Ein Patentrezept zur Ideenfindung

Freitag, 19. März 2010

Die letzten Tage war ich hier im schönen Penang (Malaysia) für einen Innovationsworkshop zur technischen Produktentwicklung.
Dabei wurde ich von einem Entwicklungsingenieur gefragt, ob es ein Patentrezept gibt, um auf gute Ideen zu kommen.
Ja das gibt es und es funktioniert immer. In diesem Artikel möchte ich es verraten.

Das Patentrezept für gute Ideen besteht darin möglichst viele Ideen zu suchen. Quantität vor Qualität! Bei der Ideenfindung gilt das Prinzip „weniger ist mehr“ nicht. Es ist wie beim Gold schürfen. Um die Goldklumpen zu finden, muss eine ganze Menge Schutt mit in den Trichter gekippt werden, denn man weiß ja leider nicht, wo genau sich die Goldstückchen befinden.

Die guten Ideen: Im Nachhinein logisch, im Vorhinein durch Logik alleine nicht zu finden


Wenn man für ein Problem mit unbekannter Lösung endlich eine funktionierende Lösung gefunden hat, dann erscheint diese im Nachhinein, sobald sie also sichtbar ist, als einleuchtend. Man fasst sich an den Kopf und denkt sich, da hätte ich doch auch früher drauf kommen können.
Leider ist kommt man im Vorhinein einfach nur durch logisches Nachdenken nicht auf die Lösung. Die beste Möglichkeit die Perlen unter den Ideen zu identifizieren, ist es also möglichst viele davon zu haben, immer mit in dem Bewusstsein, dass man nur einige davon wirklich brauchen kann. Und hier genau liegt die Krux. Die Perlen sind unbedingt die, die man auf den ersten Blick dafür hält oder glaubt im Kopf zu haben. Oft entstehen diese durch puren Zufall. Wichtig ist dann diese auch zu erkennen und dafür braucht man wiederum die intensive Beschäftigung mit dem Thema. Denn: Der Zufall begünstigt den vorbereiteten Geist.
Man weiß vorher auch nie genau, wo unter den vielen generierten Ideen sich die guten befinden. Das unten stehende Bild zeigt eine Szene aus dem Innovationsworkshop von dieser Woche. Mit 10 Leuten haben wir in 35 Minuten über 200 Ideen generiert, die dann anhand von vorgegebenen Kriterien bewertet wurden. Wie erkennbar ist befinden sich die gewählten Ideen über alle Flipcharts verteilt. Die erste Hälfte des ersten Flipcharts war das Ende des normalen „Brainstormings“, wie es in vielen Organisationen statt findet. Danach wird meistens Schluss gemacht. Denn uns fällt ja nichts mehr ein. In meinem letzten Video: Ideenfindung mit Kreativitätstechniken habe ich gezeigt, wie man noch wesentlich mehr Ideen entwickeln kann. Wie das Foto zeigt, lohnt es sich!

Ideenfindung

Die richtigen Fragen stellen und die Suchrichtung der Ideenfindung festlegen


Dennoch findet Ideenfindung nicht ins Blaue hinein statt. Obwohl es darum geht, möglichst viele Ideen und in "alle Richtungen" Ideen zu suchen, muss trotzdem vorher die Suchrichtung festgelegt werden. Dieses wird dadurch erreicht, dass die Ausgangsfrage genau festgelegt wird, um dadurch die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das Problem wirklich zu lösen und zum Beispiel ein neues Produkt zu entwickeln.

Das richtige Vorgehen bei der Auswahl und Bewertung der Ideen


Die beste Ideenentwicklung nützt jedoch nichts, wenn das Auswählen und bewerten der Ideen so abläuft, dass nur die "realistischsten" Ideen den Auswahlprozess überleben. Zumindest bei einem Innovationsworkshop würden dadurch meist nur die Ideen übrig bleiben, an die man vorher mehr oder weniger schon gedacht hat und die schon bekannt waren. Zentral ist es bei der Auswahl die sogenannte verfrühte Schlussfolgerungen zu vermeiden. Deshalb gehe ich mit Kriterien vor, die auch die Originalität und den Neuigkeitswert von Ideen berücksichtigen und bewusst mehr die Potenzial von Ideen als nur die Probleme in Betracht ziehen.
Denn eine Idee noch keine Lösung, sondern wie ein Rohdiamant, der weiter geschliffen werden muss.
Auch dieser schrittweise Verbesserungsprozess ist Teil des Patentrezeptes, um von Ideen zu richtig guten Ideen zu kommen.

Ideenfindung mit Kreativitätstechniken: über 100 Ideen in 30 Minuten

Sonntag, 14. März 2010

Am ersten Tag eines Kreativitätstrainings oder eines Innovationsworkshops bekomme ich am Ende meistens die Rückmeldung, dass die Teilnehmer sehr überrascht waren, wie viele Ideen wir mit Hilfe von Kreativitätstechniken entwickelt haben und dass sie nicht gedacht hätten dass das möglich ist.

Wenn erst einmal eine Atmosphäre der Kreativität geschaffen ist, ist es mit dem richtigen Vorgehen nicht schwer, mit 8 – 10 Leute in 30 Minuten über 100 Ideen zu entwickeln. In diesem Video zeige ich mein grundsätzliches vorgehen.



