Wir von creaffective haben uns der Vision verschrieben, Kreativität real und konkret für die Geschäftswelt zu machen. Dies weil wir eine große Leidenschaft für systematische Kreativität haben und weil wir fest davon überzeugt sind, dass sich Kreativität trainieren und verbessern lässt. Wir glauben auch, dass Unternehmen die Kreativität ernst nehmen und systematisch daran arbeiten, Kreativität als Teil ihrer Unternehmenskultur zu verankern, mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreicher sein werden, als andere Unternehmen.
In der IBM global CEO Survey aus dem Jahr 2010 haben nun zum ersten Mal auch 1600 CEOs aus aller Welt Kreativität als die wichtigste Fähigkeit von Führungskräften für die kommenden fünf Jahre genannt. Der Wissenschaftler Dr. Mark Batey nennt Kreativität sogar die Schlüsselfähigkeit des 21. Jahrhunderts. In einem Video fasst er seine Forschungen zusammen. Da sie mir absolut aus der Seele sprechen und genau die Art wiederspiegeln mit der wir mit unseren Leistungen Firmen unterstützten möchte ich es hier vorstellen und die wichtigsten Punkte herausgreifen.
Zentrale Aussagen von Batey:
Kreativität ermöglicht das bessere Lösen von Problemen und das Nutzen von Chancen für das Unternehmen.
Kreativität ist vor allem eine Frage des mindsets und hängt zusammen mit Offenheit und mentalen Flexibilität von Individuen.
Das Verhalten und das Wissen um Kreativität von CEOs und Führungskräften spielen eine Schlüsselrolle für das Entstehen von Kreativität im ganzen Unternehmen.
Wenn es Firmen mit Kreativität ernst meinen, muss die Umsetzung unternehmensweit angegangen werden und kann sich nicht auf vereinzelte Kreativitätstrainings beschränken. Jedoch können Kreativitätstrainings ein Baustein sein.
Begonnen werden muss mit Individuen und zuallererst den Führungskräften. Die Umsetzung ist zu Beginn ein Top-Down Prozess.
Auf dem Teamlevel geht es darum eine Kultur zu schaffen, in der wohl-intendierte Fehler und das Eingehen von Risiken in begrenztem Maße möglich sind.
Das Mindset von kreativen Menschen trainieren: creaffective Onlinekurs
Wer anfangen möchte, ein Mindset von kreativen Menschen zu entwickeln oder weiter zu entwickeln, der ist beim nächsten Woche (19.9.) startenden creaffective Onlinekurs systematisch kreatives Denken genau richtig. Kurzentschlossene können sich in den nächsten Tagen noch anmelden.
Hinweis: Dieser Artikel ist vor einigen Monaten im creaffective Newsletter erschienen.
Um erfolgreich Neues zu schaffen, braucht es zuerst einmal Ideen, wie das Neue aussehen könnte. Bevor Ideen umgesetzt werden können, müssen aus vielen möglichen Ideen die vielversprechendsten identifiziert werden. Es nützt nichts, wenn wir zwar viele interessante Ideen entwickelt haben, diese dann jedoch nicht auswählen. In diesem Artikel möchte ich einige Tipps vorstellen, wie die Auswahl gelingen kann.
Ideen mit einfachen Kriterien vorauswählen
Ein wichtiges von uns angewandtes Prinzip ist es bei der Entwicklung von Ideen nach Quantität zu streben. Je mehr Ideen, desto besser. So wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, gute Ideen zu finden. In von uns moderierten Innovationsworkshops können nach 30 Minuten dann schnell einmal 100 – 150 Ideen im Raum stehen. Es ist meist nicht praktikabel, jede dieser Ideen mit einer detaillierten Kriterienliste zu betrachten. Stattdessen, bedarf es einer Vorgehensweise, die es erlaubt, in überschaubarer Zeit eine Vorauswahl von Ideen zu treffen.
Eine Methode, die zum Beispiel zum Einsatz kommen kann ist die COCD-Box-Technik, die Ideen in diesem Stadium nach den Kriterien Einfachheit der Umsetzbarkeit und Originalität beurteilt. Es sind natürlich auch andere Kriterien möglich. Wichtig ist, diesen ersten Schritt der Ideenauswahl noch möglichst einfach zu halten, um den Aufwand überschaubar zu machen.
Aus einer Liste von 120 Ideen bleiben sollten nach einer ersten Vorauswahl nicht mehr als 15 – 20% zur weiteren Betrachtung ausgewählt werden.
Nach Kombinationsmöglichkeiten von Ideen suchen
Manchmal mag eine Idee alleine noch nicht zum gewünschten Ziel führen oder besonders vielversprechend aussehen. Möglicherweise sieht das jedoch ganz anders aus, wenn sie mit anderen Ideen kombiniert wird. Achten Sie daher bei der Ideenauswahl auch auf Möglichkeiten, mehrere Ideen zu einem größeren Ganzen zusammen zu fügen.
Kriterien für eine ausführliche Bewertung definieren (allgemein, oder per Thema)
Zu einem späteren Zeitpunkt wird es womöglich nicht mehr ausreichen, Ideen einfach nach Bauchgefühl zu wählen. Besonders deshalb nicht, weil Erfahrung und Bauchgefühl besonders bei der Entwicklung von Neuem schnell in die Irre führen können, weil das Neue per Definition nur begrenzt mit dem bisher bekannten (Erfahrungen) anschlussfähig ist. Daher sollten weitere Kriterien definiert werden, um Ideen fundierter auszuwählen. Wie diese aussehen hängt von der jeweiligen Fragestellung ab.
Bei Innovationsprojekten ist zu beachten, dass bei Fragestellungen für wirklich neue und langfristige Themen nicht die gleichen Kriterien angelegt werden können, wie bei Projekten der inkrementellen Verbesserung. Sonst führt die schnell dazu, dass keine der Ideen den Bewertungsprozess überlebt und dies nicht deshalb, weil die Ideen nicht gut genug wären, sondern weil der Entwicklungsstand und das Wissen noch nicht ausreichen, um diese entsprechend zu beurteilen.
Eindeutige Kriterien definieren
Damit eine detailliertere Bewertung von Ideen auch wirklich funktioniert, sollten die Kriterien eindeutig und genau definiert werden. Sobald ein Kriterium Interpretationen zulässt, werden verschiedene Menschen verschiedene Auslegungen eines Kriteriums zu Bewertung anlegen. Lautet ein Kriterium zum Beispiel „Wird die Idee unsere Qualitätsanforderungen erfüllen?“, dann sollte genauer definiert werden, was hiermit gemeint ist.
