Fredmund Maliks Irrtümer der Innovation

Dienstag, 2. März 2010

In der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts (1.3.2010) ist ein ökonomischer Gastkommentar von Fredmund Malik erschienen: "Fünf Irrtümer stehen vielen Innovationen im Wege".

In diesem Kommentar legt der St. Gallener Professor fünf Irrtümer dar, denen zu viele Unternehmen aufsäßen und deshalb oft mit Innovationsprojekten scheiterten.

Diese Irrtümer sind:

  1. Innovation entsteht in Forschungslaborien und Entwicklungsabteilungen.
    Dies sei nicht so, im Gegenteil "Innovation hingegen muss kompromisslos vom Markt her definiert werden … Die Schlüsselfrage muss vielmehr lauten 'Was wäre zu tun, und was ist erforderlich, um diese Entwicklung, Erfindung oder Entdeckung erfolgreich in den Markt zu bringen?'"

  2. Kreativität sei wichtig
    Dahinter stecke die falsche Annahme, dass „es im Unternehmen einen Mangel an Ideen“ gebe. Das Problem sei nicht der Mangel an Ideen, sondern der Mangel an realisierten Ideen.

  3. Nur kleine Unternehmen seien innovativ.
    Laut Malik sind kleine Unternehmen zwar gute Sprinter, d.h. sie kommen schnell bis zur Prototyp-Phase, aber dann sieht es oft schlecht aus. Das liege daran, dass diese kleinen Unternehmen schlecht finanziert und schlecht geführt seien.

  4. Innovation habe vorzugsweise mit Hochtechnologien zu tun.
    Auch hier gebe es viele Möglichkeiten zu Innovation in nicht technischen Feldern.

  5. Zum Innovieren brauche man einen bestimmten Persönlichkeitstyp, "nämlich, den initiativen, kreativen, unternehmerischen und risikofreudigen Pionier."
    Das sei der größte Irrtum, denn die meisten Pioniere waren vor allem Menschen die ihr Handwerk beherrschten und sich durch systematische Arbeitsweise auszeichneten und genau das könne man von Ihnen lernen.
Der Kommentar legt sicherlich den Finger in die eine oder andere Wunde und enthält viele aus meiner Sicht richtige Argumente. Meine zweideutige Überschrift zeigt, dass ich diesen Irrtümern nicht völlig zustimmen kann.

Irrtum 1: Innovation entsteht in Forschungslaborien und Entwicklungsabteilungen


Herr Malik schreibt, dass Innovation kompromisslos vom Markt definiert werden muss. Wenn Innovation verstanden wird als das Einführen eines neuen und nützliches "Produktes" in einen Markt, dann kann Innovation per Definition nur vom Markt als solche definiert werden. Der Markt entscheidet, ob es sich um eine Innovation handelt oder nicht, da er die Nützlichkeit beurteilt.
Die große Frage aus meiner Sicht ist, ob Unternehmen bei der Schaffung von Innovation ausschließlich - oder kompromisslos wie Malik schreibt - aus der Sicht des Marktes heran gehen sollten. Das bekannte Zitat von Henry Ford zeigt, dass der Markt nicht unbedingt eine spätere Innovation erkennt oder auch nur fordert. Die meisten Marktteilnehmer bewegen sich mental im Paradigma des bisher bekannten.
Ich habe einige Innovationsworkshops moderiert, wo man sich von der anderen Seite her genähert hat und wo es sehr viel Sinn macht in Entwicklungsabteilungen einmal zu überlegen, wie etwas wirklich neues Aussehen könnte. Allerdings – und da hat Herr Malik völlig recht – muss dann möglichst schnell die Marktakzeptanz getestet werden und die Sicht des Marktes eingebunden werden. Daher ist die Folgefrage richtig, sich dann zu fragen, wie eine Entwicklung erfolgreich in den Markt gebracht werden kann.

