Kreativtraining, Kreativseminar und Kreativworkshop

Sonntag, 22. Februar 2009

Gibt es dar einen Unterschied zwischen einem Seminar, einem Training und einem Workshop? Mir fällt auf, dass viele Gesprächspartner die Begriffe oft synonym verwenden.
Ich treffe folgende Unterscheidungen, die für mich als Auftragnehmer und Anbieter von sowohl Kreativworkshops als auch Kreativtrainings und anderen Trainings einen großen Unterschied machen.

Seminar/ Training = Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten

Die Begriffe Seminar und Training sind für mich gleich bedeutend. Bei einem Seminar geht es um die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten. D.h. es steht das Erlernen von Kreativtechniken im Vordergrund. Ziel eines Kreativseminars ist es, den Teilnehmern die Inhalte so zu vermitteln, dass diese damit nach dem Seminar alleine weiter arbeiten können und diese eigenständig anwenden können. In einem Kreativseminar werden Kreativtechniken an konkreten Beispielen der Teilnehmer geübt, es geht allerdings vornehmlich um das Üben und Erlernen der Kreativtechniken. Das bedeutet, dass Teilnehmer in einem Seminar nicht unbedingt Lösungen auf ein Problem erarbeiten, sondern alles unter dem Aspekt der Übung von Techniken steht.

Kreativworkshop = Erarbeiten von konkreten Ergebnissen

In einem Kreativworkshop in dem ich als Prozessmoderator auftrete geht es darum, konkrete Ergebnisse auf eine bestimmte Fragestellung / ein Problem zu erarbeiten. Eine grobe Eingrenzung findet vor dem Workshop in einem Gespräch zwischen dem Moderator und dem Auftraggeber statt. Ziel des Workshops ist es Kreativtechniken so auszuwählen und einzusetzen, dass sie dem Kunden helfen, Lösungen auf sein Problem zu erarbeiten, sie sind dabei nur Mittel zum Zweck. Wenn ich einen Kreativworkshop als Prozessmoderator leite, sind keine Vorkenntnisse in Kreativtechniken nötig. Ich erkläre diese im Workshop so, dass alle Teilnehmer diese unter Anleitung sofort auf die gegebene Aufgabenstellung anwenden können. Die Techniken richten sich immer nach dem Stand des Problems bzw. dem Ergebnis. Es wird so lange gearbeitet, bis ein Ergebnis erzielt und ein Handlungsplan erstellt wurde.
Es gibt allerdings auch in einem Workshop die Möglichkeit, diesen so zu gestalten, dass die Teilnehmer die Techniken danach selbst einsetzen können. Dazu muss dann noch etwas mehr Zeit eingeplant werden. Dies macht dann Sinn, wenn eine Gruppe nach dem Workshop gemeinsam weiter arbeitet.

Lernen im 21. Jahrhundert

Freitag, 13. Februar 2009

Während der letzten Wochen habe ich in verschiedenen Büchern und Artikeln einige Thesen zum Lernen gelesen. Der gemeinsame Nenner dieser unterschiedlichen Quellen: Die Art und Weise, wie Lernen heute in Schulen, Universitäten und Organisationen organisiert und institutionalisiert wird, vermittelt uns nicht die notwendigen Kompetenzen und Geisteshaltungen, die wir für eine nicht vorhersagbare und sich ständig wandelnde Zukunft benötigen. Im Gegenteil, unser Erziehungssystem stamme aus der Zeit der Industrialisierung, wo es vor allem auf standardisiertes und vorhersagbares Wissen und Fähigkeiten ankam.

Einige Beispiele:

Bildung vorher und nachher
Aus dem Buch "Wir kündigen! Und definieren das Land neu" von Dagmar Deckstein, Peter Felixberger, Michael Gleich, Wolf Lotter aus dem Jahr 2005:
"Vorher:
Herkunft, Bildung und finanzielle Ausstattung der Eltern bestimmen immer noch darüber, was aus unserem Nachwuchs wird. Überdies beherrscht der Bildungskanon des 19. Jahrhunderts die Lehrpläne. Der Staat verordnet unnützes und veraltetes Wissen.