Auch eine mögliche Bewertungsskala (zum Beispiel Zahlenwerte von 1 – 3) sollten vor der Bewertung genau definiert werden. So sollte festgelegt und ausformuliert werden unter welchen Umständen eine 1, eine 2 oder eine 3 vergeben wird. Zum Beispiel „3 bedeutet: Wir können das Konzept mit den bestehenden Maschinen realisieren.“
An Schwachstellen von Ideen arbeiten bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird
Irgendwann muss es harte Entscheidungskriterium geben, die eine Lösung entweder erfüllt oder nicht erfüllt. Wir warnen jedoch davor, diese zu früh anzulegen. Stattdessen sollten Sie versuchen an Schwachstellen von Ideen zu arbeiten und diese zu verbessern. Eine erste detaillierte Bewertung von Ideen kann so aus Überblick über Stärken und Schwächen von Ideen dienen und Hinweise aufzeigen, an welchen Stellen weiter gearbeitet werden muss.
interaktiver Onlinekurs zum systematischen kreativen Denken
vom 19. September bis 31. Oktober 2011
3 Mal pro Woche: ein Kurzvideo mit Übung und Forumsdiskussion
Insgesamt 19 Videos
Sprache: Englische Videos, deutschsprachige Übungen und Diskussionen
Preis: 179 Euro inkl. MwsT.
Anmeldung per Mail an creaffective
In der IBM Global CEO Study aus dem Jahr 2010 haben die weltweit befragten Unternehmenslenker Kreativität als die wichtigste Fähigkeit von Führungskräften identifiziert.
Jeder Mensch hat das Potenzial kreativ zu sein und Kreativität systematisch zu betreiben. Trotz seiner Bedeutung wird kreatives Denken jedoch weder in unserem Schulsystem noch später in den meisten Unternehmen gefördert und trainiert, entgegen aller Beteuerungen der CEOs. Im Gegenteil, nach Sir Ken Robinson, werden uns unsere Fähigkeiten zum kreativen Denken systematisch aberzogen.
Was wir über Jahre aktiv verlernen, lässt sich auch wieder erlernen und ist in einer sich schnell verändernden Welt wichtiger denn je.
Wir von creaffective führen vor allem firmeninterne Kreativitätstrainings durch. Es erreichen uns jedoch immer wieder Mails von Menschen, die nach der Möglichkeit eines offenen Trainings suchen. Offene Trainings haben wir bisher aus Gründen des Aufwands solche Trainings zu befüllen fast nicht angeboten. Nun starten wir einen Piloten, der diese Lücke schließen kann: Den interaktiven creaffective Onlinekurs zum systematischen kreativen Denken.
Das Mindset von kreativen Denkern entwickeln
Kreativ zu denken und neue Möglichkeiten und Lösungen zu entwickeln ist vor allem eine Frage von in unserem Kopf ablaufenden Denkmustern und von uns selbst auferlegten Beschränkungen des Denkens.
Diese selbstauferlegten Beschränkungen zu durchbrechen und neue effektive Denkstrategien zu erlernen, darum wird es hauptsächlich in diesem interaktiven Onlinekurs gehen. Es geht uns darum ein Mindset von innovativen Denkern zu entwickeln mit Hilfe von:
kurzen inhaltlichen Inputs
Fragen zur Reflektion und konkreten Übungsaufgaben
Möglichkeiten der Diskussion und des Austausches in der Gruppe
Der Kurs ist ein interaktiver Onlinekurs bestehend aus Videos (in englischer Sprache) und Übungsfragen sowie Diskussionsforen zu jeder Lektion.
Vom 19. September bis zum 31. Oktober gibt es drei Mal pro Woche (Mo, Mi und Fr) ein Übungsvideo in englischer Sprache mit einer Dauer von 5 – 7 Minuten. Zu jedem Video gibt es eine Frage des Tages sowie eine Übungsaufgabe, um die Inhalte des Videos anzuwenden. Am Tag des Videos sowie am darauf folgenden Tag gibt es die Möglichkeit zu diskutieren, zu fragen und sich mit anderen Teilnehmern und dem Kursleiter auszutauschen.
Videos können auch nachträglich angesehen werden. Online Diskussionen und Fragen finden an den jeweiligen festen Tagen statt, um einen Anreiz zu setzen, die Videos und Übungen auch wirklich zu bearbeiten. Unten stehend das Einführungsvideo für den Kurs in voller Länge.
Die Videos wurden in Zusammenarbeit mit dem International Center for Studies in Creativity in den USA entwickelt. Mit diesem Piloten möchten wir von creaffective die Resonanz auf dem deutschen Markt testen. Ist diese positiv, so werden wir die Videos in Zukunft auch auf deutscher Sprache anbieten.
Unten stehend das Einführungsvideo des Kurses zum testen.
Anmeldung und Kosten
Für den Piloten bieten wir den Kurs zu einem reduzierten Preis von 179 Euro inklusive Mehrwertsteuer an.
Die Anmeldung läuft wie folgt:
Anmeldung per E-Mail
Interessierte melden sich bitte unter Angabe ihres Namens, ihrer E-Mail und ihrer Adresse per E-Mail an: rustler(at)creaffective(dot)de
Wir bestätigen die Anmeldung per Mail und schicken eine Rechnung per E-Mail an Sie
Sie überweisen den Kursbetrag an uns
Eine Woche vor Beginn des Kurses erhalten Sie Ihre Zugangsdaten für die Ning-Plattform über die der Kurs laufen wird.
Ich freue mich auf diesen Piloten! Vielleicht darf ich auch Sie bald als Teilnehmer dazu begrüßen?
Letzte Woche stand ich im Aufzug eines Hotels hier in Shanghai auf dem Weg von einem Innovationsworkshop zum Mittagessen, in der Hand wie immer mein kleines Notizbuch. Eine amerikanische Geschäftsfrau steigt zu, sieht das Notizbuch und fragt: "Auf dem Weg in eine Besprechung?". "Nein, auf dem Weg zum Mittagessen." Verwundert fragte sie mich dann, für was ich denn zum Essen mein Notizbuch mitnehme. Weil dort sicher viel gesagt wird, was es wert ist, dort eingetragen zu werden! Die Dame lachte.