Irrtum 2: Kreativität ist für Innovation nicht wichtig


Hier sitzt Herr Malik einem Irrtum über Kreativität auf, dem leider viele aufsitzen. Kreativität wird in seinem Kommentar reduziert auf das Generieren von Ideen.
Diese Sicht ist zwar verbreitet, aber greift viel zu kurz und entspricht nicht dem, was die Kreativitätsforschung in den letzten 50 Jahren hervorgebracht hat. Kreativität ist die Fertigkeit ein neues und nützliches materielles oder immaterielles Ergebnis hervorzubringen. Kreativität ist nicht beschränkt auf das divergierende Denken, d.h. dem Entwickeln von Optionen.
Kreativität ist unter anderem auch ein Prozess der beginnt mit der Definition einer sinnvollen Ausgangsfrage und der diese Frage beantwortet, in dem ein neues und nützliches Ergebnis geschaffen wird. Dazu habe ich bereits dutzende von Artikel hier veröffentlicht. Die Entwicklung von Ideen ist nur ein Element, das divergierende Denken ein Aspekt davon. Genauso wichtig ist die andere Seite, nämlich das Auswählen und weiter entwickeln dieser Ideen hinzu belastbaren Lösungen. Hier genau krankt es aus meiner Erfahrung in vielen Unternehmen. Diese bleiben im Stadium der Ideen stehen, wobei Idee definiert wird als ein möglicher Ansatz ein Problem zu lösen. Und genau deshalb sind die von Malik abgelehnten Kreativitätstrainings und Kreativitätstechniken so wichtig, weil es hier darum geht von einer Idee zur einer realisierbaren Lösung zu kommen. Hier wiederum stimme ich völlig zu. Günter Faltin hat es in seinem Buch Kopf schlägt Kapital schön beschrieben. Das Ideenkind muss weiter entwickelt werden und nicht lediglich als gegeben hingenommen werden.

Irrtum 3: Nur kleine Unternehmen sind innovativ


Ich stimme zu, dass dem nicht so sein muss. Dennoch gehen viele große Unternehmen genau den Weg, für Innovationsprojekte Ausgründungen zu schaffen, die sich vorbei an den großen und komplexen Organisationsstrukturen schneller bewegen können. Es ist durchaus so, dass große und gewachsene Strukturen Innovation nicht unbedingt förderlich sind. Nach Malik seien kleine Unternehmen außerdem oft nicht ausreichend finanziert. Wenn wir uns im Hochtechnologie-Paradigma befinden, das Malik selbst als Irrtum Nr. 4 bezeichnet, dann ist dieses Argument sicher richtig. Um nochmal auf Faltins Buch Kopf schlägt Kapital zurück zu kommen. Innovation außerhalb des Hochtechnologiefeldes braucht oft erstaunlich wenig Kapital, wenn man genug Zeit in die Entwicklung der Ideen steckt. Hier wiederum braucht es die Kreativität.

Irrtum 4: Innovation hat vorzugsweise mit Hochtechnologien zu tun


Ich stimme völlig zu, das dem nicht so ist. Innovation ist lediglich die Einführung eines neuen und nützlichen Ergebnisses in den Markt und das ist nicht auf Hochtechnologie beschränkt.

Irrtum 5: Innovation braucht einen bestimmten Persönlichkeitstyp


Laut Malik muss dieser nicht unbedingt initiativ, kreativ und unternehmerisch sein, sondern vor allem sein Handwerk beherrschen und systematisch sein.
Die meisten Innovation sind keine Einzelleistungen sondern Teamleistungen! Hier zeigt die Forschung sehr klar (vgl. Min Basasur, Gerard Puccio), dass für die kreative Lösung eines Problems unterschiedliche Präferenzen braucht. Dazu gehört sehr wohl und ausdrücklich der initiative, entwickelnde und unternehmerische Geist. Dieser alleine wird aber womöglich in der Phase der Erstideen stecken bleiben. Deshalb braucht es genauso einen optimierenden, weiter entwickelnden Typus und am schließlich einen umsetzenden und organisatorisch starken Typus. Diese Kombination macht es.
In meinen Innovationsworkshops zeigt sich immer wieder, dass der systematische Fachkenner zwar notwendig aber definitiv nicht hinreichend ist.

Methoden der Produktentwicklung – SCAMPER

Sonntag, 21. Februar 2010

Eine weitere Kreativitätstechnik, die ich gerne in einem Innovationsworkshop mit dem Schwerpunkt auf Produktentwicklung einsetze, ist SCAMPER.



SCAMPER ist ein Akronym und steht für die folgenden Begriffe:


  • Substitute (ersetzen)
  • Combine (kombinieren)
  • Adapt (anpassen/angleichen)
  • Modify (modifizieren)
  • Put to other uses (anders einsetzen)
  • Eliminate (weglassen)
  • Rearrange (neu anordnen)

SCAMPER ist eine Weiterentwicklung und Kategorisierung der Osborn Checkliste. Alex Osborn, der "Erfinder" des Brainstormings entwickelte zusammen mit Sidney Parnes die erste Version des Creative Problem Solving Prozesses. Zur Ideenfindung verwendete er neben Brainstorming eine Liste von Fragen, die Denkanstöße bei der Lösung des Problems geben sollte.