Folgende Kreativitätstechniken habe ich im Video angesprochen, zu welchen ich bereits einen Artikel geschrieben habe:

Gewohnheiten kreativer Menschen: Verwendung konstruktiver Sprachmuster

Mittwoch, 10. März 2010

Bisher in dieser Serie
Gewohnheit 1: Ein Notizbuch für alle Ideen und Gedanken

In diesem Artikel möchte ich mich dem Sprachgebrauch kreativer Menschen beschäftigen. Nach ein paar Minuten Gespräch mit einer Person lässt sich anhand der verwendeten Sprachmuster viel über deren Denkweise ableiten.

Nehmen Sie folgende Beispiele als Ausgangssituation:

  • Sie stellen Ihren Bekannten Ihren Plan vor eine vier monatige Auszeit zu nehmen, weil Sie sich neu orientieren möchten.
  • Sie reden mit Menschen, die noch nie davon gehört haben über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.
Die Reaktionen von Person 1 könnten zum Beispiel so ausfallen: Kopfschüttelnd beginnt er/ sie zu sprechen "Das würde ich auf keinen Fall machen, weil", "Das geht nicht, weil...", "Ja, aber das ist zu gefährlich und dauert zu lange."

Ein kreativer Mensch wird Ihnen vielleicht folgendermaßen reagieren: Er / sie wird erst einmal weitere Fragen stellen und mehr wissen wollen. Die Phrase "Ja, aber..." kommt in seinem Sprachgebrauch nicht oder nur äußerst selten vor.
Ein kreativer Mensch ist erst offen das was Sie sagen. Ein Schlüsselcharakteristikum von kreativen Menschen ist die Fähigkeit vorschnelle Beurteilungen zu vermeiden und eine Bewertung erst einmal zurück zu stellen.
Ein weitere Gewohnheit ist die Verwendung bestimmter Sprachmuster. Statt "Ja, aber..." kommt ein "Ja, und...".
Schwachstellen oder negative Aspekte eines Vorschlags einer Idee werden nicht als Feststellung geäußert, sondern in Form einer lösungsorientierten Frage gestellt.
Anstelle von "das dauert zu lange..." heißt es statt dessen "Wie könnte man es schneller durchführen?" Der Unterschied ist, dass die zweite Äußerung zur Suche nach Lösungen und Verbesserungen anregt.

Selbstverständlich müssen die Formulierungen nicht genau in dieser Form verwendet werden, aber auf die grundlegende Richtung kommt es an.
Achten Sie beim nächsten Gespräch einmal auf sich und Ihr Gegenüber.

Fredmund Maliks Irrtümer der Innovation

Dienstag, 2. März 2010

In der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts (1.3.2010) ist ein ökonomischer Gastkommentar von Fredmund Malik erschienen: "Fünf Irrtümer stehen vielen Innovationen im Wege".

In diesem Kommentar legt der St. Gallener Professor fünf Irrtümer dar, denen zu viele Unternehmen aufsäßen und deshalb oft mit Innovationsprojekten scheiterten.

Diese Irrtümer sind:

  1. Innovation entsteht in Forschungslaborien und Entwicklungsabteilungen.
    Dies sei nicht so, im Gegenteil "Innovation hingegen muss kompromisslos vom Markt her definiert werden … Die Schlüsselfrage muss vielmehr lauten 'Was wäre zu tun, und was ist erforderlich, um diese Entwicklung, Erfindung oder Entdeckung erfolgreich in den Markt zu bringen?'"

  2. Kreativität sei wichtig
    Dahinter stecke die falsche Annahme, dass „es im Unternehmen einen Mangel an Ideen“ gebe. Das Problem sei nicht der Mangel an Ideen, sondern der Mangel an realisierten Ideen.

  3. Nur kleine Unternehmen seien innovativ.
    Laut Malik sind kleine Unternehmen zwar gute Sprinter, d.h. sie kommen schnell bis zur Prototyp-Phase, aber dann sieht es oft schlecht aus. Das liege daran, dass diese kleinen Unternehmen schlecht finanziert und schlecht geführt seien.

  4. Innovation habe vorzugsweise mit Hochtechnologien zu tun.
    Auch hier gebe es viele Möglichkeiten zu Innovation in nicht technischen Feldern.

  5. Zum Innovieren brauche man einen bestimmten Persönlichkeitstyp, "nämlich, den initiativen, kreativen, unternehmerischen und risikofreudigen Pionier."
    Das sei der größte Irrtum, denn die meisten Pioniere waren vor allem Menschen die ihr Handwerk beherrschten und sich durch systematische Arbeitsweise auszeichneten und genau das könne man von Ihnen lernen.
Der Kommentar legt sicherlich den Finger in die eine oder andere Wunde und enthält viele aus meiner Sicht richtige Argumente. Meine zweideutige Überschrift zeigt, dass ich diesen Irrtümern nicht völlig zustimmen kann.

Irrtum 1: Innovation entsteht in Forschungslaborien und Entwicklungsabteilungen


Herr Malik schreibt, dass Innovation kompromisslos vom Markt definiert werden muss. Wenn Innovation verstanden wird als das Einführen eines neuen und nützliches "Produktes" in einen Markt, dann kann Innovation per Definition nur vom Markt als solche definiert werden. Der Markt entscheidet, ob es sich um eine Innovation handelt oder nicht, da er die Nützlichkeit beurteilt.
Die große Frage aus meiner Sicht ist, ob Unternehmen bei der Schaffung von Innovation ausschließlich - oder kompromisslos wie Malik schreibt - aus der Sicht des Marktes heran gehen sollten. Das bekannte Zitat von Henry Ford zeigt, dass der Markt nicht unbedingt eine spätere Innovation erkennt oder auch nur fordert. Die meisten Marktteilnehmer bewegen sich mental im Paradigma des bisher bekannten.
Ich habe einige Innovationsworkshops moderiert, wo man sich von der anderen Seite her genähert hat und wo es sehr viel Sinn macht in Entwicklungsabteilungen einmal zu überlegen, wie etwas wirklich neues Aussehen könnte. Allerdings – und da hat Herr Malik völlig recht – muss dann möglichst schnell die Marktakzeptanz getestet werden und die Sicht des Marktes eingebunden werden. Daher ist die Folgefrage richtig, sich dann zu fragen, wie eine Entwicklung erfolgreich in den Markt gebracht werden kann.