Nachher:
Bildung fördert nicht nur die Lust, ein Ich zu sein. Sie ist der Schutzpanzer gegen die medial vermittelten Sinnlosigkeitsdrogen. Und sie ist die einzige Chance, sich in der entfesselten Arbeitsgesellschaft einen Marktnischenplatz in den vorderen Reihen zu sichern. Bildung verliert ihren Beschulungscharakter und regeneriert zum angeleiteten Autodidaktentum." (S. 29)

Das Unterrichtsdesign gestalten
Aus dem Buch "The Accelerated Learning Handbook" von Dave Meier aus dem Jahr 2000, S. 182:

  • Old belief: Learning is the absorption of information.
    New belief: learning is the creation of meaning, value, and actionable knowledge by the learner.
  • Old: Learning is an individualistic endeavor.
    New: Learning improves greatly in a social environment rich in collaboration and human interaction.
  • Old: Knowledge is mainly verbal and cognitive.
    New: Knowledge involves the whole body/mind, the emotions, the senses, and all aspects of intelligence.
  • Old: Standardization saves time and money.
    New: One-size-fits-all solutions waste money. Learning works best in an option-rich, multipathed environment.
  • Old: We must test for immediate recall as part of the learning program.
    New: Long-term performance, not immediate recall, is the aim of learning.
  • Old: Learning requires a controlled delivery system.
    New: Learning is hampered by too much structuring and too much external, hierarchical control.
  • Old: Learning is serious business.
    New: Learning is best when done in the spirit of joy and playfulness.


Ken Robinson: "If you're not prepared to be wrong, you'll never produce anything original."
Im Moment lese ich gerade das neue Buch von Ken Robinson "The Element", in welchem er die Bedeutung des Elements beschreibt. Das Element ist die Sache, in der sich individuelle Leidenschaft und Begabung treffen. Nur hier könne sich die Kreativität eines jeden Menschen optimal entfalten. Unser Schulsystem und das einseitige Festhalten and logisch-mathematischer Intelligenz macht es besonders Kindern sehr schwer ihr Element zu finden.
Einige der Inhalte finden sich in seiner TED-Rede aus dem Jahr 2006.




Wo stehen wir?
Die Zitate sind bereits einige Jahre alt. Wenn wir uns den Status quo ansehen, sind wir meiner Meinung nach immer noch im Vorher oder in den alten Glaubenssätzen verhaftet. Sind die von den zitierten Autoren neuen Lösungen die richtigen?

War es ein evolutionärer Vorteil, nicht kreativ zu sein?

Freitag, 30. Januar 2009

Gestern Abend bei unserer Denkclubsitzung hat sich eine hoch spannende Diskussion entwickelt. Die These lautet: Es brachte dem Menschen lange Zeit einen evolutionären Vorteil, nicht kreativ zu sein!

Schnelles Urteil anstelle der Suche nach Alternativen
Hintergrund und Ausgangspunkt der Diskussion war die Unterscheidung zwischen divergierendem und konvergierendem Denken, also einem Denken das unzensiert in die Breite geht und nach Quantität strebt (divergierend) und einem Denken, dass eng, fokussiert und bewertend vorgeht (konvergierend).
Die Trennung dieser beiden Phasen des Denkens divergierend und konvergierend ist essentiell für die Entwicklung neuer Ideen und Lösungen und sollte Grundbestandteil eines jeden Kreativtrainings oder Kreativworkshops sein.

Wir kennen es alle, dass die meisten Menschen (das kann man ohne Übertreibung sagen) sehr schnell eng und fokussiert denken und schnell ein Urteil fällen und große Schwierigkeiten haben, die Beurteilung zurück zu stellen und offen für Alternativen zu bleiben. Während meiner Facilitator-Ausbildung in den USA habe ich dafür den Begriff "Krokodil-Reaktion" gelernt. Eine Krokodil-Reaktion spielt auf die Metapher des Reptiliengehirns an, ein evolutionär älterer Teil unseres Gehirns, in dem z.B. die Amygdala sitzt, die aktiviert wird, wenn Angst und negative Emotionen im Spiel sind. In solchen Situationen, z.B. wenn ich auf dem Waldboden eine Schlange sehe, brachte es einen evolutionären Vorteil, schnell und sozusagen automatisch zu handeln. Es ist sozusagen eine Überlebensreaktion. Diese zeigt sich heute noch schön in Diskussionen, wenn Menschen den Status quo in Gefahr sehen und nun alle Mittel darauf verwenden, diesen zu verteidigen.
Die Hirnforschung hat auch gezeigt (siehe das Buch Lernen von Prof. Manfred Spitzer), dass in Situationen, in welchen die Amygdala aktiviert wird, ein enger und routinenhafter Stil des Denkens aktiviert wird und geistige Transferleistungen oder das Entwickeln neuer Lösungen nur sehr eingeschränkt funktionieren.