Diese Frageliste wurde später weiter entwickelt und kategorisiert, um die Anwendung der Technik zu verbessern. Zur leichteren Merkbarkeit entstand das Akronym SCAMPER. SCAMPER gehört somit zur Familie der Checklistentechniken.

Besonders hilfreich in der Produktentwicklung


Besonders hilfreich ist SCAMPER, wenn es auf eine bestehende Vorlage, das heißt ein bereits existierendes Produkt oder Dienstleistung angewandt wird anhand derer die Fragen einmal durchgespielt werden. Denn dann machen diese Fragen Sinn. Wenn Sie also überlegen, wir die Stabilität des Bauteils XY verbessern, können diese Fragen hilfreich sein.

Die unten stehenden Folien aus meinem Kreativitätstraining zeigen am Beispiel der Supermarktkasse, wie SCAMPER zum Einsatz kommen kann.



SCAMPER detailliert


Die Erfahrung zeigt, dass die reinen Überschriften vielen Menschen zu abstrakt sind, um darauf Ideen zu generieren, deshalb arbeite ich gerne mit detaillierten Unterfragen, die ich abhängig von der konkreten Problemstellung einsetze:

Ersetzen

  • Was kann man ersetzen?
  • Was kann man statt dessen nutzen?
  • Wer kann statt dessen eingebunden werden?
  • Welchen Prozess könnte man statt dessen nutzen?
  • Welches andere Material könnte man statt dessen nutzen?

Kombinieren

  • Was kann kombiniert werden?
  • Was kann man vermischen?
  • Wie könnte man bestimmte Teile verbinden?
  • Welche Zwecke könnte man kombinieren?

Anpassen/ Angleichen

  • Welche anderen Ideen suggeriert das?
  • Gibt es etwas, das ähnlich ist, dass man auf das bestehende Problem anwenden kann?
  • Gibt es aus der Vergangenheit ähnliche Situationen?

Modifizieren

  • Welche Veränderung könnte man einführen?
  • Kann man die Bedeutung verändern?
  • Wie könnten man Farbe oder Form verändern?
  • Was kann man vermehren?
  • Was kann man verringern?
  • Was könnte man modernisieren?
  • Kann man es vergrößern?
  • Kann man es verkleinern?

Anders einsetzen

  • Wofür könnte es im jetzigen Zustand noch eingesetzt werden?
  • Wofür könnte man es einsetzen, wenn man es verändert?

Weglassen

  • Was könnte man weglassen?
  • Ohne was würde es auch funktionieren?

Neu anordnen

  • Welche anderen Muster würden auch funktionieren?
  • Welche Veränderungen könnte man einführen?
  • Was könnte man austauschen?
  • Was könnte man neu anordnen?

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, zuerst ein Beispiel zu sehen und dann die detaillierten Fragen kurz durchzugehen. Allerdings ist habe ich auch bemerkt, dass SCAMPER für viele wesentlich anstrengender ist als andere Kreativitätstechniken und die Anzahl der Ideen bei SCAMPER geringer ausfällt.

Methoden der Produktentwicklung – Fluchtmethode

Samstag, 13. Februar 2010

Der creaffective Innovationsworkshop hat in den letzten Monaten oft den Schwerpunkt auf der Produktentwicklung. Ein bestehendes Produkt oder eine Dienstleistung soll verbessert werden oder es müssen völlig neue Ideen entwickelt werden, wie das Produkt oder die Dienstleistung in Zukunft aussehen könnte.
Nachdem die genaue Ausgangsfrage definiert wurde, arbeiten wir in einem Innovationsworkshop mit verschiedenen Kreativitätstechniken um neue Ansätze zu entwickeln.

Gegebenes in Frage stellen


Eine Kreativitätstechnik, die sich besonders dafür eignet, radikale Innovation hervorzubringen ist die von Edward de Bono vorgestellte Fluchtmethode. Es handelt sich dabei um eine Technik des lateralen Denkens mit dem Ziel einen bewussten Spurwechsel im Denken zu vollziehen. Genau das ist ja oft besonders schwer, da wir mit der Zeit automatisch ablaufende Muster in unserem anlegen, die wir nur wenig hinterfragen.