Irrtum 2: Kreativität ist für Innovation nicht wichtig


Hier sitzt Herr Malik einem Irrtum über Kreativität auf, dem leider viele aufsitzen. Kreativität wird in seinem Kommentar reduziert auf das Generieren von Ideen.
Diese Sicht ist zwar verbreitet, aber greift viel zu kurz und entspricht nicht dem, was die Kreativitätsforschung in den letzten 50 Jahren hervorgebracht hat. Kreativität ist die Fertigkeit ein neues und nützliches materielles oder immaterielles Ergebnis hervorzubringen. Kreativität ist nicht beschränkt auf das divergierende Denken, d.h. dem Entwickeln von Optionen.
Kreativität ist unter anderem auch ein Prozess der beginnt mit der Definition einer sinnvollen Ausgangsfrage und der diese Frage beantwortet, in dem ein neues und nützliches Ergebnis geschaffen wird. Dazu habe ich bereits dutzende von Artikel hier veröffentlicht. Die Entwicklung von Ideen ist nur ein Element, das divergierende Denken ein Aspekt davon. Genauso wichtig ist die andere Seite, nämlich das Auswählen und weiter entwickeln dieser Ideen hinzu belastbaren Lösungen. Hier genau krankt es aus meiner Erfahrung in vielen Unternehmen. Diese bleiben im Stadium der Ideen stehen, wobei Idee definiert wird als ein möglicher Ansatz ein Problem zu lösen. Und genau deshalb sind die von Malik abgelehnten Kreativitätstrainings und Kreativitätstechniken so wichtig, weil es hier darum geht von einer Idee zur einer realisierbaren Lösung zu kommen. Hier wiederum stimme ich völlig zu. Günter Faltin hat es in seinem Buch Kopf schlägt Kapital schön beschrieben. Das Ideenkind muss weiter entwickelt werden und nicht lediglich als gegeben hingenommen werden.

Irrtum 3: Nur kleine Unternehmen sind innovativ


Ich stimme zu, dass dem nicht so sein muss. Dennoch gehen viele große Unternehmen genau den Weg, für Innovationsprojekte Ausgründungen zu schaffen, die sich vorbei an den großen und komplexen Organisationsstrukturen schneller bewegen können. Es ist durchaus so, dass große und gewachsene Strukturen Innovation nicht unbedingt förderlich sind. Nach Malik seien kleine Unternehmen außerdem oft nicht ausreichend finanziert. Wenn wir uns im Hochtechnologie-Paradigma befinden, das Malik selbst als Irrtum Nr. 4 bezeichnet, dann ist dieses Argument sicher richtig. Um nochmal auf Faltins Buch Kopf schlägt Kapital zurück zu kommen. Innovation außerhalb des Hochtechnologiefeldes braucht oft erstaunlich wenig Kapital, wenn man genug Zeit in die Entwicklung der Ideen steckt. Hier wiederum braucht es die Kreativität.

Irrtum 4: Innovation hat vorzugsweise mit Hochtechnologien zu tun


Ich stimme völlig zu, das dem nicht so ist. Innovation ist lediglich die Einführung eines neuen und nützlichen Ergebnisses in den Markt und das ist nicht auf Hochtechnologie beschränkt.

Irrtum 5: Innovation braucht einen bestimmten Persönlichkeitstyp


Laut Malik muss dieser nicht unbedingt initiativ, kreativ und unternehmerisch sein, sondern vor allem sein Handwerk beherrschen und systematisch sein.
Die meisten Innovation sind keine Einzelleistungen sondern Teamleistungen! Hier zeigt die Forschung sehr klar (vgl. Min Basasur, Gerard Puccio), dass für die kreative Lösung eines Problems unterschiedliche Präferenzen braucht. Dazu gehört sehr wohl und ausdrücklich der initiative, entwickelnde und unternehmerische Geist. Dieser alleine wird aber womöglich in der Phase der Erstideen stecken bleiben. Deshalb braucht es genauso einen optimierenden, weiter entwickelnden Typus und am schließlich einen umsetzenden und organisatorisch starken Typus. Diese Kombination macht es.
In meinen Innovationsworkshops zeigt sich immer wieder, dass der systematische Fachkenner zwar notwendig aber definitiv nicht hinreichend ist.

Gewohnheiten kreativer Menschen: Ein Notizbuch für alle Ideen und Gedanken

Samstag, 27. Februar 2010

Der amerikanische Autor Stephen Covey ist in den 90ern Jahren mit seinem Buch "7 habits of highly successful people" bekannt geworden in dem er sieben Gewohnheiten von vorstellt, die "erfolgreiche" Menschen besonders oft haben.

