits Erfahrung mit der Technik hat, diesen Hut permanent aufzusetzen.

Art und Weise der Anwendung

Die Technik der sechs Hüte kann sowohl alleine als auch in der Gruppe eingesetzt werden.

Alleine, wenn man ein Thema umfassend betrachten möchte. In der Gruppe, wenn man die oft mühsamen, langatmigen und wenig produktiven Diskussionen umgehen möchte. Der Nutzen in der Gruppe und der Unterschied zu "herkömmlichen" Vorgehensweisen ist sehr auffällig. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass die Leute bereit sind, sich darauf einzulassen. Ein Seminarteilnehmer sagte einmal, er fürchte, das zu viele Leute in seiner Firma eine "hidden agenda" hätten und die Punkte, die gegen Ihren Standpunkt sprechen, einfach nicht vorbringen würden.

Bei unserem Thinking Club Treffen haben wir die Technik eingesetzt, um Fragen der Zukunftsplanung und der Berufswahl zu beleuchten.
Gruppen, die mein Seminar Denkwerkzeuge besucht haben, haben mir von einer ungewohnten Geschwindigkeit berichtet, mit der die Besprechungen plötzlich statt fanden, wenn die Technik zum Einsatz kam

Die 6 Hüte können dabei sowohl als feste Methode eingesetzt werden, d.h. der gesamte Denkprozess läuft mit der Methode ab, oder aber situativ, wenn eine Besprechung ins Stocken gerät. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man sich viel Zeit sparen könnte, wenn man die Besprechung auf diese Art begonnen hätte und die Technik nicht erst als letztes Mittel einsetzt.

Regeln

Wichtig ist, dass wenn ein Hut an der Reihe ist, alle diesen Hut aufhaben, d.h. parallel denken. Wenn der gelbe Hut an der Reihe ist, haben Kommentare, die dem schwarzen Hut zuzuordnen sind, nichts verloren. Die Rolle des Moderators ist es, hier sehr strikt auf die Einhaltung der Regeln zu achten.

Der Nutzen

Der größte Nutzen ist aus meiner Sicht, dass ein Thema viel schneller wesentlich umfangreicher betrachtet wird, dadurch das verschiedene Denkrichtungen eingeschlagen werden. Dadurch können Entscheidungen beschleunigt und erleichtert werden. Egal ob alleine oder in Gruppen.

Thinking Club: 6 hats von Edward de Bono – Teil 1

Montag, 10. September 2007

Leider kann ich mein Ziel die Treffen des Denkclubs immer gleich nach den Treffen zu dokumentieren nicht erfüllen, aber zumindest kann ich nachträglich ab und zu etwas einstellen.
In einem der letzten Treffen haben wir uns mit der 6 hats Methode von Edward de Bono beschäftigt, der wohl bekanntesten Technik von ihm überhaupt. Diese kursiert auf Deutsch auch unter dem Namen Hutwechselmethode, 6 Denkhüte, Farbwechselmethode etc.

Die 6 hats sind ein Beispiel für den von de Bono geprägten Begriff des parallelen Denken.
In diesem Post möchte ich diese unterschiedlichen Denkarten etwas erläutern.

Paralleles Denken vs. traditionelles Denken

De Bono unterscheidet verschiedene Denkmodi, neben traditionellem Denken, spricht er von parallelem und lateralem Denken. Mehr dazu auch in diesem Post.

Traditionelles Denken entspricht dem Stil einer Diskussion. Person A vertritt einen Standpunkt und Person B vertritt einen anderen Standpunkt. Beide versuchen nun den anderen von seinem Standpunkt zu überzeugen und Argumente für seine Sichtweise zu finden. Ganz selbstverständlich wird jeder mögliche Einwände, die gegen seinen Standpunkt sprechen, nicht von sich aus zur Sprache bringen, er möchte sich ja schließlich nicht selbst schwächen. Ganz typisch ist diese Art des Denkens für die Politik und große Teile des akademischen Denkens.
Für manche Bereiche, besonders in der Wissenschaft, ist dieses Vorgehen sicherlich sinnvoll, es geht hier darum, die Wahrheit zu finden und das Nicht-Wahre zu verwerfen. In der Praxis (im Gegensatz zur wissenschaftlichen Theorie) geht es nicht um Wahrheit, sondern um Möglichkeiten.
In der Praxis ist der reine Diskussionsstil oft von Nachteil: Abgesehen davon, dass es immer wieder zu langatmigen, konfrontativen und meist unstrukturierten Diskussionen führt, nimmt man sich mit dieser argumentativen Vorgehensweise die Möglichkeit, seinen Standpunkt zu verlassen und andere Aspekte zu sehen.