Es ist nicht der erste Artikel, den ich zu diesem Thema schreibe (siehe Gewohnheiten kreativer Menschen), da die Bedeutung des Themas aus meiner Sicht allerdings sehr unterschätzt wird möchte ich es noch einmal aufgreifen. Viele Gesprächspartner bestätigen mir zwar, dass es sehr praktisch sei, so ein Büchlein immer bei sich zu haben, allerdings verlangt dies für die meisten eine Veränderung ihrer bisherigen Gewohnheiten und diese dauern meistens lange. Deswegen tragen nach wie vor nicht viele Leute ständig so ein Notizbuch mit sich herum.
Unerwartete Verknüpfungen ermöglichen
Verschiedene (Produktivitäts-)Methoden setzen ein Notizbuch als ständigen Begleiter voraus, wie zum Beispiel Getting Things Done des Amerikaners David Allen oder das Ideen-Marathon Vorgehen des Japaners Takeo Higuchi.
Die Vorteile, ein Notizbuch immer bei sich zu haben sind vielfältig:
Man vergisst keine Dinge mehr, die erledigt werden müssen
Man verliert keine guten Ideen mehr, die einem spontan einfallen
Man hat den Kopf frei für andere Dinge, z.B. für weitere Ideen
Man kann bei Bedarf wieder auf diese Informationen zurückgreifen
Das Notizbuch dient als Sammelbehälter für Gedanken und Ideen. Zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen die Inhalte vielleicht unerwartete Verbindungen, die zu neuen und interessanten Ideen führen.
Kollege Tim Hurson hat während einer TEDx Konferenz einen Vortrag zum Thema unerwartete Verknüpfungen und die daraus entstandenen Innovation gehalten.
Sofort festhalten und regelmäßig übertragen
Damit das Notizbuch gute Dienste leistet, ist es zentral, dieses wirklich immer und überall dabei zu haben. Es bringt nichts mit einer Mischung aus losen Zetteln und einem Notizbuch zu arbeiten, dass ich nur zufällig bei mir habe. Es bedarf eines zentralen Sammelcontainers (=Notizbuch) in das ich alle Aufgaben, Ideen etc., die mir zu einem beliebigen Zeitpunkt durch den Kopf gehen, eintrage.
Eine zweite Gewohnheit, damit das Notizbuch wirklich funktionieren kann, ist es die Dinge, sobald sie mir durch den Kopf gehen sofort dort einzutragen. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich es doch vergesse.
Aufgaben und Gedanken unstrukturiert in ein Notizbuch einzutragen ist allerdings nur die halbe Miete. Ganz nach Getting Things Done müssen die Inhalte des Buches regelmäßig in geordnete andere Systeme übertragen werden, wo ich diese jederzeit nach bestimmten Kriterien wieder finden und gegebenenfalls etwas damit tun kann. Regelmäßig heißt dabei zum Beispiel einmal pro Tag.
Bei mir persönlich sind dies im Moment drei unterschiedliche Systeme:
Remember the milk: In diese elektronische Aufgabenliste kommen all die Elemente aus meinem Notizbuch hinein, die ich möglichst bald erledigen muss.
Ideen-Marathon Liste: Hier kommen all die Ideen hinein, die ich in Zukunft vielleicht einmal umsetzen werde. Diese Ideen sehe ich einmal im Monat durch, um zu entscheiden, was damit passiert. Das Vorgehen habe ich in einem Artikel über den Ideen-Marathon beschrieben.
Seit einem Jahr dient mir Evernote als mein virtuelles Gedächtnis. Hier kommen alle Dinge hinein, die ich als Referenz aufbewahren möchte und auf dich ich zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf zugreifen möchte. Sehr praktisch bei Evernote ist für mich, dass ich jede Notiz mit unterschiedlichen Schlagworten versehen kann. Neben einer Volltextsuche lassen sich je nach Schlagwort unterschiedliche Themengebiete generieren.
Wichtig ist aus meiner Erfahrung ebenfalls, dass das Notizbuch aus heraustrennbaren Seiten besteht, so dass ich die Seiten deren Inhalte bereits in andere Systeme übertragen wurden heraustrennen kann und immer nur die aktuellsten Seiten sehe.
In seinem sehr lesenswerten Buch "How we decide" erklärt Jonah Lehrer wie wir Menschen Entscheidungen treffen und welche Prozesse dabei in unserem Gehirn ablaufen. Ein zentraler Aspekt, um zu guten Entscheidungen zu gelangen, ist es, sich über den Prozess seines eigenen Denkens bewusst zu werden, diesen zu reflektieren und bewusst zu kontrollieren.
In der Fachsprache nennt man das Metakognition. Metakognition beschreibt das Denken auf einer höheren Ebene (meta) über das Denken selbst (kognition). Wir denken zwar alle über den Inhalt unseres Denkens nach, oft jedoch nicht über den Prozess des Denkens selbst. Nach jetzigem Wissensstand sind wir Menschen die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die zur Metakognition und zur Kreativität in der Lage sind.
Nur weil wir dazu in der Lage sind, heißt das noch nicht, dass alle Menschen auch bewusst über ihren eigenen Denkprozess und ihre Denkmuster reflektieren. Dies obwohl Metakognition eine wichtige Rolle spielt, um bessere Entscheidungen zu treffen und neue Lösungen zu entwickeln. Deshalb kommt Metakognition auch oft im Coaching und in der Moderation von Workshops zum Einsatz.
Das bewusste Reflektieren über das Denken ist deshalb wichtig, weil unser Gehirn im Laufe der Evolution einige Vorgehensweisen ausgebildet hat, die heute, wenn es um die Lösung komplexer Fragestellungen und wichtige Entscheidungen geht, zu negativen Ergebnissen führen können. Ein für dieses Blog besonders relevanter Fall ist der Umgang mit Neuem. Das Gehirn begegnet Neuem mit gelernten Erfahrungen aus der Vergangenheit, an welche das Neue oft nicht anschlussfähig ist, was dazu führt, dass Gefahrenzentren in unserer grauen Masse aktiv werden und wir das Neue zu schnell ablehnen.
Aus der Erfahrung in der Moderation von Innovationsworkshops weiß ich, dass Gruppen von intelligenten und kreativen Menschen oft große Schwierigkeiten haben, neue umsetzbare Lösungen zu entwickeln, gerade weil sie nicht über ihre Vorgehensweise reflektieren und diese bewusst steuern. Im Falle eines moderierten Workshops übernimmt der Moderator die Rolle der Metakognition.