Gezielt in neuen Bahnen denken
Ein weiterer Faktor, der hinzu kommt und auf den auch Edward de Bono in seinem Buch lateral thinking hingewiesen hat, ist, dass sich im Gehirn angelegte Denkmuster mit der Häufigkeit ihrer Benutzung verstärken. Je öfter man also eine Spur im Schnee austritt, desto tiefer und fester wird diese. In der Psychologie spricht man hier auch von sogenannten "Skripten", die ablaufen, wenn ich in einen bestimmten Kontext gerate.

Aus diesen hirnbiologischen Gründen neigen wir schnell dazu schnell, bestehende Denkmuster abzurufen (das ist effizient) und neue Dinge schnell auch in bereits angelegten Kategorien zu beurteilen. Die brachte in der Evolution durchaus viele Vorteile, besonders wenn sehr schnelle Entscheidungen (Überlebensreaktionen) gefordert waren.
Das Problem heute ist, dass diese Denkeffizienz oft keine Vorteile mit sich bringt, sondern im Gegenteil: Wenn wir immer so denken, wie wir schon immer gedacht haben, werden wir auch genau das wieder erhalten, was wir schon immer gemacht haben.

Vor diesem Hintergrund hat Edward de Bono auch seine Techniken des lateralen Denkens entwickelt (z.B. Erzwungene Verbindung), die den Denker bewusst aus der Denkbahn werfen und ihn sozusagen zwingen, einen neuen Weg zu suchen. De Bono und auch sein ehemaliger Partner Michael Hewitt-Gleeson argumentieren außerdem, dass die westliche kulturelle Software, das konvergierende Denken in besonderem Maße betont und wir hier im Westen von klein auf auf schnelles Urteilen sozialisiert werden.

Zum Glück lässt sich eine Haltung, in der vorschnelles Beurteilen verhindert und divergentes Denken ermöglicht wird, trainieren und durch den Einsatz von Denkwerkzeugen gezielt ermöglichen.

Die Pyramide des Bücherlesens – Teil 2

Freitag, 23. Januar 2009

In Teil 1 habe ich die ersten beiden Stufen meiner Pyramidenmetapher vorgestellt. In diesem zweiten Teil möchte ich mich zur Spitze der Pyramide hocharbeiten.
Stufe 3: Regelmäßig wiederholen
Der Psychologe Ebbinghaus hat vor über 100 Jahren mit seiner Vergessenskurve bereits gezeigt, dass wir viel der neu gelernten Inhalte bereits nach kurzer Zeit wieder vergessen. Wie hoch dieser Prozentsatz des Vergessens genau ist, darüber gibt es keine genauen Angaben, fest steht jedoch, dass der Mensch vieles wieder vergisst und das schon nach sehr kurzer Zeit nach dem Lernen. Deshalb betonen Lernforscher die große Bedeutung der Wiederholung. Sowohl Prof. Stangl als auch John Medina, Autor des Buches "brainrules" (siehe hier seine Regeln zum Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis), weisen darauf hin, dass neue Lernstoff innerhalb von 24 Stunden wiederholt werden sollte und dann in regelmäßigen Abständen. Was genau regelmäßig heißt, lässt sich auch nicht definitiv sagen. Sicherlich nicht jeden Tag, aber sicherlich auch nicht einmal alle drei Jahre.

Da ich von jedem Sachbuch, das ich lese, eine Mind Map Mitschrift anfertigen, kann ich diese in kurzer Zeit (ca. 10 – 15 Minuten) wiederholen und mir so die Inhalte des Buches sofort wieder präsent machen. Dieses regelmäßige Wiederholen ist besonders für die Prüfungsvorbereitung wichtig, durch das Wiederholen der Mind Map Mitschriften, lässt sich sehr viel Zeit sparen, da ich für die Prüfung nicht die Bücher noch einmal lesen muss. Ich persönlich habe mir ein Buchwiederholungsschema angelegt. Dieses besteht aus einer nach Kalenderwochen sortierten Liste aller meine Buchmitschriften. Pro Woche wiederhole ich 2 – 3 meiner Mitschriften, pro Jahr habe ich somit jedes meiner gelesenen Bücher ein bis zweimal wiederholt.