De Bono Fluchtmethode hilft Annahmen auf systematische Weise in Frage zu stellen und eignet sich besonders für die Produktentwicklung und die Entwicklung neuer Dienstleistungen, da es hier eine "Vorlage" - ein bestehendes Produkt – gibt, an dem man sich orientieren kann.

Das Vorgehen ist dabei ganz einfach:
  1. Wir betrachten ein gegebenes Produkt, z.B. ein Telefon
  2. Nun werden Grundcharakteristika gelistet, die wir beim vorliegenden Produkt als gegeben hinnehmen. z.B. ein Telefon hat eine Tastatur oder ein Telefon muss man ans Ohr halten
  3. Von jeder Grundannahme wird das Gegenteil gebildet.
    Um am Beispiel zu bleiben:
    Ein Telefon ohne Tastatur
    Ein Telefon, dass man nicht ans Ohr halten muss
  4. Aus dem Gegenteil werden konkrete Ideen abgeleitet. Zum Beispiel
    Ein Telefon mit einem multifunktionalen Bildschirm (ich weiß, gibt es schon)
    Ein Telefon, das ausschließlich über Kopfhörer funktioniert.


Die Abbildung zeigt das Beispiel eines Restaurantkonzepts mit der Fluchtmethode.


Die Flucht im Alltag


Die Fluchtmethode ist auch interessant, um einmal bewusst Elemente aus seinem Alltag zu hinterfragen. Sie können sich einen beliebigen Aspekt nehmen und mit der Fluchtmethode nach neuen Ideen suchen. Ein Beispiel könnte die tägliche Fahrt zur Arbeit sein. Was nehmen Sie als gegeben hin?

Wege zum glücklicheren Leben

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist ja bekanntlich eine Zeit, in der wir alle hoffentlich ein wenig zur Ruhe kommen und etwas Abstand und Perspektive zum geschäftigen Alltag finden. Es ist auch die Zeit, in der viele Menschen das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen und Ziele für das kommende Jahr festlegen. Vielleicht machen auch Sie sich in diesen Tagen Gedanken, was wirklich wichtig ist in Ihrem Leben, welche Dinge Sie noch erreichen oder tun möchten. Egal, wie die persönlichen Ziele von jedem einzelnen aussehen, eines haben wir laut der positiven Psychologie alle gemeinsam: Wir wollen ein glückliches und zufriedenes Leben führen.

Wie ich aus dem phantastischen Buch happier von Tal Ben-Shahar gelernt habe, ist Glück nicht absolut zu sehen (ich bin glücklich oder unglücklich), sondern ist ein relativer Zustand, der sich immer steigern lässt. Ich kann glücklicher sein (daher der Titel des Buches) als ich es vor einem Jahr war.
Was Glück ist, wird jeder anders beantworten; ich möchte Ihnen ein Denkwerkzeug / eine Kreativitätstechnik vorstellen, die Ihnen helfen kann, auf systematische und kreative Weise der Frage näher zukommen, was die Kernfragen für Ihr glücklicheres Leben sind.

Mit einer Kreativitätstechnik Schlüsselfragen für das glückliche Leben identifizieren


Ich behaupte, dass ich von jedem Problem zum sogenannten "glücklichen Leben Dilemma" komme. Picken Sie sich irgendein beliebiges persönliches Problem / eine Herausforderung heraus und fragen Sie ein paar Mal "Wozu / warum möchte ich dieses Problem lösen?" nach einigen Wozu / warum-Fragen wird die Antwort lauten: "Weil ich ein glückliches Leben führen möchte."

Beispiel: Englischkenntnisse verbessern
Nehmen wir an, Sie möchten Ihre Englischkenntnisse verbessern: "Wie könnte (WK) ich meine Englischkenntnisse verbessern?" Nun frage ich Sie: "Wozu möchten Sie Ihre Englischkenntnisse verbessern?" Eine Antwort könnte nun lauten: "Weil ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern möchte." Als Problemfrage formuliert lautet das dann: "Wie könnte (WK) ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern?"
Diese Frage ist bereits etwas abstrakter oder breiter als die Frage nach den Verbesserungsmöglichkeiten für die Englischkenntnisse und könnte neben dem besseren Englisch noch andere Punkte enthalten. Wenn ich nun noch einmal paar Mal "Wozu/ Warum...?" frage, wird die Antwort irgendwann lauten "Weil ich ein glückliches Leben führen möchte". Ein durchexerziertes Beispiel(!) zeigt Bild 1. Es zeigt eine Art Leiter der Abstraktion vom spezifischen Problem zu einer immer breiteren und abstrakteren Problemformulierung. Die Frage nach den Englischkenntnissen ist also ein Baustein zu einem glücklicheren Leben in diesem Beispiel. Die Frage ist nur, ob die Beantwortung der Englisch-Frage zu Ihren Prioritäten zählen sollte, oder ob es nicht andere Fragen gibt, die wesentlich wichtiger sind.
Das wollen wir im nun herausfinden.