Schritte zum metakognitiven Denken
Der erste Schritt, um metakognitives Denken praktizieren zu können ist es, überhaupt ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und über oft automatisch ablaufende Denkmuster Bescheid zu wissen. Dazu gehört im Falle von Kreativität und Innovation auch das Wissen über die Grundlagen des kreativen Denkens und von kreativen Problemlöseprozessen. Dies ist besonders in Gruppen relevant, wenn viele automatische Denkmuster gleichzeitig ablaufen.
Der zweite Schritt, ist das Erkennen solcher Denkmuster zu üben und festzustellen, wenn wir zum Beispiel dabei sind, ein Denkmuster im Autopiloten abzuspielen.
Ein dritter Schritt ist es, bewusst und explizit Gegenmaßnahmen zu ergreifen und unerwünschte Denkmuster zu unterbrechen oder hinauszuzögern. Im Falle von moderierten Innovationsworkshops ist dies wieder die Aufgabe des Moderators.
Beispiele für metakognitives Denken
Im Falle der Entwicklung von neuen Ideen und Lösungen ist es zum Beispiel wichtig, mental die Entwicklung von neuen Möglichkeiten und die Beurteilung dieser Ideen zu trennen. Viele Menschen, die darin nicht trainiert sind, haben am Anfang Schwierigkeiten, den inneren Zensor im Kopf auszuschalten und die Beurteilung von Ideen hinauszuzögern. In den creaffective Kreativitätstrainings üben wir deshalb wieder und wieder die Grundregeln des divergierenden und konvergierenden Denkens.
Um von ersten Ideen zu wirklich funktionierenden Lösungen zu kommen, ist es wichtig, vorschnelle Urteile und negative Bewertungen von Erstideen zu vermeiden. Gerade dazu neigt unser Gehirn jedoch automatisch. Nun ist es wichtig, diese Muster (1.) zu erkennen, (2.) zu durchbrechen und (3.) durch ein anderes zu ersetzen. Eine Technik die ich auf diesem Blog bereits mehrmals vorgestellt habe, die dabei unterstützten kann ist PPCO.
Ich bin mir bewusst, dass das theoretisch alles einfach und möglichweise sogar banal klingt. Dies in die Praxis umzusetzen ist jedoch alles andere als einfach und bedarf kontinuierlicher Übung und Anwendung. Es lohnt sich!
Regelmäßige Leser dieses Blogs haben den Namen Günter Faltin bereits einige Male hier gelesen. Faltin ist Gründer der Teekampagne, Autor des wunderbaren Buches "Kopf schlägt Kapital" (das ich auf diesem Blog besprochen habe) und Professor für Entrepreneurship in Berlin. In dieser Funktion organisiert er interessante Veranstaltungen wie den Entrepreneurship Summit in Berlin und das Labor für Entrepreneurship, zu dem er regelmäßig Gründer und Berater einlädt, die er dort interviewt. Diese Interviews werden auf dem Blog des Labors für Entrepreneurship für alle zugänglich gemacht.
Ich habe kürzlich das bereits etwas zurückliegende Gespräch mit Eugen Muchowski zum Thema Geschäftsmodell-Innovation gesehen. Muchowski stellte dort sein Vorgehen vor, das als Komponente das systematische Hinterfragen von Annahmen und Parametern von Businessmodellen beinhaltet. Während Muchowski dies tat sagte Faltin zweimal einen Satz der mich zusammenzucken lies und der mich nun zu dieser Klarstellung bewegt: "Es klingt nach Kreativitätstraining, aber eigentlich hat es mehr mit Systematik zu tun."
Meine Interpretation – und vielleicht verstehe ich Herrn Faltin ja falsch – ist, dass er Kreativität und Systematik zu trennen versucht bzw. die beiden als nicht zusammen gehörend betrachtet.
Kreativität als Neues, das Nutzen bringt
In diesem Artikel argumentiere ich, dass Systematik ein elementarer Bestandteil von Kreativität ist. Wie systematisch ein kreativer Denkprozess ist, hängt vom Feld der Anwendung ab.
Kreativität definiere ich kurz als "Neues, das Nutzen bringt". Für wen dieser Nutzen ist, ist Gegenstand einer langjährigen wissenschaftlichen Debatte in der Kreativitätsforschung, darauf werde ich hier nicht eingehen.
Systematik kommt in der Kreativität gleich in mehrfacher Hinsicht vor:
Übereinstimmung in der Kreativitätsforschung und Praxis herrscht darüber, dass Kreativität ein Prozess ist und nur in den seltensten Fällen durch plötzliche und zufällige Einsicht entsteht. Dieser Prozess ist nicht streng linear, dennoch lässt sich dieser Prozess explizieren und in konkrete Schritte unterteilen. Auch hier gibt es unterschiedliche Modelle wie Creative Problem Solving, Design Thinking, TRIZ etc. Allen gemeinsam ist die Unterteilung in drei große Komponenten:
Klärung: Hier geht es darum herauszufinden, was genau die Frage ist auf die ich Ideen und Lösungen entwickeln möchte. Auch Faltin und Muchowski haben in Ihren Beispielen erst einmal definiert in welchem Prozess der Kunde sich befindet, bevor sie überlegt haben, wie ein neues Businessmodell dazu aussehen könnte.
Transformation: Hier geht es darum auf eine Frage Ideen zu entwickeln, die dann schrittweise zu Lösungen weiterentwickelt werden.
Implementation: Von Kreativität spricht man nur dann, wenn es ein Ergebnis des Denkens gibt, wenn etwas getan wird. Jemand der viele Ideen hat, aber keine davon zur Umsetzung bringt bleibt auf halben Wege stecken.
Viele Menschen folgen intuitiv einem solchen Prozess. Der Vorteile von Prozessmodellen ist, dass der Kreativitätsprozess explizit wird und effektiver gestaltet werden kann.