Eine besondere Art der Wiederholung, die sich besonders zur Prüfungsvorbereitung anbietet oder wann immer ich viele Inhalte wiederholen muss, ist der Lernspaziergang. Hierbei verbindet man körperliche Bewegung an der frischen Luft mit dem Wiederholen des Lernstoffs.

Stufe 4: Es anderen erklären
Ob Sie die Inhalte eines Buches wirklich beherrschen und verstanden haben, merken Sie spätestens dann, wenn Sie es anderen Menschen erklären. Deshalb kann es eine tolle Übung sein, die Inhalte des gelesenen anderen vorzustellen. Dies kann ganz einfach in einem zehnminütigen Gespräch mit einem Freund oder Kollegen passieren. Wenn Sie mit Mind Mapping arbeiten, dann empfehle ich, Ihre Mind Map Mitschrift des Buches als Redemanuskript zu verwenden (Teilnehmer meiner Seminare kennen diese Übung). Dieser Vortrag lässt sich sehr schön mit dem Vorgehen des Lernspaziergangs verbinden.


Die Grundlagen anwenden
Ich bin sicher, wenn Sie das grundlegende Vorgehen der Pyramide anwenden, lassen sich bereits große positive Veränderungen erzielen. Das Vorgehen alles mit Mind Maps zu machen, ist dabei nicht zwingend notwendig, bringt allerdings großen Mehrwert.
Gewöhnen Sie sich als ersten Schritt an, bei Sachbüchern grundsätzlich Mitschriften anzufertigen. Wenn Sie das geschafft haben, können Sie die anderen Pyramidenstufen aufsetzen.

Die Pyramide des Bücherlesens – Teil 1

Mittwoch, 21. Januar 2009

Stellen Sie sich vor, Sie lesen ein Sachbuch, das Sie für Ihre Arbeit oder Ihr Studium benötigen. Während des Lesens markieren Sie sich mit dem Leuchtmarker einige wichtige Stellen. Nachdem Sie das Buch gelesen stellen Sie es wieder in das Regal zurück. Als Sie eine Woche später einem Kollegen etwas zum Inhalt des Buches erzählen sollen, merken Sie, dass Sie das meiste bereits schon wieder vergessen haben und sogar Schwierigkeiten haben, die Grundaussagen noch zu rekonstruieren. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wenn man wie oben beschrieben an Sachbücher herangeht, dann ist das leider zu erwarten. Das liegt in der Funktionsweise unseres Gehirns begründet. Wer Inhalte eines Sachbuches nicht nur lesen muss, sondern diese auch für die weitere Arbeit benötigt, oder wer es einfach schade findet, nach dem Lesen eines Buches bereits nach einer Woche fast nichts davon behalten zu haben, für den möchte ich ein anderes Vorgehen vorstellen. Ich nenne es die Pyramide des Bücherlesens. Dieses Vorgehen übe ich mit Teilnehmern meiner Mind Mapping Seminare und speziell in Mind Mapping Seminaren für das Studium.

Die Pyramide steht als Metapher für ein bestimmtes Vorgehen, das auf vier aufeinander aufbauenden Schritten besteht. Ziel dieser Herangehensweise ist es, nach dem Lesen eines Sachbuches mehr zu behalten und mit relativ geringem zeitlichen Aufwand sich die Inhalte eines Sachbuches wieder präsent zu machen.



Die Basis: Mitschriften anfertigen
Es ist für unser Gehirn schlicht und einfach unmöglich, sich auch nur die wichtigsten Inhalte eines Buches einfach nur dadurch zu behalten und nachhaltig zu verstehen, dass wir diese einmal lesen. Die Lernspsychologie und die Pädagogik betonen hier die Bedeutung von Mitschriften. Prof. Stangl von der Universität Linz, der ein wirklich großartige Sammlung von Lerntipps aufbereitet hat, bezeichnet Mitschriften als schriftliches Gedächtnis, das wir benötigen, um uns die Inhalte zu merken. Er gibt folgende Tipps, was man beim anfertigen von Mitschriften beachten sollte:

  • Stichwörter in nicht-linearer Folge anordnen
  • nicht alles wörtlich mitschreiben
  • Das Gehörte in Beziehung zu bereits Bekanntem setzen!
  • Das Gehörte strukturieren!
  • System von Abkürzungen und Symbolen entwickeln!
Für regelmäßige Leser dieses Blogs: Kennen Sie eine Technik, über die ich dauernd schreibe und die all diese Anforderungen berücksichtigt?
Ja, es schreit gerade zu nach Mind Mapping.