Ich möchte mich in einer Artikelserie mit den Gewohnheiten kreativer Menschen beschäftigen. Wer das Buch von Stephen Covey gelesen hat, wird merken, dass es Überschneidungen zwischen den Gewohnheiten gibt, einfach deshalb weil Kreativität ein Faktor für Erfolg ist, wie auch immer jeder einzelne seinen persönlichen Erfolg definiert.
In dieser Serie stelle ich eine Liste von Gewohnheiten vor, die kreative Menschen besonders auszeichnet.

Die erste Gewohnheit kreativer Menschen ist es, immer und wirklich immer ein Notizbuch dabei zu haben, in welches jederzeit Ideen und Gedanken geschrieben werde können.
Die hat drei Gründe:

  • Ideen werden dadurch nicht vergessen.
    Oft ist eine Idee genau so schnell wieder aus dem Kopf, wie sie gekommen ist.

  • Ideen können so weiter entwickelt werden und reifen.
    Das menschliche Gehirn ist nicht gut darin mit zu vielen Informationen gleichzeitig zu jonglieren und die Aufmerksamkeit darauf zu richten. Ideen aufzuschreiben ermöglicht es, immer wieder draufzuschauen und diese schrittweise zu überarbeiten und zu verbessern.

  • Der Kopf wird frei.
    Das ist das bekannte Prinzip aus David Allens Getting Things Done. Wir schreiben Dinge auf, um den Kopf frei zu bekommen und nicht ständig daran denken zu müssen, dass da doch noch etwas war. Ein freier Kopf wiederum bietet Raum für Kreativität.




Grundsätzlich ist es egal welches Notizbuch Sie nutzen, ich empfehle ein hochwertiges Notizbuch, bei dem Sie Lust verspüren, es zu nutzen. Ich persönlich nutze gerne das X17 System.
Dieses modulare Notizbuch hat folgende Vorteile:

  • Man kann mehrere Notizbücher in einem haben.
    Ich nutze ein "Buch" für meine Todos und spontane Ideen und ein weitere Buch in dem ich spezifische Ideen ausdetailliere und weiterentwickle.

  • Man tauscht nur die Einlegeblätter aus, nicht das ganze Buch
    Unterschiedliche Notizbücher können zu unterschiedlichen ausgetauscht.

  • Ein vollgeschriebene Seite kann durch eine Perforation sehr einfach herausgetrennt werden, so dass nur noch die Info im Buch steht, die ich auch wirklich noch benutzen möchte.

  • Im Gegensatz zu den Moleskine Büchern ist X17 wirklich langlebig und stabil

Ich empfehle ein Notizbuch das so groß ist, dass Sie es wirklich immer dabei haben können. Ich benutze ein DIN A5 Buch, das für die meisten wohl zu groß ist, allerdings kann ich in dieses Buch auch Notizen in Mind-Mapping-Form anlegen.

Geschäftsideen entwickeln und Entrepreneur werden

Sonntag, 17. Januar 2010

Auf dem Blog des Labor für Entrepreneurship findet sich eine toller Vortrag von Prof. Yunus anlässlich des Citizen Entrepreneurship Workshops in Berlin.
Seine Botschaft: every human being can be an entrepreneur. Statt den immer weniger werdenden Jobs hinterherzulaufen und sollten wir mehr Energie darauf verwenden, etwas eigenes zu schaffen.

Auch Günter Faltin, der Gründer des Labors für Entrepreneurship, zeigt in seinem Buch Kopf schlägt Kapitel eindrucksvoll, wie im Zeitalter des Internet und hochspezialisierter Dienstleister, jeder mit geringem Kapital zum Entrepreneur werden kann.

Beide betonen, dass die Idee zentral ist und es weniger um betriebswirtschaftlichen Kenntnisse geht. Diese werden erst zu einem späteren Zeitpunkt relevant und dann kann man diese bei Bedarf zukaufen.

Worauf kommt es beim Entwickeln einer Geschäftsidee an?
Immer wieder finde ich folgende Punkte:

  • man muss sich seiner Stärken bewusst sein
  • man muss wissen, was man "wirklich wirklich will", was einem Sinn und Freude bereitet
  • man muss in der Lage sein, eine erste Idee beharrlich weiter zu entwickeln, bis hin zu einer umsetzbaren Lösung.
Alles wichtige Kompetenzen, die in unserem Erziehungssystem nicht vermitteln werden.

Das Problem in kleine Häppchen aufteilen


Im Moment bin ich wieder einmal in China. Neben meinen Kreativitätstrainings und der Moderation von Innovationsworkshops habe ich die Gelegenheit, einem Bekannten bei seinem Gründungsvorhaben zu helfen. Ähnlich, wie bei den Teilnehmern der Akademie für Visionautik fällt mir in meinen Coachings dabei immer wieder auf:
  • Das Problem ist oft so breit bzw. so schwammig, dass nicht klar ist, wo man beginnen soll, bzw. in welcher Reihenfolge man die Einzelbausteine bearbeiten soll
  • Bei der Entwicklung von Ideen wird zu schnell bewertet und eingeschränkt. Es muss ja schließlich "realistisch" sein.
Auch für Einzelcoaching nutze ich das Creative Problem Solving Verfahren. Dabei können wir beide Barrieren durchbrechen:
  • Mit Hilfe der Technik des Challenge Mapping, lässt sich ein schwammiges Problem schrittweise untersuchen, bis bearbeitbare Kernfragen gefunden werden.
  • Durch den Einsatz von kreativen Prinzipien und die systematische Trennung von Entwickeln von Optionen und Bewerten von Optionen lassen sich schrittweise "realistische" Möglichkeiten entwickeln, die vor nicht denkbar (am wahrsten Sinne des Wortes) waren.