Kreativitätstechniken zur Unterstützung des kreativen Prozesses
Innerhalb des Kreativitätsprozesses können nun – müssen aber nicht – Kreativitätstechniken zum Einsatz kommen. Diese sind „strukturierte Strategien, die das Denken eines Individuums oder eine Gruppe organisiere und leiten.“ Die bekannteste dieser Kreativitätstechniken ist Brainstorming. Brainstorming ist eine sehr wenig systematische Technik, die lediglich versucht durch das Anhäufen von Ideen neuen Lösungen zu finden. Ich habe den Eindruck, als Faltin den Gegensatz von Kreativitätstraining und Systematik konstruierte, dass er dabei an ein Vorgehen wie Brainstorming dachte. Sehr viele Kreativitätstechniken sind jedoch äußerst systematisch, wie zum Beispiel das von Muchowski angesprochene Vorgehen, Annahmen zu hinterfragen. Als Kreativitätstechnik ist dieses Vorgehen bekannt als „assumption smashing“, Edward deBono nennt es Fluchtmethode.
Es gibt über hundert Kreativitätstechniken, die sich zur Entwicklung neuer Ideen eignen. In der Kreativitätsforschung gibt es immer wieder Versuche, diese sinnvoll zu kategorisieren.
Eine Kategorisierungsart ist die Unterscheidung zwischen analytischen / linearen und intuitiven Kreativitätstechniken (Michalko, Couger, Grube & Schmid, Geschka).
Der Grad der Systematik hängt vom Einsatzgebiet der Kreativität ab
Der Forscher Dean Simonton hat sich in seinen Forschungsarbeiten mit wissenschaftlicher Kreativität beschäftigt und hat dabei argumentiert, dass wissenschaftliche Kreativität wesentlich mehr Beschränkungen unterworfen ist, als andere Bereiche der Kreativität wie zum Beispiel die künstlerische Kreativität. Ideen in der Wissenschaft können nicht ohne Logik und wissenschaftliche Fakten entwickelt werden. Ganz ähnlich verhält es sich mit Ideen zur Geschäftsmodellentwicklung. Auch diese müssen sich an Parametern und wirtschaftlichen Fakten orientieren bzw. bestand haben.
Ich stehe kurz davor mir ein neues Smartphone anzuschaffen, das alte ist mal wieder nicht mehr kompatibel. Deshalb habe ich während der letzten Tage Testberichte gelesen und Rankings studiert und einige Stunden dabei verbracht, die Angebote zu verstehen. Dabei fällt mir auf, dass die Auswahl immer schwieriger wird, da es einerseits eine schier unendliche Menge an Modellen gibt und diese sich gleichzeitig auf den ersten Blick immer mehr gleichen. Anders formuliert die Unterschiede der Geräte werden immer geringer, es stechen immer weniger aus der Masse heraus.
Darum geht es in Youngme Moons wunderbarem Buch Different: Escaping the Competitive Herd. In einem sehr persönlichen und angenehm unakademischen Stil erklärt die Marketing Professorin der Havard Business School die Welt der Marken und der Produktplatzierung und zeigt anhand von Beispielen, was die wenigen herausragenden Marken und Produkte anders machen und welche Heuristiken für Innovation sich daraus ableiten lassen.
Feature-Krieg und Übersättigung der Konsumenten
Der Status quo der Marken-, Produkt- und Dienstleistungswelt ist folgender:
Angebote gleichen sich immer stärker aneinander an. Für den nicht-Insider sind die Unterschiede immer weniger verständlich. Statt von einzelnen Marken sprechen wir in Kategorien, z.B. Smartphones, Geländewagen etc.
Es herrscht ein Herdeneffekt verschiedener Anbieter, die im gleichen Marktsegment aktiv sind. Wenn der eine ein neues Produktmerkmal einführt, fühlen sich die anderen gezwungen möglichst bald gleichzuziehen.
Dadurch kommt es zu einer immer schnelleren Produktentwicklung und einem Feature-Krieg.
Interessant ist, dass dieser Herdeneffekt und die zu beobachtenden Angleichungstendenzen vor allem durch Marktforschung und die bei Marketingleuten beliebten „positioning maps“ gefördert werden. Fragt man die Kunden, was sie wollen, dann werden sie das eigene Produkt mit anderen vergleichen und darauf hinweisen, was im Vergleich zum Mitbewerber fehlt. Wie ein neues Produkt aussehen würde, das sich von anderen unterscheidet und das sie kaufen würden, kann einem der Kunde nicht sagen, er weiß es selbst nicht.
Die Instrumente der Marketingleute helfen Ihnen dabei, die Unterschiede zwischen sich und den Wettbewerbern herauszuarbeiten.
Und jetzt kommt es: In der Theorie ist allen klar, dass es darum geht, sich zu unterscheiden. In der Praxis ist der Impuls der meisten Unternehmen, den Abstand zum Wettbewerber in den Aspekten, in denen man im Vergleich zum Wettbewerber "schlechter" abschneidet, zu verkürzen. Das heißt wiederum, man arbeitet an der "Schwäche" und gleicht sich damit dem Mitbewerber an. Und wird damit noch weniger unterscheidbar.
Dies führt dazu, dass Produkte und Dienstleistungen mit immer mehr Features ausgestattet werden und es immer mehr Varianten und Geschmacksrichtungen eines Produktes gibt. Der dabei für den Konsumenten entstehende Mehrwert wird immer geringer. Wir sind übersättigt und überwältigt.
Anders als die eierlegende Wollmilchsau
In einer Welt in der Konsumenten übersättigt sind, kann gelten: Weniger ist mehr.
Laut Moon haben erfolgreiche Anbieter, die sich unterscheiden, ein "einseitiges" oder "schiefes" Profil, das im Vergleich zu anderen Anbietern ausgeprägte Aspekte weiter akzentuiert und dem Drang widersteht, in allen anderen Punkten gleich zu ziehen. Ganz nach der aus der Psychologie vertretenen Richtung der Persönlichkeitsentwicklung besonders die Stärken zu stärken und nicht an den Schwächen zu arbeiten.
Erfolgreiche "Idea-Brands" enttäuschen und übertreffen dabei gleichzeitig die Erwartungen des Konsumenten. Sie brechen mit Routinen und Regeln, die sowohl Kunden als auch Konsumenten als gegeben hinnehmen, in dem sie zum Beispiel ein als Standard angesehenes Merkmal weglassen und dafür an anderer Stelle Mehrwert stiften. Eines von vielen genannten Beispielen in Moons Buch ist Google, das sich damals mit seiner spartanischen und lediglich auf das Suchfeld reduzierten Startseite von den mit Infoboxen und Zusatzdiensten überladenen Startseiten der Mitbewerber differenzierte. Dafür liefert Google eine schnelle und bessere Suche und eine visuelle Reinheit, die Nutzer anzieht.