Für alle, die sich mit der Technik ausreichend sicher fühlen, empfehle ich, die Mitschriften in Mind Mapping Form anzufertigen, da diese eine Menge an Vorteilen gegenüber linearen Zeilenteppichen aufweist.
Infos zu Mind Mapping:Ich persönlich bin dazu übergegangen, meine Mind Map Mitschriften elektronisch zu erstellen mit der Software iMindMap und einem Tablet-PC.

Stufe 2: Eigene Gedanken eintragen
Wenn man etwas liest, ist es selten so, dass man von einem Thema überhaupt keine Ahnung hat und alles neu ist. Im Gegenteil, meist lesen wir Bücher in unserem Fach- oder Interessensgebiet und während des Lesens kommen uns eine Menge Ideen und Assoziationen zu anderen Inhalten. Diese sollten Sie unbedingt aufschreiben. Wenn diese Gedanken thematisch zum Thema passen und es sich nicht um Ideen handelt, die in eine ganz andere Richtung führen, dann sollten Sie diese Gedanken zu Ihren Buchmitschriften hinzu schreiben. Dadurch schaffen Sie zusätzlich Lernanker, um die Inhalte zu verarbeiten und Sie erweitern den Kontext des Gelesenen durch eigene Anmerkungen. Besonders spannend finde ich es, diese eigenen Gedanken nach einiger Zeit beim Wiederholen (siehe Stufe 3) der Inhalte wieder zu lesen und zu erweitern.
Auch für das Eintragen von eigenen Gedanken zu den Mitschriften bietet Mind Mapping ein in Bezug auf den Schreibprozess und die Visualisierung vorteilhaftes Vorgehen an.
Wie genau das funktioniert, habe ich in einem Artikel zu Rein und Raus Schreiben erklärt.



In Teil 2 werde ich die Stufen 3 und 4 vorstellen.

Eine Besprechung im Gehen

Sonntag, 16. November 2008

Es ist nichts Neues, auch nichts wahnsinnig Besonderes. Gerade deswegen bin ich immer wieder erstaunt, wie angenehm überrascht Teilnehmer aus meinen Seminaren und Workshops sind, nachdem wir diese Übung gemacht haben: Die Besprechung im Gehen.

Anstatt am Schreibtisch oder im Besprechungsraum zu sitzen, wie wäre es einmal damit, das Thema im Gehen zu besprechen? Die meisten Menschen schmunzeln oder nehmen es am Anfang nicht ernst und sind dann positiv überrascht, wie gut sie sich danach fühlen und wie produktiv die Besprechung war.

Sauerstoff ins Gehirn
Abgesehen davon, dass eine Besprechung im Gehen, ob innerhalb des Bürogebäudes oder außerhalb im Freien, den buchstäblichen Tapetenwechsel mit sich bringt, gibt es eine weitere sehr wichtige positive Wirkung. In der Bewegung kommt eine Menge Sauerstoff ins Gehirn und dieser hilft unserer grauen Masse, besser zu funktionieren. So einfach ist das. Anstatt müde und erschöpft, kommt man erfrischt aus der Besprechung.

Nicht immer möglich, aber öfter als man denkt
Zugegeben, eine Besprechung im Gehen, macht nicht immer Sinn. Diese ist dann möglich,

  • wenn es sich um eine kleine Gruppe handelt, z.B. zwei bis drei Personen.
  • wenn man keine technische Ausstattung benötigt, sondern ein Notizblock und ein paar Stifte ausreichend sind.
Betrachtet man sich die obigen Voraussetzungen, dann ist das öfter möglich als man denkt.

Viel schwieriger als in Deutschland ist das in asiatischen Großstädten. Hier ist es entweder zu heiß oder zu laut oder schlicht und einfach zu voll. Für meine Workshops hier in Hong Kong haben wir uns deshalb einen nahe gelegenen Park ausgesucht.