Dokumentation einer Unternehmensgründung


Zusammen mit einem Partner befinde ich mich gerade in einem Gründungsprozess für ein kleines Unternehmen. Natürlich haben wir uns bei der Entwickelung unserer Geschäftsidee eines systematischen kreativen Problemlöseprozesses bedient. Ich bin sicher, dass dieses Vorgehen jedem dabei helfen kann, von einer vagen Idee zu einem konkreten Vorhaben zu kommen. Sobald unsere Website live ist, werde ich die Dokumentation unseres Gründungsprozesses hier auf dem Blog veröffentlichen.

Innovationskultur - Die Kreativität des Menschen im Mittelpunkt

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn man bei Google zum Thema Innovation sucht fällt auf, dass das Stichwort Innovationsmanagement wesentlich mehr Ergebnisse liefert und auch stärker nachgefragt wird als das Stichwort Innovationskultur. Auch die Autoren des Buches "Innovationskultur: Vom Leidensdruck zu Leidenschaft" Jürgen Jaworski und Frank Zurlino sind der Auffassung, dass Unternehmen dem Thema Innovationsmanagement sehr viel Aufmerksamkeit schenken, der Frage der Innovationskultur meist zu wenig.
Im Gegensatz zu den mechanischen und gut fassbaren Methoden und Hilfsmitteln des Innovationsmanagements sei Innovationskultur ein weiches Thema, das wesentlich schwerer zu fassen sei und daher gern vernachlässigt werde.

Nach Meinung der Autoren entsteht Innovation nicht durch das mechanische Anwenden von Methoden des Innovationsmanagements. Diese seien zweifelsohne wichtig, jedoch alleine nicht ausreichend. Ein Ideenmanagementsystem alleine nütze wenig, wenn niemand Interesse daran zeige, auch Ideen dort einzubringen. Doch genau so sieht die Situation leider oft aus.

Innovationskultur - mühsam entwickelt schnell zerstört


Die Krux mit der Innovationskultur ist, dass diese nur langsam und mühsam entwickelt werden kann. Ich habe vor einigen Monaten über das Beispiel Rich Products berichtet, die nach eigenen Aussagen in Hinblick auf Ihre Innovationskultur einen 10 jährigen Entwicklungsprozess hinter sich haben.

Leider ist die Innovationskultur nach Jaworski und Zurlino ein sensibles Pflänzchen, dass sehr schnell wieder zerstört werden kann, z.B. durch Sanierungs-und Restrukturierungswellen oder auch übertriebenes Trimmen auf Effizienz, wie z.B. in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Verordnen kann man eine Kultur nicht, sondern diese muss gelebt werden: "Damit rangiert das Thema Innovationskultur weit vor der reinen Verbesserung von Innovationsprozessen und -strukturen. Dingen also, die in den meisten Unternehmen bereits in dicken Handbüchern beschrieben sind, meist auch gar nicht so schlecht. Nur sie werden nicht "gelebt". Und damit verpuffen diese gut gemeinten Ansätze." S. 20
Dieses "leben" beinhaltet meist ein langsames Ändern von Einstellungen und Verhaltensweisen, darum dauert es auch eine Zeit, bis eine kritische Masse an Menschen erreicht ist, die es vorleben und andere mitnehmen.

Woran man Innovationskultur erkennt


Es gibt nach den Autoren des Buches keine Schablone, die man auf alle Unternehmen stülpen könne, das Innovationskultur ein Teil der Unternehmenskultur ist, muss diese zum Unternehmen passen und sich aus dieser entwickeln. Im Buch "Innovationskultur" wird ein 9 Stufen Prozess beschrieben, wie es gehen könnte.

Artefakte einer Innovationskultur sind z.B. interdisziplinäre vernetzte Teams, der zunehmende Einbindung von Externen in den Innovationsprozess (open innovation), Freiräume für die Mitarbeiter, um Ideen zu entwickeln und voranzutreiben. Trotz alledem müsse es trotzdem klar definierte Innovationsprozesse (Stichwort: Innovationsmanagement) geben, um die Kreativität zu kanalisieren.

Aus meiner eigenen Erfahrung mit Kunden die ein Kreativitätstraining besucht haben, das als ein Baustein zur Schaffung einer Innovationskultur genutzt werden kann, hat sich etwas wirklich etwas verändert, wenn es in der täglichen Arbeit weniger "Ja, aber"-Phrasen gibt, die Menschen sich mehr auf Potenziale, denn auf Schwierigkeiten konzentrieren und Probleme nicht als unverrückbare Aussage formuliert werden, sondern als "Wie könnte...?"-Frage gestellt werden.

Prozesse für die Kreativität der Menschen


Hier glaube ich persönlich, gibt es dann doch wieder eine wichtige Verbindung zwischen Methoden und Prozessen und der Kultur der Kreativität. Wenn Methoden (ich spreche von Prozessen der kreativen Problemlösung und Kreativitätstechniken) richtig eingesetzt werden, stecken hinter diesen Vorgehensweisen Grundprinzipien der Kreativität, die von den Menschen nicht nur theoretisch verstanden werden müssen, sondern auch akzeptiert und gelebt werden müssen. Der Einsatz von expliziten Vorgehensweisen, wie ich diese in meinen Kreativitätstrainings vermittle wiederum kann dazu führen, dass die dahinter stehenden Prinzipien internalisiert und gelebt werden können, auch deshalb weil die Menschen erleben, dass das Vorgehen Mehrwert bietet.