Methoden, die zum Unterschied führen
In meiner Serie Methoden der Produktentwicklung habe ich bereits einige Kreativitätstechniken vorgestellt, die dabei helfen können einen Unterschied herauszuarbeiten: SCAMPER und Fluchtmethode.
Eine weitere Technik, die ich im Buch Business Model Generation kennen gelernt habe ist das sogenannte Four actions framework. Dieses Denkwerkzeug hat mir in meinen Strategieworkshops und Innovationsworkshops bereits gute Dienste geleistet.
Dabei stellt man sich die folgenden vier Fragen, um neuen Gedanken anzuregen:
Which of the factors that the industry takes for granted should be eliminated?
Which factors should be reduced well below the industry standard?
Which factors should be raised well above the industry standard?
Which standard should be created that the industry has never offered?
Ziel des Vorgehens ist es eine „value innovation“ zu schaffen, was bedeutet einen Mehrwert für den Kunden zu stiften und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren.
Konzeptionelle Innovation anstelle von technischer Innovation
Einen interessanten Aspekt in Hinblick auf Innovation in Moons Buch fand ich den Gedanken, dass Innovation in der Produktentwicklung nicht immer auf technischer Innovation basieren muss. Eine einfachere, schnellere und leichter zu erzielende Art ist die konzeptionelle Innovation oder die Innovation von Geschäftsmodellen, die einen Mehrwert für den Konsumenten und einen Wettbewerbervorteil für das Unternehmen bieten.
Die meisten Berufstätigen verbringen Zeit in Besprechungen. Manche davon lohnen sich, manche sind im Nachhinein unbefriedigend. Ich möchte zwei Arten von Besprechungen unterscheiden:
Als Info-Besprechung bezeichne ich ein Treffen, bei dem die Teilnehmer zu verschiedenen Inhalten auf den neusten Stand gebracht werden.
Für diesen Artikel wichtiger sind die sogenannten Problemlöse-Besprechungen. Im Gegensatz zur Info-Besprechung müssen auf eine Fragestellung Lösungen erarbeitet werden und
Entscheidungen getroffen werden.
Traditionelle Besprechungen – Angriff und Verteidigung
Puccio und Talbot haben in einer interessanten Studie einmal untersucht, wie solche Problemlöse-Besprechungen oft ablaufen. Illustriert wird dies in Bild 1.
Dies passiert dabei oft nach folgendem Muster:
Eine Person schlägt eine Idee zur Lösung des Problems vor. Dies birgt gewisse Risiken, denn jetzt kommt meist Schritt 2.
Die Ideen wird unmittelbar bewertet: „Das ist eine gute Idee, weil...“, „Das ist keine gute Idee, weil...“. Möglicherweise muss sich der Ideengeber nun für seinen Vorschlag rechtfertigen und diesen gegen Kritiker verteidigen.
Nach einiger Diskussion wird entschieden, ob diese Idee nun weiter verfolgt wird oder nicht.
Dieses Muster wiederholt sich nun einige Male mit neuen Ideen. In der genannten Studie waren dies im Durchschnitt fünf Durchgänge, bis ein Konsens gefunden wurde, oder sich jemand durchgesetzt hat oder die Besprechung ergebnislos vertagt wird.
Nun folgt die Umsetzung der gefundenen Lösungen
Besonders die Schritte 2 und 3 ist in diesen traditionellen Besprechungen oft zäh und langwierig. Das Ergebnis nicht immer befriedigend, aber ein Kompromiss.
Von creaffective moderierte Innovationsworkshops sind im Prinzip eine lange über mehrere Tage dauernde Problemlöse-Besprechung. Wenn diese Workshop nach obigem Muster ablaufen würde, hätte ich wahrscheinlich keinen einzigen Kunden mehr. Nicht nur, dass diesen traditionellen Besprechungen nach diesem Muster sehr ermüdend sein können, die Wahrscheinlichkeit, dass neue Lösungen von hoher Qualität dabei herauskommen ist nicht sehr hoch. Das Ziel von einem Innovationsworkshop als auch vieler Problemlöse-Besprechungen ist jedoch genau das.
Besprechungen mit kreativen Grundprinzipien
Nicht jede Besprechung muss den Umfang und die Komplexität eines Innovationsworkshops haben. Mit einigen theoretisch einfachen Veränderungen können in Unternehmen häufig ablaufende Besprechungen jedoch erheblich an Qualität und Produktivität gewinnen. Der Schlüssel dazu ist die Einhaltung kreativer Grundprinzipien, genauer gesagt, die strikte Trennung (1) der Entwicklung von Optionen und (2) der Bewertung von Optionen (in der Fachsprache spricht man hier von divergierenden und konvergierendem Denken). Jede dieser beiden Phasen läuft nach bestimmten Spielregeln ab. Für diesen Artikel beschränke ich es darauf, dass diese beiden Phasen getrennt werden. Wie genau diese Phasen ablaufen ist Gegenstand meiner Kreativitätstrainings und lässt sich nur schwer rein schriftlich erklären.
Eine Besprechung unter Einhaltung dieser Prinzipien läuft dann ähnlich wie Abbildung 2 ab.
Eine Idee wird vorgeschlagen. Alle Teilnehmer stellen Bewertungen vor erst zurück. D.h. Es wird noch nicht über die Idee diskutiert.
Der Vorschlag wird für alle sichtbar aufgeschrieben und festgehalten.
Diese ersten beiden Schritte werden solange wiederholt, bis ausreichend Optionen vorhanden sind, z.B. 30 Mal. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass man, um gute Optionen zu bekommen vor allem viele Optionen entwickeln muss.
Was heißt nun “bis ausreichend“?
Einmal kann man nach Menge gehen. Ein weiteres Kriterium, das ich gerne anlege ist zu sehen, ob die Teilnehmer bereits gelacht haben. Wenn eine Gruppe zu einem Punkt kommt, an dem Humor entstehen kann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass neue Vorschläge genannt werden und eine Atmosphäre herrscht in der Neues entstehen kann.
Erst jetzt, wenn alle Vorschläge auf dem Tisch liegen, geht es in die Auswahl und Bewertung der Ideen. Im Gegensatz zum traditionellen Muster hat eine Gruppe nicht lediglich an einigen wenigen Ideen herum diskutiert, sondern viele Optionen entwickelt. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass qualitativ hochwertige und interessante Optionen entstehen. Aus den vielen Optionen werden nun die vielversprechendsten ausgewählt und besprochen.