Und dann ist da noch der Chef
"Wo kämen wir denn da hin, wenn wir jetzt noch während der Arbeitszeit zum Spazierengehen aufbrechen?" Vermutlich kämen wir öfters produktiver ans Ziel! Viele Menschen haben Bedenken, dass das dem Chef nicht gefallen könnte und er diese Art der Besprechung nicht als Arbeit ansehen könnte. Leider ist das so, da vielen Chefs (und natürlich auch anderen Menschen) einfache Zusammenhänge über unser Gehirn nicht bekannt sind. Besonders in Asien wird von Führungskräften das körperlich anwesend sein noch stärker gefordert als in Deutschland. Daher staunten während des Workshops letzte Woche die Abteilungsleiter meines Kunden hier in Hong Kong nicht schlecht als der CEO persönlich die Besprechung im Gehen eingeführt hat (er hatte diese vor einiger Zeit während eines Trainings in Taiwan bei mir gelernt). Das ist natürlich nachhaltiger, als wenn der Trainer aus Deutschland das macht.



Lernspaziergänge
Nicht nur in Gruppen funktioniert das, sondern auch alleine. Wenn ich mich auf Prüfungen vorbereite, nutze ich sogenannte Lernspaziergänge. Meist nehme ich dazu lediglich meine Mind Map Exzerpte und gehe dann einige Stunden spazieren. Während dieses Spaziergangs wiederhole ich dann den Prüfungsstoff. Ich kann nur empfehlen, dies vor der nächsten Prüfung einmal auszuprobieren. Vielleicht hätten Sie nie gedacht, dass Lernen so viel Spaß machen kann.

Symposion Lernen lernen: Prof. Bauer – Motivation durch Beziehung

Freitag, 2. Mai 2008

Folgende Artikel zum Symposion sind bereits erschienen:
Teil 1: Prof. Martin Korte - Wie lernt der Mensch?
Teil 2: Interview mit Dr. Andreas Gößling


Das Wichtigste in Kürze:

  • Motivation ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Erfolg des Schulsystems
  • Motivation führt zu höherer Leistung und ermöglicht kreatives Denken
  • Beziehungen sind eine notwendige Bedingung für Motivation
  • Der Mensch verfügt über Spiegelneurone, die bei abhängig von den Handlungen anderer aktiviert werden



Das Wissenschaft motivieren kann, zeigte der Vortag von Prof. Joachim Bauer, der nach seinem Vortrag von Wolfgang Endres den Spitznamen Prof. Aufbauer verliehen bekam.
Grundgedanke des Vortrags war, dass die Leistungsbereitschaft und der Lernerfolg eines jeden Menschen neben anderen Faktoren besonders von seiner Motivation abhängt. Ist Motivation vorhanden, kommt es im Gehirn zur Ausschüttung einiger wichtiger Botenstoffe, wie Dopamin und körpereigener Opioide, die für Freude und Wohlbefinden sorgen.
Stimuliert werden kann das Motivationssystem durch Musik, durch Bewegung (wer sich für neurobiologische Hintergründe interessiert, dem empfehle ich Brainule #1 von John Medina) und Beziehungen.

Beziehungen als Ziel jedes Handelns
Positive Beziehungen zu anderen Menschen sind einerseits Grundvoraussetzung für Motivation. Sind diese nicht vorhanden, führt dies zu dauerhaften Stressreaktionen und damit zu Angstzuständen und Aggression.
Gleichzeitig sind Beziehungen immer auch mit Ziel unserer Handlungen. Wir alle benötigen Zuwendung (z.B. durch Gespräche oder auch nur Blickkontakt), Anerkennung und Bestätigung durch andere Menschen.

Spiegelneurone und das Potenzial positiver Ansteckung
Seit einigen Jahren weiß man von so genannten Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Diese werden durch Handlungen anderer aktiviert und ermöglichen Empathie (Verständnis für das Innenleben anderer Menschen) sowie Modellernen, indem wir den Handlungen und Bewegungen anderer zusehen, um dann eigene Verhaltensweisen zu formen.
Durch Spiegelneurone kann gut erklärt werden, warum jeder durch sein Verhalten und sein Auftreten andere anstecken kann, im positiven wie im negativen Sinne. Sichtbar wird eine solche Ansteckung z.B. beim Gähnen. Ich musste einmal einen Vortrag aushalten, indem sich der Redner 90 Minuten ununterbrochen geräuspert hat. Man konnte ich richtig sehen, wie sich bei den Zuhörern ein Unwohlsein und Kratzen im Hals entwickelte.