Bildlich gesprochen kann man sich diese Art der Diskussion so vorstellen, dass zwei Personen aus unterschiedlicher Blickrichtung auf ein Auto sehen, der eine von links und der andere von rechts. Nehmen wir einmal an, das Auto hat auf jeder Seite eine andere Lackierung, links ist es weiß und rechts ist es schwarz. Nun versucht jeder den anderen davon zu überzeugen, dass seine Sicht der Dinge, die richtige ist. Der eine wird also argumentieren, dass das Auto schwarz ist, der andere, dass es weiß ist.

Beim parallelen Denken denkt man (oder mehrere, z.B. bei einer Besprechung) zur gleichen Zeit in eine bestimmte Richtung, um dann gemeinsam die Denkerichtung zu wechseln. So könnten z.B. alle zuerst versuchen, positive Aspekte zu sehen, um dann negative Aspekte zu suchen. Aus dem konfrontativen Gegeneinander wird ein Miteinander. D.h. beim parallelen Denken, denken alle zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung, um dann alle gemeinsam die Blickrichtung zu wechseln und in eine andere Richtung zu denken. Um am Beispiel des Auto zu bleiben, würden beide das Auto erst von links betrachten, dann von vorne, von rechts und von hinten und zwar beide zur gleichen Zeit aus derselben Perspektive, also parallel.
Wie bei einer Landkarte werden zuerst alle Routen abgeschritten, um sich dann für einen Weg zu entscheiden.


Die 6 hats Methode stellt eine Umsetzung des parallelen Denkens dar und kann z.B. bei Besprechungen zu einem erheblichen Zeitgewinn führen.

Dazu mehr im nächsten Post.

Creativity-Factory: Kollektive Ideenmaschine über das Internet?

Sonntag, 4. März 2007

Ich habe eine Idee, die mir schon lange Zeit im Kopf herumschwirrt, in die ich schon etwas Hirnschmalz hineingesteckt habe, die aber noch wesentlich mehr Zeit und Energie benötigt. Ich möchte das trotzdem einmal vorstellen und bin gespannt auf Meinungen:

Ich denke an eine Online-Plattform zur Ideengenerierung und Entwicklung. Ich sehe eine Mischung aus Forum und Social Network, wo Leute/ Firmen/ Organisationen Ideen einstellen und diese von Usern im Netz weiterentwickeln lassen.
Den Mehrwert, den ich dabei sehe, ist, dass man Ideen von einer großen Menge an Leuten weiterspinnen lassen kann und man dadurch viel mehr Möglichkeiten und Umsetzungsmöglichkeiten sowie am Ende auch bessere Qualität erreichen kann.

Das Besondere an dieser Plattform ist der Einsatz von Denkwerkzeug-Wizards, die einem helfen, das Denken bewusst in bestimmte Richtungen zu lenken. Diese Wizards enthalten Denktechniken z.B. 6 hats von Edward DeBono, SWOT-Analyse etc., die den User leiten.
Welcher Wizard zum Einsatz kommt, könnte der User selbst entscheiden, oder der "Einsteller" einer Idee vorschlagen, weil er z.B. das Denken in eine bestimmte Richtung lenken möchte.

Ein typischer Ideen-Prozess könnte folgendermaßen aussehen:

1. Einstellen einer Idee mit der Bitte um Weiterentwicklung.
2. User entwickeln die Idee weiter, mithilfe des Einsatzes von Wizards oder im Freestyle Modus.
3. Die weiterentwickelten Ideen können wiederum aufgegriffen werden.
4. Aus den vielen Ansätzen greift der „Einsteller“ einige raus, die nun in die nächste Stufe gehen -> Release 1
5. Die Release 1 – Idee kann nun wieder mithilfe bestimmter Wizards und Kriterien verfeinert werden.
6. Der Einsteller schließt irgendwann die Idee.
7. Nun geht es in die Bewertungs- und Diskussionsphase
8. ... habe ich mich noch nicht überlegt...