Wege zum glücklicheren Leben

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist ja bekanntlich eine Zeit, in der wir alle hoffentlich ein wenig zur Ruhe kommen und etwas Abstand und Perspektive zum geschäftigen Alltag finden. Es ist auch die Zeit, in der viele Menschen das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen und Ziele für das kommende Jahr festlegen. Vielleicht machen auch Sie sich in diesen Tagen Gedanken, was wirklich wichtig ist in Ihrem Leben, welche Dinge Sie noch erreichen oder tun möchten. Egal, wie die persönlichen Ziele von jedem einzelnen aussehen, eines haben wir laut der positiven Psychologie alle gemeinsam: Wir wollen ein glückliches und zufriedenes Leben führen.

Wie ich aus dem phantastischen Buch happier von Tal Ben-Shahar gelernt habe, ist Glück nicht absolut zu sehen (ich bin glücklich oder unglücklich), sondern ist ein relativer Zustand, der sich immer steigern lässt. Ich kann glücklicher sein (daher der Titel des Buches) als ich es vor einem Jahr war.
Was Glück ist, wird jeder anders beantworten; ich möchte Ihnen ein Denkwerkzeug / eine Kreativitätstechnik vorstellen, die Ihnen helfen kann, auf systematische und kreative Weise der Frage näher zukommen, was die Kernfragen für Ihr glücklicheres Leben sind.

Mit einer Kreativitätstechnik Schlüsselfragen für das glückliche Leben identifizieren


Ich behaupte, dass ich von jedem Problem zum sogenannten "glücklichen Leben Dilemma" komme. Picken Sie sich irgendein beliebiges persönliches Problem / eine Herausforderung heraus und fragen Sie ein paar Mal "Wozu / warum möchte ich dieses Problem lösen?" nach einigen Wozu / warum-Fragen wird die Antwort lauten: "Weil ich ein glückliches Leben führen möchte."

Beispiel: Englischkenntnisse verbessern
Nehmen wir an, Sie möchten Ihre Englischkenntnisse verbessern: "Wie könnte (WK) ich meine Englischkenntnisse verbessern?" Nun frage ich Sie: "Wozu möchten Sie Ihre Englischkenntnisse verbessern?" Eine Antwort könnte nun lauten: "Weil ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern möchte." Als Problemfrage formuliert lautet das dann: "Wie könnte (WK) ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern?"
Diese Frage ist bereits etwas abstrakter oder breiter als die Frage nach den Verbesserungsmöglichkeiten für die Englischkenntnisse und könnte neben dem besseren Englisch noch andere Punkte enthalten. Wenn ich nun noch einmal paar Mal "Wozu/ Warum...?" frage, wird die Antwort irgendwann lauten "Weil ich ein glückliches Leben führen möchte". Ein durchexerziertes Beispiel(!) zeigt Bild 1. Es zeigt eine Art Leiter der Abstraktion vom spezifischen Problem zu einer immer breiteren und abstrakteren Problemformulierung. Die Frage nach den Englischkenntnissen ist also ein Baustein zu einem glücklicheren Leben in diesem Beispiel. Die Frage ist nur, ob die Beantwortung der Englisch-Frage zu Ihren Prioritäten zählen sollte, oder ob es nicht andere Fragen gibt, die wesentlich wichtiger sind.
Das wollen wir im nun herausfinden.

Im creaffective Kreativitätstraining rate ich den Teilnehmern davon ab, Problemfragen auf solch abstraktem Niveau, wie der Frage nach dem glücklichen Leben, zu wählen. Meist ist das zu breit. Ab und zu, zum Beispiel in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, kann es sehr sinnvoll sein, mit dieser grundlegensten aller Fragen zu beginnen. Das Entwickeln von Lösungsideen wird aber wohl trotzdem auf einem konkreteren Level statt finden müssen.

Prinzipien der Kreativität einsetzen


Eine sehr hilfreiche Kreativitätstechnik zur Klärung und Definition von Problemfragen ist die Technik des Challenge Mapping (dazu habe ich bereits einige Artikel geschrieben). Diese Kreativitätstechnik arbeitet damit, (1) ausgehend von einer Frage diese breiter zu formulieren, durch die Frage "Wozu / warum willst du ...?" und (2) ein Problem enger zu fassen, durch die Frage "Was hält dich davon ab ...?"
Diese beiden Fragen kann ich zu jedem beliebigen Problem mehrmals stellen und so eine Art Netz des Problemrahmens entwickeln (konkreter nach unten und abstrakter nach oben). Bild 2 zeigt mein persönliches Netz (Details unlesbar) zur Frage des glücklichen Lebens.

So geht es:
  1. 1. Beginnen Sie mit der Frage: "WK ich ein glücklicheres Leben führen?" und fragen Sie nun "Was hält mich davon ab?"
  2. Formulieren Sie eine Antwort z.B. "Ich habe zu wenig Zeit für meine Familie."
  3. Formulieren Sie diese Antwort nun wieder als "Wie könnte...?"-Frage also im Beispiel "WK ich mehr Zeit für meine Familie haben?"
  4. Stellen zu jeder Frage mehrmals die "Was hält mich davon ab...?"-Frage und entwickeln Sie das Netz somit nach unten und die Breite, indem Sie die Schritte 2. und 3. wiederholen.