Als letzter Schritt erfolgt die Umsetzung des gefundenen Ergebnisses.
Das Besondere an dieser anderen Art Besprechungen durchzuführen ist, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht wird neue und qualitativ hochwertige Optionen zu entwickeln, dadurch dass erst einmal viele Optionen entwickelt werden. Genauso wichtig ist, dass die Atmosphäre von einer Diskussion im „ja, aber...“-Stil hin zu einem „ja, und...“-Stil wechselt.
Ein Muster für mehr Innovation
In meinen Trainings kommt bei der ersten Vorstellung dieses Prinzips oft der ausgesprochene oder unausgesprochene Einwand, dass die Organisation mit dem bisherigen Muster doch auch funktioniert hat und erfolgreich war.
Ja, kein Zweifel. Auch nach dem traditionellen Muster werden Probleme gelöst. In einem Umfeld in dem Innovation und neue Lösungen wichtig sind, wird jedoch ein Unternehmen, dass das zweite Vorgehen ernst nimmt, seine Fähigkeit zu Innovation stärken und verbessern und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen Mitbewerber zu überholen. Am Ende eines Kreativitätstrainings besteht dieser Zweifel nicht mehr.
"Was wäre, wenn..."-Fragen kann man einsetzen, um Wünsche, Ziele und Visionen zu finden. Die "Was wäre, wenn..."-Fragen ermöglichen es, erst einmal ohne Beschränkungen Neues zu denken, dieses vorstellbar zu machen.
Eine Frage, die mir nach drei Wochen Kreativitätstrainings und Innovationsworkshops hier in Asien gekommen ist, lautet: "Was wäre, wenn die Politik die Grundprinzipien des kreativen Denkens anwenden würde?"
Divergierendes Denken und konvergierendes Denken werden separat von einander angewandt. Das heißt erst werden Optionen entwickelt und erst wenn eine ausreichend große Anzahl entwickelt wurde, findet eine Bewertung statt. "Ja, aber..."-Diskussionen gibt es damit nicht mehr.
Es wird erkannt, dass man, um gute Optionen zu erhalten, zuerst einmal viele Optionen generieren muss.
Wahrgenommene Probleme werden als offene Fragen formuliert.
Aus einer unkonstruktiven Feststellung, wie "das dauert zu lange", wird eine offene und lösungsorientierte Frage, wie "Wir könnten wir die Umsetzung beschleunigen?"
Neues wird mit einer positiven Einstellung bewertet, das zuerst wird der Mehrwert und das Potenzial gesehen, dann erst erfolgt der Fokus auf die "Probleme". Dadurch verändert sich die Wahrnehmung eines Themas und Neues hat eher eine Chance zu entstehen.
Was wären nun mögliche Konsequenzen, wenn die Politik (so wie sie in der Öffentlichkeit sichtbar ist) nach den Grundprinzipien des kreativen Denkens funktionieren würde.
Um dieses Thema möglichst ganzheitlich zu betrachten nutze ich de Bonos Denkwerkzeug PMI (Plus – Minus – Interessant).
Plus:
Es würde eine andere politische Kultur entstehen, die geprägt wäre vom Bestreben, ein konstruktives Ergebnis zu erhalten und nicht lediglich von der Interessensdurchsetzung.
Inhalte und nicht Rollen würden in den Vordergrund rücken. Es gäbe weniger ein Dafür und Dagegen, dass sich lediglich aus der Rolle Oppositionen oder Reagierungspartei erklären liese. Die Politik würde weniger "politisch".
Populistische Stammtischparolen würden weniger werden.
Ergebnisse politischer Entscheidungsfindungsprozesse wären mehr als der kleinste gemeinsame Nenner.
Längerfristiges Denken, anstatt von Denken ausschließlich in Wahlperioden würde gestärkt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass neue und ungewöhnliche Inhalte Gehör finden, würde erhöht.
Entscheidungsfindungsprozesse würden erheblich beschleunigt.
Minus:
Für den Wähler wären die Profile der Parteien wesentlich weniger zu erkennen.
Wie könnte ein Profil von politischen Gruppierungen trotzdem sichtbar bleiben?
Die parlamentarische Demokratie, mit Entscheidungen geprägt durch Fraktionszwang würde eventuell nicht mehr funktionieren, da nicht die Parteizugehörigkeit, sondern der Inhalt eine stärkere Rolle spielen würde.
Wie lauten alle Möglichkeiten ein entscheidungsfähiges politisches System zu errichten dass auf Inhalten und nicht auf Parteizugehörigkeit basiert?
Wähler wüssten dann bei Wahlen möglicherweise nicht mehr, wen sie wählen sollen und die Wahlbeteiligung könnte sinken.
Wie könnte die Wahlbeteiligung sichergestellt werden?
Interessant:
Es wäre interessant zu sehen, wie parlamentarische Entscheidungen künftig getroffen würden.
Es wäre interessant zu wissen, ob Parteien völlig in die Bedeutungslosigkeit versinken würden und lediglich die Wahlkreisabgeordneten eine Rolle spielen würde.
Es wäre interessant zu sehen, wie Wahlkampffinanzierung aussehen würde.
Es wäre interessant zu sehen, welche Auswirkungen eine solches politisches System auf die internationale Politik und globale Themen hätte.
Es wäre interessant zu sehen, was passieren würde, wenn jeder gewählte Politiker nach der Wahl zu einem dreitägigen Kreativitätstraining gehen würde.
Es wäre zu sehen, ob das Interesse an Politik wieder steigen würde.
Ja, was wäre wenn?
Fällt Ihnen noch mehr ein?
Beim Schreiben dieses Artikels haben nun richtig Lust bekommen, die Idee eines Kreativitätstrainings als Teil der Bildungskatalogs für Abgeordnete und andere politische Vertreter voranzutreiben
Unser Gehirn hat sich evolutionär so entwickelt, dass es uns in Hinblick auf Kreativität und Innovation oft Stolpersteine in den Weg legt. Ein natürliches – und vom Gehirn präferiertes – Verhalten ist es, Neues wenn möglich zu umgehen. Präferenz ist jedoch nicht gleich zu setzen mit Fähigkeit. Jeder Mensch ist sehr wohl in der Lage innovativ zu sein, es ist nur anstrengend, deswegen vermeiden wir es gerne.