Ziel soll sein, eine Idee soweit zu entwickeln, dass diese in die Umsetzung gehen kann.
Wie hoffentlich deutlich wird, handelt es sich um eine Mischung aus kreativem und strukturiertem Prozess, der die Denkpower vieler Leute nutzen soll.

Viele Fragen habe ich mir dazu schon gestellt, aber nur teilweise beantwortet, z.B.


  • soll es Userprofile geben?
  • soll es Rollen geben? z.B. Ideensponsor und Teilnehmer
  • wie motiviert man User an Ihre Denkpower zur Verfügung zu stellen? z.B. durch raten der Einfälle und damit ein Punktekonto ähnlich wie bei E-Bay.
  • wie könnte ein Preismodell für Firmen aussehen, die die kollektive Intelligenz nutzen wollen?
  • gibt es einen weiteren Extra-Service, z.B für das Strukturieren und Moderieren des Prozesses?
  • Was kostet die Programmierung etc?


Um das gesamte Konzept niederzuschreiben, bräuchte ich noch viel Zeit. Meine Hauptinteresse wäre erst einmal Meinungen zur Akzeptanz und Umsetzbarkeit eines solchen Tools zu erfahren.
Warum gebe ich eine solche Idee preis? Meine Philosophie ist, dass vielen Ideen nichts wert sind, wenn diese nichts umgesetzt werden. Ideen haben ist leicht, aber Umsetzen sehr schwer.

Ein Denkwerkzeug, dass ich für Ihre Gedankenexperimente vorschlage ist das 6-hats-framework von DeBono. Folgende Fragen können helfen:

  • Wie ist Ihr Gefühl, Ihr Eindruck, wenn Sie das hören (ohne logische Begründung!)
  • Welche Fakten haben wir? Welche Fragen müssen noch beantwortet werden?
  • Warum könnte es scheitern? Wo liegen Schwierigkeiten?
  • Warum könnte es klappen? Was ist positiv daran?
  • Welche weiteren (provokanten) Ideen, Hypothesen etc. gibt es noch, die dem Ganzen eine neue Richtung verleihen könnten?


Ich bin gespannt und hoffe auf Beiträge!

Edward de Bono über Denken und Kreativität

Mittwoch, 14. Februar 2007




Gestern habe ich ein Video von Edward de Bono (leider keine besonders ansprechende Website) bei Youtube entdeckt, in dem er einige seine wichtigsten Thesen über Denken und Kreativität noch einmal kurz darstellt.
Wie in seinen Büchern schon oft beschrieben, sind Denken (im Sinne von neue Lösungen finden und Probleme betrachten) und Kreativität für de Bono Fähigkeiten, die erlernt und verbessert werden können.
Wie im Video dargelegt und in seinen Büchern sehr ausführlich erklärt, hält er das verbissene Festhalten an den Kategorien wahr oder falsch für einen der größten Bremser des Fortschritts. Fortschritt in der realen Welt (im Gegensatz zur theoretischen Welt der Wissenschaft, wo es tatsächlich um die Wahrheitssuche geht) hat mit Möglichkeiten zu tun, die sich nicht mit den Kategorien wahr oder nicht wahr beschreiben lassen. D.h. es gibt immer mehr als eine richtige Antwort.
Kreativität, damit diese nach de Bono als solche bezeichnet werden kann, muss einen Mehrwert im Vergleich zu bestehenden Lösungen bieten. Etwas lediglich anders zu machen, um des Andersseins willen, hat für ihn nichts mit Kreativität zu tun. Ein Weg zu mehr Kreativität führt für de Bono über gezielte Provokationen, die neue "Denkpfade" ermöglichen.