In der Anwendung in einem Innovationsworkshop oder einem Strategieworkshop ist die Technik noch etwas komplizierter und aufwändiger, da wir durch Rückfragen immer wieder prüfen müssen, ob die Logik des Netzes stimmig ist.
So entsteht ein breites Netz an Problemformulierungen, die alle mit Ihrem Oberthema des glücklichen Lebens zusammen hängen.
Getreu den Prinzipien der Kreativität sollten Sie das Netz erst einmal entwickeln und dann entscheiden, welche Schlüsselfragen Sie mit Priorität beantworten müssen, um Ihrem Oberziel des glücklichen Lebens näher zu kommen (In Bild 2 sind diese gelb markiert). Ich erlebe es in meinem moderierten Workshops fast immer, dass sich durch diese Technik der Problemfokus verschiebt und sich anders gelagerte Kernfragen herauskristallisieren. Der große Mehrwert der Kreativitätstechnik des Challenge Mapping liegt darin, dass sie hilft, bewusst zu entscheiden, auf welche konkrete Frage ich meine Energie konzentrieren sollte und damit vermeide viel Zeit und Energie mit der Lösung eines Problems zu verbringen, dass eigentlich unwichtig oder Zeitverschwendung ist.

Für mich persönlich lautet eine dieser Schlüsselfragen "WK ich mehr Arbeit abgeben?". Eine Antwort ist, dass ich im kommenden Jahr viele Aufgaben an Assistenten abgeben werde. Die Lösung dieses Problems beeinflusst nach meiner Auffassung eine Reihe von abstrakteren Fragestellungen meines Challenge Maps, die über 5 Ebenen zum glücklicheren Leben führen. Wichtig bei diesem Vorgehen ist wieder, dass ich mir im Sinne eines kreativen Problemlöseprozesses erst Antworten überlege, wenn ich mir sicher bin, die richtige Frage formuliert zu haben.

Seien Sie Batman, nicht Superman – Wege zu mehr Kreativität und Innovation

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wir allen kennen die beiden Comic Helden, Batman und Superman. Beide retten ständig ihre jeweilige Welt und sind den "normalen" Weltbewohnern in ihren Fähigkeiten überlegen.
Was unterscheidet die beiden?
Superman ist was er ist aufgrund seiner übernatürlichen Kräfte. Das kann ihm niemand nachmachen.
Batman ist ein ganz normaler Mensch, der mit Hilfe einer Vielzahl technischer Unterstützer seine Taten vollbringt. Jeder könnte, wenn er Zugang zu diesen Hilfsmitteln hätte, ein Batman sein und das gleiche vollbringen.

aufgenommen von nhussein
http://www.flickr.com/photos/nhussein/3416854920/

In Hinblick auf Kreativität ist jeder ein Batman


Gregg Fraley machte auf seinem TEDxNasa Vortrag diesen schönen Vergleich. Jeder kann Kreativität leben, kreativ denken und in seiner Tätigkeit kreativ sein.
Die Grundlage dafür das leben der kreativen Grundprinzipien, die Trennung zwischen Entwickeln und Bewerten und das zurückhalten vorschneller Beurteilung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die technischen Hilfsmittel zu denen jeder Mensch Zugang hat. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um Prozesse der kreative Problemlösung wie Creative Problem Solving, TRIZ und Synectics und dem bewussten Einsatz von Kreativitätstechniken.



Genau diese Elemente sind Kern von Kreativitätstrainings und kommen zur Anwendung in meinen Innovationsworkshops.
Wie sagte es Gregg so schön: Innovation ist in Flaschen abgefülltes Wasser. Kreativität ist die Quelle aus der das Wasser kommt.

Kreativitätstraining

Samstag, 19. Dezember 2009

Neulich wurde ich wieder einmal mit folgender Aussage konfrontiert: Kreativ ist man oder ist man nicht, aber lernen kann man das nicht. Daher ist es mir schleierhaft, was man in einem Kreativitätstraining macht.

Definition: Kreativität ist die Fähigkeit ein materielles oder immaterielles Produkt hervorzubringen, das nützlich ist.
Ein Produkt kann dabei alles mögliche sein, ein Bild, eine Theorie oder eine Maschine. Für wie viele Menschen es nützlich sein muss, ist in meiner Definition nicht festgelegt. Hier gibt es in der Kreativitätsforschung unterschiedliche Auffassungen.
Worüber absolute Einigkeit besteht ist die Tatsache (!), dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die trainiert und verbessert werden kann und die nur zu einem geringen Teil von Veranlagung abhängt. Jeder Mensch, der über normale Intelligenz verfügt hat das gleiche Potenzial kreativ zu sein.

Was passiert in einem Kreativitätstraining?


Trainer, die ein Kreativitätstraining anbieten, gibt es viele. Auch das Verständnis von Kreativität und was in einem Kreativitätstraining passiert ist sehr unterschiedlich. Viele bieten, wie das Handelsblatt kürzlich verächtlich geschrieben hat "Trommelworkshops" an und verkaufen das dann als Kreativitätstraining.
Diese Art von Kreativitätstraining hat sicher auch ihre Berechtigung. Wenn es um Kreativitätstrainings für Organisationen und Unternehmen geht, wird sich dadurch jedoch sicherlich kein kreativer Output (im Sinne der obigen Definition) in der Organisation einstellen.
In einem viel beachteten Buchbeitrag aus dem Jahr 1994* hat Min Basadur die bis heute relevanten Faktoren zusammengetragen, die es benötigt, damit ein Kreativitätstraining Wirkung in einer Organisation entfalten kann, damit also die Menschen kreativ im Alltag handeln und es in ihre Arbeit übertragen.
Auf diesen Faktoren bauen das Kreativitätstraining von creaffective auf:

Vermittlung der Grundprinzipien von Kreativität


Die Grundlage der Kreativität ist die Trennung von zwei Prinzipien im Denken:
  1. dem Entwickeln von Optionen
  2. dem Bewerten von Optionen. Im Kontext der Ideenfindung spricht man von Ideen finden und Ideen bewerten.