Das Gehirn ist effizient! Effizienz erschwert Innovation
Vor einigen Jahren habe ich in Edward de Bono's Thinking Course de Bonos Behauptung gelesen, dass das Gehirn nicht darauf ausgelegt sei, kreativ zu sein und dass es ein evolutionärer Vorteil war, nicht kreativ, sondern effizient zu sein. Wie immer, gibt es in Büchern von de Bono keinerlei Quellenangaben, die Welt lässt sich vollständig mit de Bono erklären. Zum Glück gibt es andere Autoren, die hier etwas wissenschaftlicher vorgehen. Der Neurowissenschaftler Gregory Berns beschreibt in seinem Buch Iconoclast sehr schön, dass das Gehirn ein Organ mit begrenzten Energievorräten ist und dass unser Gehirn daher gezwungen ist, so effizient wie möglich zu sein. Dies zeigt sich darin, dass das Gehirn eine Vielzahl von Denk- und Wahrnehmungsmustern gespeichert hat, die es abruft, sobald ein entsprechender Schlüsselreiz vorliegt. Das macht Sinn, so müssen wir nicht alles immer neu berechnen. Außerdem erhöht es die Geschwindigkeit. Wie Berns zeigt, vervollständigt das Gehirn besonders beim Prozess des Sehens automatisch die Reize, die über unsere Augen zu ihm kommen und schafft so unsere Wahrnehmung. Daraus hat sich in früheren Phasen der Menschheitsgeschichte ein evolutionärer Vorteil ergeben. Im Hinblick auf Innovation handelt es sich um Effizienzfallen.
Die Reaktion auf Angst hemmt Innovation
Ein zweiter Faktor, der Innovation erschwert ist unser körpereigener Angstmechanismus. Die Amagydala in unserem Gehirn ist wohl eine der Hauptbeteiligten, Gefahren zu identifizieren und Angriffs- bzw. Fluchtreaktionen auszulösen. Diese Reaktionen sind nicht rational! Sie finden statt, bevor unser Ratio einsetzt. Auch hier wiederum handelt es sich um einen Überlebensmechnismus, der bei Neuem, bei Unbekannten und bei anderen potenziellen Gefahren einsetzt. Als wir Menschen noch von Säbelzahntigern und anderem Getier angegriffen wurden, war es überlebenswichtig, ein System zu haben, dass ohne Überlegen Angriffs- oder Fluchtreaktionen auslösen kann.
Die Umstände heute haben sich geändert, das gehirneigene System ist das gleiche geblieben. Im Kontext von Kreativität und Innovation greift dieses System schnell zu, wenn wir mit Neuem und Unbekannten konfrontiert werden: Unser Gehirn versucht uns zu beschützen und bringt uns damit in Gefahr (Neues nicht zu ermöglichen).
Ein sehr lustiges Beispiel zeigt das unten stehende Video.
Noch schwieriger ist dies in einem kulturellen Kontext, in dem es wenig wertgeschätzt wird, von Bestehenden abzuweichen oder unvollständige Gedanken zu äußern. Dies wird mir hier in China gerade wieder erneut bewusst. Dies erklärt auch, warum asiatische Innovation oft in inkrementellen Verbesserungen besteht.
Im Kontext von Kreativität und Innovation führt die Kombination aus dem Effizienzstreben unseres Gehirns und unsere natürliches Warnsystem dazu, dass wir Neues sehr schnell abschießen. Dies äußert sich dann in den berühmten Phrasen: "Geht nicht", "Haben wir noch nie so gemacht" oder einfach einem schlichten "Nein". Diese Angst vor Neuem und Unbekannten lässt sich überall beobachten, sei es bei Neuem in der Politik oder Unternehmen.
Die gute Nachricht ist, dass wir Menschen, wenn es sich nicht um Situationen wie im obigen Video handelt, durchaus in der Lage sind, die Mechanismen unseres (primitiven) Gehirns zu überdenken und nicht auszuführen! Hier spricht die Wissenschaft auch von meta-kognitivem Denken, also dem bewussten Denken über das Denken. Durch meta-kognitives Denken können wir uns selbst dabei beobachten, wie und wann wir mental eine Angstreaktion abspulen und können diesen Prozess bewusst hinauszögern bzw. unterbinden. Dieses meta-kognitive Denken erkläre ich Teilnehmern meiner Kreativitätstrainings durch die Grundprinzipien des kreativen Denkens: Die bewusste Trennung des divergierenden und konvergierenden Denkens. Ohne diese Grundlagen sind alle Kreativitätstechniken und systematischen Prozesse der Kreativität wertlos. Deshalb besteht meine Hauptarbeit darin, den Teilnehmern zu helfen, sich dieser Prozesse erst einmal bewusst zu werden und diese zwei Tage lange schrittweise zu verändern. Nur lässt sich eine Kultur der Innovation schaffen.
Innovation ermöglichen heißt auf der Ebene von Teams- und Individuen anzufangen
Mir fällt auf, dass sich die meiste Literatur und die meisten Konferenzen vor allem um Innovationsmanagement drehen. Wie muss ein Innovationsprozess aussehen? Wann gibt es welches Review? Welches IT-System brauchen wir?
Alles wichtig! Alles wenig hilfreich, wenn auf der Ebene der Menschen und Teams keine kreative Haltung herrscht, wenn also die oben geschilderten Grundprinzipien des kreativen Denkens nicht in die Köpfe und das Verhalten der Menschen übergegangen sind. Nur so lässt sich eine Kultur der Innovation schaffen, die dann durch entsprechende Änderungen auf der ebene von Systemen begleitet werden sollte.
Der schönste Stage-Gate Innovationsmanagementprozess und das ausgefeilteste Ideenmanagement-IT-System hilft nichts, wenn neue Ideen zu schnell abgeschossen werden, weil wir Menschen unseren effizienten mentalen Prozessen folgen.
Nun frage ich Sie: Woran mangelt es aus Ihrer Sicht eher, an Innovationsmanagement-Prozessen oder an einer Kultur der Innovation?
Unternehmen die es mit Innovation ernst meinen, fangen bei den Köpfen Ihrer Führungskräfte an.
This Blog is written by the creaffective team in German and Mandarin Chinese.
creaffective supports teams and leaders to solve complex challenges in a creative way and supports companies increasing their innovative strength. We offer trainings for systematic creative problem solving as well as facilitated innovation workshops and strategy workshops to develop new products, services and business models.