Ein Beispiel für de Bonos Techniken sind die sechs Denkhüte. Diese Technik ist ein Beispiel für de Bonos Konzept des parallelen Denken, das auch in meinem Seminar Denkwerkzeuge zum Einsatz kommt.
Ein Beispiel für so eine Provokation, das ich in meinen Seminaren verwendet habe, ist die Einführung einer Strafsteuer für Übergewichtige. Über diese Provokation kann man dann bei sehr praktischen Lösungen wie einem Bonussystem für Leute mit viel Bewegung ankommen und vielen weiteren praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, die mit der anfänglichen Provokation nichts mehr gemeinsam haben. Ausgangspunkt war die von de Bono beschriebene Provokation, die das Denken in andere Bahnen gelenkt hat.

Kreativität - Teil 2: Prozess und Erlernbarkeit

Montag, 1. Januar 2007

Im ersten Teil dieses Posts bin ich der Frage nachgegangen, was Kreativität überhaupt ist und durch welche Faktoren Kreativität beeinflusst wird.
In diesem Teil werde ich den Prozess der Kreativität genauer betrachten und erläutern, wie man Kreativität bewusst verbessern kann.

Prozess in fünf Phasen

Eine in der Wissenschaft verbreitete Sichtweise ist die Unterteilung des Kreativitätsprozesses in die fünf Phasen (1) Vorbereitung, (2) Inkubation, (3) Illumination, (4) Realisierung und (5) Verifikation.

Die Tatsache, dass man von einem Prozess spricht, läuft der weit verbreiteten Ansicht zuwider, dass Kreativität eine Art Heureka-Erlebnis ist, dass sich nur spontan und unkontrollierbar äußert. Dies ist nur in wenigen und seltenen Fällen so.

Vorbereitung

In dieser Phase geht es darum, eine Fragestellung oder ein Problem erst einmal zu sichten und zu verstehen. Basis dafür ist eine fundierte Ausbildung und Wissensgrundlage. Auch das assoziiert man nicht unbedingt mit Kreativität. In der Empirie zeigt sich allerdings, dass kreative Menschen über ein sehr breites Wissen (mehr zu Rolle von Vorkenntnissen gibt es in meinem Post vom 09.12.06) und viel Erfahrung auf dem Gebiet verfügen, in dem sie kreativ sind. Eigentlich klingt es logisch, dass man neue und innovative Konzepte erst dann entwickeln kann, wenn man die bestehenden verstanden hat.

Inkubation

Dieses Phase ist eine Art Brüten; neues Wissen wird oft unbewusst über einen längeren Zeitraum verarbeitet und mit bestehenden Assoziationen verknüpft. Das Endprodukt ist nicht vorhersehbar, sondern ist Ergebnis der individuellen bereits bestehenden Assoziationen eines Menschen und den neu hinzu gekommenen.

Illumination

Illumination und Inkubation lassen sich in der Praxis sicherlich nur schwer voneinander abgrenzen. Um den Prozess der Kreativität besser beschreiben und verstehen zu können, wurde hier eine weitere Phase eingeführt. Illumination ist das schrittweise Heranreifen einer kreativen Denkweise. Die Entwicklung findet nicht plötzlich statt, man hat also nicht von einer Sekunde auf die andere eine kreative Idee. Vielmehr finden im Geiste mehrere Zwischenschritte statt, es wird einiges ausprobiert und verworfen und nähert sich so schrittweise dem endgültigen Ergebnis.

Realisierung

Thomas Edison der Erfinder der Glühbirne sagte einmal: "Genius is 1% inspiration, and 99% perspiration." Er spielt damit auf die wohl härteste und entscheidende Phase der Kreativität an. Eine kreative Idee ist schön und gut, nutzt aber nichts, wenn sie nicht umgesetzt wird, sondern nur eine Idee bleibt. 99% (um beim Zitat zu bleiben) sind harte Arbeit, die vor allem von Beharrlichkeit und Disziplin abhängen, zwei Tugenden, die viele nicht unbedingt mit Kreativität verbinden. Besonders finde ich an dieser Definition von Kreativität, dass es nicht lediglich um Ideen geht, sondern, dass man von Kreativität erst dann spricht, wenn diese Ideen auch konkret umgesetzt werden.
Nach Holm-Hadulla ist das größte Problem in modernen Organisationen, die kreative Idee eines Einzelnen in die gemeinsame Handlung einer Gruppe zu überführen. Oft ist es schon schwer genug für den Einzelnen, seine Idee in die Praxis umzusetzen, ganz zu schweigen von einer Gruppe, in der jeder von der Idee überzeugt werden und zum Handeln bewegt werden muss. Deshalb bleiben auch viele gute Ideen lediglich Ideen und kommen erst gar nicht in die Phase der Umsetzung, weil es nicht gelingt, eine Gruppenhandlung auszulösen.