Nicht nur auf den Inhalt kommt es an
Durch diese Ansteckungsmöglichkeit ergeben sich vielfältige Chancen, wie Trainer, Lehrer aber selbstverständlich auch Führungskräfte in Unternehmen Ihre Schüler, Kursteilnehmer oder Mitarbeiter positiv beeinflussen können und somit deren Motivation steigern können. Allein durch entsprechendes positives Auftreten, Beachtung und Aufmerksamkeit für jeden einzelnen ist hier viel möglich. Durch wohl gemeinte (konstruktive) Rückmeldung zur individuellen Leistung erhalten Schüler und Seminarteilnehmer wichtige Hinweise zur Verbesserung. Im Gegenzug sollte es selbstverständlich sein, dass jeder Schüler, jeder Seminarteilnehmer oder Mitarbeiter absoluten Schutz vor Beschämung und Vorführen vor dem Rest der Gruppe hat. Hier reicht eine Beschämung, um einem Menschen für den Rest seines Lebens negativ zu prägen. Mit Grauen, aber gleichzeitig so, als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an eine Musikstunde in der vierten Klasse, in der ich gezwungen wurde alleine vor der gesamten Klasse zu singen.
Solche grundlegenden Verhaltensweisen von Lehrern, Trainern und Führungskräfte sind genauso wichtig wie interessante und gut strukturierte Inhalte oder Fachkompetenz.

Symposion Lernen lernen: Prof. Martin Korte – Wie lernt der Mensch?

Dienstag, 15. April 2008

Teil 1 der Artikelserie zum Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen vom 11. bis 13 April 2008.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einflussfaktoren des Lernens:

    • Aufmerksamkeit/ Konzentration
    • Motivation
    • Gefühle (positive und negative)

  • Das Gehirn kalkuliert im Voraus die Erfolgswahrscheinlichkeit des Lernprozesses.
  • Intrinsische Motivation kann durch künstlich erzeugte extrinsische Motivation gesenkt werden und damit den Lernerfolg mindern.




Wie angekündigt möchte ich einige der Vorträge des Symposions hier auf dem Blog zusammenfassen und vorstellen.
Den Einstieg beim 10. Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen machte Prof. Dr. Martin Korte mit seinem Vortrag Wie lernt der Mensch? Konzentration und Motivation im Kontext der neurobiologischen Lernforschung. Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und forscht über die Grundlagen von Lern- und Gedächtnisvorgängen.

Was beeinflusst lernen?
Neben den grundlegenden Voraussetzungen von genügend Sauerstoff, Energie, Bewegung und Flüssigkeit sind es vor allem drei Dinge: Aufmerksamkeit/ Konzentration, Motivation und damit verbundene Gefühle. Ähnlich hat es auch Prof. Wahl bei einem Vortrag in 2006 beschrieben, von dem ich ebenfalls berichtet habe.

Aufmerksamkeit – ein gehirninterner Kampf um Ressourcen
Ob man einer Sache folgen kann hängt davon ab, ob diese so interessant ist, dass das Gehirn ausreichend Ressourcen zuweist, um uns damit weiter zu beschäftigen. Bei all den auf uns eintreffenden Reizen findet ein ständiger Verteilungskampf um die kostbare Ressource Aufmerksamkeit statt. Je klarer eine Aufgabe formuliert ist und je mehr Strukturen zu einem Thema bereits in unserem Gehirn angelegt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas lenken können. Grundsätzlich selektieren wir ständig, es ist sogar Aufgabe unseres Denkens andauernd bewusst und unbewusst zu selektieren. Dies kann dazu führen, das wir bei der Konzentration auf eine Sache, die uns stark in Anspruch nimmt, andere Faktoren völlig ausblenden. Um das zu verdeutlichen zeigte Prof. Korte die bekannten Gorillaversuch von Daniel Simons.

Motivation: Bitte herausfordernd, aber auch erreichbar
Ob jemand motiviert ist oder nicht, hängt auch davon wie herausfordernd eine Aufgabe ist. Sowohl Überforderung als auch Unterforderung sind dabei zu vermeiden. Bei Überforderung entsteht ein Gefühl von Ohnmacht, was zu einer Stressreaktion führt. In diesem Zustand können wir lediglich gut verankerte Routinen ausführen, allerdings nichts dazu lernen. Außerdem besteht die Gefahr, dass wir einen Lerninhalt zusammen mit negativen Emotionen abspeichern, was dazu führt, dass wir in Zukunft versuchen, diese Themen zu meiden. Jeder der in der Schule schon mal gezwungen wurde vor der ganzen Klasse vorzusingen, weiß wovon ich spreche.
Wenn ein herausforderndes Ziel (überraschend) erreicht wird, dann reagiert das Gehirn mit der Ausschüttung von Dopamin, einem Glückshormon. Davon können wir nie genug bekommen und deshalb schaffen wir damit beste Voraussetzungen noch mehr lernen zu wollen, um wieder eine kleine Dopamindusche zu erhalten.