Im creaffective Kreativitätstraining rate ich den Teilnehmern davon ab, Problemfragen auf solch abstraktem Niveau, wie der Frage nach dem glücklichen Leben, zu wählen. Meist ist das zu breit. Ab und zu, zum Beispiel in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, kann es sehr sinnvoll sein, mit dieser grundlegensten aller Fragen zu beginnen. Das Entwickeln von Lösungsideen wird aber wohl trotzdem auf einem konkreteren Level statt finden müssen.

Prinzipien der Kreativität einsetzen


Eine sehr hilfreiche Kreativitätstechnik zur Klärung und Definition von Problemfragen ist die Technik des Challenge Mapping (dazu habe ich bereits einige Artikel geschrieben). Diese Kreativitätstechnik arbeitet damit, (1) ausgehend von einer Frage diese breiter zu formulieren, durch die Frage "Wozu / warum willst du ...?" und (2) ein Problem enger zu fassen, durch die Frage "Was hält dich davon ab ...?"
Diese beiden Fragen kann ich zu jedem beliebigen Problem mehrmals stellen und so eine Art Netz des Problemrahmens entwickeln (konkreter nach unten und abstrakter nach oben). Bild 2 zeigt mein persönliches Netz (Details unlesbar) zur Frage des glücklichen Lebens.

So geht es:
  1. 1. Beginnen Sie mit der Frage: "WK ich ein glücklicheres Leben führen?" und fragen Sie nun "Was hält mich davon ab?"
  2. Formulieren Sie eine Antwort z.B. "Ich habe zu wenig Zeit für meine Familie."
  3. Formulieren Sie diese Antwort nun wieder als "Wie könnte...?"-Frage also im Beispiel "WK ich mehr Zeit für meine Familie haben?"
  4. Stellen zu jeder Frage mehrmals die "Was hält mich davon ab...?"-Frage und entwickeln Sie das Netz somit nach unten und die Breite, indem Sie die Schritte 2. und 3. wiederholen.




In der Anwendung in einem Innovationsworkshop oder einem Strategieworkshop ist die Technik noch etwas komplizierter und aufwändiger, da wir durch Rückfragen immer wieder prüfen müssen, ob die Logik des Netzes stimmig ist.
So entsteht ein breites Netz an Problemformulierungen, die alle mit Ihrem Oberthema des glücklichen Lebens zusammen hängen.
Getreu den Prinzipien der Kreativität sollten Sie das Netz erst einmal entwickeln und dann entscheiden, welche Schlüsselfragen Sie mit Priorität beantworten müssen, um Ihrem Oberziel des glücklichen Lebens näher zu kommen (In Bild 2 sind diese gelb markiert). Ich erlebe es in meinem moderierten Workshops fast immer, dass sich durch diese Technik der Problemfokus verschiebt und sich anders gelagerte Kernfragen herauskristallisieren. Der große Mehrwert der Kreativitätstechnik des Challenge Mapping liegt darin, dass sie hilft, bewusst zu entscheiden, auf welche konkrete Frage ich meine Energie konzentrieren sollte und damit vermeide viel Zeit und Energie mit der Lösung eines Problems zu verbringen, dass eigentlich unwichtig oder Zeitverschwendung ist.

Für mich persönlich lautet eine dieser Schlüsselfragen "WK ich mehr Arbeit abgeben?". Eine Antwort ist, dass ich im kommenden Jahr viele Aufgaben an Assistenten abgeben werde. Die Lösung dieses Problems beeinflusst nach meiner Auffassung eine Reihe von abstrakteren Fragestellungen meines Challenge Maps, die über 5 Ebenen zum glücklicheren Leben führen. Wichtig bei diesem Vorgehen ist wieder, dass ich mir im Sinne eines kreativen Problemlöseprozesses erst Antworten überlege, wenn ich mir sicher bin, die richtige Frage formuliert zu haben.