Verifikation

Ob die umgesetzte Idee wirklich kreativ war entscheidet sich am Ende in der Phase der Beurteilung, durch sich selbst und andere. Oft werden neue innovativen Denkweisen von anderen nicht oder erst nach langer Zeit als solche gesehen und anerkennt.

Ist Kreativität erlernbar?

Das ist die gute Nachricht: zu einem gewissen Teil schon! Die Antwort "Ich bin halt einfach nicht kreativ" zählt also nicht. Jeder kann durch gezielte Maßnahmen seine kreativen Möglichkeiten erweitern. Der eine mehr, der andere weniger, aber zentral ist, dass es geht. Nach Holm-Hadulla kann gezieltes Coaching jedem Menschen helfen, vorhandene Ressourcen zu aktivieren und damit mehr Kreativität zu ermöglichen. Neben der Klärung von zentralen Lebensthemen und der persönlichen Unterstützung kann ein Coach dabei helfen, die Sozialkompetenz und die Arbeitsorganisation des Coachees zu verbessern.

Zum Gebiet der Arbeitsorganisation gehört das Erlernen von Arbeitstechniken, wozu Holm-Hadulla auch die Fähigkeit sich zu entspannen zählt (hierzu werde ich hoffentlich bald einen eigenen Post veröffentlichen). Explizit und ausführlich geht er auch auf Techniken wie Brainstorming, Mind Mapping und deBonos paralleles Denken ein.
Ich selbst mache in meinen Seminaren immer wieder die Beobachtung und erhalte das auch als Rückmeldung von den Teilnehmern, dass man durch den gezielten Einsatz von Denktechniken sein kreatives Potenzial steigern kann. Die Methoden bieten eine Vorgehensweise, die Aufmerksamkeit bewusst auf bestimmte Denkmöglichkeiten (z.B. Provokationen) zu lenken, die man ohne diese Techniken nur selten berücksichtigen würde.

Allen die mehr wissen möchten, empfehle ich die entsprechenden Artikel auf der creaffective Website (benutzen Sie dazu die Links).

Methodenkongress - Teil 2

Donnerstag, 7. Dezember 2006

Für den ersten Teil lesen Sie den Beitrag vom 04.12.06

Systemische Methoden in der Didaktik (Prof. Reich)


Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei systemischen Methoden spielen die Beziehungen zwischen den Personen eine wichtige Rolle, diese haben daher immer Vorrang.
  • Lernen wird neben Beziehungen beeinflusst durch Vorwissen und Motivation.
  • Beispiele für systemische Methoden sind Feedback, zirkuläres Fragen und paralleles Denken.


Nach dem Vortrag und dem anschließenden Forum von Manfred Spitzer, ging es für mich in das zweite Forum mit Prof. Reich.
Prof. Kersten Reich (Prof. für Pädagogik an der Universität Köln) wollte mit seinem Vortrag "Systemische Methoden in der Didaktik" einen Einblick geben, wie systemische Methoden, die bisher vor allem in der Beratung eingesetzt wurden, für die Didaktik genutzt werden können.
Systemische Methoden stammen aus dem Konstruktivismus, der grob vereinfacht gesagt, die Welt durch die Brille von Systemen betrachtet (so ist auch der Mensch ein System) und davon ausgeht, dass sich diese Systeme gegenseitig beeinflussen, bzw. selbst hervorbringen. Im Sinne von menschlichen Systemen heißt das, dass vor allem die Beziehungen zwischen den Menschen eine entscheidende Rolle spielen, daher auch der überwiegende Einsatz dieser Methoden in der Beratung und dem Coaching.