Der Hippocampus – der Dirigent des Gedächtnisses
Bei der Frage, ob wir Lerninhalte speichern können, spielt der Hippocampus eine entscheidende Rolle. Besonders nachts wiederholt und verarbeitet dieser die am Tag erhaltenen Eindrücke. Je mehr bestehende Assoziationen oder Ankerpunkte zu einem Thema bereits vorhanden sind, desto besser können wir daran anknüpfen und desto eher geht das Gehirn von einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit beim Lernen aus. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass unser Oberstübchen besonders im Schlaf aktiv ist, da es die Tageseindrücke verarbeitet. Deshalb ist ausreichend Schlaf sehr wichtig. Man konnte sogar zeigen, dass ungenügender Schlaf oder Unterbrechungen des Schlafes uns daran hindern, uns Dinge zu merken.

Tipps für Lerner
  • Der Lernende sollte versuchen, vor allem Zusammenhänge und Muster zu verstehen. Durch das Verständnis der zugrunde liegenden Muster können viele Dinge erschlossen werden.
  • Lerninhalte sollten möglichst ausprobiert werden, um unserem Gehirn verschiedene Lernkontexte zu bieten.


Hinweise für Lehrer
  • Die individuellen Vorerfahrungen des Lernenden sollten ermittelt/ verstanden werden. Nur wenn der Einzelne Informationen mit seinen Vorerfahrungen sinnvoll verknüpfen kann, kann er neue Inhalte lernen.
  • Metaphern helfen, neue Inhalte schneller zu verankern, da sie Anknüpfungspunkte zu bestehendem Wissen liefern.
  • Ist ein Lernender erkennbar intrinsisch motiviert, sollte man vermeiden, diesem zusätzlich noch externe Anreize zu geben, da sonst die ursprünglich intrinische Motivation zerstört werden könnte.

Nach dem Symposion Lernen lernen

Montag, 14. April 2008


Es waren drei sehr schöne und interessante Tage in Bad Wörishofen. Wolfgang Endres und sein Team haben ein abwechslungsreiches Symposion mit interessanten Rednern und Referenten rund um das Thema Lernen organisiert. Die Vorträge, die ich besucht habe, werde ich in den nächsten Tagen häppchenweise vorstellen. Es ist viel Stoff für eine Reihe von Artikeln entstanden. Besonders schön war die motivierende Atmosphäre, der Tatendrang der Teilnehmer und die interessanten Gespräche und Interviews am Rande der Veranstaltung.

Sehr viel Spaß gemacht haben mir meine beiden Mind Mapping Workshops mit engagierten und hoch motivierten Teilnehmern und den interessanten Gesprächen im kleinen Kreis nach den Workshops. Ich bin sehr gespannt, in der Zukunft von Ihnen zu hören und über Ihre Projekte auf dem Laufenden gehalten zu werden.
Der Schnappschuss ist während meines Workshops am Samstag Nachmittag entstanden.

Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen

Donnerstag, 10. April 2008


Von morgen bis Sonntag findet in Bad Wörishofen das 10. Symposion Lernen lernen statt. Zielgruppe sind Lehrerinnen und Lehrer, die sich über neue Lern- und Lehrmethoden informieren möchten und sich über ihre gegenseitigen Erfahrungen austauschen möchten.
Ich werde mit zwei Mind Mapping Workshops (am Samstag und Sonntag) mit von der Partie sein. Ich bin schon sehr gespannt auf die vielen interessanten Vorträge und werde, ähnlich wie 2006 bei meinem Besuch des Methodenkongress (Beitrag 1, Beitrag 2, Beitrag 3), hier auf dem Blog berichten.

Ich freue mich, den einen oder anderen von Ihnen persönlich auf dem Symposion kennen zu lernen! Symposion heißt ja in seiner ursprünglichen Wortbedeutung zusammen trinken, auch dazu wird es sicherlich Gelegenheit geben :-)