Kreativität ist jedoch mehr als Ideen entwickeln. Die Ideenentwicklung ist nur ein Teil eines Kreativprozesses (siehe unten). Deshalb spricht man auch von zwei Arten des Denkens, dem divergierenden und dem konvergierenden Denken.
In einem Großteil der Besprechungen, die ich beobachte, findet diese Trennung nicht statt. Statt dessen laufen "ja, aber" - Runden ab, die meist langwierig und unproduktiv sind.
Wie Basadur herausgearbeitet hat, geht es nicht nur darum, dass Menschen diese Trennung von divergierendem und konvergierendem Denken theoretisch verstehen, sondern diese auch akzeptieren - indem sie im Training erleben, dass man dadurch schneller zu besseren Ergebnissen kommt – und diese dann auch im Alltag praktizieren.

Kreativitätstechniken


Auch wenn die Grundprinzipien der Kreativität beachtet werden, ist es oft trotzdem schwer, eingefahrene Denkbahnen zu verlassen und neue Sichtweisen auf Fragestellungen zu bekommen oder neue Ideen zu entwickeln. Dazu gibt es praktische Helferlein, Kreativitätstechniken oder Denkwerkzeuge. Diese können einem Individuum oder einer Gruppe helfen das Denken zu strukturieren und kreativ zu denken, z.B. dadurch, dass Denkrichtungen vorgegeben werden.





Einsatz eines Kreativprozesses


In einem Kreativitätstraining ist den Teilnehmern nicht geholfen, wenn der Trainer Ihnen an einem Tag 15 Kreativitätstechniken unsortiert um die Ohren haut. Dann passiert das, was mir ein Kunde zu Beginn eines meiner Trainings berichtet hat: "Nach dem damaligen Training waren wir noch verwirrter als vorher. Das möchte ich in diesem Training vermeiden."
Kreativität folgt einem Prozess bzw. ist ein Prozess! Dieser implizite und vielen Menschen nicht bewusste Prozess muss, besonders in Gruppen, explizit gemacht werden. Dazu gibt es Modelle der kreativen Problemlösung, wie Creative Problem Solving, Design Thinking und TRIZ-Modelle, die sich alle ähneln und denen man sich orientieren kann.
Grob vereinfacht kann man sagen, dass alle Modelle einen Kreativitätsprozess als einen Problemlöseprozess begreifen, der sich in die drei große Elemente einteilen lässt:
  • Problemfindung / Problemdefinition
  • Problemlösung
  • Lösungsimplementation
Auch die Arbeit eines Bildhauers kann man so darstellen!

Der Einsatz solcher expliziter Verfahren sorgt dafür, dass sich Menschen bewusst werden, wo innerhalb eines Kreativprozesses sie sich befinden. Die Modelle geben auch Hinweise, wann welche Kreativitätstechnik zum Einsatz kommt und sie strukturieren den Denkprozess einer Gruppe und helfen, qualitative Ergebnisse zu erzielen.
Im creaffective Kreativitätstraining für viele Teilnehmer neu ist der Aspekt, dass die oben genannten Prinzipien der Kreativität nicht nur bei der Problemlösung zum Einsatz kommen, sondern in allen drei Elementen eines Kreativprozesses, also auch bei der Problemdefinition und der Planung der Umsetzung einer Lösung.
Basadur drückt es so aus: "Thus, the notion is that it is not sufficient to merely "solve" a problem creatively. Creativity must also be applied to the implementation of a solution and to the discovery of the problem in the the first place." (S. 239)

Zwei weitere Faktoren üben einen Einfluss auf den Effekt von Kreativitätstrainings aus.
  1. Die Dauer: Wissenschaftlich lässt sich keine optimale Dauer bestimmen. Es hat sich nur gezeigt, dass es mindestens einen Tag benötigt, um die oben genannten Elemente ausreichend zu üben und damit nicht nur für das Verständnis, sondern auch für die Akzeptanz zu sorgen. Ein zweistündiges Kreativitätstraining ist also definitiv zu kurz.

  2. Die Teilnehmer: Wenn es sich um für offene Trainings in einer Organisation handelt, ist es wichtig mit den Führungskräften zu beginnen. Wenn das Training einen Effekt über das Individuum hinaus haben soll, dann bedeutet dies einen Kulturwandel innerhalb einzelner Teams. Ein Kulturwandel ist ein Prozess, der von oben nach unten statt findet. Daher sollten in einem offenen Kreativitätstraining zuerst Menschen mit Führungsverantwortung im Training sitzen. Eine andere Alternative ist ein Kreativitätstraining für ein ganzes Team, dass danach auch so weiter zusammen arbeiten wird.
Um wieder zum Anfang zu kommen: Kreativität kann man bewusst verbessern. Dafür kann ein Kreativitätstraining sinnvoll sein, besonders in einem Organisationskontext. Damit diese eine positive Wirkung haben können, müssen diese auf den obigen Grundlagen aufbauen.


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