Nach dieser Denkweise laufen beim Lernen drei Prozesse ab:

  • Konstruktion
  • Rekonstruktion
  • Dekonstruktion


Konstruieren: Der Lernende setzt die neuen Inhalte mit bestehenden Denk-Mustern und sich selbst in Beziehung, damit werden neue Assoziationen gebildet. Welche neue Assoziationen gebildet werden, hängt von bestehendem Wissen und Erfahrungen ab.
Danach versucht der Lernende den Lerngegenstand sinnvoll zu rekonstruieren, nur wenn das gelingt, kann man auch lernen. Schließlich wird der Lerninhalt dekonstruiert, d.h. entweder verändert oder wieder vergessen.
Beim Lernen sind drei Elemente besonders wichtig: Es muss (1) Vorwissen in irgend einer Form vorhanden sein, damit ein Lernender die neuen Inhalte mit Bekanntem verknüpfen kann. Prof. Wahl wird das Vorwissen in seinem Vortrag am nächsten Tag sogar höher gewichten, als die Motivation, die in der "Alltagstheorie" und von vielen "Gurus" immer als der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen betrachtet werde.
Neben dem Vorwissen ist (2) der Kontext ein weiterer Aspekt. Der neue Lerninhalt muss in einen bestehenden eingefügt werden, er steht nicht abstrakt für sich. Übertragen auf Unterricht und Trainings heißt das, die Lernenden viel ausprobieren zu lassen und dadurch unterschiedliche Zugänge zum Thema zu ermöglichen, um Erinnerungen und Assoziationen zu bilden.
Die (3) Beziehungen zwischen Lehrendem und Lernendem sind nach Prof. Reich am wichtigsten. Die emotionale Komponente spielt für den Lernerfolg eine entscheidende Rolle, das bedeutet einerseits, dass sich der Trainer oder Lehrer um ein angenehmes und lernförderliches Klima kümmern muss und andererseits, dass Probleme auf der Beziehungsebene immer Vorrang vor allem anderem haben müssen.

Systemische Methoden

Im Anschluss versuchte Prof. Reich einige der systemischen Methoden an konkreten Beispielen näher zu erläutern.
Denn meisten bekannt, aber wahrscheinlich nicht bewusst, dass es sich um eine systemische Methode handelt, ist das Feedback. Richtig angewendet drückt der Feedbackgeber sein Empfinden und seine Wahrnehmung der Handlungen des anderen aus.
Eine weitere Technik ist z.B. das zirkuläre Fragen, bei dem man versucht, eine Situation aus Sicht eines anderen zu sehen. Anstelle von "Warum schreien die Männer?" würde man nach dieser Technik fragen "Was glaubst du, denkt Petra, wenn sie sieht, dass um sie herum alle Männer schreien?". Das klingt sehr kompliziert an und ist es auch! Es ist ziemlich schwer, diese Art von Fragen zu bilden. Sinn und Zweck für Unterricht und Trainings ist es, die Lernenden ein Situation aus sicht eines anderen analysieren zu lassen. Dadurch erweitert man seine Perspektiven und ist gezwungen viel stärker über ein Thema zu reflektieren.

Zum Abschluss verwies Prof. Reich auf Edward deBono und sein Konzept des parallelen Denkens. Für mich war dieser Teil natürlich besonders interessant, da mein Seminar 5-Typen-Denken, auf diesem Konzept basiert. Paralleles Denken heißt, ein Thema bewusst von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und diese Blickwinkel alle in die Betrachtung mit einzubeziehen. Denkrollen oder Denktypen, die für den Zeitraum einer Denkrunde eingenommen werden, erleichtern es, in Richtungen zu denken, die nicht unbedingt den eigenen entsprichen.
So kann man z.B. die Frage ob man seinen momentanen Job wechseln sollte und ein anderes Angebot annehmen sollte nach verschiedenen Denktypen analysieren und so ein umfassenderes Bild dieser Frage bekommen und seine Entscheidung leichter und/oder fundierter treffen.

Die Universität Köln hat einen Online-Methodenpool entwickelt, der verschiedenste didaktische Methoden und Techniken vorstellt und ausführlich erklärt.